Der Sattelzug

Nachdem sie im Ort noch aufgetankt hatten fuhren sie auf die Autobahn auf und hatten Salzburg bald einmal passiert. Auch der Chiemsee flog bald an ihnen vorbei und es war nicht mehr weit in die Werkstatt. "Ricarda ich bin gespannt was dein Auto macht, wenn wir eine neue Batterie einsetzen. Und die Alte, die nehmen wir mit! Die zerlege ich. Ich will das unbedingt wissen, was dich da heimgesucht hat." - "Peter, mit jeder Stunde die vergeht, verblasst meine Erinnerung an dieses Erlebnis, obwohl ich sonst ein sehr gutes Gedächtnis habe! Vielleicht deshalb, weil ich diese Nacht vergessen wollte! Ich konnte mich erst in deinen Armen beruhigen, Peter. Und damit hat für mich ein Leben angefangen, dass mir deutlich besser gefällt! Ich habe nie gewusst, dass ich so auf Körperkontakt stehe, aber wenn du mich loslässt, fühle ich mich nackt! Ich weiß, das klingt verrückt, aber ich liebe es einfach, deine Nähe, noch lieber dich selbst zu spüren." - "Das ist keine Krankheit, Liebling! Das geht mir genauso. Ich hab das Problem, dass ich immer ein sorgloser Mensch war, weil eigentlich fast immer allein. Jetzt, wo ich so glücklich bin, hab ich ständig Angst, dich zu verlieren. Das wär das Schlimmste...!" - "Peter, du brauchst keine Angst zu haben. Ich geb dich nicht her!" Sie drückte seine Hand, die sie wie immer "beschlagnahmt" hatte, um ihren Worten Gewicht zu verleihen. Schließlich waren sie angekommen.

Der Meister, mit dem Peter schon am Anfang telefoniert hatte, zeigte sich versöhnlich. Er konnte durchaus seiner Argumentation folgen, dass Ricarda nicht dafür konnte, dass die Werkstattfahrzeuge liegengeblieben waren. Die Preisgestaltung hatte nach normalem Tarif zu erfolgen.  Der Meister wies einen AZUBi an, die alte Batterie in Peters Mercedes zu verbringen und anschließend eine neue einzubauen. Dem Prozedere wohnten sie gemeinsam bei. Ricarda stieg in den Golf und startete ihn. Er sprang sofort an und alle Systeme funktionierten einwandfrei. Peter bat den Meister, er möge persönlich noch eine Probefahrt machen, was dieser auch tat. Als er zurückkam, stieg er aus und meinte: "Herr Handl, Ich weiß wirklich nicht, was da los war. Ich hab nicht die geringste Ahnung, er läuft jetzt ganz normal. Die Klimaanlage sollte vielleicht einmal nachgefüllt werden, aber das reicht in drei, vier Monaten, wenn es wieder warm wird auch noch."
Peter zog seine Geldbörse und reichte dem Meister fünfzig Euro. "Spendieren sie damit ihren Leuten eine Jause, die Rechnung begleiche ich vorne an der Kasse. Es tut mir leid, dass sie solche Probleme, mit dem Wagen hatten! Wir hatten keinen Einfluss darauf." Der Meister bedankte sich und erzählte von den Polizisten. Vor Allem nach dem Telefonat mit Peter, waren sie ziemlich aufgebracht gewesen, mussten aber einsehen, dass hier kein schuldhaftes Verhalten vorlag. Sie waren nur nicht gewohnt gewesen, so eiskalt abgefertigt zu werden. "Eins muss man ihnen lassen, Herr Handl: So sympathisch wie sie heute rüberkommen, waren sie bei unserem Telefonat wirklich nicht. Aber sie waren im Recht!" Er reichte Peter die Hand und gab dann dem AZUBI den Fünfziger. "Wenn heute die Jause kommt, bezahlst du damit für alle! Den Rest darfst du dann behalten." 

Peter zahlte an der Kasse die Rechnung und die Beiden fuhren wieder Richtung Salzburg. Ricarda fuhr vor und würde in Salzburg abfahren. Peter würde mit ihr im Europark einkaufen gehen, denn Ricarda hatte fast ihre ganze Garderobe bei den Niemeiers gelassen, als sie deren Haushalt fluchtartig verlassen hatte. Sie gingen noch kurz Mittagessen und streiften dann ungezwungen durch den Einkaufspark und kauften dann sowohl für Ricarda,  als auch für den Haushalt ausgiebig ein. Gegen drei Uhr Nachmittags, traten sie den Heimweg an. Ricarda fuhr wieder vor. Als sie von der Autobahn abfuhren waren sie auf der Hauptsraße etwa 50 Meter voneinander entfernt. Ricarda sah, dass ein Lastzug von der nächsten Abfahrt mit hohem Tempo auf die Hauptstraße zukam Sie kam gerade noch daran vorbei. Sie sah im Rückspiegel, dass er auf die Straße rollte und dass er ruckte und in der Mitte etwas anstieg, bevor er quer über die beiden Fahrbahnen zum Stehen kam. Ihr war, als bliebe ihr Herz stehen!
Peter war etwa 50 Meter hinter Ricarda, als der Sattelzug beängstigend schnell die Abfahrt herunterkam. "Scheiße, Mädchen gib Gas!" Schrie er noch, während er schon voll auf die Bremse trat. Ein lauter Knall, Glas splitterte, doch da hatte der Airbag schon ausgelöst...

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