Der Tag danach

Gegen halb Zwei fuhren die beiden Autos, die auf der ganzen Strecke zusammengeblieben waren von der Autobahn ab. Rupert hupte noch kurz und verschwand in die andere Richtung. Ricarda und Peter wollten nur noch heim. Wie immer Händchen haltend fuhren sie die letzten Meter zu Peters Haus. Dort wartete eine Überraschung auf sie. Ricardas Golf stand vor dem Haus, glänzend und unbeschädigt. Der Schlüssel lag im Briefkasten, auf dem Fahrersitz lag eine Nachricht. Neugierig öffnete sie den Umschlag. Es stand nur ein Wort auf dem Papier: Spasibo! - Danke! 

Später lagen sie im Bett und schauten sich an. "Du bist einfach zu dem ins Auto gestiegen, obwohl du genau wusstest, dass das ein "Oneway-Ticket" war? Ich meine, dir muss doch klar gewesen sein, als er mich nicht mitbrachte, dass er uns nicht freilassen würde, oder?" - "Es war meine einzige Chance, zu dir zu kommen! Ich konnte dich doch nicht einfach alleine lassen! Du bedeutest mir sehr viel, Ricarda, mehr, als ich dir sagen kann!" Peters Stimme war leise und nachdenklich geworden bei den letzten Worten. "Ich glaube man sagt dazu, jemanden über Alles zu lieben..." Ricarda schmiegte sich ganz eng an ihn. "Mach das Licht aus, Peter. Und lass mich ja nicht los heute Nacht... Ich liebe dich!"


Am Morgen erst begannen die beiden zu begreifen, dass die Gefahr vorüber war. Sie genossen die Zweisamkeit und frühstückten lange und genüsslich. Ricardas Handy piepte, eine SMS war eingegangen. Sie sah nach und Peter bemerkte sofort ihren Gesichtsausdruck. "Was ist los, Schatz." - "Niemayer! Bitte erschrecken sie nicht! Bitte erlauben sie mir, sie anzurufen! Was soll ich tun?" - "Das mußt du wissen, Liebes!" Ricarda drückte ein paar Tasten. Peter wagte nicht zu fragen. Das Handy läutete, sie ging sofort ran. "Guten Morgen Frau Bachler. Bitte seien sie nicht ungehalten, mein Anruf ist ehrlich gemeint und zu ihren Gunsten!" - "Das heißt" - "Da sie sich noch nicht gemeldet haben, gehe ich davon aus, dass sie mich einfach nicht mehr sehen können, was ich verstehe! Der Vorfall tut mir jetzt wirklich leid und ich habe mir was überlegt. Ich lasse ihnen ihre Sachen von einer Spedition an die von ihnen gewünschte Adresse bringen. Dazu bekommen sie eine Bestätigung für die einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses aus persönlichen Gründen mit einem sehr guten Zeugnis. Da sie um ihre Arbeit gekommen sind, und die Firma nichts drauflegt, würde ich ihnen dreitausend Euro quasi als Aufwandsentschädigung aus meiner Kasse zahlen und wenn sie einverstanden wären, würde ich ihnen auch die Kaution vorstrecken, wenn sie mir im Gegenzug eine Vollmacht erteilen, dass ich für sie den Mietvertrag stornieren und die dann ausgezahlte Kaution behalten darf. Ich möchte mich nochmals in aller Form bei ihnen entschuldigen. Ich hoffe sie sehen an meinem Versuch, ihnen entgegen zu kommen, dass es mir Ernst ist! Überlegen sie es sich bitte, Frau Bachler. Und bitte nehmen sie meine Entschuldigung an!" - "Da gibts nichts zu überlegen, Herr Niemayer. Außer diesem verdammten Vorfall habe ich nur gute Erinnerungen an sie. Ich bin einverstanden. Schreiben sie sich die Adresse auf..."

Kaum zu glauben, wie schnell sich Probleme oft von selbst lösen. Probleme, von denen man nicht geglaubt hatte, sie jemals wirklich los zu werden.

"Es ist Samstag Liebling, wir sollten zum Einkaufen fahren." - "Ja Peter und bald hab ich auch wieder selber Geld." - "Hast du dir schon überlegt, was du in Zukunft machen möchtest?" - "Wie war das neulich mit deiner Buchhaltung? Steht das Angebot noch?"  - " Ich hatte schon Angst du suchst dir eine andere Arbeit mit einem gutaussehenden Chef und so..." - "Ach Peter, glaubst du wirklich, ich könnte einfach einen Anderen lieben...?"


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