Ein paar Worte vorweg. Ich fahre wirklich nicht oft mit Bus oder Bahn, da ich ein wunderschönes kleines schwarzes Auto mein Eigen nenne. Eigentlich könnte ich jetzt über die vielen Vorteile schreiben, die ein Auto zu bieten hat, aber heute soll es um das Gegenteil gehen.
Es gibt immer wieder Leute die gerne haben, dass ich mich einmal in der Woche in die Gesellschaft von hundert anderen Menschen begebe um von einem Ort zum anderen zu gelangen. (Abgesehen davon, dass Parkplatzsuche extrem schwierig ist.) Heute war es wieder soweit und ich habe viel erlebt.

Lustiger weise bin ich bereits an dem Versuch gescheitert eine Fahrkarte zu kaufen. Als ich dem freundlichen Busfahrer mein Geld entgegenstreckte und meinen Wunsch äußerte sagte er: "Gibt es heute nicht." Erst dachte ich, er wolle mich veräppeln. In Berlin wäre diese Art von Humor wirklich nicht ungewöhnlich, dann sah ich aber das seine Kasse wohl defekt war. Er entschuldigte sich und ich fuhr ohne Fahrkarte weiter.
Am U-Bahnhof angekommen, organisierte ich mir natürlich gleich ein Ticket. Schwarzfahren ist schließlich böse (und kostet unnötig Geld). Da wartete allerdings schon wieder etwas besonderes auf mich. Auf der Anzeige leuchtete mir das Wort SCHIENENERSATZVERKEHR entgegen.  Es gibt wenig, dass so nervig ist wie das. Für einen anderen Weg war allerdings keine Zeit, also auf in die Bahn und dann der Menge gefolgt. Menschen sind wirklich Herdentiere, die alle zuerst am Wasserloch sein wollen. In diesem Fall war das Wasserloch gelb, mit Fahrer und viel zu klein für alle. Es wird geschoben und gedrängelt, aber sie schaffen es nicht sich gleichmäßig zu verteilen. Auch ich konnte einen der begehrten Stehplätze ergattern und das musste ich, da mein Zeitplan etwas in Gefahr war, sonst hätte ich gewartet. Eine Dame die ich fragte wieviel länger wir nun fahren, sagte nur: "Och so 10 bis 15 Minuten mehr. Aber ab morgen ist Schluss damit, aber das bringt ihnen natürlich heute nichts." Ein netten Grinsen und ein dämliches von mir zurück. Danke für das Gespräch!
Zehn qualvolle Minuten später war ich wieder an einem U-Bahnhof angelangt. Wieder der Herde hinterher in die nächste Bahn und etwas durchschnaufen. Busfahren ist nicht wirklich mein Ding, mein Magen sieht das auch jedes Mal so. Termin schaffe ich noch, obwohl der richtige Ausgang an meiner Zielstation gesperrt ist und ich mich noch über eine Kreuzung kämpfen muss. Eine Stunde durchatmen.

Auf dem Rückweg ist die kleine Clayra natürlich schlauer gewesen. In der Hauptstadt führen viele Wege zurück nach Hause, aber sicher nicht wieder über den Ersatzverkehr mit Bussen. Rein in die U-Bahn und eine Station fahren, zehn Minuten Treppe hoch und runter bis zum S-Bahnsteig. Irgendwo fährt hier auch ein Regionalzug der etwas schneller wäre, doch mir ist absolut schleierhaft wie man zu diesem Gleis kommt, obwohl man ihn von den anderen Gleisen sehen kann. Verrückte Stadt in der ich lebe.

Die von mir ausgewählte S-Bahn fährt ein und ich finde einen Sitzplatz. Nur wenig zugemüllt, ein paar Zeitungen. An anderen Stellen liegen Bierflaschen, obwohl ich glaube, dass das Trinken von Alkohol tendenziell verboten ist in den Zügen der S-Bahn aber ich kann mich täuschen. Die Fahrt verläuft ereignislos was diese Tage wirklich ungewöhnlich ist. Es ist unter null Grad, da friert hier jede Weiche ein. Manchmal schließen aber auch Türen nicht richtig. Ein Klassiker ist auch, ein Koffer der an einem Verkehrsknotenpunkt zurückgelassen wird. Daraufhin sperrt man ja gleich den Bahnhof für den gesamten Zugverkehr. Aber heute? Nein die S-Bahn rollt. Süß war allerdings das ältere Paar, das mir gegenüber saß. Sie machten es sich gemütlich und zückten jeder ein E-Book und begannen zu lesen, während sie sich bei der Hand hielten.

Mein krönendes Finale ist eigentlich wie ein Silvester Abend mit dem berühmten Satz. "The same procedure as every year, James." Nur das es hier jeden Tag passiert und nicht jeder Busfahrer James heißt.
In meine Richtung fahren zwei Busse, die bis auf ein paar Haltestellen die eher im nirgendwo liegen, eine völlig identische Route haben. Bus Nummer eins mit der Nummer 236 rollt ein. Wer nun einen beiläufigen Blick auf die Anzeigetafel wirft kann sehen, dass der Bus mit der beinahe identischen Strecke in vier Minuten Abfahrt hat. Der 236er hält, ein paar Leute steigen aus und viel mehr versuchen rein zu kommen. Es herrschen fast Zustände wie beim Schienenersatzverkehr. Das man vorne einsteigen muss... naja vergessen wir das einfach.
Die kleine Clay schaut sich die Lemminge an, die sich in den Bus quetschen. Der nächste Bus mit der Nummer 136 ist mittlerweile nur noch 2 Minuten entfernt. Es vergeht noch eine weitere Minuten, mit einer Ansage der genervten Busfahrerin, dann erbebt der gelbe Bus und setzt sich hoffnungsvoll in Bewegungen. Eine Minute später, ihr erratet es sicher, fährt der nächste Bus vor. Leer, mit traumhaft viel Platz und einem Sitz am Fenster mit wunderschöner Aussicht auf das nächtliche Berlin.
Wenige Haltestellen später haben wir den 236er eingeholt und ich komme entspannt eine Minute nach dem vollen Bus an meinem Zielort an. So oft wie ich das schon gesehen habe, hört es nicht auf mich zu faszinieren. Menschen sind Platzhirsche und wollen auf keinem Fall einem anderen den Platz überlassen. Nächste Woche fahre ich wieder und ich wette es wird mindestens genauso sein, wenn nicht sogar besser. Irgendwo ist schließlich immer Schienenersatzverkehr.

      

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