Die Angst vor der Vergangenheit

„Wie gesagt, wollte ich mich mit einem Kunden treffen und ihn an unserem üblichen Ort treffen. Ein paar Minuten später rief mich jemand an, ich erkannte die Stimme nicht, da wurde mir die ganze Geschichte zu heikel. Ich sagte dem Fremden ab, aber dann tauchen wie aus dem Nichts die beiden Kerle in meinem Zimmer auf. Ich habe keine Ahnung wie sie ins Haus kamen, aber der Riese hat mich einfach gepackt und hinausgeschleift. Er hielt mir den Mund zu und hat nicht einmal gezuckt, als ich ihm den halben Finger abbiss. Cedrik hielt Wache, und als ich nicht aufhörte zu kämpfen, sagte der Große, dass er auch meine Schwester mitnehmen könne.
Ich weiß, ich rege ich mich oft über Nora auf, aber verdammt nochmal, sie ist meine kleine Schwester, natürlich habe ich aufgehört mich zu wehren und in da Auto gesetzt. Sie haben mich in den Keller geführt, wo bereits ihr Boss wartete. Offenbar gefiel dem meine Absage gar nicht. Gromow wollte wissen wie wir das Echo herstellen, er war sich sicher eine Menge Geld damit zu verdienen und hatte keinen Skrupel für seine Ziele über Leichen zu gehen. Ich habe schon seit Tagen Anonyme Angebote erhalten, doch immer abgelehnt. Ich wollte nicht mit den Großen spielen wie er es immer genannt hat und musste am Ende den Preis zahlen.
Es tut mir leid, dass du in die Geschichte hineingezogen wurdest, aber nimm mir nicht übel, dass ich mehr als dankbar bin, dass du mich gefunden hast. Ich weiß nicht was ich ohne dich getan hätte. Es war unglaublich wie du in den Raum gestürzt bist! Sicher, es war vor allem unglaublich dämlich, aber auch mutig. Vielleicht steckt doch ein größerer Held in dir, als bisher vermutet.
Als du über dem Mistkerl gestanden und gelächelt hast, lief mir ein kalter Schauder über den Rücken, es war, als würde die Last der Welt auf meinen Schultern ruhen. Nie habe ich mich kleiner gefühlt und wenn das nur der Nebeneffekt war, will ich nicht wissen, wie sich der andere gefühlt hat. Ich wusste nicht, dass du das kannst, aber du musst damit vorsichtig sein. Keine Experimente, versprich es!“
„Das verspreche ich dir sofort! Ich wusste auch nicht, dass ich das kann und will es auch nie wieder können!“ versicherte Josh und runzelte die Stirn. Dorian nickte zufrieden und griff nach der Fernbedienung auf seinem Nachtisch.

„Und ich will nie wieder etwas mit der Echo-Geschichte zu tun haben“, antwortete Dorian zu Joshs Überraschung bestimmt. „Ich erarbeite mein Geld lieber auf eine ehrliche und sichere Weise, außerdem habe ich Angst, dass mehr von Gromows Leuten über unser kleines Geschäft Bescheid wissen. Am besten hören wir so schnell wie möglich damit auf.“
Josh nickte schnell und lächelte erleichtert, „Ich bin froh, dass du mich endlich verstehst!“
„Jaja schon gut. Du hattest Recht, das wolltest du doch hören, nicht wahr?“ Dorian schnaubte beleidigt und vermied Joshs Blick.
„Andererseits“, sprach Josh weiter und das Lächeln wich von seinen Lippen, „Wissen zwei Leute mit Sicherheit Bescheid.“
„Cedrik wird nichts sagen, wahrscheinlich traut er sich die nächsten Monate nicht aus dem Haus, wenn er überhaupt dem Gefängnis entgeht.“
„Ich meinte viel eher Irina Gromow, die Frau die dir mit Folter gedroht hat. Ich habe ihrem Vater arg mitgespielt, keine Ahnung wann er wieder normal wird, aber sicher will sich Irina rächen. Wer aus einer solchen Familie kommt, wird mit Rachegelüsten geboren.“
Dorian schwieg und starrte nachdenklich auf den Fernseher. „Dann können wir nur hoffen, dass sie uns nie findet. Es ist mein Ernst; ich will damit nichts mehr zu tun haben. Ab heute existiert das Echo nicht mehr für mich.“
„So einfach ist es leider nicht“, wiedersprach Josh besorgt und schüttelte unsicher den Kopf. Dorian wandte sich aufgebracht in seine Richtung.
„Für mich schon. Lass uns die Sache vergessen, bitte?“
Josh nickte zögerlich und war in Gedanken bei Irina Gromow und den zahlreichen Fragen des Polizisten. Er hatte ein mulmiges Gefühl in der Magengrube, erst dachte er, es käme von Dorians Nähe, aber sein Cousin schien alle Sorge aus seinem Gemüt verbannt zu haben. Das Echo würde noch ein Nachspiel haben, so viel war sicher.

„Vielleicht sollte ich meine Gabe veröffentlichen?“, überlegte Josh laut, nachdem er eine Weile den schrillen Fernsehstimmen gelauscht hatte. Dorian schrak auf und sah ihn irritier an. „Wenn alle von meiner Gabe wüssten, könnte uns niemand mehr schaden“, versuchte er zu erklären.
„Du bist so selbstlos wie dämlich“, murmelte Dorian und schlug ihm mit der freien Hand auf den Arm, „Du willst dich der Welt offenbaren? Dumme Idee, sehr dumme Idee. Am Ende landest du in irgendwelchen Laboren und wirst von Wissenschaftler unter die Lupe genommen.“
„Bei Ironman lief es ganz gut“, wiedersprach Josh halbherzig.
„Verzeih, dass ich dich und den fiktiven Milliardären nicht in eine Schublade stecke. Du wirst es bereuen, denk nur an deine Mutter. Sie würde ausrasten und erinnerst du dich an mich? Als du mir von deiner Absonderlichkeit erzählt hast, habe ich dich für ein Alien gehalten. Ich stand kurz davor einen Alufolie-Helm zu basteln und dich aus der Straße zu verjagen.“
„Diese Geschichte ist mir neu“, schmunzelte Josh und sah seinen Cousin prüfend an.
„Zu deinem Glück habe ich den Film ET gesehen und fand nach einer Weile gefallen an einem Alienfreund. Aber im Ernst: Lass es. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn du die Schule beendet hast und knapp bei Kasse bist.“
Josh schwieg und starrte wieder auf den Bildschirm, er dachte an seine Mutter und ihre Reaktion. Wäre sie wütend? Traurig? Sicher wäre sie überrascht, aber würde sie ihn mit dem Herzen akzeptieren?
Er schüttelte den Kopf, um die trübsinnigen Gedanken loszuwerden. Am besten folgte er Dorians Beispiel und verbannte die Echo-Geschichte aus seinem Gedächtnis. Es würde Gras darüber wachsen, die Ferien zu Ende gehen und schließlich auch vergessen werden.

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