Die Ankunft

Dunkelheit. Das einzige was ich noch sah - oder besser nicht sah - war Dunkelheit. Im einen Moment tänzelte ich noch fröhlich zu den Klängen meiner Lieblingsband durch den Moshpit und ZACK! Im nächsten Moment spürte ich einen Ellenbogen gegen meine Schläfe krachen und mir wurde schwarz vor Augen.

Als ich meine Augen aufschlug musste ich blinzeln, die Bühnenlichter waren verdammt hell geworden...
Es brauchte einen Moment um zu realisieren, dass das da über mir keine Bühnenbeleuchtung sondern die Sonne war und dass ich nicht mehr zwischen Stahlkappenstiefeln und Pappbechern in einer Bierpfütze, sondern auf einer in der Sonne ausgedörrten Wiese lag.
Und das Geräusch in meinen Ohren... das war doch nicht der obligatorische, postkonzertale Tinnitus? Nein, es war eher ein tiefes, aggressives Röhren. Und ich hatte nicht das Gefühl, mir dieses Geräusch nur einzubilden.
Ich rappelte mich auf und schaute mich um. Meine Augen schmerzten in dem hellen Licht. Ich lag auf einer ausgedehnten, wilden Wiese. Das Gras war an einigen Stellen sicher fast einen halben Meter hoch. An der Stelle an der ich aufgewacht war, überschritt es jedoch kaum die Höhe eines durchschnittlichen Rasens. In der Ferne konnte ich die Silhouette eine fremden Stadt erkennen und neben mir verlief eine Straße mit löchrigem Asphalt. Und von dort kam das Geräusch.
Ich folgte der Straße mit den Augen und sah aus Richtung der Stadt vier Motorräder in Formation in meine Richtung fahren. Als sie neben mir zum Stehen kamen, musste ich verwundert feststellen, dass mir die Maschinen seltsam bekannt vorkamen, obwohl ich mir sicher war, noch nie etwas vergleichbares gesehen zu haben. Lenkstange und Sattel waren wie der Kopf und Rücken eines Drachen gestaltet, und die Räder waren Kreissägeblätter.
Der Anführer der Truppe, ein bärtiger Glatzkopf, der einen mit Nieten besetzten Ledermantel und eine lederne Schirmmütze trug, starrte mich durch die dicken Gläser seiner Sonnenbrille erwartungsvoll an. Auch er kam mir vage bekannt vor.
Da ich nicht wusste, was ich sonst sagen sollte, und das unangenehme Schweigen durchbrechen wollte, fragte ich:
"Kennen wir uns?"
Der Fremde schüttelte nur den Kopf, dann fragte er:
"Neu in Metalopolis, hmm?"
"Bitte was?"
"Ob du neu in der Stadt bist?"
Ich schaute erneut zu der Silhouette der Großstadt. Dann wandte ich mich wieder um und antwortete:
"Sieht so aus. Was ist das für ein Ort? Und wer seid ihr?"
Die vier Biker schauten sich verdutzt an, scheinbar unschlüssig ob ich sie verarschen wollte.
"Du bist in Metalopolis, der verdammt noch mal schönsten und lautesten Stadt der Welt. Wir fahren hier durch die Gegend und passen auf, dass niemand Ärger macht."
"Seit ihr so eine Art Polizei?" wollte ich wissen.
"Könnte man so sagen. Wir bevorzugen aber die Bezeichnung Hell Patrol. Brauchst du eine Mitfahrgelegenheit? Wir fahren zurück in die Stadt."
Ich nickte, und einer der Motorradfahrer, ein langhaariger, blonder Kerl, der ein Longsleeve und rote Spandex trug, bot mir einen Platz auf seiner Maschine an.
Ich kletterte hinter ihm auf das Motorrad und hatte kaum Zeit mich richtig festzuhalten, da donnerten wir auch schon mit Höchstgeschwindigkeit über die Straße. Der Lärm war ohrenbetäubend und mir fiel auf, dass weder ich noch sonst irgendjemand einen Helm trug. Mir wehten blonde Haare ins Gesicht.

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Fairy Dust

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