Aus meinen Mini-Geschichten:

Das Essen war köstlich und das Restaurant wirklich toll. Die Atmosphäre stimmte genauso, wie mein äusserst charmantes Gegenüber. Gerne hätte ich mit meinem hünenhaften Date ein paar Worte gesprochen. Das war nur leider nicht möglich. Wir bemühten uns redlich, aber die fünf kreischenden Ungeheuer der Familie hinter uns, machten das zunichte. Direkt neben uns war das Aquarium mit den todgeweihten Fischen, die gerade selbständig versuchten, auf die Teller zu hüpfen. Drei der Gören hingen nämlich am Glas und knallten schreiend mit den Schuhen dagegen, was die armen Tiere jedesmal in Panik versetzte. Der vierte Dreikäsehoch stiefelte hoch erhobenen Hauptes durch den ganzen Raum und trompetete fröhlich die Gäste an. Nach einer Stunde und einigen vergeblichen Versuchen, mit meinem Date in Kontakt zu kommen, entschied ich, den Vater dieser Urgewalten anzusprechen. Der stand nämlich gerade begeistert hinter seinen Kindern und kreischte wie eine Jungfrau vor einem Nacktbild. Meinen freundlichen Einwand, ob das etwas ruhiger gehen könnte, fand er dann überraschender Weise völlig unwitzig. Mit hochrotem Kopf drehte er sich zackig zu mir um. Die rasante Drehung hätte ihn dabei fast aus seinen Heilandsandalen geworfen. Speichelspeiend empfahl er mir, mich in eine Gummizelle zu verziehen und den Mund zu halten. Dann drehte er sich wieder um, wobei er seine Locken demonstrativ nach hinten warf und wieder in das Gegröle seiner Sippschaft mit einstimmte. Während mein Date mich konsterniert ansah, putzte ich mit meiner Serviette den Speichel vom Tisch. Dabei beobachtete ich das fünfte Kind dieses Überfallkommandos. Der kleine Junge ging von Tisch zu Tisch und klaute dabei jedesmal etwas von den Tellern. Die übrigen Gäste brachen nicht gerade in Begeisterung aus, aber sie trauten sich auch nicht, etwas zu sagen. Der gelockte Papa war mit mir nämlich laut genug gewesen. Bengelchen Nummer fünf machte also munter weiter und marschierte jedesmal mit seiner Errungenschaft zu Mama und zeigte ihr seine Beute. Die fand es super toll, dass ihr Kleiner sich schon selber so kostengünstig ernähren konnte und lobte ihn jedesmal aufs Heftigste. Dabei umarmten sich die beiden herzallerliebst, so als wäre gleich der Weltuntergang im Anmarsch. Ich fand das sehr süss. So eine verständnisvolle Mami hätte ich auch gerne gehabt. Vielleicht konnte ich das etwas strapazieren. Ich suchte den Augenkontakt zum dem Kleinen und lotste ihn an meinen Tisch. Dabei störte mich der entsetzte Blick meines Dates nicht wirklich. Strahlend kam das blonde Engelchen auch gleich und griff zögerlich nach meinen Pommes. Ich lächelte ihn dabei an und ermutigte ihn, so viele als möglich zu nehmen. Das fand der Kleine total dufte und griff mit beiden Händen tüchtig zu. Damit war das Kerlchen mit meinen Pommes auch schon weg und rannte auf seine Mutter zu. Die war gerade mit ihrem Trompeter beschäftigt, der ihr ein Liedchen ins Ohr plärrte. Mit Schwung und Begeisterung warf sich mein kleiner Mundräuber auf seine Erzeugerin und quetschte die Pommes in seinen kleinen Fäustchen zusammen. Es sah aus, als hätte er zwei Blutbeutel in den Fingern, die munter auf die weisse Bluse seiner Mutter tropften. Gut, ich hätte vielleicht vorher nicht die halbe Ketchup Flasche über meinem Essen entleeren dürfen. Aber ich wollte ja nur grosszügig sein. Mami sah mittlerweile aus, als wäre sie gerade beim Schlachter gewesen und stand kurz vor einem Wutanfall. Genervt blaffte sie ihren erstaunten Sprössling an und packte die ganze Bande zusammen. Im Entenmarsch verliessen sie zügig das Restaurant, mit einem kleinlauten Papa als Schlusslicht. Als die nun rot gestreifte Walküre an mir vorbei glitt, zischte sie mir zu, ich sei eine böse Frau und verschwand mit ihrem Anhang in der Nacht. Nun, mein Date sah das offenbar ähnlich, denn ich habe ihn nach diesem Abend nie wiedergesehen. Er schien genau wie Mami, meine Vorliebe für Ketchup nicht zu teilen. Ich scheine einen merkwürdigen Männergeschmack zu haben.

Comments

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    Ich fand deine Reaktion genial. Die Mutter hat es ja gewissermaßen selbst provoziert :D

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    Man kann sich die kleinen Engel richtig gut vorstellen :) Super beschrieben und auch, wenn ich selbst ein Kind habe hätte ich das Selbe getan :) (also wie du, nicht wie die überaus sympathische Muddi in der Geschichte)

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