Es war einmal eine winzige, gestreifte Biene. Ihr bester Freund war ein kleiner blauer Fisch, der im kalten Bach unter dem Bienenstock lebte. Die beiden liebten Abenteuer und hatten nur Unsinn im Kopf, weshalb ihre Eltern oft mit ihnen schimpfen mussten. Heute war es besonders schlimm. Die Biene und der Fisch wussten nicht so recht, was sie treiben sollten. Ihnen war sehr langweilig, weil nichts spannendes passierte. Plötzlich hatte der Fisch eine Idee. Wenn er mit seiner Bienenfreundin schon kein echtes Abenteuer erleben konnte, dann wollten sie wenigstens so tun. Sie stellten sich vor, dass sie die gefährlichsten Ritter waren, die man im kleinen Wald je gesehen hatte. Jedoch hatten die beiden bald ein Problem: Jedes Kind weiß doch, dass ein guter Ritter sein Königreich gegen Monster beschützen muss. Und wenn man der gefährlichste Ritter des Waldes ist, dann kämpft man natürlich gegen ganz besonders scheußliche Monster. Was soll man aber tun, wenn weit und breit keines dieser Ungeheuer zu sehen ist?
Die Biene und der Fisch überlegten lange, bis einige durstige Vögel ans Ufer flatterten. "Da, schau mal!", rief die Biene und schlug ganz aufgeregt mit ihren Flügelchen, "Wir tun einfach so, als wären das unsere Monster!" "Wir müssen sie schnell verjagen!", stimmte der Fisch ihr zu. Gesagt, getan: Der kleine blaue Fisch schwamm ganz flink und leise an die trinkenden Vögel heran, bis er sie fast mit der Flosse berühren konnte. Dann sprang er plötzlich direkt vor ihren gelben Schnäbeln so hoch, wie er konnte aus dem Wasser und fiel dann mit einem großen Spritzen und Platschen wieder in den kalten Bach zurück. Vor lauter Schreck flogen die Vögel laut kreischend davon, um an einem anderen Bach in Ruhe weiter zu trinken. Die kleine Biene aber flog ihnen schnell hinterher und tat so, als wollte sie die Vögel in die flatternden Flügel stechen. Das gefiel den Vögeln gar nicht und sie flogen noch schneller und höher, bis die Biene ihnen nicht mehr folgte. "Ihr seid solche Feiglinge! Ihr seid viel größer als ich, und habt trotzdem Angst vor mir und dem kleinen Fisch!", rief sie den Vögeln hinterher. Sie hatte großen Spaß an ihrem Spiel. "Genau! Ihr seid Weicheier und Angsthasen!", spottete nun auch der Fisch im Bach. Die Vögel schnatterten verärgert und flogen zu den Bienen- und den Fischeltern um sich zu beschweren. Diese seufzten nur bedrückt. Es war nicht das erste Mal, dass ihre Kinder sich so ungezogen verhielten und ihren Eltern Kummer bereiteten. Sie wussten nicht was sie noch mit ihnen anstellen sollten und schimpften laut: "Was habt ihr euch nur dabei gedacht? Ihr könnt doch den armen Vögeln nicht so einen Schrecken einjagen!" "Aber uns war so langweilig. Nichts passiert in diesem blöden Wald", antwortete der kleine Fisch. Die Biene stimmte ihm zu: "Genau! Wir wollten so gerne ein Abenteuer erleben." Beide waren traurig, weil seine Eltern so wütend auf sie waren. "Abenteuer erleben?! Ihr spinnt wohl! Eine Biene hat keine Abenteuer zu erleben sondern Honig zu sammeln!", bestimmte der Bienenvater. "Und ein Fisch hat im Bach herumzuschwimmem und auf die kleinen Kaulquappen und Krebse aufzupassen", fügte die Fischmutter hinzu, "Wenn ihr euch nicht benehmen könnt, dann dürft ihr nicht mehr zusammen spielen, ist das klar?" "Ja", sagte die Biene leise. Auch der Fisch seufzte: "Ist klar..."
Die beiden wussten nun schon wieder nicht, was sie machen sollten, weil sie auf keinen Fall wollten, dass ihre Eltern nochmal mit ihnen schimpften oder noch wütender auf sie wurden. Der Fisch ließ sich einfach im Bach treiben und die Biene saß auf einem der Steine im Bach und ließ die Sonne auf ihre Flügelchen scheinen. "Ist das langweilig", stöhnte sie. Der Fisch antwortete nicht. Er hatte etwas entdeckt und rief ganz aufgeregt: "Guck doch mal! Was sind das da vorne denn für komische Wesen" Die Biene drehte sich um. Tatsächlich! Da waren seltsame Tiere, die sie noch nie in ihrem
ganzen Bienenleben gesehen hatte. Sie waren sehr groß, größer sogar als die riesigen Wildschweine und sie hatten ihr Fell nur auf dem Kopf. Aber das seltsamste war, wie sie liefen. Sie rannten nicht wie die Rehe. Sie hoppelten nicht wie ein Hase oder trippelten wie eine Maus. Sie schwammen auch nicht wie der kleine Fisch und fliegen wie die winzige Biene konnten sie schon gar nicht. Nein, sie liefen nur auf zwei Beinen und kamen direkt auf den Bach zu. Ihre Stimmen waren sehr laut. "Die sehen ganz schön gefährlich aus", sagte der Fisch. "Schau mal da, ein Frosch!", rief einer der komischen Zweibeiner und griff schnell ins Wasser. In seiner Hand hielt er tatsächlich einen Frosch, der strampelte und laut fluchte: "Sag mal, bist du noch ganz dicht? Lass mich runter, sonst setzts was!" Er trat kräftig gegen die Hand, die ihn festhielt, konnte sich aber nicht befreien. "Er wird das alleine nicht schaffen. Wir müssen ihm helfen!", stellte die Biene aufgeregt fest. "Aber was sollen wir denn machen?", fragte der kleine Fisch ängstlich, "Schau doch mal wie groß die sind. Die haben doch keine Angst vor einem kleinen Fisch und einer noch kleineren Biene." "Jetzt stell dich nicht so an! Wir machen es genauso wie bei den Vögeln auch!", bestimmte die kleine Biene entschlossen.
Der kleine Fisch war sich nicht sicher, ob das eine gute Idee war. Er hatte große Angst vor den riesigen Zweibeinern, aber auch er wollte dem Frosch helfen. "Na, komm schon! Wir schaffen das!", drängte die Biene ihren Freund. Der kleine blaue Fisch kämpfte gegen seine Angst an und schwamm zitternd los. Wenn er Zähne gehabt hätte, hätten sie vor Furcht geklappert. "Hoffentlich geht das gut!", dachte er. Als er ganz nah bei den furchtbaren Monstern war, nahm er all seinen Mut zusammen und sprang aus dem Wasser; höher als er es je zuvor getan hatte und fiel mit einem lauten "Platsch" zurück in den Bach. Leider schienen die Zweibeiner nicht so schnell zu erschrecken wie die Vögel. Keiner von ihnen schien von seinem Sprung beeindruckt zu sein oder gar Angst zu haben - ganz im Gegenteil. Einer von ihnen rief sogar begeistert: "Da war ein Fisch!" In der Zwischenzeit war die Biene flink herangeflogen und schwirrte um den Zweibeiner herum, der den schimpfenden Frosch festhielt. "Lass ihn los! Was soll das denn?", meckerte sie wütend, während der Zweibeiner versuchte, sie mit der Hand zu verscheuchen. Die Biene wich ihm immer wieder aus. "Na warte, dir werd' ichs zeigen!", rief sie laut und stach den Zweibeiner mitten in die Hand. Dieser brüllte: "Auaaaa, das Vieh hat mich gestochen!" und ließ vor lauter Schreck den Frosch fallen, der schnell davon hüpfte. "Da kommen noch mehr Bienen! Schnell weg von hier!", schrien nun die anderen Zweibeiner erschrocken. Die Biene und der Fisch schauten sich um. Tatsächlich, die seltsamen Wesen hatten Recht: Angelockt durch den Lärm kamen ihnen nun alle Fische und Bienen zu Hilfe und verjagten so die unheimlichen Wesen, die schnell davon rannten. "Wir haben es geschafft! Wir haben den Frosch gerettet und die Monster weggejagt!", jubelten die Biene und der Fisch. "Ihr habt das ganz toll gemacht!", freuten sich die Fische. Auch die Bienen waren sehr stolz und sangen immer wieder: "Ihr seid wahre Helden!" "Danke, danke, danke", meinte nun auch der Frosch zu den beiden, "ohne euch hätten die mich nie mehr frei gelassen." Die Biene und der kleine Fisch waren unglaublich glücklich. Sie wurden von den anderen Tieren gefeiert und es fühlte sich unglaublich gut an, jemand anderem etwas gutes getan zu haben. Außerdem hatten sie endlich ein wirkliches, echtes Abenteuer erlebt. "Du", flüsterte die Biene dem kleinen Fisch zu, "Das war sooo spannend!" "Ja", wisperte der Fisch zurück, "Aber jetzt muss ich mich erstmal von diesem Abenteuer erholen, bevor das nächste beginnt..."

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