Die Entschuldigung

An die Batterie hatte  Peter überhaupt nicht mehr gedacht. Er hatte sie aus Bayern mitgebracht, weil er herausfinden wollte, was sich in jener Nacht in Ricardas Golf wirklich zugetragen hatte. Es war schon irgendwie unheimlich, was da vorgegangen war. Energie kann man nicht erzeugen oder vernichten. Energie ist da und man kann sie in eine verwendbare Form bringen, oder auch nicht. Tatsache ist, man kann Energie nur umwandeln, nicht vernichten!

Was da auf der Autobahn geschehen war, war mit den heutigen Kenntnissen der Physik nicht erklärbar. Aber bevor die Brüder Wright den ersten Motorflug taten, hatte ihr eigener Onkel, ein Bischof, die Meinung geäußert, der Mensch werde sich niemals in die Lüfte erheben. Dies sei einzig den Engeln, den auserwählten Geschöpfen Gottes gegeben. Wir wissen heute, dass er unrecht hatte. Die Mondlandung, die Atombombe, was nicht sonst noch alles, war einmal Utopie. Darum sollte man niemals von einer Entdeckung sagen: "Das ist nicht möglich!" Man sollte sagen: "Das ist mit den Mitteln unserer Zeit (noch) nicht möglich."

Peter, Ricarda und Rupert diskutierten angeregt über das Phänomen "Ricardas Erlebnis"! "Siehst du meine Gänsehaut?" fragte Rupert, nachdem Ricarda die nächtliche Situation nochmal geschildert hatte. "Ich hätte mir in die Hose gemacht, dabei bin ich ein Mann und sollte angeblich nicht so ängstlich sein, wie man das euch Frauen nachsagt!" Mitten in der Diskussion klopfte es. "Nur herein, wer auch immer das möchte!" rief Peter ausgelassen.

Die Tür ging auf. Leonhard betrat gefolgt von Irina das Zimmer. Es war von einer Sekunde zur Anderen Stille eingetreten. Peter bemerkte, dass sich in Ricarda alles sträubte, wie bildlich gesprochen ihre Nackenhaare. Leonhard trug lässige Freizeitkleidung und hatte eine Tüte bei sich, Irina war in Jeans und Bluse recht adrett aber nicht außergewöhnlich stylisch gekleidet. Sie hatte einen Wunderschönen, großen Blumenstrauß bei sich. "Hallo Peter, grüß euch zusammen!" grüßte Leonhard die Runde. "Grüß euch!" gab Irina fast kleinlaut von sich. Ihre Zurückhaltung war dermaßen auffällig, dass jeder im Zimmer sich fragte, was denn mit ihr passiert sei. Sie querte das Zimmer und ging schnurstracks auf Ricarda zu. "Frau Bachler, ich habe mich furchtbar dumm aufgeführt und das ist mir im Nachhinein wahnsinnig peinlich! Aber ich sehe keine andere Möglichkeit, es wieder gut zu machen, als mich wenigstens in aller Form vor allen Beteiligten bei ihnen zu entschuldigen und auch bei Peter! Bitte verzeihen sie mir meine Unverschämtheit, ich bedauere sie ehrlich zutiefst! Ich respektiere die Tatsache, dass sie zusammen sind und werde mich nie mehr unpassend dazu äußern. Bitte nehmen sie meine Entschuldigung an!" Stille! Alle waren sprachlos. Ricarda brach schließlich das peinliche Schweigen, indem sie den dargebotenen Blumenstrauß entgegen nahm und sagte. "Ich bewundere ihre Courage, Irina! Das hätte nicht jeder fertig gebracht, sich so zu entschuldigen! Das spricht eindeutig für sie! Entschuldigung angenommen! Aber Peter bleibt MEIN Peter!" - "Das verspreche ich ihnen!" Die drei Männer sahen sich an. Alle drei kannten Irina und alle drei wussten, welch große Überwindung es sie gekostet haben musste und keiner von ihnen hatte ihr das zugetraut! Irina wandte sich zu Peter. "Kannst du mir auch vergeben, Peter? Es ist wichtig für mich! Ich möchte an Leonhards  Seite ein ganz neues Leben beginnen und dazu möchte ich all meine Dummheiten aus der Welt geschafft haben." - "Das hast du, Irina und ich wünsche euch Beiden nur das Beste!" Rupert räusperte sich. "Das wird teuer, aber um das zu feiern, lade ich euch zusammen in den Felsenkeller ein, aber diesmal, setze ich mich mit Elke dazu. Peter, sollten wir nicht mit dem Schilcher darauf anstoßen?" Leonhard grinste und zog ebenfalls eine Flasche Schilcher aus der mitgebrachten Tüte. "Draußen auf dem Gang hab ich einen Servierwagen mit Tee und Gläsern gesehen!" Ricarda und Irina holten fünf Gläser ins Zimmer, Rupert holte sein Schweizer-Messer aus der Tasche. Auch im Krankenhaus, sollte man die Feste  feiern, wie sie fallen...

Comments

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    Toll geschrieben. Ich freu mich für Irina, dass sie ein neues und hoffentlich besseres Leben beginnen kann :)

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