Die Gedächtnisbibliothek


Ungeahnt dessen, welchen Aufruhr ihr Verschwinden erzeugt hatte, plauderte Kathy weiter mit Stephen und Tea.

Als Teas Handy klingelte, wurde die Gesprächsrunde unterbrochen. "Pia?", fragte Stephen und Tea nickte ihm zu, was von Stephen mit einem Augenrollen kommentiert wurde. "Pia?", erwiderte Kathy unwissend, als Tea sich anschickte das Wohnzimmer zu verlassen.

"Sie ist nicht mehr als ein Nerv tötender Nebencharakter.", antwortete Stephen.

"Sie ist meine beste Freundin!", giftete Tea ihren Mitbewohner an.

"Genau deshalb ist sie kein unwichtig nervender Nebencharakter.", erwiderte Stephen, welcher für Teas beste Freundin offensichtlich keine Sympathie empfand. Tea, welche die gegenseitigen Streitigkeiten zwischen Pia und Stephen erdulden musste, beruhigte ihre Gesprächspartnerin soweit es am Telefon ging. Nachdem sie den Raum verlassen und die Tür des Wohnzimmers hinter sich geschlossen hatte, führte Stephen aus:

"Pia ist wie Tea bereits sagte ihre beste Freundin. Solltest du ihr mal begegnen, wirst du einen Unterschied zwischen den beiden erleben, der größer ist als Tag und Nacht. Aber genug von dem großen, kleinen Übel. Ich sehe du hast Fragen. Genauer gesagt eine expliziert: Wo ist Felix Gedächtnis bzw. das Archiv wo er seine Erinnerungen verwahrt?"

"Ja genau.", antworte Kathy, als sie merkte das Stephen ihre Gedanken veräußert hatte, fragte sie entsetzt: "Woher weißt du das?"

"Es ist einfacher als du denkst."

"Dann erkläre es mir.", erwidert die junge Autorin.

"Während dem Gespräch zwischen Tea, dir und mir, schautest du immer wieder mit gerunzelter Stirn Richtung Bücherregal. Anfänglich hätte man davon ausgehen können, da wir über Detektiv Conan sprachen, dass du nach den Mangas Ausschau hältst. Da Tea aber innerhalb des Gesprächs dir die Richtung wies, wo sich die Mangas im Regal befinden, hätten deine stirngerunzelten Blicke danach enden müssen. Was aber nicht der Fall war. So dachte ich mir, dass du überlegst ob dieses kleine Bücherregal wirklich Felix Gedächtnis seien kann, welches bei dir ein riesiges Archiv darstellte."

"Stimmt, jetzt wo du es sagst klingt es einfach, aber ich wäre wohl selbst nicht darauf gekommen."

"Einer meiner leichtesten Übungen, mein lieber Dr. Watson.", zwinkerte Stephen Kathy zu.

"Und ist es das wofür ich es halte?", fragte Kathy

"Ja und Nein.", erwiderte Stephen.

"Ja und Nein?", entgegnete die junge Autorin ignoriert.

"Es ist wohl leichter wenn du es genauer betrachtest. Komm steh auf, wir sehen es uns mal genauer an."

So gingen Kathy und Stephen zum Bücherregal. Sie staunte nicht schlecht als sie die Auswahl der Einbände lesen konnte. Und noch mehr staunte sie, als sie bemerkte, dass ein Teil des Bücherregals mit DVDs und nicht mit Büchern bestückt war. Auf einigen Einbänden waren Namen wir Sir Arthur Conan Doyle, Patrick Süskind oder Edgar Allan Poe zu lesen. Auf anderen wiederum fanden sich Vermerke wie: >Familienurlaub 2002<, >Lukas< oder >Bachelor Biologie<.

"Das hier ist Felix Gedächtnisbibliothek. Alle Bücher, Fotos und Filme die er gesehen hat, werden hier abgespeichert."

"Aber, aber das kann doch niemals alles sein?", fragte Kathy mit großen Augen.

"Ist es auch nicht, es ist nur ein Bruchteil seines Gedächtnisses."

"Wie muss ich das verstehen?", fragte Kathy noch nicht ganz begreifend.

"Hmmmm, wie erklärt man das am besten.", überlegte Stephen, "Also wie gesagt ist das hier der Teil seines Gedächtnis, welcher in Büchern abgedruckt ist. Dieses Schmuckstück -Stephen zeigte auf einen grauen Kasten, welcher zwei Schiebefächer enthielt- ist das Aktenarchiv. Es ist Teil der Gedächtnisbibliothek, aber nur Felix allein kann das Archiv öffnen."

"Was ist denn so geheimnisvolles darin?", fragte Kathy neugierig den unscheinbaren Kasten betrachtend.

"Außer Felix weiß das niemand.", erwiderte Stephen. "Es werden Fotos und Dokumente seien, deren Geheimhaltung er versprochen hat. Mich würde zwar interessieren, was da alles so drin steht, aber Felix wird seine Gründe haben warum er das in einen abgeschlossenen Kasten steckt, den nur er zu öffnen vermag."

"Ok.", Kathy hätte gerne einen Blick in die geheimen Akten geworfen, doch achtete sie genauso wie Stephen Felix Privatsphäre.

"Zu guter Letzt, ist das natürlich auch nicht alles was in seinem Kopf gespeichert ist. Im Keller haben wir auch noch mal solche Kästen, alle verstaubt und mit nebensächlichem Kram belastet, welcher irgendwann im Feuer des Kamins landet. Ansonsten findest du auch Teile seines Gedächtnis in diesem Raum wieder oder besser gesagt in allen Arealen seiner Windungen. So Detailreich wie du dieses Zimmer gerade siehst, ist es noch in keinem seiner Werke beschrieben.", dabei zog Stephen das Buch >Eine Studie in Khaki< aus dem Regal. Neben diesem reihten sich noch acht weitere Bücher, mit der Aufschrift Stephen Kiel, und ein Notizheft im Regal. Kathys Blick streifte noch ein Mal über das Bücherregal. Plötzlich huschte ihr der Titel "SLHS - von Megan Core" vor die Augen. Konnte das sein? Es gab doch noch kein Buch über den Laden, oder etwa doch? Noch ein Mal genauer auf das Bücherregal blickend, entfdeckte Kathy viele Titel die sie aus Belletristica kannte: "Zwischenwelten - von Xandra", "Traum? - von Mangafox", "Skandal - von Seegraf", "An deiner Seite Wachen - von Johhla", "Faust - von PaterAndersson", "Von Blut und Vampiren - von Henri (Phobos Escanor), Yorricks Tiger von Cam" und vielen weiteren Werken. Nur eine Autorin aus dem Belletristica Forum fehlte gänzlich: Kathy selbst. Noch ein Mal ließ Kathy ihre Augen schweifen und tatsächlich fand sie eine Lücke, in der all ihre Texte Platz gefunden hätten, doch kein Buch mit ihrem Namen darauf stand darin. Stumm deutete die junge Autorin auf das Bücherregal, ehe ein trauriges "Wo sind denn meine Texte?" ihren Lippen entlockt werden konnten.

"Deine?", fragte Stephen in einer erstaunten Art, welche Kathy einen Stich ins Herz bedeutete.

Plötzlich schlug Stephen mit der flachen Hand an seine Stirn: "Sag nichts du und Kathy Heap seit ein und dieselbe Person."

"J..Ja.", stammelte Kathy verwundert.

Sich zur Wohnzimmertür begebend um diese zu öffnen, sprach Stephen:" "Ich kann mir schon denken wo die Bücher sind.", mit einem Ruck öffnete er die Tür und rief den Gang hinauf:

"Tea? -welche bejahte- Wo sind die Bücher von Kathy Heap?"

"Aber du liest doch gar keine Fantasybücher.", kam es verwundert aus dem ersten Stock des Gebäudes, nach kurzer Gedankenpause setzte Tea fort: "Achso wegen Kathy, ja ihre Bücher liegen bei mir. Soll ich sie runterbringen?", Stephen blickte kurz zu Kathy, welche erleichtert den Kopf schüttelte und verneinte somit die Frage.

"Verzeih diesen Schrecken, aber Tea ist ganz vernarrt in deine Texte und beschwert sich regelmäßig bei Felix wenn es nichts Neues zu Lesen gibt.

 

 

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