Die große Jägerin

Allisters Atem wurde wieder flacher, er hörte auf sich zu winden sodass Yalhan und Church ihn wieder los lassen konnten.
Shanora war erschöpft, aber ihre Sorge galt jetzt der Jägerin.
Sie sprang auf und rannte zu dem verkrümmten Körper hinter der Stelle, an der Treplew von Yalhan durchbohrt worden war. Die Schwertgriffe lagen dort noch auf der von Asche besudelten Erde. Church kümmerte sich einstweilen um die großen Wanderer, wie Shanora die unheimlichen Kreaturen aus Massen an Körpern gefertigt getauft hatte. 
Shanora viel neben Julopatra auf die Knie und drückte beide Hände auf die Wunden in ihrer Brust. Sie konnte keinen Herzschlag oder eine Bewegung der Lunge vernehmen, und als sie in die kalten fast schon gläsernen Augen der blonden Jägerin blickte wurde ihr klar woran das lag. Sie hatte es nicht überlebt. 
"Was machst du?", Yalhan konnte nicht fassen, dass Allister sich aufrichtete und auf Julopatra zu stolperte, "Bleib liegen!" 
Allister schob Shanora beiseite und legte selbst seine Hände auf die Brust der Fraum gleißendes Licht schoss drunter hervor. 
Shanora viel sofort auf das es flackerte und immer wieder kurz nachließ.
Allister schien beinahe keine Kraft mehr zu haben. 
"Allister lass es", Church zog Shanora beiseite damit sie nichts davon mehr sehen musste, "Junge, sie ist tot, den Tod kannst auch du nicht bezwingen!"
Yalhan eilte zu ihnen. Der hellhäutige Elf würde sich noch umbringen bei dem was er da tat. Er konnte förmlich sehen wie nahe er immer nach dem Tod war. Und wie verbissen er seine Selbstheilung lieber auf die bereits verstorbene Jägerin konzentrierte. 
Yalhan riss ihn vom Leichnam weg und schloss ihn in die Arme. Er konnte spüren, wie sich Allister schnell an ihn klammerte und zu zittern begann.
"Du hast alles gegeben!", flüsterte Yalhan ihm ins Ohr und drückte ihn fester an sich, "Bitte hör auf, Allister, du wirst dich noch umbringen! Bitte hör auf und überlebe!" Er selbst war schockiert, wie nahe ihm die Leidenschaft, mit der Allister versuchte anderen zu helfen, ging.
Church begutachtete die eigenartige Szenerie: "Gut, wenn ihr fertig geschwuchtelt habt machen wir uns auf den Rückweg und bringen die oberste Jägerin nach Hause!" 
Shanora verzichtete darauf Church zurecht zu weisen und versuchte ihre Tränen zurück zu halten.
Church hob Julopatras Leichnam auf: "Shanora, du gehst diesmal vor und sicherst uns ab! Yalhan du kümmerst dich um Allister, ihr geht an zweiter Stelle, ich bilde die Nachhut!"
Shanora nickte, ihr war bewusst, dass jetzt nicht die Richtige Zeit für ihre Tränen war. 
Yalhan musste Allister stützen, dieser konnte kaum noch seinen Kopf heben. 
Shanora versuchte ein Tempo vor zu geben mit dem alle gut leben konnten, sie wollte aber auch nicht ewig durch den aschigen Wald brauchen. 
Die Sonne war schon über den Horizont geklettert und läutete den neuen Tag ein, die Dämmerung war kurz davor zu verschwinden.
Als sie Illutia erreichten war außer den Blutspuren am Boden nichts mehr von der Schlacht in der vergangenen Nacht zu sehen.
Alpha und sein Team hatten ganze Arbeit geleistet.
Was dann geschah überforderte Shanora so sehr, dass ihr Bewusstsein sie aus der Situation zu ziehen schien.
Sie konnte weder die schmerzerfüllten Schreie von Kyra, die ihnen aus dem Tempel entgegen kam, noch die hitzigen Worte von Sassy und Alpha sehen.
Sie sah noch wie Yalhan verzweifelt auf Allister aufmerksam machte und ihn dann mit ein paar Jägern in den Tempel brachte.
Dann wie Church Julopatras toten Körper zu den restlichen brennenden Leichen trug und hinzu warf. 
Kyra versuchte daraufhin auf ihn los zu gehen, aber Sassy und Alpha konnten sie fest halten bis sie weinend in sich zusammen brach.
Dann kam Church zu ihr und hob sie auf als wäre sie noch ein kleines Mädchen. Ohne etwas zu sagen trug er sie in das innere des Tempels, wo Sassy erfolgreich ein Lazarett errichtet hatte. 
Church bettete sie auf eine der Decken und wickelte sie förmlich darin ein. Dann streichelte er ihr über die Stirn. Shanora starrte ihn noch eine Weile teilnahmslos an, dann sank sie in einen tiefen traumlosen Schlaf.

Yalhan saß an der Wand vor Allisters Schlafstätte.
Für den Heiler hatten sich die Jäger besonders viel Mühe gegeben. Yalhan war müde, aber die flache Atmung des hellhäutigen Elfs machte ihm nach wie vor Sorgen, so beobachtete er seinen Schlaf. 
Dieser Elf erinnerte ihn an Finn. Auch er hatte sich im Verlies von ähnlichen oder gar den selben Fäden durchbohren lassen um ihn zu retten.
Eine merkwürdige Truppe in die er da geraten war.
Church schien unglaublich mächtig zu sein durch diese Fäden, er schien nicht müde zu werden und bis auf sein entstelltes Äußeres konnte er keinen Grund für dessen extreme Überlegenheit erkennen.
Aber er hatte gesehen wie er sich um das Mädchen, Shanora, gekümmert hatte.
Er hatte anscheinend auch eine extrem weiche Seite. 
Shanora, die Schwester seines Retters, wie alt würde sie wohl sein.  Höchstens 18 oder 19, schätzte er, und dafür, dass man sie immer behütet hatte, steckte sie den Ärger hier hervorragend weg.
Er fragte sich, ob es falsch war, sie immer als "das Mädchen" zu bezeichnen. Shanora hatte heute bewiesen, dass sie die Reife einer Frau hatte.
Yalhan fielen beim nachdenken beinahe die Augen zu, er entfernte sich von der Wand und rutschte näher an Allisters Schlafgemach.
Der Elf schien mittlerweile einfach zu schlafen, Yalhan fand in seinem so schönen Gesicht keine Parallele zu Finn.
Aber in den Taten der beiden. Beide standen für andere ein und waren bereit dafür aufs Äußerste zu gehen. Beide schafften es in kürzester Zeit die Seele der Menschen um sie herum zu berühren.
"Es war nicht deine Schuld", hatte Allister ihm gesagt, obwohl es um den Tod seiner Schwester ging.
Yalhan plagten Schuldgefühle, er war einfach zu lange da gestanden.
Hätte Finn ihn nicht erst einmal rütteln müssen damit er mitkam, vielleicht hätten sie es alle hinaus geschafft.
"Ich kann deinen Zweifel selbst im Schlaf spüren Grauhaut", Allisters Stimme klang dünn und seine Augen waren geschlossen.
Yalhan starrte ihn erschrocken an, er schien wirklich instinktiv zu merken was in anderen Menschen vor sich ging. Er versuchte die Schuldgefühle aus seinem Kopf zu verbannen, da kam ihn ein Gedanke, der ihn zum Lächeln brachte.
"Er darf nicht fallen!", waren Allisons letzte Worte gewesen.
"Und das wird er nicht", dachte Yalhan, "ich werde ihn ab jetzt beschützen!"
Dann schlief auch er friedlich ein.
Als er wieder erwachte musste es beinahe Mittag sein, das Lazarett war in vollem Betrieb, aber Allister war verschwunden.
Schnell schoss Yalhan in die Höhe und rannte zur Pforte des Tempels, auf den Treppen entdeckte er Shanora die aufgeregt etwas in ein kleines Buch zu schreiben schien. 
"Guten... wie spät ist es eigentlich?", begrüßte er sie, und bekam sogleich ein strahlendes Lächeln.
"Es ist kurz nach Mittag!", antwortete sie.
"Was machst du da, was schreibst du?", fragte Yalhan sie interessiert.
Shanora ließ ihn bereitwillig einen Blick darauf werfen: "Ich mache Aufzeichnungen über alle Wesen die mir begegnen, und die magischen Gegenstände!"  

„Wie schön“, Yalhan blickte auf das emsige Treiben auf dem Platz vor dem Tempel, „gibt es schon eine Seite über Allister?“ Shanora folgte seinem Blick, die Jäger schrubbten die Reste von Blut uns Dreck der vergangenen Nacht von den weißen Steinen des Tempels. 

„Wenn du ihn suchst, er ist schon weg“, erklärte Shanora ihm dann, „er sucht mit Alpha und Church den Wald nach Überlebenden ab. Ich sorge mich auch um ihn, aber ihn aufzuhalten wird keiner von uns schaffen!“ 

Yalhan erhob sich: „Ich werde mich auch mal auf den Weg machen, viel Erfolg noch!“

Shanora winkte ihm, sie war wieder in ihre Arbeit vertieft.

Der verbrannte Wald hatte auf dem Boden eine dicke Schicht Asche hinterlassen, dies machte es Yalhan leicht die Gruppe zu finden, er folgte einfach den Fußspuren. 

Er sah die drei auf der Lichtung an der sie in der Nacht diesem Ungeheuer Treplew begegnet waren. Church inspizierte gerade das Katapult.

"Denkst du man hat geglaubt wir suchen Überlebende? Keiner der noch hier draußen war kann es geschafft haben!", Alpha warf Allister einen vielsagenden Blick zu. 

"Du meinst ob Sassy gemerkt hat das wir lügen?", Allister winkte ab, "Und wenn schon, das ist wichtig, wir müssen den Fluch brechen! Sonst werden wir von einer Armee aus Zombies überrannt!" 

Yalhan hielt sich weiter versteckt, was hier besprochen wurde schien interessant zu werden. 

"Wie ich befürchtet habe", Church kam zu ihnen, "diese Art Katapulte zu bauen kommt aus den Unterlanden! Wir sind am Arsch! Außerdem spioniert uns jemand aus!" 

Yalhan schluckte schwer, wie hatten sie ihn entdeckt, er war ihnen lautlos gefolgt. Ein schwarzer Faden schoss aus Church Arm und schlang sich um Yalhans Bein. Dieser wurde umgerissen und auf die Lichtung geschleift und dort von einem Faustschlag von Alpha begrüßt. 

"Lass ihn in Ruhe", Allister deutete Alpha Yalhan los zu lassen. Dieser hatte gerade zum nächsten Schlag angesetzt. 

"Was ist nur los mit euch?", Yalhan setzte sich auf und rieb sich die Wange. Allister legte ihm die Hand auf die Stelle was sofort für Linderung sorgte. 
"Du solltest dich ausruhen", Yalhan schlug seine Hand weg und sprang auf.
"Bist du gekommen um mir das zu sagen?", Allister lachte ungläubig, Yalhan kam sich auf einmal ziemlich lächerlich vor. 
"Wir haben ein Problem", Church deutete Alpha mit ihm zu kommen, dann deutete er auf den Wald hinter dem Katapult. 
Auch Yalhan konnte leises Murmeln und andere Geräusche aus dieser Richtung vernehmen.
"Wir waren zu langsam, das ist die 2. Welle", stellte Allister fest.

Shanora sah den ein oder anderen Schmetterling über den Platz fliegen, alles wirkte so friedlich bis der Wind drehte.
Ein eigenartiger Geruch stieg ihr in die Nase, und am Waldrand, hinter einem der verkohlten Bäume, schien sich etwas zu rühren.
Sie wolle sich nähern, aber ein Flüstern im Wind lies sie inne halten.
"Tu es nicht, lauf", die Stimme kam ihr bekannt vor, sie klang eindringlich und beinahe flehend. Shanora sah sich genauer um, überall schien nun ein Knistern durch den Wald zu gehen.
"Wer ist da?", rief sie in den Wind, in der Hoffnung eine Antwort zu erhalten. Diese blieb natürlich aus, wie erwartet.
Sassy kam hinaus und sah Shanora am Waldrand: "Was machst du da?"
Shanora lief zu ihr zurück an die Pforte des Tempels: "Wir werden angegriffen!" 
Im selben Moment stürmte der erste verstümmelte Körper aus dem Wald. Um den lebenden Toten gefährlicher zu machen war er mit spitzen Gegenständen durchbohrt, die überall hinaus ragten. 
"Was...", Sassy schlug sofort Alarm als sie sah, wie sich ein Schwall der wandelnden Leichen auf den Platz vor dem Tempel zu ergießen schien.
"Was ist hier los", Shanora packte ihren Rucksack und holte den Griff der Lichtklinge daraus hervor.
Sassy packte sie an den Schultern und sah sie eindringlich an: "Lauf, das hier ist nichts für dich!"
Shanora schlug eine ihre Hände weg: "Nein!"
Dann umfasste sie den Griff, sodass die Klinge zum Vorschein kam. Yalhan war hinter Allister und den anderen her gegangen. Sie würde nicht ohne sie verschwinden, niemals. 
Die Vier mussten im Wald von Feinden umzingelt sein, Shanora machte sich sorgen.
"Du musst den Tempel verteidigen!", rief sie Sassy zu, "Ich finde die anderen und bringe sie zurück!" 
Sassy schüttelte den Kopf: "Komm zurück! Du wirst Königin, das hier ist nicht deine Aufgabe!" Shanora stürmte los: "Was für eine Königin kann ich werden wenn ich meine Freunde im Stich lasse?"

"Was machen wir hier, so nahe am schwarzen Thron?", Saphira folgte ihrer Mutter immer noch verwirrt. Ladira aber deutete ihr und Celles sich schneller zu bewegen. "Gut, dann sprich nicht mit uns!", Celles verdrehte die Augen. 
Plötzlich hielt Ladira und brach ihr schweigen: "Hier habe ich vor Jahren Sassy und Church den Weltenriss geöffnet. Sie wollten Finn darin suchen. Danach waren alle verändert. Passt auf euch auf!"
Dann berührte sie mit der Hand den schwarzen Boden, dieser schien kurz erschüttert zu werden. Dann brachen Teile davon hinunter und schienen ins Nichts zu stürzen. 
"Was ist das?", Celles starrte ungläubig in die schwärze des Lochs. 
Saphira nickte: "Das ist also der Weg, wir müssen springen schätze ich?"
Ladira nickte: "Passt auf - ich weiß nicht was es ist was auf der anderen Seite wartet, aber es hat Finn innerlich zerrissen!" 
Saphira nickte, sie ließ Celles den Vortritt und verschwand dann im Weltenriss. 
Ladira blickte in Richtung des schwarzen Throns. Dunkle unnatürliche Wolken verbargen ihn seit Tagen, aber nun schien etwas zu geschehen. Ein Donnern, ein Grölen aus der Tiefe. Sie riss die Augen auf und beschloss sofort in den Wald zurück zu kehren. Dieser Ort war nun gefährlicher als je zuvor.




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beta
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