Die Höhle

Nachdem sich der kleine Drache von seinem Schrecken erholt hatte, folgte er wieder der Haselnussspur. Der Sonnenstrahl begleitete ihn natürlich weiter. Auf einmal vernahmen sie ein Rauschen. Sie spitzten die Ohren. "Am Besten bleiben wir auf dieser Spur," meinte der Sonnenstrahl, als sich Balthasar etwas ratlos umsah.
Und wirklich, die ausgelegten Haselnüsse führten immer näher zu dem grossen Rauschen. Vor einer Gruppe von hohen Bäumen blieb der kleine Drache unsicher stehen. Suchend blickte er sich um.
"Vermutlich sind wir da", sagte der Sonnenstrahl fröhlich.
Er hüpfte durch die Bäume voraus und verschwand.
"Komm, Balthasar, komm schnell!"
Der kleine Drache bückte sich und folgte dem Sonnenstrahl. Vor Verwunderung öffnete er sein Maul ganz weit. Was er hier sah, war aber auch wirklich zu schön: Vor ihm stürzte sich ein Wasserfall über Felsen und bemooste Steine hinab. Weit unten mündete das Wasser in einen Bach, der sich munter durch den Wald schlängelte.
Auf einmal erblickte der kleine Drache hinter dem Wasserfall etwas, das ihn neugierig machte. Sorgfältig, um ja nicht auszurutschen, kletterte er über die Felsbrocken, die auf dem Weg lagen. Dann stand er auf einmal vor einer Höhle. Von der Grösse her schien sie wie für ihn gemacht. Am Eingang fand er weitere Haselnüsse und daneben lagen, wie am Morgen nach dem Aufwachen, Beeren.
Tief in Balthasar drin bewegte sich wieder etwas. Es fühlte sich warm an und verströmte ein sanftes Licht.
"Wer - wer - ?" Er stotterte. "Hast du das alles für mich gemacht?" fragte er den Sonnenstrahl.
"Nein, kleiner Drache," antwortete der Sonnstrahl ernst. "Du hast hier noch viel mehr Freunde, als du denkst."
"Wen denn? Ich kenne sie nicht!"
"DAS musst du selber herausfinden, mein lieber kleiner Drache! Aber schau nur!"
Der Sonnenstrahl zeigte ins Innere der Höhle.
Ganz hinten in der Ecke hatte jemand einen grossen Haufen aus Moos und Gras aufgeschichtet.
Baltasar verstand: Dies hier war sein neues Zuhause.
Das warme Gefühl in ihm drin wurde immer stärker, das Licht brannte immer heller.
"Huuuh! rief er glücklich. "Haaah!" Feuer stieg auf und wärmte die Höhle. Oh! Mit seinem Feuer konnte er ja nicht nur Schneisen in den Wald brennen, sondern auch seine Höhle wärmen! Aufgeregt sprang der kleine Drache hin und her.
Nach einer Weile setzte er sich atemlos wieder auf den Boden.
"Sonnenstrahl, kannst du mir wirklich nicht sagen, wer das alles für mich vorbereitet hat?"
"Nein, Balthasar. Ich weiss zwar, wer es war.  Aber es wäre nicht richtig,  dir dies zu verraten. Am besten suchst du selber nach den Freunden, die du noch nicht kennst!"
Der kleine Drache dachte lange nach. Er schämte sich jetzt, wenn er sich daran erinnerte, wie er erst gestern noch laut schimpfend auf der Waldlichtung gesessen hatte und dann Feuer speiend durch den Wald marschiert war. Er konnte sich nicht vorstellen, dass irgendein Tier des Waldes sein Freund sein könnte.

"Hilfst du mir, meine Freunde zu finden, Sonnenstrahl? Ich möchte mich bei ihnen bedanken."

"In diesem Fall wirst du sie finden, Balthasar" antwortete der Sonnenstrahl und lächelte.

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