Die hochnäsige Prinzessin und das nachtschwarze Amulett

In meinen Gedanken versunken starrte ich in den edlen Spiegel. Sein Rahmen war vergoldet und mit Ornamenten verziert. Ein Luxus den sich meine hochwohlgeborene Familie leisten konnte. Unverwandt blickte ich meinem blassen Spiegelbild ins Gesicht. Meine langen schwarzen Haare fielen mir in Wellen über die Schulter. Gedankenverloren spielte ich mit einer Strähne. Meine Haare waren ein Vermächtnis meines Vaters. Mein Gesicht hatte die selben weichen Konturen wie das meiner Mutter. Sie sagte immer ich sei die perfekte Mischung von beiden: Der Sturkopf und die Intelligenz von Severus Snape. Die Loyalität und die Kämpfernatur von Arianna Beatrice Foscarini.

Schmerz erfüllte meinen Brustkorb. Verzweifelt schluckte ich den Kloß hinunter der in meinem Hals zu stecken schien und mir die Luft raubte. Er hatte sich geopfert. Für mich. Für Potter. Für die gesamte Zauberer Gemeinschaft. Mein Vater war als Held gestorben. Genau wie so viele andere. Ich war in mitten der vielen Leichen gestanden. Noch heute wachte ich des Nachts schreiend auf. Die Bilder des Krieges raubten mir den Schlaf. Und jetzt passierte es schon wieder. Der Krieg begann von vorne.

Mit zitternden Händen stellte ich das Wasser am Waschbecken auf kalt und hielt meine Hände unter den eiskalten Strahl. Ich zwang mich ruhig ein und aus zu atmen, schloss die Augen und versuchte die verstörenden Bilder der verkohlten wächsernen Leiche der Frau und die Leichen zwischen den Trümmern des zerstörten Schlosses von mir zu schieben. Und das zu tiefst enttäuschte Gesicht von Draco als ich laut und deutlich ‚Nein‘ zu ihm sagte.

Keuchend stützte ich mich am Waschbeckenrand ab. Die Erinnerung an diesen Tag war das letzte was ich nun brauchte. Es war das letzte Mal gewesen das ich ihn gesehen hatte und ich hatte ihn zu tiefst verletzt. Hatte ihn das Her gebrochen. Fünf Jahren waren seitdem vergangen.

Zitternd hielt ich meine Hände wieder unter das eiskalte Wasser, formte eine Schale mit ihnen und wusch mir das Gesicht.

Ein leises klopfen an der Badezimmertür holte mich aus meinen Gedanken.

„Bella? Alles okay bei dir?“ hörte ich die Stimme von Luna gedämpft durch die Tür dringen.

Ich nahm ein weiches Handtuch und trocknete damit mein Gesicht und meine Hände. Ein ungeduldiges Klopfen ertönte.

„Bella?“ drang wieder mein Name gedämpft durch die Tür.

„Mir geht es gut,“ krächzte ich. „Ich komme gleich.“

Noch einmal hob ich meinen Kopf und warf einen prüfenden Blick in den Spiegel. Ich zupfte meine Klamotten zurecht und atmete tief durch. Schnell fuhr ich mir noch mit den Händen durch die Haare, öffnete dann die Tür und trat auf den halbdunklen Flur.

„Du siehst scheiße aus, Bella,“ knurrte eine männliche Stimme im Schatten verhüllt.

Erschrocken fuhr ich zusammen. Vor mir stand mit verschränkten Armen an die Wand gelehnt Mirco.

„Und du hattest schon immer ein Talent dafür einer Frau Komplimente zu machen.“ Ich schenkte ihm ein müdes Lächeln und quetschte mich an ihm vorbei um zurück in den Salon zu gehen, doch Mirco hielt mich am Oberarm zurück.

„Was soll das?“ fauchte ich aufgebracht.

„Was hat es mit dieser Sage auf sich?“ wollte Mirco wissen und ließ mich los.

„Das übliche,“ antwortete ich und rieb meinen schmerzenden Arm.

„Um Liebe?“

„Um unerwiderte Liebe,“ stellte ich richtig. Seufzend zog ich ihn in mein altes Schlafzimmer das gegenüber der Toilette lag und endzündete das Licht mit meinem Zauberstab. Ich sah mich wehmütig um: Das Zimmer war noch genau so wie ich es in Erinnerung hatte. Möbel aus dunklem edlen Holz, schwere dunkelblaue bodenlange Vorhänge vor den Fenstern und eine dunkle Tapete an den Wänden.

Ich ging geradewegs zu meinem Himmelbett und setzte mich mit verschränkten Beinen darauf. Mirco stand unschlüssig an der Tür. Auffordernd klopfte ich neben mir aufs Bett. „Komm setzt dich.“

Zögernd trat Mirco näher und setzte sich dann neben mir aufs Bett. „Unerwiderte Liebe also,“ murmelte er.

„Ja. Es ist die Geschichte von einem jungen Zauberer der sich unsterblich in eine hübsche Muggelprinzessin verliebt,“ seufzte ich und begann zu erzählen. „Er warb um sie, doch die Prinzessin wies in ab. Das machte den Zauberer unheimlich wütend. Als er eines Tages erfuhr das am Hofe ein Ball zu Ehren des achtzehnten Geburtstages der Prinzessin stattfinden soll, schmiedet er einen teuflischen Plan: Er nahm ein altes Amulett seiner Mutter aus Silber, bestückt mit nachtschwarzen Edelsteinen und verfluchte es. Jeder der sich mit diesem Amulett schmückte, würde sobald der Mond hell am Himmel erschien und dessen Licht auf einen fällt, einen qualvollen Tod sterben durch die Hand eines der gnadenlosen Elemente. Und so geschah es auch: Das Amulett wurde der Prinzessin von einem Boten gebracht, In einer schwarzen Schatulle gebetet auf schwarzem Samt. Ein Geschenk zu ihrem Geburtstag von einem geheimnisvollen Verehrer. Die hochnäsige Prinzessin war vollkommen fasziniert von dem Amulett dessen Steine im Licht so schön blau funkelten. So blau wie das Meer. Es passte perfekt zu ihrer dunkelblauen Robe die sie vorhatte zum Ball zu tragen. Es wurde Abend und die Sonne versank hinter dem Horizont. Das Mondlicht schien durch die großen Fenster in den Ballsaal, als die Prinzessin hoheitsvoll die Treppe herunterschwebte. Bezaubernd wie immer in ihrer dunkelblauen Robe, betrat sie das Tanzparkett als das Mondlicht auf das Amulett traf. Die Steine begannen zu vibrieren und leuchteten blau. Ein erstickter Schrei verlies die Kehle des Mädchens. Sie begann Wasser zu spucken, hielt sich den Hals und zehrte am Amulett. Doch der Fluch hatte begonnen. Helfer eilten auf das Parkett, doch es war zu spät: Die Prinzessin war ertrunken. Innerlich. Das Element Wasser hatte sie heimgesucht.“

„Also tötet das Amulett nicht immer auf dieselbe Art,“ bemerkte Mirco fasziniert.

„Jein. Es tötet dich immer von innen heraus aber den Tod bringt dir nicht immer dasselbe Element,“ erklärte ich. „Von was das abhängt haben wir noch nicht herausgefunden.“

„Die alte Mrs. Weston wurde vom Element Feuer getötet und die hochnäsige Prinzessin von Wasser,“ stellte Mirco nachdenklich fest. „Und ihr seid euch sicher, dass es sich um das selbe Amulett handelt?“

Ich nickte. „Vollkommen.“

Mirco nickte nachdenklich mit dem Kopf. „Ich nehme mal an du willst Malfoy mit ins Boot holen?“

Ich schluckte schwer. „Wie…?“

„Süße, ich bin dein bester Freund. Mir kannst du so schnell nichts vormachen. Du sprachst von jemand der sich mit solchen Dingen auskennt aber dich nicht sehen will. Mehr Hinweise brauchte ich nicht,“ unterbrach er mich und nahm mich in den Arm. „Bist du dir allerdings Sicher das er dich wirklich nicht mehr sehen will?“

„Ich habe ihm das Herz gebrochen. Ich habe ihn von mir gestoßen als er am Tiefpunkt seines Lebens war. Er hasst mich,“ schluchzte ich und zwinkerte die Tränen weg die mir in die Augen traten.

Mirco drückte mich fest an sich während sich die Tränen einen feuchten Weg über meine Haut bannten.  „Wir machen alle Fehler, Isabella. Das wichtigste ist das wir unsere Fehler einsehen,“ tröstete mich Mirco leise und trocknete mir mit seinem Daumen die Wange.

„Manche Fehler hinterlassen aber Narben die niemals verheilen,“ flüsterte ich mit Tränen erstickter Stimme.

„Jede Narbe verheilt, Isabella,“ raunte Mirco. „Er braucht dich jetzt mehr als denkst.“

Ich schniefte verwirrt und hob meinen Kopf. „Wovon sprichst du? Wer braucht mich?“

Mirco biss die Zähne zusammen. „Draco.“

Ich wurde augenblicklich hellhörig und schüttelte seine Arme ab. „Was ist mit Draco?“

„Er hat ein kleines Problem seit dem Krieg,“ druckte Mirco herum.

„Was für ein Problem? Mirco sag mir sofort was los ist,“ schrie ich ihn an und sprang vom Bett auf.

„Er betrinkt sich oft,“ nuschelte Mirco schuldbewusst.

„Ich muss zu ihm,“ stellte ich geschockt fest und eilte zur Tür. An der Tür angekommen stockte ich. Langsam drehte ich mich um. „Mirco?“ Mirco der wie ein Häufchen Elend auf dem Bett saß schaute verblüfft auf. „Komm bitte mit. Ich… ich brauche deine Hilfe,“ murmelte ich.

Er nickte und erhob sich. „Dann auf zum Malfoy Manor.“

„Auf zum Malfoy Manor,“ murmelte ich.

Leise eilten wir die Treppen herunter und huschten hinaus auf den Platz. Die Kalte Nachtluft umhüllte uns. Zitternd blieb ich stehen. Heute Nacht würde ich eine weitere Reise in die Vergangenheit machen. Mirco blieb neben mir stehen und hielt mir auffordernd den Arm hin. Zögernd nahm ich seinen Arm und nickte zustimmend. Mit einem leisen Plopp verschwanden wir in der Dunkelheit.

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