Die Kommunion

Als Frank die alte Kathedrale betrat, wurde er bereits erwartet. Die gelben Augen des Einen leuchteten ihm in der Dunkelheit entgegen. Er sollte näherkommen, um das göttliche Geschenk zu erhalten und dann als Herold hinauszuziehen.

Langsam durchschritt Frank das Kirchenschiff und kniete mit gesenktem Haupt vor dem König, bis dieser ihn aufforderte, ihn anzusehen. Frank tat, wie ihm befohlen war und hob den Kopf. Der Eine hatte seine Maske abgenommen und ermöglichte Frank einen Blick auf sein wahres Antlitz, das so lange verborgen gewesen war.

Frank wollte schreien, doch kein Laut drang über seine Lippen, zu schrecklich war das, was er sah. Aber viel schlimmer war das, was folgte.

Mit beiden Händen nahm er die Maske entgegen und legte sie auf sein Gesicht. Unerträgliche Schmerzen füllten seine Welt aus, als sich die Maske in sein Fleisch fraß, sich seiner Gesichtsform an-passte und sich tief in seine Knochen bohrte, sodass sie fest mit ihm verbunden war.

Er hatte nun die Kommunion des Gelben Zeichens durch den Einen erhalten und musste seiner Pflicht als Herold nachkommen. Die falschen Herrscher mussten von ihrem Thron gestoßen werden und nur er war in der Lage, diese Tat zu vollführen, da ihm uneingeschränkter Zugang zu ihrem Throns-aal gewährt wurde.

Taumelnd erhob sich Frank, verließ die Kathedrale und machte sich auf zu seiner letzten Audienz bei Yhtills Königin – bei Cassilda.

Die Regentropfen verteilten das Blut, das aus den Einschusslöchern in Cassildas Körper floss, auf den Kacheln der Dachterrasse. Ihr ungläubiger Blick, zu dem ihr Gesicht erstarrt war, war jetzt zum Aus-druck ihres besiegelten Schicksals geworden.

Mit monotonen Bewegungen tauchte er die Finger in das warme Blut und fuhr damit über die Wand, vor der sie lag. Als er fertig war, trat er zurück und betrachtete sein Werk. Es war vollbracht. Vom höchsten Turm der Stadt prangte nun das Zeichen des letzten Königs von Carcosa. Ihm stand es nun frei, zu gehen, denn der Eine hatte keine weitere Verwendung für ihn.

Mit einem feuchten Schmatzen löste sich die Maske von seinem Gesicht und fiel zu Boden, ehe auch sein Körper leblos zusammensackte.

Das Letzte was er sah, war ein schwarzer, sternenloser Nachthimmel, von dem ein bleicher Mond auf die Stadt herabblickte, die nun langsam im Chaos versank.

Comments

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    Hallo Thespeakingvoid! Schon seit rund zwei Monaten hat diese Geschichte auf meiner Merkliste verbracht, wovon ich sie nun endlich streichen kann ;) Eine wirklich spannende Kurzgeschichte hast du da fabriziert. Schon der Beginn des ersten Kapitels, mit dem Sonnenuntergang und dem darauffolgenden Regen hat eine Stimmung heraufbeschworen, die sich bis am Ende durchgezogen hat. Da hätte Cassilda sich wohl am Ende gewünscht, Frank nicht mit diesem Auftrag betraut zu haben. Aber wahrscheinlich hätte es dann nur ein anderer getan. Irgendwie hat mich die Stimmung der Geschichte an SinCity erinnert. Diese Gesetzlosigkeit… Herzlichen Dank für den spannenden Text und bis ein andermal – Schattenwolf PS: Ich weiss nicht warum, aber einige der Wörter wurden mit Bindestrich an-gezeigt (jup, ein Beispiel xD) nur zur Info, falls du das irgendwann noch anpassen möchtest ;)

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