Die letzten unbeschwerten Tage

Die letzten unbeschwerten Tage

Hermiones Sicht

Der Abend nach Snapes wie immer beeindruckenden und durchschlagenden Abgang war dann doch sehr vergnüglich. Blaise war ein wirklich netter Mensch und so wie er sich jetzt präsentierte war ich überzeugt, ich mochte den Jungen sehr gerne. Auch wenn ich die Sorge hatte, dass er ein bisschen Angst vor mir hatte, so wie er mich manchmal musterte, nach der Erkenntnis, dass ich nicht mehr „unschuldig“ war. Aber die Jungs schafften es, ihn abzulenken und so taute er auch auf.

Draco ging auch auf und vergaß den Ärger über Lucius und bekochte uns, was Blaise fast einen Herzinfarkt bescherte, aber irgendwie schien es ihm gut zu tun, dass sein Freund aus Slytherin nun auch hier bei uns war.

Die Jungs feierten noch einen feuchtfröhlichen Abend und versuchten jeder für sich ihren Lieblingsdrink festzulegen, wobei ich ihnen belustigt und gut unterhalten zusah. Ich versuchte aber auch, Pläne auszuarbeiten, da ich mir sicher war, dass es zwar jetzt die beste Taktik war unterzutauchen und zu verschwinden, aber ich  war sehr unsicher, wie lange das funktionieren würde und für diesen Fall, der irgendwann eintreten würde und ich mich nicht mehr verstecken konnte, versuchte ich schon jetzt, Pläne zu entwerfen, sollte mir doch keiner vorwerfen, ich wäre nicht vorbereitet für den Fall der Fälle.

Der Auftritt des Professors war mal wieder einzigartig gewesen, er hatte wenig gesagt aber darin lag ja die Würze, nicht?

Wir würden, wenn er wiederkäme, uns über die Möglichkeiten, die es gab, unterhalten müssen, aber ich wollte ihm mein Mal nicht zeigen, das wollte ich mir aufheben, ich würde mit Draco darüber reden müssen.

Um zwei Uhr in der Früh ging ich ins Bett, die Jungs feierten übermütig weiter, was ich ihnen gönnte.

Am nächsten Morgen sah ich alle erst spät wieder. Ich hatte mir Gedanken gemacht, warum das mit den Stäben von Fred und George nichts geworden war, denn das kleine Drama, als sie daheim die neuen Stäbe ausprobierten und nur etwas Biestigere und Fiesere kleine Eichhörnchen aus ihren neuen Zauberstäben brachen, war fulminant gewesen. Und so versuchte ich auf Zauberstabmacher zu machen und setzte mich doch tatsächlich mit der Materie auseinander.

Als dann endlich alle um den Tisch versammelt waren und sich mehr oder weniger aufrecht hielten, nach der kräftezehrenden Nacht, ergriff ich das Wort. Zabini hatte sich schon gut eingefunden und schien mehr auf seinen auf dem Tisch liegenden Armen zu schlafen, als mir zuzuhören.

„Fred, George, ich habe mir Gedanken darum gemacht, warum ihr immer noch Eichhörnchen als Patroni habt und…“ Sie unterbrachen mich erregt, denn sofort hatte ich damit ihre Aufmerksamkeit errungen:

„Bitte sag es uns?“, „Jaaaa, bitte!“, bettelten sie erbärmlich.

„Nun, George hatte Ulmenholz mit der Feder eines Hippogreifs von Ollivander und nun hat er Ulmenholz mit dem Haar eines Thestralschweifs!“, blickte ich in die Runde und alle hörten aufmerksam zu.

„Fred hat von Ollivander einen Zauberstab aus Walnussholz mit Hippogreifenfeder und nun Walnussholz mit Thestralschweif! Versteht ihr, was ich zu sagen versuche? Ihr habt nur euer Innenleben ausgetauscht, zwar ist dies der magische Kern, aber auch das Holz spielt da mit rein und anscheinend war das nicht genug, da ja auch das Innenleben ähnlich ist. Ich meine, beides sind magische Huftiere und ich als Laie denke jetzt halt, dass ihr mit den Eichhörnchen werdet leben müssen. Ich zum Beispiel hab halt zwei völlig verschiedene Stäbe, die so was von nichts miteinander zu tun haben“, erklärte ich schwer meine komplexen und wirren Gedanken.

Die Twins blickten ziemlich bedröppelt aus der Wäsche, Zabini verstand augenscheinlich nur Bahnhof und Draco nickte überlegend mit dem Kopf.

„Mhm, ich denke, du hast recht! Mal schauen, meine Stäbe, der Weißdornzauberstab hat, wie Hermiones, Drachenherzfaser und auch mein Schulzauberstab hat denselben Kern, ist aber aus Kastanienholz. Ich habe aber bisher nur mit dem Weißen den Patronus beschworen! Ich habe somit nicht die Kerne sondern nur die Hölzer getauscht, während ihr bei den Hölzern gleich seid aber das Innenleben ausgetauscht habt“, und so zielte er mit dem braunen Stab und es erschien nach seinem Expecto Patronum wieder eine Schlange, zwar nicht so beeindruckend groß und schön wie seine Viper, aber dem schon sehr ähnlich und unter dem Fidelus konnte er dies bedenkenlos mit dem Schulzauberstab tun.

„Also ich würde sagen, das zeigt, es ist das Zusammenspiel von Magie, aber anscheinend hat nur derjenige zwei Patroni, der zwei vollkommen gegensätzliche Zauberstäbe besitzt! Wenn die Frage gestattet ist, welche hast du denn, Hermione, ich darf dich doch so nennen?“, sprach da zum ersten Mal Zabini mit mir und ich lächelte ihn aufmunternd an.

„Aber natürlich, wenn ich Blaise sagen darf? Danke… nun, ich denke, du hast recht, anders lässt es sich nicht erklären! Und zu deiner Frage, ich habe eine Elster mit meinem richtigen Zauberstab, und mit dem Schulstab einen Otter!“, setzte ich ihn in Kenntnis und freute mich, dass er den Mut gefunden zu haben schien, endlich auch mit mir zu reden.

„Hast du auch zwei?“, fragten da die Twins synchron.

„Ähm, ja klar, haben doch die meisten!“, winkte er lässig ab und erhielt von uns erstaunte Blicke, Draco, der dies sah, antwortete uns.

„Das wisst ihr vielleicht nicht, aber die meisten oder fast alle Slytherins haben zwei, die meisten Familien legen Wert darauf, dass wir Kinder früh lernen, die Magie zu beherrschen und dies ohne das Wissen des Ministeriums. Die Zauberstäbe stammen meist aus dem Familienfundus. Jede unserer reinblütigen Familien hat, dank ihrer Ahnen und Vorfahren, eine riesige Auswahl an Zauberstäben, die sie wie ihre Augäpfel hüten und wenn man als reif genug angesehen wird, darf man sich einen aussuchen! Meinen weißen habe ich vom Gründervater der Familie Malfoy, dem großen „Armand Malfoy“, erhalten, was Vater geschockt und mich unglaublich befriedigt hat, als ich in sein empörtes Antlitz geblickt habe. Also bei uns ist das jetzt nicht soooo besonders!“, klärte er uns unwissende Gryffindors auf.

So etwas fand ich immer unfassbar spannend, das stand nie in Büchern, dass die großen Familien ihre Zauberstäbe aufhoben und horteten aber an sich war es logisch. Der Zauberstab war das höchste Gut für einen Zauberer und eine Hexe, ohne ihn fühlten wir uns nackt und wenn irgendwann die Zeit kam zu gehen, wird ihn niemand hergeben und das gute Stück zerstören oder sonst einen Unfug damit anfangen und es war intelligent, alle zu sammeln, damit man ähnlich wie Ollivander im Notfall auf eine Auswahl zurückgreifen konnte. So konnten sich die füreinander geschaffenen Zauberer ihre Stäbe suchen und finden, anders als bei Neville, der einfach den Stab seines Vaters in die Hand gedrückt bekam, ob dieser zu ihm passte oder nicht.

„Draco hat recht, so läuft das bei uns, aber ich hab überhaupt noch nie einen Patronus probiert! Aber ich hätte mal ein paar Fragen, ich dachte, du bist Potters beste Freundin?“, fragte ein skeptischer Blaise und die braunen Augen blickten mich fragend an.

„Das ist auch so, Blaise, Harry ist mein bester Freund!“, bekannte ich umgehend.

„Aber wie kannst du dann mit Draco zusammen sein?“, zeigten sich Unverständnis und Zweifel in seinem Blick.

„Draco weiß das und akzeptiert es! Und wenn Harry es wüsste, müsste auch er es akzeptieren, so einfach ist das!“, schmunzelte ich zu Draco hin, antwortete aber gerne.

„Ist das so einfach? Draco, ich bin verblüfft, du magst doch Potter nicht, oder?“, fragte er sichtlich aufgewühlt und schaute seinen blonden Freund hilfesuchend an.

„Was interessiert mich Potter? Solange ich von ihm verschont bin… und ich dieses nervende Wiesel nicht ertragen muss!“, seufzte er sich selbst bemitleidend. Blaise blickte ängstlich bei Dracos Aussage zu den Twins, da Draco mal wieder ihren Bruder so ganz nebenbei beleidigt hatte.

„Keine Angst, Blaise, bei den dreien ist er das bevorzugte Ziel…“, erklärte ich und lachte dabei bitterböse auf.

„Ihr vier seid komisch, ich hätte nie gedacht, dass ihr alle und vor allem du, Hermione, so seid, die brave, regelverrückte Streberin mit ihrem „Professor hier und Professor da“, die alles weiß, die Gryffindor schlechthin! Warum bist du so anders?“, zeigte er sich überfordert und schaute  mit großen Augen regelrecht unverständig in die Runde und sprach zusätzlich mit seinen Händen, was alle sehr amüsierte.

„Was soll ich dir jetzt darauf antworten, Blaise? Es ist nicht immer alles so wie es scheint. Ich bin, wie ich bin, aber nur die wenigsten wissen es und die, die es wissen, sind fast alle hier im Haus! Ich könnte jetzt noch sagen, alles Tarnung und das würde es, denke ich, am besten beschreiben!“

„Okay, warum Tarnung? Aber ich hab gleich noch eine Frage, die mir nicht leichtfällt, du hast… also du hast…“, stotterte er da erbärmlich und ich wollte ihm aus seiner unangenehmen Lage helfen.

„Ja, habe ich! Ich habe schon einmal gemordet und ja, es war Bole und es war ein unglücklicher Moment. Sie haben mich in einer Muggelgegend entdeckt, mich erkannt und wollten mir an den Kragen und was soll ich sagen, ich habe mich gewehrt und… ich lebe!“, versuchte ich die Geschehnisse kurz zu umreißen und lehnte mich mit überkreuzten Armen zurück. Ich konnte sehen, wie die Twins darauf brannten nachzufragen und so rollte ich mit den Augen. „War recht blutig, war nicht schön!“, versuchte ich ihnen zuvorzukommen.

„Genau und deswegen werden wir nun auch überlegen, was wir heute tun, da du nicht mehr raus darfst, mein Liebling!“, meinte Draco echt gemein zu mir. Musste er mir meine Gefangenschaft so unter die Nase reiben? Und küsste mich sachte auf die Stirn.

„Halt, Draco, wie hast du es geschafft, dass Snape sich so schnell bereit erklärt hat uns und Hermione zu unterrichten, ich meine, die alte Kellerassel ist doch sonst nicht so?“, warfen da die Twins berechtigter Weise ein.

„Nun, ich hab ihn schon als Kind immer ganz gut rumgekriegt und glaubt mir, seit ich größer bin und ihm Paroli bieten kann, macht es ihm richtig Spaß und ich denke, es juckt ihn in den Fingern, es mit Hermione zu tun und anzugehen. Ich denke nicht, dass er sich da lange überwinden musste“, meinte er schelmisch grinsend, wobei er an Doppeldeutigkeit nicht zu überbieten war.

„Du weißt schon, dass das jetzt zweideutig geklungen hat?“, fragte ich ihn sachte und lehnte mich mit meinem Oberkörper an ihn.

„Ja, klar aber du weißt auch, dass ich recht habe, zweideutig gesehen!“, hauchte er mir einen Kuss auf die Wange.

„Jetzt hätten wir mal eine Frage, was gibt es über dich zu wissen, Blaise?“, zeigten sich die Twins reichlich keck.

„Tja, meine Mutter heiratet einen Mann nach dem Nächsten und beerbt sie, ich denke es ist ihr Hobby!“, zuckte der dunkle Junge die Schultern.

„Mann Alter, du Armer, wie viele waren das bisher?“

„Sie hat vor einem halben Jahr den siebten Mann zu Grabe getragen“, leierte er ungnädig herunter.

„Waaas sieben? Stolze Zahl, krass, kriegst du alle Namen zusammen?“, meinte Fred, wie immer sehr taktvoll und wenig nett.

„Nun, ich bin sehr froh, dass ich die letzten Jahre auf Hogwarts war und somit die meisten meiner Stiefväter gar nicht kennenlernen musste, aber das ist das Leben meiner Mutter, da misch ich mich nicht ein!“, erklärte er rundheraus, während Draco hinter ihm stand und ihm nun aufmunternd auf die Schulter schlug.

„Außerdem ist unser Frauenheld hier kein Trauerkloß, er besitzt durchaus die Gene seiner Mutter!“, grinste Draco echt fies.

„Dann stimmen also die Gerüchte, die durch Hogwarts schwirren?“, lachten die Twins schallend, ich zog die Stirn kraus, so ungern ich es zugab, ich hatte keinen blassen Schimmer, von welchen Gerüchten die Rede war.

„Oh, hat unsere allwissende Schöne keine Ahnung, von was für Gerüchten wir sprechen?“, zog mich George reichlich biestig auf und zeigte mir, was er von meiner Ahnungslosigkeit hielt und ich zuckte die Schultern. Draco schmunzelte amüsiert und Blaise sah pikiert aus.

„Dass er ein Mädel nach dem anderen abschleppt, sei ja mal dahingestellt, aber tada, er soll auch ein Gryffindor Mädel abgeschleppt haben! Und… und sprich, du Schlange, ist es wahr, hast du?“, sangen beide ganz enthusiastisch.

„Ja, Blaise, ich will es auch endlich wissen, bin ich nicht die einzige Schlange, die Gefallen an Löwen findet?“, hieb Draco unnachgiebig in die gleiche Kerbe und der arme Blaise tat mir richtig leid, so in der Bredouille zu stehen.

Er rieb sich unsicher den Nacken. „Ja, ja, ich hab mal eine Gryffindor geknackt und bevor ihr schreit wer? Ein Gentleman genießt und schweigt!“, meinte er sehr bestimmt und ich gab ihm recht, diese Unholde hier mussten auch nicht alles wissen.

Auch wenn jetzt natürlich das Ratespiel losging welcher Jahrgang, blond, rot, braun oder schwarzhaarig… der bemitleidenswerte Arme!

So warteten wir ab, wann Snape wiederkommen würde, erhielten abends während des Essens aber nur Besuch von einer silbrigen Abgottschlange, die uns mit seiner tiefen, dunklen Stimme mitteilte, dass er erst am nächsten Abend, nach seinem Treffen mit Lucius, spät im Cottage erscheinen würde und warnte, dass ich mich an seine eindeutigen Anweisungen halten sollte. Irgendwie passte die Boa zum Kopf des Hauses, in ihrer schieren Größe war sie schon beeindruckend.

Dank dieser wenig erfreulichen Anweisungen und Auflagen war mir noch nicht ganz klar, wie ich die noch offenen Fragen zu den Unterlagen wegen Dumbledore lösen sollte, aber es bestand ja noch keine Eile, da ich erst mal alle Erkenntnisse der mir zur Verfügung stehenden Unterlagen zusammentrug.

Und so kam der Abend des nächsten Tages und wir alle erwarteten die Ankunft unseres hochverehrten, ewig schlechtgelaunten Tränkemeisters.

Dieser hatte dann auch erneut einen einmaligen Auftritt, wir saßen alle um den Kamin versammelt und redeten mal wieder und es waren interessante, aufschlussreiche Gespräche über diese Gesellschaft und über die der Muggel.

Ja, alle vier Jungs waren nach kleinen Verwandlungen, wie ihr Haar zu verändern und anderen einfallsreichen Tarnungen, einkaufen gegangen, ohne mich! Sie wollten mich trotz Verwandlung nicht der akuten Gefahr aussetzen und so wurde ich einstimmig zum Ausharren verdammt und Draco übernahm, da er einmal mit mir beim Einkaufen gewesen war, das Kommando über die Truppe und ich verwendete hier den Original Ton: „Alles hört auf meine Befehle“, hey, die gingen in einen Supermarkt, sie erstürmten nicht… ich weiß nicht… die feindlichen Linien.

Aber nun gut, sie rüsteten sich zum Kampf und selbst die Twins wirkten ob der ungewohnten Art wie die Muggel an Lebensmittel kamen, sehr aufgedreht und angespannt.

Als der Vierertrupp ihre Hintern zur Tür hinaus hatte machte ich mir auf der Stelle Sorgen. Die chaotischen, unkontrollierbaren Twins, ein herrischer arroganter Malfoy und ein Blaise Zabini, der möglicherweise der Ruhigste und Besonnenste der Runde war, aber so weit weg von der Lebensweise der nichtmagischen Menschen, dass der auch nichts half. Die verließen sich alle auf Dracos Wissen, das er dank eines einzigen Einkaufs erworben hatte.

Hoffentlich ging das gut! Nach stundenlangem Warten, war ich kurz vor einer Panikattacke und hatte die Münzen aktiviert!

Also was wollt ihr hören, sie kamen endlich Heim! Immer das Positive aus der Sache ziehen, sie waren alle vier wohlbehalten und im Ganzen wieder angekommen, war doch schon mal was!

Das Negative war, dass sie wirklich alles und ich meine alles eingekauft hatten, denn Draco hatte leider die gleiche Karte wie ich von Gringotts, die der Kreditkarte der Menschen so ähnlich war. Er erklärte mir stolz, dass er von Gringotts immer alles hatte und für jeden finanziellen Notfall gerüstet war und schenkte mir ein breites Grinsen.

Ich wusste gar nicht, wo ich das alles unterbringen sollte, sie hatten alles gekauft und freuten sich über ihre Beute wie die kleinen Kinder, kam ich mir in diesem Moment alt vor!

Sie hatten vom Toilettenreiniger bis hin zur Schokolade und Schafskäse alles mitgebracht, sogar Kondome konnte ich zu meinem absoluten Unglauben erkennen, ich glaubte nicht, dass sie wussten wofür die gedacht waren, bitte lass sie nicht auf die doofe Idee kommen sie aufzublasen!

Ich hörte immer wieder nur noch, wofür ist dies und wofür ist das und schmeckt das, bääääh, igitt und dann flog es in den Abfall, ich freute mich ja, dass sie auf Entdeckungsreise waren aber anstrengend war es trotz allem.

Und so saßen wir nach einem langen Tag um den Kamin und ich versuchte, eine gute Übersicht über die Muggelwelt zu geben, es schien meine reinblütige Gesellschaft zu fesseln, da selbst die Twins trotz Arthur nur wenig über meine Welt wussten. Es war immer wieder erstaunlich, wie abgeschottet die Zauberer und Hexen lebten.

Wir tranken gerade selbstgemachten Glühwein, sie waren auch über die Gewürze hergefallen, da sie Draco an Trankzutaten erinnerten und er alle, ich meine alle, Gewürze kaufte, die der Supermarkt zur Auswahl hatte und dann daheim hatte er sehr inbrünstig Glühwein nach einem alten Rezept zusammengebraut. Er stand geschäftig vor dem Kochtopf, wie im Tränkeklassenzimmer vor einem hochexplosiven Kessel, mit hoch erhobenem Kochlöffel, nur hatte diesmal jemand an die Kamera gedacht, den Twins sei Dank!

Und nun tauchte mal wieder Snapes Patronus auf und keifte mit der wohlklingenden Giftstimme des Professors, dass gefälligst einer seinen Hintern aus dem Haus bewegen sollte, um ihn einzulassen.

Draco war so schnell aufgesprungen, wie man kaum schauen konnte und eilte los, ließ den ungeduldigen Professor ein.

Dieser kam in einem beeindruckend geschnittenen, schimmernden, schwarzen Umhang, den ich noch nie an ihm gesehen hatte und schimpfte lauthals weiter.

„Warum komme ich nicht rein? Ich hasse es, zu warten!“, fauchte er erbost und Draco blickte ihn nur augenrollend an.

„Professor, ganz einfach, Sie kennen zwar den Fidelius, der auf dem Haus liegt aber Sie sind nicht im Blutschutz aufgenommen!“, strahlte ich ihn entschuldigend an, fand mich aber gerade selbst genial.

Snape starrte mich an und der Ausdruck von sehr sauer fuhr herunter, wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich gesagt, er schaute zufrieden aus.

„Sie haben auch einen Blutschutz auf das Haus gelegt. Ordentlich, das ist ordentlich! Gehe ich recht in der Annahme, dass es Gringotts war, die dies bewerkstelligt haben?“, fragte er wie nebenbei und sank geschmeidig in seinen Roben in den Sessel der nahe des Kamins stand. Draco setzte sich wieder zu uns auf die Kissen und rief einen Glühwein für Snape herbei.

„Korrekt, Professor, ich habe das Gringotts machen lassen, es tut mir leid, wollen Sie auch aufgenommen werden?“, bot ich indirekt an und sah die Tasse mit dem heißen Getränk an uns vorbeischweben, welche von ihm gerade gekonnt aus der Luft gegriffen wurde.

„Nein, Miss Granger, es ist besser, so wenige wie möglich aufzunehmen, es reicht, dass ich es sehen kann!“, informierte er gewohnt knapp und nahm einen Schluck von dem wärmenden Wein, dabei schloss er die Augen, wenn er kurz so aussah konnte man denken, dass eine kleine Erschöpfung oder Müdigkeit sich in seinen Zügen zeigte, die sonst hinter der Emotionslosigkeit verborgen war. Ich warf Draco einen fragenden Blick zu und er bestätigte mir meine Vermutung mit einem sorgenvollen Blick auf seinen Patenonkel.

„Du kommst von Vater?“, traute sich Draco die Stille, die sich um unsere Gruppe gelegt hatte, zu brechen.

„Ja“, öffnete er nun seine stechenden Augen, die regelrecht in seinem blassen Gesicht glühten. „Ich… wir hatten ein paar Aufträge zu erfüllen, sehr zeitintensiv und die ganze Zeit Bellatrix zu ertragen, zerrt an meinen Nerven…“ Ich kicherte leicht auf, was mir verwirrte Blicke einbrachte. „Was ist so lustig, Miss Granger?“, zischte er wenig amüsiert.

„Ich finde es schade, dass Sie Dracos Tante kein Nachsitzen geben können! Nach dem was Draco so erzählt, treibt sie auch seinen Vater an den Rand des Wahnsinns!“, erklärte ich kurz und zuckte die Schultern, dann trank ich, ihm zuprostend, den hervorragend gewürzten Wein.

„Ach was, Lucius ist das dank Narcissa gewöhnt, er hat sich sogar mit Bellatrix über Sie unterhalten, Miss Granger, wenn ich könnte, würde ich sie wieder nach Askaban stecken, sie dreht am Rad. Er hat ihr verboten, sollte sie Ihnen über den Weg laufen, Ihnen etwas zu tun, da er Sie nicht tot sehen will und glauben Sie mir, wenn Lucius einer Forderung Nachdruck verleiht, dann kuscht auch Bellatrix vor ihm, genau wie alle anderen“, erklärte er nüchtern und wenig begeistert.

„Aber sind die Lestranges nicht seine treuesten Anhänger? Warum sollten sie vor Mr. Malfoy kuschen?“, fragte da Blaise interessiert, der entspannt mit dem Rücken an den Füßen der Couch lehnte.

„Mr. Zabini, das stimmt so nicht, Bellatrix und die Lestranges mögen treu sein und auch dem Inneren Zirkel angehören, aber sie sind noch lange nicht in der Position, in der sich Lucius oder auch ich mich befinden. Keiner würde einem Befehl von Bellatrix folgeleisten wenn Lucius einen anders lautenden gegeben hat!“, gab er uns Einblicke in das Machtgefüge der DeathEater und schnaubte abfällig. „Genau, und weil Lucius weiß, wie verrückt sie sein kann hat er ihr befohlen, für den unwahrscheinlichen Fall, dass Sie, Miss Granger, in Bellatrix‘ Hände fallen, dass sie Ihnen nichts tut! Was, so schmerzhaft es ist, dies zuzugeben, auch etwas wert ist, bei Ihrem Glück!“, ätzte er gewohnt gehässig.

Aber selbst ich dachte, das war doch mal toll, ich war nicht mehr allein, er sah es genauso wie ich, er sah auch, dass ich kein Glück hatte! Vielleicht sollte ich mal mit ihm über das Glück und Unglück von mir diskutieren. Ich linste zu ihm, wie er in dem Sessel über uns thronte und biss auf meiner Lippe herum, Lust hätte ich ja schon, es ihm vorzuschlagen. Aber trauen? Das war etwas ganz anderes!

„Oh Mann, was plant Vater denn weiter wenn er schon Befehle verteilt?“

„Noch nicht viel, der Lord hält ihn gerade sehr auf Trab, sodass ihm nur wenig Zeit für sein privates Vergnügen bleibt, aber er plant… Ihnen spätestens Ostern in Ihrem Elternhaus aufzulauern, wenn Sie die Schule verlassen sollten“, beugte sich Snape bedrohlich nach vorne. Seine langen Haare umspielten sein Gesicht, die Spitzen berühren mich fast und da ich zu seiner linken Seite zu seinen Füßen am Boden saß, sah er mir nun direkt in meine Augen und unsere Nasen berührten sich fast.

Ich möchte nicht wissen, was die anderen dachten als sie uns so sahen, wie wir uns so nahe waren, aber ich verspürte nicht den Drang, etwas zu ändern. Ich fühlte mich nicht angegriffen. Ich verstaute die Information in meinem Geist und begab mich mit Geschwindigkeit an die Lösung des Problems, während ich Snape weiter in seine undurchdringlichen, schwarzen Augen schaute. Ich durfte sehen, wie der Fokus seiner Pupille zu meinem Mund fuhr als ich mir mit der Spitze meiner Zunge über die Lippe strich.

Hier konnte ich ein leicht ersticktes Keuchen vernehmen und ich wusste mit absoluter Sicherheit, es war nicht Draco, das musste von Blaise oder den Twins kommen, oder von all ihnen zusammen!

„Professor, will Lucius so schnell den Einsatz erhöhen, was sollen wir nur tun? Lassen Sie mich überlegen…“ wisperte ich in den stillen Raum und bohrte meine Zähne leicht in meine Unterlippe und zog sie zurück. „Mhhmh… das passt nicht in den Plan… er darf mich frühestens in den Sommerferien erwischen…!“, ich konnte sehen, wie seine dunklen Augenbrauen bei meinem Kalkül hochzuckten und seine Augen wieder meine einfingen, während er nun auf einmal rasant meine Oberarme mit beiden Händen umschloss und zudrückte.

„Sie dummes Mädchen, sehen Sie nicht die Gefahr für sich, aber auch für Ihre Eltern?“, fauchte er leise und hielt mich fest, was mich leise kichern ließ. „Sie treiben mich in den Wahnsinn“, meinte er frustriert und stieß mich hart von sich, auf dass ich mit Schwung nach hinten in die Kissen fiel und in die ungläubigen und skeptischen Gesichter der Jungs sehen durfte.

„Aber Professor, wo bliebe denn dann der Spaß? Aber zurück zum Ernst!“, richtete ich mich entschlossen mit Dracos Hilfe wieder auf. „Ich meinte das durchaus ernst, können Sie ihn bis zu den Sommerferien aufhalten? Ich bin erst frei und bereit nach der ersten Woche, es würde alle meine Pläne, meine sorgsam ausgearbeiteten Pläne ruinieren, wenn sich Malfoy nicht noch bis dahin beherrschen kann!“, meinte ich genervt unter Anbetracht der drohenden Vereitelung meiner Vorbereitungen. „Gringotts, oder besser Mr. Rangok, würde einen Herzinfarkt bekommen, wenn ich alles umschmeiße!“

„Was planen Sie denn so tolles, dass Sie nach den Ferien so frei entscheiden können und sogar bereit wären, sich Lucius zu stellen?“, ätzte er ungehalten und ich konnte spüren, wie mir Draco seine Hand in den Nacken legte und er begann mich sachte zu streicheln, da er wusste was ich plante. Snape sah auch die intime Geste, sagte aber nichts dazu.

„Ich bevorzuge über meine Pläne zu schweigen, bis sie erfolgreich ausgeführt sind!“, meinte ich geheimnisvoll.

„Miss Granger, hören Sie mit diesen kindischen Spielchen auf, Sie sind nicht in der Position, sich so verhalten zu können. Was planen Sie, dass Sie sich dann weniger Sorgen?“, fragte er unbeugsam und ich fühlte, wie mir Draco nahe kam und mir von hinten ins Ohr flüsterte.

„Sag es, er wird vorher keine Ruhe geben“, riet er mir und küsste mein Ohr sanft.

Ich holte tief Luft. „Mein Plan ist, dass ich ab der ersten Ferienwoche alleine bin und sein werde. Das heißt, dass kein Angriffspotential mehr vorhanden sein wird“, erklärte ich dann doch recht knapp und wenig auskunftsfreudig.

„Wie meinen?“

„So wie ich es sage, ich beseitige den einzigen Unsicherheitsfaktor, den es in meinem Leben gibt! Meine Eltern!“, lächelte ich ihn kalt und unerbittlich an, dabei konnte man mal wieder das laute Luftholen aller hören.

Snape überraschte uns jetzt alle, indem er sich ans Kinn fasste und in den Sessel sank. „Das ist gut, sehr gut, ich hatte wahrhaftig unterschätzt, was Sie zu tun bereit sind! Sie planen das seit diesem Sommer?“, meinte er interessiert und erstaunte auch mich damit, dass er keinen auf Moralist machte, sondern einfach nur die Fakten eiskalt sondierte. „Ich sehe sie alle erstaunt, warum? Miss Granger hat recht, mit dem was Sie will, Sie ist das Problem sachlich, kalt und analytisch angegangen und hat die richtigen und völlig korrekten Schlüsse gezogen. Sie lässt Ihre einzige offensichtliche Schwachstelle verschwinden!“, meinte er da durchaus anerkennend.

„Du siehst mich und Hermione erstaunt, Severus, da du ihr keine Predigt hältst, dass sie das nicht machen kann!“, fasste Draco genau meine Gedanken zusammen.

„Warum sollte ich? Mittlerweile bin ich mir dessen bewusst, dass die gute Miss Granger nur das tut, was sie denkt und sich so gut wie nichts sagen lässt! Obgleich ich neugierig wäre, was genau Sie planen, Miss Granger?“, fragte er fast süßlich, so saß er mit düsterem Blick da und nahm noch einen Schluck.

„Die genauen Abläufe möchte ich so nicht darlegen, das sehen Sie dann, aber es ist gut durchdacht… Sie werden zufrieden sein, aber ich denke nicht, dass ich alles schon auf Ostern schieben kann!“

„Gut, ich werde Ihnen versprechen, Ihnen zu helfen, aber danach will ich alle Details, Miss Granger“, kam es recht kompromisslos von ihm und ich nickte, zeigte mein Einverständnis. „Gut, ich werde es schaffen, Lucius bis zum Sommer abzulenken und Sie werden in Hogwarts verbleiben!“, stellte er seine Forderung.

„Geht in Ordnung und danke, Sir!“, strahlte ich ihn an.

„Sonst gibt es nicht mehr viel, außer bleiben Sie von der Straße fern und wie kommt ihr alle zurück nach Hogwarts, nur noch zwei Tage, dann sind die Ferien zu Ende?“, plante er weiter munter drauf los, unser Professor war ein sehr zielstrebiger Mann.

Wir sahen uns alle reichlich imponiert an, wenn man sah an was er alles dachte und nickten uns einstimmig zu, wir hatten das schon besprochen.

„Wir apparieren nach Hogsmeade und tun so als wären wir mit dem Fahrenden Ritter gefahren“, sagte ich ihm und er nickte langsam.

„Das ist gut, gehen Sie aber bis Sie in Hogwarts sind als „Abraxina“!“, empfahl er und dieses Wort sprach er so verachtend aus wie es nur ging, dann schien ihm noch etwas einzufallen.

„Haben Sie Potter wie abgesprochen eingewiesen? Da ich die Ehre haben werde, ihm diese Kunst nahe zu bringen?“, ließ er sich wenig glücklich vernehmen und ich wusste, er meinte Okklumentik.

„Denken Sie, dass das eine gute Idee ist?“, fragte ich sehr zweifelnd, warum verlangte Dumbledore so etwas von Snape, ich glaubte nicht, dass das eine günstige Konstellation war. Harry und Snape in einem Raum!

„Ich sehe das genauso, aber was sollen wir tun… wir werden sehen und haben Sie…?“, setzte er neugierig nach, wenngleich seine Mimik Gleichgültigkeit demonstrierte.

„Natürlich, er setzt sich seit dem großen Ereignis mit den Büchern auseinander, der Rest… wie Sie sagen, wir werden sehen.“

„Gut, dann wäre das alles geklärt“, resümierte er barsch.

„Es ist immer wieder schön, Sie hier zu haben!“, meinte ich süffisant strahlend und stand auf, um ihn höflich zur Tür zu bringen, denn ich hatte seine Andeutung, dass wir fertig waren verstanden.

„Die Herren!“

„Professor, Sir“, kam es brav von allen, erstaunlich, aber wahr.

Im Flur wollte ich die Tür öffnen und dem Professor freundlich aufhalten, als er seine Hand an das Holz legte und ich sie so nicht aufziehen konnte. Ich blickte konfus über meine Schulter und sah ihn dicht an meinen Rücken gedrängt stehen, ich konnte seine Konturen erahnen.

„Was planen Sie mit Ihren Eltern, Sie werden sie doch nicht… töten?“, wisperte er sehr leise, wobei er mir eindringlich in die Augen blickte.

Ich flüsterte ebenso leise zurück: „Sie trauen mir aber viel zu, Professor? Lassen Sie sich überraschen, der Plan ist genial, Sie werden sehen!“, schmunzelte ich verschlagen.

„Tuen Sie nichts, was Ihnen leidtun könnte!“, meinte er noch ernst und legte nun seine großen, feingliedrigen Hände über meine und zog die Tür auf.

Ich konnte gar nicht sagen wo er war, da er fast augenblicklich mit der Finsternis der Nacht eins geworden war und ich nur triste Dunkelheit ausmachen konnte, die vor mir lag.

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beta
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