Die Nummer

Ricarda fuhr schweren Herzens "nach Hause." Sie hatte sich heute Vormittag den Weg eingeprägt, da sie ihn das letzte Mal in der Dunkelheit kaum wahrgenommen hatte. Leonhard, den sie bedauerte, aber nicht verstehen konnte, blieb bis zu ihrer Ankunft hinter ihr. Als sie vor der Garage zu stehen kam, hielt auch er an und stieg kurz aus. Ricarda stieg ebenfalls aus, weil sie die Garage ja mit dem Schlüssel (Peter konnte alle Türen seines Hauses mit einem Schlüssel sperren) öffnen musste. "Ricarda, es tut mir zweimal leid. Erstens, was euch passiert ist und zweitens, das Verhalten meiner Partnerin. Sie wird es nicht mehr lange sein! Ich hatte gehofft, sie würde sich ändern... Aber sie ist verrückt nach ihrem Peter. Sie ist eine Stalkerin, fürchte ich. Ich wünsche ihnen und Peter natürlich alles Gute! Bitte zögern sie nicht, mich anzurufen, falls sie Hilfe brauchen egal Welche!" Er hatte eine Visitenkarte gezückt und sie ihr gegeben. "Vielleicht habe ich noch Gelegenheit zu einer Wiedergutmachung..." - "Danke Leonhard! SIE haben absolut keinen Grund, sich zu entschuldigen. Ich kenne noch niemanden hier und bin deshalb froh, dass ich einen "Telefonjoker" hätte. Ich hoffe, ihn nicht zu brauchen! Auf Wiedersehen und Danke, Leonhard!"
Ricarda stellte den Golf in die Garage, schloss das Tor und ging ins Haus. Sie ging zur Haustür und prüfte, ob sie auch versperrt war, denn allein war sie hier noch nie gewesen und es war ihr ein Wenig unheimlich. Sie holte den Einkauf aus dem Golf und verstaute erst die Kühlware und überlegte dann, wo sie denn ihre Kleidung nun hingeben sollte. Im Schlafzimmerkasten war noch Platz, aber sie wollte Peter nicht zu nahe treten. Vermutlich hätte er sie ausgelacht aber sie wollte einfach sein OK, wenn sie sich was aneignete. Und sei es auch nur so was Banales, wie ein Fach im Kasten. Sie wusste genau, dass sie nur die Zeit totschlagen wollte, bis Peter anrief, aber das konnte genau genommen auch erst morgen sein. Sie setzte sich auf die Couch im Wohnzimmer. Ein Paar Tränen liefen über ihr Gesicht. "Du dummes Mädchen brauchst gar nicht zu weinen!" dachte sie, "Das hätte viel schlimmer ausgehen können!" Wie schnell sich doch alles geändert hatte. Ein Mann, den sie letzte Woche noch nicht einmal gekannt hatte, bedeutete ihr heute alles! Als sie vor dem brennenden, demolierten Mercedes gestanden hatte, war ihr ein furchtbarer Gedanke durch den Kopf geschossen. "Oh Gott, bitte lass ihn überleben! Bitte! Wenn er stirbt, möcht ich auch nicht mehr sein..." Langsam wurde ihr klar, dass sie das tatsächlich gedacht hatte. Ihr Handy läutete in ihrer Handtasche, die ihr eigentlich zu teuer gewesen wäre. Als Peter das bemerkt hatte, hatte er sie hinter ihrem Rücken gekauft und sie beim Verlassen des Geschäfts damit überrascht. Ja, er war durchaus ein Traummann...
Schnell ging sie dran. "Erika! Wieso weißt du immer, wann ich dich brauche?" So ging schon mal fast eine Stunde ins Land. Sie hatte weiß Gott viel zu erzählen von einer wundervollen Nacht und einem schönen Tag mit Peter, dessen Ausgang furchtbar war. Nach fast einer Stunde war das Gespräch (vorläufig) beendet. Ricarda stellte das Handy auf den lautesten Klingelton und hängte es ans Ladegerät. Sie mochte einen eventuellen Anruf vom Krankenhaus auf keinen Fall versäumen. Es läutete an der Haustür. Ricarda war total erschrocken! Wer mochte das sein. Vorsichtig ging sie nachsehen und erkannte Rupert Holzer wieder. Sie öffnete. "Ricarda, wie gehts ihm? Leonhard hat mich angerufen. Kann ich irgendwas für sie tun?" - "Nein danke, Rupert. Peter hat ja tolle Freunde." "Ich hatte ihre Nummer nicht und Leonhard sagte mir, das sie hier sind. Deshalb bin ich nur schnell hergekommen, um ihnen meine Telefonnummer zu hinterlassen. Wenn sie oder Peter irgendwas brauchen, egal was, dann lassen sie es mich bitte wissen. Hat Peter sein Handy mit?" - "Ja, aber jetzt wo sie es sagen..." Ricarda wurde blass. "Rupert! Ich hab ja nicht mal seine Nummer! Wir haben nie telefoniert. Wir sind immer zusammen gewesen und heute morgen haben wir vergessen die Nummern einzuspeichern!" Ricarda war ganz aufgelöst. "Ganz ruhig, Ricarda! Beruhigen sie sich! Ich gebe sie ihnen gleich." - "Aber er hat ja meine nicht! Er kann mich nicht anrufen. Er hat gesagt, ich soll auf seinen Anruf warten!" - "Ricarda, darf ich eintreten?" - " Oh, Entschuldigung, natürlich, Herr Holzer. Ich stehe total neben der Spur!" Sie gingen ins Wohnzimmer. "Geben sie mir ihr Telefon, Ricarda!" Sie steckte das Ladegerät aus und gab das Handy her. Rupert speicherte Peters Nummer ein und dann seine Eigene. Dann suchte er nach Ricardas eigener Nummer und Sendete sie als SMS an Peter. "So, Ricarda. Peter HAT ihre Nummer." - "Ich bin so dumm!" meinte Ricarda und schlug sich  mit der flachen Hand auf die Stirn. "Nicht dumm! - Verliebt! Und das ist gut so! Sie passen gut zu meinem Freund. Ich freue mich für euch beide! Ich verlasse sie jetzt wieder Ricarda! Halten sie mich auf dem Laufenden und vor Allem: Scheuen sie sich nicht, mich anzurufen, wenn sie nicht mehr weiterwissen! Alles Klar?" - "Danke Rupert! Vielen, vielen Dank!" Sie versperrte hinter Rupert die Haustür und fühlte, wie ihr Herzschlag sich normalisierte. Das mit der Nummer hatte sie voll von der Seite getroffen...

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    So, endlich konnte ich Das Lesen deiner Geschichte mal nachholen. Sehr spannend und eine sehr schöne Liebesgeschichte. Freue mich schon auf die Fortsetzung! ;-)

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