Die Pfeiler des Licht (21)

12. Kapitel

Tatsächlich zogen sich die Ibranis aus dem Dorf der Awrighas zurück und diese konnten mit dem Wiederaufbau der zerstörten Häuser beginnen. Alle hatten sich wieder einigermassen von ihren Verletzungen erholt und auch Hanania und Hanaels Freunde, waren wieder aus ihrer Ohnmacht erwacht. Hanael freute sich zwar sehr, doch die Freude war nicht ganz unbeschwert, denn er war sich wohl bewusst, dass er die Kontrolle verloren und sich selbst durch Gewalt an seinen Mitmenschen, versündigt hatte. Vor allem, dass er seinen Liebsten solches Leid zugefügt hatte, liess ihn nicht mehr los. Sie schienen es ihm zwar nicht wirklich übel zu nehmen, doch er nahm es sich selbst umso übler. Er hatte einst von seinen Schöpfereltern eine besondere Kraft erhalten, auch um seiner Aufgabe als Führer, besser gerecht zu werden. Doch nun hatte er diese Kraft für Böses verwendet. Seitdem waren eine Dunkelheit und Trauer in ihm, die er noch nie bisher auf diese Weise empfunden hatte. Er sehnte sich so sehr nach Ruhe, wollte am liebsten nicht mehr an das denken, was sich hier zugetragen hatte. Seine Seele war irgendwie gebrochen und er spürte ganz deutlich, wie auch seine Schwingung immer mehr abnahm. All diese Probleme, mit denen er sich in seiner geliebten Welt nun auseinanderzusetzen hatte, verdunkelte sein Gemüt und zur Trauer über den Verlust seiner geliebten, himmlischen Heimat, kam nun auch noch die Trauer über seine eigene Unzulänglichkeit. Jeden Tag, den er hier noch verbrachte, war ihm im Verborgenen eine Qual, dennoch half er den Awrighas noch beim Wiederaufbau ihres Dorfes.

Doch als er dieses dann wiederverlassen konnte, war er auch sehr froh. Es zog ihn in eine stillere, seiner Heimat ähnlichere, Gegend und so machte er sich, zusammen mit seinen Begleitern auf, zum Reich der Indigenes.

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Jael und Jaella schauten ungläubig auf das Schauspiel, dass sich ihnen, nach dem Verzug des Nebels, darbot. Unter ihnen lag nun nicht mehr die Schlucht, mit dem tiefen Wasserbecken, sondern eine gänzlich andere Landschaft. Es war eine wundervolle Landschaft, mit fünf glitzernden Flüssen, welche von allen Himmelrichtungen her kamen und alle in einen grösseren Fluss, welcher sich um eine Art Insel herumschlängelte, mündeten. Auf dieser Insel befanden sich wundervolle, strahlende Säulen, die in allen Regenbogenfarben leuchteten. «Darf ich euch vorstellen,» sprach Helala freudig «Die Pfeiler des Lichts!» «Die Pfeiler des Lichts?» Das Fürstenpaar blickte tief beeindruckt auf den geheiligten Ort. «Aber wie geht sowas, warum sind wir hier?» «Shangrilja ist eben eine ganz besondere Stadt, sie kann von einem Ort zum anderen reisen.» «Ist das nicht nur eine Illusion, sind wir wirklich da?» «Ja wir sind wirklich da und wir können auch hinuntergehen, wenn ihr wollt. Ihr seht wir befinden uns auch hier wieder auf einem Berg. Shangrilja kann überall erscheinen, wo es Berge gibt. Sie ist nicht an eine Sphäre gebunden.» «Könnten wir denn in die Finsteren Lande damit reisen?» «Ja, allerdings bedürfen die Leute in Eden, gerade unserer Hilfe. Shangrilja ist dafür gedacht, ein Leuchtfeuer für jene zu sein, die sich verloren fühlen und doch die Sehnsucht haben, einst in ihre alte Heimat zurückzukehren. Leider müssen wir anerkennen, dass Eden wohl nicht mehr lange so bestehen wird, wie wir es kennen. Die Schwingung seiner Bewohner, ist leider schon zu tief abgesunken und es sieht so aus, als würden die finsteren Lande sich ausbreiten. Allerdings hat sich auch dort eine Menge verändert.» «Was denn?» «Das werdet ihr noch früh genug erfahren. Jetzt geht es erst mal darum hier zu bleiben und auf jene zu warten, die bei den Pfeilern des Lichts hoffen, eine Lösung für ihre Not zu finden. Vielleicht werden sie noch zur Vernunft kommen, aber die Verlockungen, die nun in den einstmals finsteren Landen auf sie warten, sind wohl stärker, als ihr Glaube an eine Rückkehr in die hohen Himmel.» «Sollen wir sie davon abhalten, in die finsteren Land zu gehen?» Helalas Augen blickten traurig. «Wir können sie nur darauf hinweisen, was das bedeuten kann. Eine Entscheidung können wir nicht für sie treffen. Das müssen sie selbst tun. Doch wir werden ihnen unsere Hand bieten, so wie wir es bei allen machen, die ihrer bedürfen. Dazu sind wir berufen worden.» «Aber warum wurden ausgerechnet wir dafür ausgesucht, es hätte bestimmt Bessere gegeben als uns,» fragte Jael. «Wir alle sind genau da, wo wir sein sollen, meine lieben Freunde. Zweifelt nicht daran, sondern freuet euch, dass euch solch eine ehrenvolle Aufgabe zuteilwurde.» Jael blickte nachdenklich auf die Pfeiler des Lichts herab, welche im hellen Schein der Sonne, funkelten und glitzerten. «Wir sind ja auch dankbar nur… ich weiss nicht, ob wir diese Aufgabe auch gut zu erfüllen vermögen.» «Oh doch das werdet ihr, das werdet ihr ganz bestimmt!»

Helala lächelte überzeugt und legte dem Fürstenpaar ihre Arme um die Schultern.

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