Die Pfeiler des Lichts (12)

Einen Moment lang schaue ich die wild entschlossene Kriegerin, erstaunt an. Ich weiss nicht recht, was ich von ihr halten soll. Eigentlich verabscheue ich jede Art von kämpferischen Auseinandersetzungen und dass sie und Ashalia zusammen sein sollen, ist auch etwas ungewöhnlich. Und doch… Irgendwie beeindruckt sie mich. Ihre Ausstrahlung gefällt mir ebenfalls, besser, als jene von Anauel. Es ärgert mich schon ziemlich, dass ich so auf dessen Lügen hereingefallen bin. Er hat uns für seine Zwecke instrumentalisiert und das ist eine ziemlich frevlerische Angelegenheit.

Hanania rief wütend: «Der König hat uns also scheinbar belogen, als er sagte, ihr hättet Ashalia entführt?» «Es sieht ganz so aus,» erwiderte Haialah. «Wenn ihr wollt, könnt ihr Ashalia gerne selbst fragen! Sie befindet sich in ihrem kleinen Haus, ausserhalb des Dorfes. Bitte folgt mir, grosse Führer! Wir sind überglücklich, euch hier zu treffen. Vielleicht könnt ihr uns zu mehr Gerechtigkeit verhelfen.»

Die Krieger, führten die Reisenden in ihr Dorf, welches zum grossen Teil, aus Zelten bestand. Die Zelte waren aus dicht gewebtem, schwerem Stoff gefertigt und in ihrem Inneren mit Teppichen ausgelegt. Es gab kleinere und grössere. Ein Bach plätscherte gleich neben dem Dorf. Haialah führte ihre Gäste zwischen den Zelten hindurch und etwas weiter hinein, in ein kleines, verborgenes Neben- Tal. Dort befand sich, noch zusätzlich geschützt, von ein paar mächtigen Steinfindlingen, ein kleines, aus Lehm und Holz gefertigtes, weiss bemaltes Haus. Einige Mosaiksteine verzierten selbiges. Das Innere war erstaunlich gemütlich eingerichtet. Es gab zwei Räume. Einen zum Schlafen und einen, um zu kochen und sich am Tag darin aufzuhalten. Ein bunter Vorhang aus Glasperlen trennte die beiden Räume ab. Als die Freunde die hölzerne Tür öffneten, durchschritten sie ebenfalls so einen Perlenvorhang. «Es hält die Fliegen und Mücken ab,» erklärte Haialah. «Ashalia ist sich etwas mehr Komfort gewöhnt, als wir. Wir mögen unsere Zelte eigentlich ganz gern. Sie sind praktisch und lassen sich relativ schnell abbrechen und an einem anderen Ort wiederaufbauen. Wir müssen stets auf der Hut sein, vor Anauels Armee.»

«Sie würden euch angreifen, wenn sie wüssten wo ihr euch aufhaltet?» fragte Dinael. «Ja, das würden sie bestimmt. Wir hatten schon öfters mal kämpferische Auseinandersetzungen, mit ihnen. Doch gerade wissen sie zum Glück nicht, wo unser Dorf sich genau befindet. Sobald Gefahr im Verzug ist, werden wir hier die Zelte abbrechen und weiterziehen. Wir hoffen es jetzt aber mal nicht, denn immerhin haben wir dieses kleine, schmucke Haus hier, extra für Ashalia aufgebaut.» «Ja,» erklang nun aus dem Schlafraum eine Stimme «und ihr habt das wirklich sehr schön gemacht!» Eine wunderschöne Frau, mit samtener Haut und glänzendem langem Haar, trat nun in den Wohnraum und begrüsste Haialah mit einer liebevollen Umarmung. Dann musterte sie die Neuankömmlinge. Ihre Augen weiteten sich: «Aber… seid ihr etwa…?» «Ja, es sind die grossen Führer!» sprach Haialah «ist das nicht unglaublich?» «Allerdings!» freute sich Ashalia «muss ich mich jetzt verbeugen?» fragte sie dann etwas unsicher. «Verbeugen?» sprach Hanania «seit wann muss man sich vor uns verbeugen? Das musste man nie und wird es auch nie müssen. Was ist nur los mit euch Ibranis?» «Ärger schwang in ihrer Stimme mit.

«Es liegt einiges im Argen,» erwiderte Haialah, an Ashalias statt. «Bei den Ibranis gibt es nun Herrscher und Diener, aber das habt ihr ja selbst gesehen, ihr wart ja bei Anauel.» «Bei Anauel?» fragte Ashalia und Furcht spiegelte sich in ihren Augen «wollt ihr mich etwa zurück zu ihm bringen?» «Eigentlich hat er uns darum gebeten, er sagte du seist von den Rebellen hier entführt worden,» gab Hanael zurück «aber wir sehen, dass das nicht stimmen kann, du willst hier sein.» «Ich wollte schon immer hier sein, ja! Ich bin glücklich an diesem Ort. Anauel war nahe daran mir Gewalt anzutun, weil ich ihn nicht heiraten wollte. Darum bin ich geflohen. Ich kann nicht glauben, dass er euch so belogen hat!» Wut schwang nun auch in ihrer Stimme mit. «Das verändert natürlich die ganze Situation,» sprach Hanania. «Anauel hat uns wirklich ziemlich zum Narren gehalten, wie es aussieht. Wir waren schon über manche Dinge nicht erfreut, die wir im Reich der Ibranis sahen, doch dass Anauel so lügt, macht alles noch schlimmer. Wir werden ihn nochmals zur Rechenschaft ziehen. Allerdings haben wir zuerst noch andere Pläne. Wir wollen die verschiedenen Völker endlich mal wieder besuchen und ausserdem wollen wir zu den Pfeilern des Lichts.» «Zu den Pfeilern des Lichts? Ist das nicht zu gefährlich?» «Nein, wir glauben eher, dass wir dort vielleicht Antworten finden, wie unsere Leben hier wieder etwas besser werden könnte. Ich hatte eine Vision, die mich von dieser Idee überzeugt hat.» «Würdet ihr mir darüber berichten, grosse Führerin? Auch wir suchen schon lange nach Lösungen für gewisse Probleme, die sich im Laufe der Äonen, in unsere Welt eingeschlichen haben.» bat Ashalia. «Es wäre mir eine Ehre euch in meinem bescheidenen Heim willkommen zu heissen.»

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