Die Pfeiler des Lichts (15)

Und da kamen die Männer, angeführt von Heliel, bereits in den Garten gestürmt. Mit einem letzten Blick über die Schultern, sah das Fürstenpaar noch, dass Helala die Arme hob und sich den beängstigend aggressiven Männern, entgegenstelle. «Halt! Lass sie ihn Ruhe! Ihr dürft ihnen nichts tun! Das verstösst gegen alle Regeln, die wir einst von den göttlichen Eltern erhielten!» «Was kümmern mich diese Regeln noch!» rief der Kaiser mit tiefer Bitternis in der Stimme. «Die haben uns schon längst im Stich gelassen und nun machen wir unsere eigenen Regeln. Jael und Jaella sind des Verrates schuldig. Sie haben unser Volk gegen mich aufgebracht! «Oh nein!» rief Helala «Das hast du ganz allein geschafft mein Gemahl und ich werde diesen Freveln auch nicht weiter dulden!» Heliel wollte sich an seiner Frau vorbeidrängen und mit seinen Männern über die Brücke, Jael und dessen Dualpartnerin hinterherhasten, doch die Kaiserin blieb standhaft. «Ihr kommt hier nicht vorbei! Es ist genug!» Ihre Stimme war auf einmal lauter und respekteinflössender geworden, was man ihrer sonst so zierlichen Gestalt, niemals zugetraut hätte. Die Männer, die Heliel folgten, blieben einen Moment lang unschlüssig stehen. Heliel schäumte vor Wut. «Meine eigene Frau stellt sich also gegen mich?» «Ja, es geht nicht anders. Ich war dir gegenüber bisher immer loyal, habe sogar auf meine himmlische Heimat verzichtet… deinetwegen. Doch nun ist das Mass endgültig voll! Du machst einen grossen Fehler!» «Nein, du machst einen Fehler Weib!» «Weib? Seit wann redest du so entwürdigend mit mir?» «Seit du mir in den Rücken gefallen bist! Und jetzt lass mich endlich vorbei!» «Niemals!» Helala richtete sich zu ihrer vollen Grösse auf und sie war nun eine wahrlich eindrucksvolle Erscheinung. Helles Licht ging von ihr aus und blendete die Männer, welche ihre Arme schützend erhoben. Sogar Heliel wurde nun unsicher und blieb stehen. «Ich habe genug von deinem unehrenhaften Verhalten!» sprach die Kaiserin. «Verfolgst deine eigenen Leute und auch noch jene, die am weitesten fortgeschritten sind! Ich werde dich verlassen, ich halte es in deiner Näher nicht mehr aus. Geht zurück und lasst Jael und Jaella in Ruhe! Das ist ein Befehl!» wandte sie sich an Heliels Anhänger. «Habt ihr gehört?» Ihre Stimme duldete keinen Widerspruch und Helalas Erscheinung war so beeindruckend, dass Heliels Begleitern nichts weiter übrig blieb, als zu gehorchen. Nur der Kaiser blieb wutschnaubend zurück. «Das wird dich teuer zu stehen kommen Weib!» schrie er. «Ich habe keine Angst vor dir!» erwiderte die Kaiserin. «Ich werde nicht weichen, egal was du tust. Willst du mir etwas Gewalt antun Heliel?» Die Stimme der Kaiserin klang nun auf einmal traurig und sie nahm wieder ihre normale Gestalt an. Heliel fühlte sich auf einmal irgendwie schuldig. «Nein… ich will dir nichts antun. Aber warum nur stellst du dich gegen mich, jetzt nach dieser langen Zeit?» «Du bist einfach zu festgefahren, zu verbittert geworden Heliel, ich kann deshalb nicht mehr bei dir sein. Deine Schwingung ist einfach zu sehr gesunken und irgendwann wirst du es so weit treiben, dass die Realität sich verschiebt und wir uns nicht mal mehr sehen könne. Kehr um, besinne dich auf die wahren Werte unseres Volkes. Ich bitte dich!» Heliel blickte seine Frau erschüttert und hilflos an. «Das ist nicht so einfach Helala, das weisst du. Vielleicht kannst du mir helfen, mich zu bessern, wie du es… immer getan hast.» Der Blick von Helala wurde bekümmert. «Das geht nicht mehr. Es ist… zu spät. Ich muss nun gehen.»

Auf einmal verschwamm Helala vor Heliels Augen, wurde immer durchsichtiger und entschwand schliesslich vollends seinen Blicken. «Helala! Wo bist du? Helala, bitte verlass mich nicht, wir sind doch Eins «Nicht mehr Heliel, nicht mehr!» erklang ihre Stimme noch einmal, aus unendlich weiter Ferne. «Aber, das kannst du doch nicht machen! Helala!» Heliels Stimme klang nun tief verzweifelt. «Helala! Bitte! Helalaaa!» schrie er noch mehrmals. Doch er bekam keine Antwort mehr. Seine Dualpartnerin war für immer verschwunden und er blieb ganz allein und einsam zurück.  


9. Kapitel

Orphiel und Orphiala Aglasis weilten nun schon eine Zeit lang, bei ihrem Volke und spendeten so manch kummervollen Seele, etwas Trost. Das beste Instrument dafür, waren bei den Indigenes noch immer die Geschichten. Sie sassen oft an einem grossen Feuer zusammen und erzählten sich Geschichten. Orphiel und seine Partnerin gehörten zu einigen der ältesten Seelen, die es hier gab. Sie galten als Mitglieder der Frühgeborenen und hatten darum besonders herrliche Geschichten zu erzählen. Allerdings wurde auch das immer schwieriger, weil auch sie mehr und mehr vergassen. Dennoch die Verbindung zu den Tieren, half den Indigenes sehr. Es war ein wundervolles Schauspiel, wie alle einträchtig beisammensassen, Menschen und Tiere gleichermassen. Die Tiere jagten einander nicht, das war mittlerweile nicht mehr selbstverständlich. Durch den stetigen Abfall der Schwingung, hier in Eden, welche mehr und mehr spürbar wurde, wurden auch die Tiere langsam in Mitleidenschaft gezogen und stellten sich, ebenso wie die Menschen, immer mehr gegeneinander.

Da ihre Seelen sich jedoch nicht am Fall aus den himmlischen Sphären beteiligt hatten, wurden sie noch immer für besonders rein angeschaut und als grosse Lehrer respektiert. Zumindest in Orphiels Dorf, herrschte noch eine ziemlich heile Welt. «Grosse Fürsten!» riefen einige der jüngeren Seelen, ebenfalls mit bronzener Haut und vorwiegend langen, glatten, wie schwarzes Pech glänzenden Haaren. «Erzählt uns bitte eine Geschichte! Vielleicht über die grossen Führer Hanael und Hanania? Was ist aus ihnen geworden? Gibt es sie überhaupt noch, oder sind sie in die himmlische Welt zurückgekehrt?» «Leider weiss ich auch nicht viel mehr als ihr,» sprach Orphiel. «Sie sind eines Tages auf einmal verschwunden. Doch wir glauben nicht, dass sie in unsere einstige Himmels- Heimat zurückgekehrt sind.» «Ist überhaupt jemals, jemand zurückgekehrt?» Orphiel fühlte Traurigkeit in sich aufsteigen. «Nein, jedenfalls weiss ich von niemandem.» «Wissen vielleicht die Tiere noch etwas?» Orphiel schaute in die Runde und befragte im Geiste die anwesenden Tiere. Doch keines wusste etwas von solch einer Rückkehr. «Ich weiss aber vielleicht etwas mehr über die grossen Führer!» sprach auf einmal ein cremefarbenes Reh, das eine junge, weibliche Menschenseele begleitete. «Das Reh weiss mehr über die Führer!» rief Orphiel aufgeregt in die Runde. «Bitte liebes Reh, berichte von deinem neuen Wissen!»

 

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    Die Kraft der Geschichten! Das Zusammensein mit den Tieren - ein schöner Kreis der Hoffnung.

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