Die Pfeiler des Lichts (27)

Als Orphiel sich schliesslich zur Ruhe begab, liess ihn der Gedanke von den Pfeilern des Lichts, allerdings nicht richtig los. Eigentlich wäre er gerne mitgegangen, doch es ging nicht, wenn Ambriel dabei war. Er wollte Sunkma und auch Tahina keinesfalls dieser Gefahr aussetzen. «Warum folgst du nicht einfach deinem Herzen Orphiel und gehst mit ihnen?» erklang auf einmal eine Stimme in seinem Unterbewusstsein. Es war die Stimme seines Wolfes, dessen tiefblaue Augen, ihn nun ernst musterten. «Es geht hier um dich und auch Tahina. Das ist gerade das Allerwichtigste für mich und Orphiala sieht das genauso.» «Aber wir können euch ja trotzdem begleiten, wir halten uns einfach stets versteckt.» «Das würde Ambriel doch merken, er weiss, dass wir untrennbar miteinander verbunden sind.» «Doch wenn er uns niemals zu Gesicht bekommt, kann er uns auch nichts antun. Ich glaube sowieso nicht, dass er wirklich noch gefährlich ist. Er hat neue Hoffnung geschöpft und wer weiss, ob ihn diese Reise nicht wieder mehr zu sich selbst führt. Ausserdem würde ich auch gerne wissen, was bei den Pfeilern des Lichts so auf uns wartet.» Orphiel musste lächeln «also eigentlich bist du jener, der dorthin gehen will.» «Mach mir doch nichts vor, du bist doch genauso neugierig wie ich!» Der junge Indigene lachte noch mehr und Orphiala, welche sich ebenfalls im Zimmer befand, schaute neugierig zu ihnen herüber. «Was ist denn so lustig, dass du so lachen musst Liebster?» «Nun… Sunkma meint, wir sollten zu den Pfeilern gehen.» «Tatsächlich, aber ist das nicht zu gefährlich?» «Sunkma meint, er und Tahina könnten sich ja versteckt halten.» «Soso, also ist die Neugier doch stärker,» Orphiala lächelte nun auch. «Mir sind übrigens gerade ähnliche Gedanken durch den Kopf gegangen.» «Tatsächlich?» «Ja.» «Dann wagen wir es doch einfach! Das wird sicher recht spassig!» Und so geschah es dann auch.  

Am Morgen unserer Abreise, halten wir vergebens nach Orphiel und Orphiala Ausschau. Das sie nicht da sind, wundert uns schon sehr und wir fragen eine Frau, wo sie denn nur sein könnten. Diese erwidert, dass das Fürstenpaar bald kommen werde. Es müsse jedoch noch etwas erledigen. So warten wir einfach ab, während wir uns fragen, was das Fürstenpaar wohl noch zu tun hatte. Auf einmal jedoch hören wir Flügelrauschen über uns! Wir schauen nach oben und erblicken zwei wunderschöne Paradisi, der eine mit pinkfarbenem, der andere, mit hellblauen Schwanzfedern. Auf ihnen sitzen, stattlich und schön, Orphiel und Orphiala! Sie tragen bequeme Reisekleidung aus bunten Stoffen, welche verziert sind, mit Stickereien und farbigen Perlen. Ihr Reisegepäck haben sie hinter sich, auf dem Rücken der stolzen Vögel festgezurrt. «Wir haben beschlossen doch mitzukommen,» sagen sie lachend. «Aber was ist mit euren Tieren?» «Die können schon für sich selbst sorgen,» erwidert Orphiel leichthin, ohne weiter darauf einzugehen. «Das ist natürlich wundervoll!» freuen wir uns «Dann also los!» Und so fliegen wir weiter, unsere Gruppe, nochmals auf drei Mitglieder, angewachsen.

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Heliel und seine Armee, machten sich noch bei Anbruch des nächsten Tages, auf den Weg zu den Pfeilern des Lichts. Als sie jedoch, auf ihren herrlichen Pferden, aus dem mächtigen Holztor der acirischen Hauptstadt, mit ihren jadegrünen Dächern und mit Schnitzereien verzierten Hauswänden, reiten wollten, stellte sich ihnen eine alte, weise aussehende Frau, in zerfetzten Kleidern, in den Weg. «Heliel, ihr solltet diese Reise, zu den Pfeilern des Lichts nicht unternehmen. Denn das wird eurer Verderben sein. Nicht dass ich traurig darüber wäre, wenn ihr und eure Lakaien von der Bildfläche verschwinden würden, doch ihr könnt unter Umständen euer ganzes Volk mit in den Abgrund ziehen. Ihr seid daran eine gefährliche Entscheidung zu treffen und es wird euch gar nichts bringen.» Heliel schaute die Frau mit finsterer Miene, von seinem schwarzen Pferd herab, an und sprach: «Was weiss du schon… Weib! Meinst du tatsächlich, ich werde auf dich hören? Ich werde tun was mir gefällt und ich werde die Kaiserin zurückbringen und meine grössten Widersacher aus dem Weg räumen.» «Das seid euch nur mal nicht zu sicher. Unsere Kaiserin, ja sogar Jael und Jaella, stehen weit über euch! Helala wird sich niemals zurückbringen lassen und auch unsere Fürsten, werdet ihr niemals kriegen.» «Du bist also eine Sympathisantin, des Fürstenpaares?» Er wandte sich an die Stadtwachen: «Sperrt sie zu den anderen, die zu Jael und Jaella gehören!» Sogleich eilten die Wachen herbei und nahmen die Frau in Gewahrsam. Sie trugen Schwerter und auf dem Rücken, einen der legendären Donnerstäbe. Der Donnerstab war ein hohler Stab, welcher mit winzigen Schattensteinen befüllt wurde, die man dann durch ein seltsames, gelbes Pulver, dass man dazugab, abfeuerte. Dies konnte sehr schmerzhaft sein. Die kleinen Steine blieben eine Weile im Körper des Getroffenen stecken und bereiteten diesem eine lange Qual, die erst dann endete, wenn die Steinchen wieder vom Körpergewebe abgestossen, oder herausgenommen wurden. Alle hatten grosse Angst vor diesen Donnerstäben, was Heliel eigentlich auch zu seiner Macht, über sein Volk, verholfen hatte. Auch die anderen Völker würden ihren Machtanspruch bald aufgeben, wenn sie sahen, was die acirischen Donnerstäbe anrichten konnten.

«Ich wusste, dass ihr mich einsperrt!» schrie die alte Frau. «Alle die euch in Frage stellen, sperrt ihr ein. Meint ihr, mit dieser Schreckensherrschaft, werdet ihr wahre Anhänger gewinnen? Sie alle dienen euch nur aus Angst! Ja Angst! Schämt euch, schämt euch, unser himmlisches Erbe, auf so schändliche Weise zu missachten! Das wird euer Verderben sein! Ja geht nur, geht zu den Pfeilern des Lichts und sterbt einen schrecklichen Tod!» Heliel lachte verächtlich. «Schafft sie mir aus den Augen!»

 

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