Die Pfeiler des Lichts (30)

Jael und Jaella konnten noch immer nicht recht glauben, was sie da alles erlebten. Shangri La, war ein magischer Ort. Hier galten irgendwie ganz andere Gesetzmässigkeiten, als in Eden. Es war, als wäre ihnen ein Stück ihrer alten Welt wieder zurückgegeben worden. Alles fiel ihnen hier viel leichter und ein Frohsinn und eine Freude erfüllte ihre Herzen, den sie glaubten, schon lange verloren zu haben. Helala hatte ihnen erklärt, dass Shangri La in einem eigenen, kleinen Schöpfungsplasma existierte, weshalb es auch an verschiedenen Orten auftauchen konnte. Dieses Plasma, war durch einen Lichtkanal, stets mit den hohen Himmeln verbunden. Durch diesen Kanal erhielt man Zugriff auf ganz besondere Ressourcen, der himmlischen Naturreiche. Der besagte Verbindungskanal, war sogar zu sehen. Er wirkte wie eine grosse Lichtsäule, hoch über ihnen, deren Schein, sich weiter unten, wie ein feiner, licht durchtränkter Regen, über alles ergross. Wie damals in den hohen Himmeln, mussten Jael und Jaella nur durch ihre Gedankenkraft, die himmlischen Partikel herabrufen, welche sich dann, nachdem diese natürlich zuerst um Erlaubnis gefragt worden waren, zu Materialien formten, welche die Aciras für den Bau neuer Gebäude verwenden konnten.

Jael und Jaella hatten schon angefangen sich ein Quartier zu errichten. Es bestand aus demselben, transparenten Gestein, wie der Tempel und besass ein perlmuttfarbenes Dach, im üblichen Baustil der Aciras. Es hatte einen breiten Balkon, von dem aus man einen guten Blick, hinunter auf die Pfeiler des Lichts hatte. Helala hatte sie aufgefordert nach Reisenden Ausschau zu halten, die sich dort womöglich herumtrieben. 

Und tatsächlich! Eines Tages erblickten sie wirklich eine Gruppe Leute, die sich den Pfeilern näherten. Sofort liefen sie zu Helala, welche sich gerade im Tempel aufhielt. In diesem Tempel befand sich ein steinerner Brunnen, der mit wunderschönen Reliefs verziert, und mit Blumen und Ranken, umwachsen war. «Da sind Leute auf dem Weg hierher!» rief das Fürstenpaar aufgeregt. «Oh tatsächlich?» Helala sprang auf und lief zum Brunnen. Zusammen mit Jael und Jaella schaute sie neugierig hinein ins Wasser. Dieses veränderte sich nun und wurde zu einem Art Spiegel, der nun die Neuankömmlinge ganz von nahem zeigte. «Ach du meine Güte!» rief Helala «das sind Heliel und seine Männer! Das ist nicht gut, das ist gar nicht gut!» «Können sie Shangri La sehen?» fragte Jaella ängstlich. «Ja ich fürchte schon, wir befinden uns gerade in einem, für die Menschen von Eden, sichtbaren Spektrum.» «Können wir nicht einfach… verschwinden?» «So schnell geht das nicht und ausserdem, haben wir hier einen Auftrag zu erfüllen. Wir müssen Heliel aufhalten, er darf jenen die nach ihm kommen, kein Leid zufügen.» «Dafür wird er uns aber Leid zufügen,» sprach Jael mit finsterer Miene. «Nein, das kann er nicht. Dennoch müssen wir ihm, wohl oder übel, entgegentreten.» «Aber wie soll das gehen?» Helala überlegte. «Wir werden ihn erwarten. Hier sind wir am stärksten. Er kann die Grenzen nach Shangri La nicht überschreiten, wenn wir es ihm nicht erlauben. Ausserdem können wir Kraft aus dem Licht Kanal ziehen.» «Aber diese Macht kann nur für erhaltende, nicht jedoch für zerstörerische Dinge, eingesetzt werden.» 

«Das ist auch nicht das Ziel. Wir werden die Macht anders zu nutzen verstehen.» «Wie denn?» «Indem wir Heliel und seinen Männern den Spiegel vorhalten, ihnen ihre Taten vor Augen führen und bewusst machen, dass auch Eden bald nicht mehr ihre Heimat sein wird, wenn sie nicht umkehren.» «Was meinst du?» Helala blickte das Fürstenpaar etwas traurig an. «Wenn die Bilder, die wir ihnen zeigen, sie nicht zur Umkehr bewegen, dann wird ihre Schwingung noch tiefer abfallen und sie werden sich von dieser Welt verabschieden.» «Willst du sie in eine andere Ebene verbannen?» «Nicht ich werde sie verbannen, die magnetischen Kräfte zehren schon länger an Heliel und seinen Getreuen, Kräfte die aus einer finsteren, aus einer dunkleren Welt kommen.» «Die finsteren Lande?» «Sowas in der Art, ja.» «Dann gibt es keine Hoffnung mehr für sie?» fragte Jaella traurig. «Helala meinte betrübt: «Für einige von ihnen, besteht wirklich nur noch wenig Hoffnung, dass sie sich hier noch halten können. Jetzt da sie hergekommen sind und uns vermutlich angreifen wollen, sowieso.» 

«Aber was wird dann in dieser finsteren Welt aus ihnen?» «Das weiss ich nicht, ich war noch niemals dort.» «Können sie dann jemals wieder zurück in ihre himmlische Heimat?» «Wenn sie sich besinnen, können auch sie stets zurückkehren, allerdings wird es nicht sehr einfach sein. Sie sind bereits so in innerer Dunkelheit gefangen, dass sie sich nur noch sehr schwer aufschwingen können. Dennoch, die Tür nach Hause, steht immer offen, denn auch ihre Seelenfunken, sind an ihren göttlichen Ursprung angebunden und werden es bleiben.»

Jael rief auf einmal: «Oh beim grossen Geist, ich glaube sie haben Shangri La entdeckt, sie machen sich auf den Weg hierher!   


16. Kapitel

Heliel und seine Leute, konnten es kaum glauben, als sie das strahlend Shangri La, auf dem nahe liegenden Berg entdeckten. Sofort wollten sie nachsehen, was das war. Heliel befahl einigen seiner Männer, im Tal zu bleiben und weiter nach Helala und auch Jael und Jaella, Ausschau zu halten. Er selbst ging, zusammen mit der anderen Hälfte Männer, hinauf auf den Berg. Als sie oben anlangten und das herrliche Licht der Himmelsstadt, auf sie fiel, wurden einige von ihnen tief bewegt. Sie spürten, wie dieses Licht in ihr Innerstes vorstiess und alle Finsternis, aus seinen Tiefen, hervorholte. Heliel spürte es auch, aber nicht auf so intensive Weise, wie einige andere seiner Truppe, welche nun sprachlos auf die Knie fielen. «Heh, was macht ihr da? Jetzt ist nicht die Zeit zum Beten!» schimpfte er. Fest entschlossen ging er weiter auf den leuchtenden Tempel zu, der sich vor ihm, wie ein strahlender Diamant erhob. Die Materialien, aus denen er bestand, mussten sehr wertvoll sein. Wenn er Heliel, diese Stadt erst erobert hatte, dann würde niemand jemals mehr seine Allmacht anzweifeln.

Als er ein paar weitere Schritte gegangen war, stellte sich ihm jedoch auf einmal jemand in den Weg. Es war Helala und neben ihr Jael und Jaella, welche ziemlich ängstlich dreinblickten. Heliel nahm ihre, von Furch getrübte, Ausstrahlung mit Genugtuung wahr. Seine einstige Kaiserin jedoch, schien keinerlei Furcht zu verspüren. Sie blickte ihm mit festem Blick entgegen und sprach, als er weiter auf sie zugehen wollte. «Halt dich fern Heliel! Dieser Ort ist nichts für dich!» «Achja!» rief der Kaiser «das sehe ich aber ganz anders. Ich werde diese… leuchtende Stadt sehr bald zu meiner neuen Residenz machen.» «Das wird niemals geschehen, du kannst die Stadt nicht betreten, deine Schwingung ist zu niedrig, viel zu niedrig, mittlerweile. 

Ich habe auch nur noch wenig Hoffnung, dass du dich, selbst in Eden, noch lange zu halten vermagst.» «Was soll das heissen?» Heliel ging drohend weiter auf die drei zu und Jael und Jaella wollten automatisch etwas zurückweichen. Doch Helala legte ihnen beschwichtigend die Hände auf die Schultern. «Nur keine Furcht!» schienen ihre Augen zu sagen. Die beiden strafften sich und atmeten tief durch. Helalas Berührung, war stets wie Balsam für ihre unruhigen Gemüter und es war fast so, als würde etwas von der Kraft ihrer Kaiserin, auf sie übergehen.

Heliel ging fest entschlossen weiter, doch dann prallte er plötzlich an einer unsichtbaren Wand ab! Wütend versuchte er seine Hände nach Helala auszustrecken, doch die Wand hielt ihn erneut zurück. «Was für eine Teufelei ist das denn!» rief er nun, rot vor Zorn. «Das ist der Zauber von Shangri La,» erwiderte die Kaiserin gelassen. «Ein Schutzschild, der euch daran hindert, in unsere Stadt zu gelangen.» «Eure Stadt?! Das ich nicht lache, das wird bald meine Stadt sein!» Einmal mehr irrst du dich Heliel. Du hast deinen Chance verwirkt, Shangri- La jemals betreten zu können. Dies können nur Seelen mit friedlichen Absichten. Doch du bist noch immer auf Kampf aus. Sieh deine Männer! Viele von ihnen, spüren genau die Präsenz des göttlichen Lichtes hier. Du jedoch bist schon viel zu abgestumpft, es zu erkennen. Kehr um Heliel und lass uns und alle anderen von Eden in Ruhe! Es ist wahrlich schon zu viel Leid, unter deinen Herrschaft, geschehen.» 

In diesem Moment geriet die unsichtbare Wand, gegen die der Kaiser geprallt war in Bewegung. Helala und ihre Getreuen verschwammen und wie auf einer Leinwand, tauchten nun eine Menge bewegter Bilder auf. Bilder von all den schrecklichen Taten, die Heliel und auch seine Männer, schon begangen hatten. Die Bilder waren voller Schrecken und Grausamkeit und einige von Heliel Anhänger begannen auf einmal heftig zu weinen und duckten sich voller Not, als diese Bilder auf sie niederprasselten und sich, wie tausend Nadeln, ihn ihre Herzen bohrten. Einige gelobten Besserung, andere wiederum, schauten einfach nur schweigend der dunklen Symphonie, ihrer Taten zu. Heliel erschrak zuerst sehr, fing sich aber sogleich wieder und rief. «Meint ihr, ihr könnt mich mit diesen Bildern aufhalten, dann habt ihr euch aber gehörig getäuscht. All die Dinge, die ihr uns hier zeigt, geschahen zum Wohle Edens!» «Zum Wohle Edens?!» hallte die ungläubige Stimme von Helala in seinen Ohren. «So weit ist es also mit dir schon gekommen? Wie nur kannst du dich noch im Spiegel anschauen? Wenn das so ist… kann leider nichts mehr für dich tun Heliel!»

Die Bilder kamen nun zu einem Stillstand und vor Heliel tauchte nun auf einmal das überaus reale Bild, einer dunkle Pforte auf. Ein unglaublicher Sog, begann auf einmal an dem Kaiser zu zerren, ebenso an seinen Männern, die sich nicht einsichtig zeigten.

Sie wollten sich festhalten, schrien laut, als der Sog sie immer mehr in Richtung der dunklen Pforte zog. Helala, Jael, Jaella und die Männer, die noch rechtzeitig zur Besinnung gekommen waren, schauten dem grausigen Schauspiel erschüttert zu. Heliel schrie laut, versuchte sich, wie die anderen, überall wo es ging festzuhalten. Doch es war sinnlos und schliesslich, saugte ihn die finstere Pforte einfach ein. 

Tränen liefen Helala, über die alabasternen Wangen. Nun war es also tatsächlich geschehen!     

   

 

 

 

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