Die Pfeiler des Lichts (34)

Alle schauten ungläubig auf das herrliche Schauspiel, das sich ihnen nun darbot. Der Fluss, welchem sie bisher gefolgt waren, floss nun in einen anderen Fluss, welcher wie ein Ring, um eine wundervolle, saftig grüne Insel lag. Von allen Himmelsrichtungen her flossen noch andere Flüsse in ihn hinein. Es sah aus wie ein grosser Stern und in der Mitte dieses Sterns, leuchteten wundervolle, in allen Regenbogenfarben, schillernde Säulen. Sie bildeten eine bunte Allee, die in einem hellen Licht mündete. Dies war nun also tatsächlich das Tor in eine andere Welt! Alle schauten zutiefst bewegt auf die Pfeiler des Lichts. Besonders natürlich jene, die sie noch nie zuvor zu Gesicht bekommen hatten. «Das ist einfach nur… wundervoll!» hauchte Ashalia «wie kann so etwas wundervolles einem den Tod bringen? Warum hat es nie jemand gewagt, zu sehen, was es mit diesen Säulen auf sich hat? Wie konntet ihr der Versuchung widerstehen, in dieses Licht zu gehen?» wandte sie sich nun an Hanael und Hanania. «Es war für uns schlichtweg keine Option,» gab Hanael zu Antwort. «Ausserdem erinnere ich mich nicht daran, dass das Licht am Ende der Säulenallee so hell geleuchtet hat. Das Licht war viel schwacher.» «Das hat damit zu tun, dass unsere neue Welt voller Licht ist.» erwiderte Ashali.

«Wahrlich sehr beeindruckend!» sprach Hanael «dennoch müssen wir uns das gründlich überlegen.» «Dann tut das, wir werden uns am Mittag des zweiten Tages dort drüben auf der Insel, bei den Pfeilern treffen. Es hat dort eine Brücke. Bis bald!»


18. Kapitel 

Dinael konnte sein Glück nicht fassen, Dinaila war tatsächlich wieder bei ihm. Er konnte sie im Arm halten, sie spüren. Er nahm ihre weichen Rundungen wahr, streichelte ihr krauses, wunderschönes, langes Haar, ihre weiche, kaffeebraune Haut und versank in ihren herrlichen, blauschwarzen Augen. Es waren andere Empfindungen, hier an diesem Ort. Das Wasser glitzerte und funkelte im Schein der regenbogenfarbigen Pfeiler des Lichts, am gegenüberliegenden Uferrand. Auch die Brücke aus transparentem Gestein, welche über den grossen Fluss führte, verströmte ihren ganz eigenen Schein.

«Wir müssen nur zusammen dort hinüber Dinael,» flüsterte die junge Frau. «Es ist ganz leicht, viel leichter als du denkst. Es ist schön, jenseits der Säulen. Dinael wusste noch immer nicht recht, was er tun sollte und sprach: «kannst du nicht doch einen Weg finden, mit mir hier in Eden zu bleiben?» «Nein, das kann ich nicht und ich will es auch nicht.» Dinael stützte sich auf seinen rechten Arm auf und musterte seine Dualpartnerin mit einem nachdenklichen Ausdruck in den Augen. Dinaila fuhr fort: « Hier gibt es keinen Platz für mich mein Liebster. Auch wenn ich zurückkönnte, was allerdings nicht der Fall ist, will ich es auch nicht. Eden ist nicht erstrebenswert für mich. Das Leben jenseits der Säulen, es ist wundervoll, von dem was man über Eden uns dessen Veränderungen vernimmt, vermutlich sogar besser.» «Besser? Das kannst du doch gar nicht sagen, du warst noch nie in Eden!» «Doch das kann ich!» Dinaila erhob sich ruckartig. «Wir können dort wieder Kinder haben, wir können unabhängig leben und unser Leid über den Verlust, unserer himmlischen Heimat vergessen. Glaub mir, Vergessen kann sehr heilsam sein.

Wir haben es geschafft etwas gänzlich Neues aus dem Nichts zu erschaffen. Es gibt dort eine Sonne, es gibt einen Mond, es gibt alles was es zu einem guten Leben braucht. Ich und die anderen, haben Äonen damit zugebracht, unsere ganz eigene Schöpfung zu kreieren. Und es funktioniert, es funktioniert tatsächlich! Wir haben neue Gefässe erschaffen, die wir beziehen können, die uns ein Leben in jener Ebene ermöglichen, das auch lebenswert ist. Nun gut, die neuen Gefässe haben kein ewiges Leben mehr. Sie werden mit der Zeit abgenutzt werden und funktionieren nicht mehr, aber dann wechseln wir einfach, in ein neues Gefäss. Es ist spannend und eröffnet einem ganz neue Perspektiven.» Dinael erhob sich nun ebenfalls und sprach. «Also soll ich ein eigentlich totes Gefäss beziehen, dass dann auch noch ein Ablaufdatum hat?» «Ja, aber so schlimm ist das gar nicht. Weil wir ja die Möglichkeit haben, immer wieder neue zu erschaffen. Ausserdem können wir wie gesagt, Kinder haben. Das ist uns so lange verwehrt geblieben Liebster!» Sie schaute ihn flehend an. «Stell dir vor, wir könnten eine Familie gründen, wie einst in unserer alten Heimat, denn unsere neuen Gefässe sind imstande, Leben weiter zu geben. Wir sind ja immer noch mit unserem Seelenfunken angebunden, an die göttliche Lebensquelle. Die neuen Körper sind im Stande diese stets fliessende Energie zu kanalisieren und schliesslich weiter zu leiten, an unsere Nachkommen. Diese werden dann Seele von unserer Seele und Fleisch von unserem Fleische sein!»

Dinael dachte angestrengt nach. Das alles klang so unglaublich, wunderbar einerseits, doch andererseits auch irgendwie beängstigend. Noch war nicht absehbar, welche Folgen so eine eigene, im Prinzip von der göttlichen Welt abgeschnittene Schöpfung, haben würde. Dennoch… der Gedanke Dinaila noch einmal zu verlieren, erschien im unerträglich und vielleicht war es wirklich gar nicht schlecht das Leid, dass er täglich durch dies Trennung von seiner alten Heimat und auch von ihr empfand, durch Vergessen zu lindern. Ausserdem würde er endlich wieder Kinder haben, eine Familie, die auf ganz besondere Weise verbunden sein würde. Ja, er würde endlich nicht mehr so allein sein und wenn der neue Körper, den er bezog, auch sterblich war, das erschien ihm gar nicht mehr so schrecklich, nach dieser langen Zeit des Schmerzes und des Leides, seines sinnlos gewordenen, ewigen Lebens.

Ashalia bewegten gerade ziemlich dieselben Gedanken, während sie zusammen mit ihrem Dualpartner Ashali im weichen Gras, ebenfalls nicht fern von den Säulen, sass. Auch dieser hatte ihr von der Welt jenseits der Säulen erzählt und auch er schien jetzt glücklich dort zu sein. Viel wusste er von der Vergangenheit nicht mehr. Doch seine enge Verbindung zu ihr, bestand noch immer. Und das was er berichtete, bewegte auch Ashalia sehr. Sie betrachtete ihren Liebsten, der ihr doch so ähnlichsah. Er war ebenfalls wunderschön, jedoch mit eher markanten Gesichtszügen. Von ihm ging eine Kraft aus, die ihr damals wie heute, ein tiefes Gefühl der Geborgenheit vermittelte. Er hielt sie eng umschlungen und küsste sie immer wieder leidenschaftlich. Auch ihre Empfindungen waren irgendwie anders, an diesem Ort. Irgendwie körperlicher, vielleicht ein wenig roher. Noch wusste sie nicht, wie sie damit umgehen sollte. Es war einerseits prickelnd, andererseits aber auch nicht so ganzheitlich, wie sie es in ihrer himmlischen Heimat gekannt hatte. Auch wie Ashali sie berührte, es war nicht wie früher. Trotzdem aber sehr schön, weil sie es unglaublich genoss, nach so langer Zeit wieder bei ihm zu sein. Einen Augenblick lang, dachte sie an ihre andere grosse Liebe Haialah, diese hatte ihren einstigen Partner ebenfalls wieder getroffen. Das alles war noch immer so unglaublich so wundersam und nicht wirklich erklärbar und noch wusste sie nicht, wohin das alles führen würde.

«Komm doch mit mir da rüber!» forderte er sie auf, während er sie an ihrer linken Hand, auf die Beine zog. «Glaub mir, es ist schön dort!» «Ich weiss nicht,» erwiderte sie zögernd. «Es heisst doch, dass man eines schrecklichen Todes stirbt, wenn man die Pfeiler des Lichts passiert.» Ihr Blick schweifte zu der herrlichen Säulenallee herüber, die funkelte und strahlte. Am Ende der Allee sah sie nur dieses gleissendes Licht. Irgendwie sah es doch gar nicht so gefährlich aus. Und stille Zweifel beschlichen ihr Herz, ob jenseits der Pfeiler, nicht tatsächlich ein besseres Dasein auf sie wartete. Zumindest war sie dann wieder mit ihrem Liebsten zusammen, konnte sich endgültig den aufdringlichen Annäherungsversuchen von Anauel entziehen und vor allem, konnte sie endlich wieder Kinder haben. Das war einer der grössten Vorteile. Nun galt es Vorteile und Nachteile abzuwägen und dann zu entscheiden. Sie musterte ihren Gefährten nochmals, überlegte ob er ihr auch die Wahrheit sagte. Doch seine Augen blickten sie aufrichtig an. Sie kannte ihn gut und sie glaubte, dass er sie nicht anlog.

«Ich lüge bestimmt nicht meine Liebste,» sprach er, denn er hatte ihre Gedanken vermutlich erspürt. «Dort drüben ist es wirklich schön, wir alle, die wir einst in die finsteren Lande kamen, haben dafür gesorgt. Wir haben etwas Wunderbares kreiert, du müsstest es mal sehen. Vielleicht willst du doch mal einen Blick rüber werfen? Die Entscheidung, ob du mit mir dorthin kommst, liegt schlussendlich bei dir. Du kannst das entscheiden, ich könnte nicht mit dir nach Eden kommen, diese Welt bleibt für mich verschlossen, aber meine, bleibt dir nicht verschlossen. Wenn du dich entscheidest, dann werden wir zusammen gehen. Wir können übrigens gar nicht hier zusammen sein, wenn du das nicht so entschieden hättest. Alles basiert auf Resonanz und Anziehung.» «Nun gut,» sprach Ashalia «ich werde mal einen Blick rüber werfen.» Ashali nickt erfreut und zusammen machten sie sich auf den Weg zu den Säulen. In einigem Abstand von selbigen blieben sie nochmals stehen und die junge Ibrani, stellten mit Freuden fest, dass sich nun auch noch von anderen Richtungen Personen näherten. Es waren Hanael, Hannania und alle anderen Begleiter, die mit ihr hierher gereist waren.

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    Diese entscheidung ist wirklich nicht leicht. Scheint beides was für sich zu haben.

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