Die Pfeiler des Lichts (36)

19. Kapitel

«Also ich glaube, ich habe mich entschieden,» sprach Dinael. «Ich werde mit Dinaila gehen. Denn ich kann mich nicht noch einmal von ihr trennen. Ich schaffe es einfach nicht und wenn das die einzige Möglichkeit ist, dann werde ich den Schritt wagen!» «Ich glaube ich werde es auch wagen,» sprach Ashalia. Ihr Blick wanderte flehend zu ihrer Freundin Haialah herüber. «Bitte komm auch mit!» Haialah erwiderte, während sie ihre und auch die Hand ihres Dualpartners Haiali liebevoll drückte: «Wenn ihr beide dort seid, dann gehöre ich auch dorthin!» «Ich sehe das ebenso,» meinte Ambriel, der Indigene, welcher nun schon viel, viel besser aussah und glücklich zu seiner Geliebten Ambriala rüber schaute. «Ich habe schon längst kaum mehr Energie und auch keine Freude mehr, an meinem Leben in Eden. Nichts hält mich mehr hier und ich bin guter Hoffnung, dass es dort drüben besser für mich sein wird.»

Orphiel und Orphiala nickten ernst und sprachen. «Wir können dich gut verstehen, Ambriel. «Wir jedoch, werden noch darüber nachdenken. «Wir sind noch als Dualpaar zusammen und wir wissen nicht, ob wir unser Dasein in Eden, wirklich aufgeben wollen. Eigentlich führen wir hier ein ganz gutes Leben. «Nun gut, dann treffen wir uns in der abgemachten Zeit wieder hier und dann müsst ihr uns eure Entscheidung mitteilen!» sprach Ashali Und so geschah es!  

Die kommenden Tage, wurden für alle, welche noch nicht wussten, was sie genau tun sollten, zur Zerreissprobe. Hanael und Hanania hatten sich in die Stille zurückgezogen und berieten nochmals, das Pro und Kontra dieser Reise, in diese andere, grobstofflichere Welt. Hanael äusserte seine Bedenken, doch Hanania liess sich nicht so wirklich von ihrer Entscheidung abbringen. Für sie war das Zentrale, dass sie endlich ein Kind haben konnte und Hanael wusste, dass sie eigentlich die Hoffnung, dass ihre Vision doch noch wahr wurde, vor allem aufrechterhielt. Sie war bereit alles zu tun, um diese Sehnsucht zu befriedigen. Das wurde mit jedem Augenblick klarer. Er konnte sie wohl nicht davon abbringen und nun lag es bei ihm, ob er mit ihr gehen, oder hier ohne sie zurückbleiben wollte. Doch auch er selbst, hegte irgendwie die Hoffnung in sich, dass es in dieser neuen Welt vielleicht doch besser sein würde, als hier. Wie Ashali und die anderen ihnen gesagt hatten: Früher oder später würde es sowieso so weit kommen, dass die Schwingung von Eden noch mehr absank. Hanael wusste genug über die Gesetzmässigkeiten, die im Universum wirkten. Er konnte sich darum gut vorstellen, dass viele seiner Geschwister, bereits einiges an ihrer einst hohen Schwingung eingebüsst hatten. Seine Besuche bei den verschiedenen Völkern und der dort entstandenen Herrscherstrukturen, Unstimmigkeiten, gar Kriege, hatten ihm das schmerzhaft vor Augen geführt. Je mehr das alte Wissen, die alte Weisheit schwand, umso mehr sank die Schwingung der Umgebung. Das war vermutlich unumgänglich. Eine wenig Zeit blieb ihnen vielleicht noch, doch dann… wer wusste schon, was werden würde? Die Hoffnung in seine einstige Heimat zurück zu kehren, hatte Hanael schon längst verloren. Was also tun?

Orphiel und Orphiala Aglasis, den Anführern der Indigenes, gingen auch eine Menge Gedanken durch den Kopf. Sie sassen schweigend zusammen, auf einer nahegelegenen Waldlichtung und streichelten ihre beiden Begleittiere, den weissen Wolf und eine weisse Hirschkuh, die neben ihnen lagen nachdenklich über das weiche Fell. Es war still hier und doch auch wieder nicht. Einige Vögel zwitscherten im Geäst, im Grase zirpten die Grillen und das Wasser der heiligen Flüsse, rauschte in der Ferne. Schliesslich begannen beide gleichzeitig zu reden. «Ich habe mir das jetzt gründlich überlegt und…» sie lachten, weil sie genau die gleichen Worte, zur selben Zeit, gesprochen hatten. Das war das Wundervolle daran, ein Dualpaar zu sein. Man dachte oft gleichzeitig dasselbe und sprach es gleichzeitig aus. Manchmal vollendeten sie auch jeweils die Sätze des anderen. «Du zuerst,» meinte Orphiel und legte den Arm um seine Geliebte. «Also gut. Wie gesagt, ich habe intensiv über diese Sache nachgedacht und auch noch Zwiesprache gehalten mit Tahina und wir sind beide zum selben Schluss gelangt: «Wir glauben, dass noch nicht der richtige Zeitpunkt ist, hinüber in die finsteren Lande zu gehen. Wir haben eine Verantwortung unserem Volke gegenüber und müssen dafür sorgen, dass alles wieder besser wird in Eden. Wenn wir gehen, können wir hier nichts mehr bewirken. Und ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass wir einst zurückkehren können, in die alte Heimat. Eigentlich gefällt es mir hier in Eden sehr gut und ich muss nicht unbedingt Kinder haben, solange ich dich an meiner Seite weiss, mein liebster Orphiel und auch meine treue Begleiterin Tahina.» Sie streichelte erneut liebevoll die Hirschkuh, welche zustimmend das Haupt senkte und dann strich sie auch ihrem Gefährten zärtlich über die Wangen. «Ich hoffe sehr, du siehst das ähnlich wie ich, ansonsten… ich bleibe auf jeden Fall an deiner Seite!»

Orphiel fiel ein Stein vom Herzen, als er diese Worte hörte, denn er war ziemlich genau zu demselben Schluss, wie seine Gefährtin, gekommen. «Das ist ja wunderbar! Dasselbe dachte ich auch!» rief er «und Sunkma ist ebenfalls dieser Meinung. Wir haben noch eine Verantwortung und so lange wir zusammen sind, brauchen wir nichts, ausser einander und die wundervolle Natur, mit all ihren Lebewesen.» «Du siehst das auch so?» jubelte Orphiala und ihre dunklen, grossen Augen, in ihrem bronzebraunen Gesicht, strahlten wie Sterne. Die beiden umarmten sich und schliesslich auch ihre tierischen Begleiter. Baldmöglichst würden sie den anderen, diese Neuigkeit mitteilen.

*********

Jael, Jaella und Helala, beobachteten Hanael und seine Mitreisenden, nun schon eine ganze Weile. Noch hatten jene den Tempel über sich noch nicht entdeckt, denn sie waren wohl zu beschäftigt, die richtige Entscheidung zu treffen. Die Aciras sahen an ihren Auren, dass einige von ihnen noch sehr mit sich rangen, andere wiederum, hatten die Entscheidung schon längst getroffen.

«Was sollen wir tun? Sollen wir jetzt zu ihnen heruntergehen und ihnen die Konsequenzen, eines Wechsels in die finsteren Lande, vor Augen führen?» fragte Jaella. «Lassen wir ihnen noch die Bedenkzeit, die sie sich genommen haben.» erwiderte die Kaiserin. Wenn sich alle wieder bei den Säulen treffen, dann werden wir und ebenfalls zu ihnen gesellen und ihnen nochmals erklären, was es wirklich bedeutet.»

Gesagt getan. Als die Zeit abgelaufen war, versammelten sich alle wieder bei den Pfeilern. «Jetzt ist der Zeitpunkt!» rief Helala. «Nehmt meine Hand, wir werden uns zu den Pfeilern teleportieren!»

Meine Gefühle sind noch immer ziemlich gemischt, als wir uns mit den anderen wieder treffen. Eine grosse Spannung ist in mir. Die Entscheidung ist gefällt und nun gibt es kein Zurück mehr. Dinaila und die anderen aus den einstmals finsteren Landen, schauen uns erwartungsvoll entgegen. Sie wirken ein wenig schwach und müde. Vielleicht weil sie schon so lange von ihren Gefässen, jenseits der Pfeiler, getrennt sind. Sie sind abhängig von ihnen. Der Gedanke, einstmals auch von so einem Gefäss abhängig zu sein, behagt mir nicht und zugleich bin ich voller Erwartungen.

Als ich jedoch das Wort erheben und den unseren Freunden unsere Entscheidung mitteilen will, erscheinen neben uns auf einmal drei Gestalten, die sich an den Händen halten! Erschrocken schauen wir sie an. Es scheinen vom Aussehen her, Aciras zu sein. Ich denke an Heliel und seine Männer und fühle, wie Angst in mir hochkriecht, doch die drei Neuankömmlinge, haben eine ganz andere, viel schönere Ausstrahlung. «Hallo, liebe Brüder und Schwestern, wir sind Helala, Jael und Jaella und dazu berufen, die Himmelsstadt Shangri- La zu hüten. Sie ist dort oben, auf den Bergen. Ihr habt sie noch nicht gesehen,» sprechen sie.

 

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