Die Rüge

Der Sendewagen schoss zur Hauptstraße hinunter. Der linke Seitenspiegel hatte mehrere Feindberührungen und hing in Fetzen an der Tür herunter. Der Polizist, der die kommenden Fahrzeuge aufhalten sollte, hörte im Funk die Stimme seines Kollegen. "Fred, pass auf! VW-Transporter, Sendewagen, schießt um sich! Geh sofort in Deckung! Hast du gehört? Sofort in Deckung! Schieß aus der Deckung! Bleib ja nicht stehen!" Er lief zum Straßengraben  auf der anderen Straßenseite und versteckte sich. Da kam der Sendewagen.  Fred lugte über den Rand und erkannte zwei Personen darin. Der Fahrer wurde mit einer Waffe bedroht. Fred entschied, nicht zu schießen. Die Gefahr, den Fahrer zu treffen war zu groß. Leider verlängerte diese Entscheidung das Leben des Fahrers nur um etwa zehn Minuten.
Fred verständigte seine Kollegen und eine Fahndung nach dem Wagen wurde veranlasst. Josef Brandmayr kam in die Bibliothek um zu melden, was vorgefallen war. Ich hatte auf einem gemütlichen Ledersessel gesessen, Selina bei mir auf der Armlehne. Ich stand auf und streckte ihm die Hand entgegen. Danke Herr Brandmayr! Es ist mir nicht entgangen, dass sie mich vorbildlich unter Einsatz ihres Lebens  beschützt haben. Ich werde mich zu gegebener Zeit dafür erkenntlich zeigen. "Das ist nicht nötig, Herr Montar, ich habe nur meine Pflicht erfüllt." - "Sie dürfen das ruhig so betrachten, wenn sie wollen, aber ich bleibe niemandem was schuldig. Und ich bin überzeugt, dass sich früher oder später die Gelegenheit ergibt, ihnen gebührend zu danken. Ich rief Oberkommissar Schmeisser an. Erst beim vierten Versuch bekam ich ihn ans Telefon. "Ich weiß Bescheid, Herr Montar,  Ich bin bereits unterwegs zu ihnen. Wie schwer wurden sie verletzt?" - "Ich bin versucht mit "lächerlich" zu antworten, aber so ein Scheiß-Streifschuss ist wie eine Brandwunde. Tut empfindlich weh, wenn man sie berührt. Aber ich werde nicht dran sterben." - "Dann sind sie besser dran als der Fahrer des Übertragungswagens. Viktor hat uns sein zehntes Mordopfer hinterlassen. Er hat den Leichnam an einer Bushaltestelle aus dem Wagen geworfen. Es gibt aber noch was Anderes, worüber wir uns unterhalten müssen. Sie können sich vermutlich denken, worum es geht." - "Es wird wohl etwas mit unserer Medienpräsenz zu tun haben, nehme ich an." Ich war gespannt, wie Schmeisser dazu stand. Ein weißer BMW fuhr vor. Ich machte mich auf Schelte gefasst. Der Oberkommissar kam herein, begrüsste Selina mit Handschlag und kam anschließend zu mir. Er streckte mir die Hand her. Ich habe sie gerade offiziell gerügt, und weise sie darauf hin, dass es höchst unklug war, zur Presse zu gehen! Das war der offizielle Teil! Und jetzt spreche ich als Privatperson zu ihnen, wenn sie erlauben!" - "Ich bitte darum!" - "Ich danke ihnen von ganzem Herzen, dass sie diesen ganzen Pennern mal richtig in den Arsch getreten haben. Ganz besonders diesem Idioten von einem Staatsanwalt und seinem Liebling Walther. Aber sie haben sich damit keine Freunde gemacht!" Ich lachte: "Wenn man ihre Gefährlichkeit daran misst, wie konsequent  sie  Viktor Lejbosz verfolgen, habe ich nichts zu befürchten..."

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