Die schlimmste Party aller Zeiten

Ich hatte den ersten Tag an der Uni endlich hinter mich gebracht und war auf dem Heimweg. Mittlerweile kannte ich mich schon ein klein wenig aus in Newcastle und fand den Weg nach Hause schon ohne Probleme. Zum Glück ist die Uni nicht weit entfernt und ich kann den Weg problemlos zu Fuß gehen. Denn wenn ich jetzt mit dem Auto unterwegs wäre, müsste ich mich zusammenreißen und auf den Verkehr aufpassen, was mir gerade irgendwie schwer fiel. Meine Gedanken wanderten immer wieder zu Mister „Ich bin noch jung und schon Professor und ihr könnt so viel von mir lernen“. So ein arroganter Typ, erst versaute er meine Lieblingsbluse und dann beleidigte er mich auch noch und so jemand ist zu allem Überfluss auch noch mein Professor, den ich jetzt wohl häufiger ertragen musste. Er hatte so etwas an sich, was mich einfach nur wütend machte. Ich wusste nur nicht so richtig was, seine Arroganz, seine nicht vorhandenen sozialen Fähigkeiten oder vielleicht doch weil er dabei einfach nur unfassbar gut aussah? Nein Hailey, das darfst du gar nicht denken, verstanden? Er ist dein Professor und damit war es das auch schon.
Ich verdrängte Professor Payne aus meinen Gedanken und steuerte auf die Wohnung zu. Blöderweise war auch noch meine reizende Cousine Sarah zu Hause und ihre erste Bemerkung über meine befleckte Bluse ließ mich sofort wütend in mein Zimmer verschwinden. Nur zwei Minuten später klopfte es an meiner Tür, „Na komm schon rein Sarah“, rang ich mir widerwillig ab. „Tut mir leid, dass ich dich aufgezogen habe, wie war dein erster Tag an der Uni?“ fragte sie mich ehrlich interessiert. Ich erzählte ihr alles von Anfang bis Ende und ihre Augen wurden dabei immer größer. Sie wollte mir erst gar nicht glauben, aber als sie es verstanden hatte sah sie mich an und sagte: „Okay nach so einem Tag müssen wir es heute Abend richtig krachen lassen. Meine Kommilitonen schmeißen heute eine Semesteranfangsparty und wir beiden Hübschen werden da heute Abend aufschlagen. Keine Angst du kannst was von mir anziehen und ich mach dein Make up.“ Natürlich hatte ich die kleine Stichelei bemerkt, jedoch hatte ich mir vorgenommen mein neues Leben zu genießen und neue Leute kennenzulernen, also was gibt es da besseres als eine Studentenparty?

3 Stunden später hatte Sarah endlich ein passendes Outfit für mich gefunden und machte sich nun an meinen Haaren zu schaffen. Ich habe mir nie wirklich Gedanken über meine Haare oder Make up gemacht, auf dem Dorf sind Arbeitssachen und ein Zopf einfach praktischer als High Heels und eine lange Lockenmähne, die mir ins Gesicht fällt. Und genau das fand Sarah so schrecklich, dass sie sich wie ein Geier über mich hermachte.
Zuerst wurde der Lockenstab rausgeholt und meine langen braunen Haare in zugegebenermaßen wunderschöne Wellen gedreht. Anschließend schminkte sie mir, so wie sie es nannte, Smokey Eyes und schmierte einen knallroten Lippenstift auf meine schmalen Lippen, der angeblich super zu meinen Haaren passte. Zuletzt bekam ich ein absolut nicht jugendfreies und viel zu kurzes schwarzes Kleid an und passend dazu, rote Pumps. 

Wir liefen durch die Straßen von Newcastle auf dem Weg zur Party und schon jetzt taten mir meine Füße weh, wie hielten das andere Frauen nur aus? Sarah neben mir sah aus wie eine Mischung aus wunderschönem Engel mit blonden Haaren und sexy Vamp, der nichts anbrennen ließ. Kein Wunder, dass die Jungs so auf sie fliegen. Ich kam mir daneben vor wie ein Dorftrottel, der versucht gut auszusehen und dabei einfach nur peinlich ist, aber das ließ ich mir nicht anmerken.
Als wir an dem Partyhaus ankamen dröhnte schon laute Bassmusik heraus und viele Leute standen davor und rauchten oder unterhielten sich. Sarah begrüßte kurz ein Paar und dann gingen wir herein. Der Mix der Gerüche aus Alkohol, Schweiß und Zigaretten überwältigte mich einen Moment. Als ich mich wieder gefangen hatte gingen wir weiter in das Haus hinein. Sarah stellte mich ein paar ihrer Freunde vor, diese starrten mich aber nur verdutzt an und sprachen kein Wort mit mir. In dem ganzen Getümmel verlor ich Sarah ziemlich schnell und beschloss mich auf den Weg zur Bar zu machen. Ich schenkte mir etwas von dem süßlich riechenden Cocktail ein und beobachtete das Partygeschehen.
Da ich Sarah nach einer halben Stunde immer noch nicht wiedergefunden hatte, feierte ich eben alleine. Und noch ein paar Drinks konnten ja nicht schaden, schließlich wollte ich ja neue Leute kennenlernen, aber das fällt mir nüchtern ziemlich schwer.
Nach einer weiteren Stunde drehte ich noch eine Runde durch das eigentlich wirklich hübsche Haus. Ich kam nicht umhin die hübschen Bilder an der Wand zu bewundern, auch wenn mir niemand darauf auch nur ansatzweise bekannt vorkam. Die Familie auf den Bildern wirkte sehr glücklich.
Als ich in das Wohnzimmer schlenderte entdeckte ich glücklicherweise ein paar bekannte Gesichter. In einer kleinen Gruppe neben dem Kamin standen Jamie, Tim und Marco. Ich war so froh sie zu sehen, dass ich geradewegs auf sie zuging und mit einem lautstarken „Hallöchen“ begrüßte. „Hey Hailey schön dich zu sehen, was machst du denn hier?“, fragte mich Marco. Ich lächelte ihn an und sagte: „Nach diesem eher bescheidenen Start ins Studium hat meine Mitbewohnerin beschlossen mit mir heute feiern zu gehen. Nur dummerweise bin ich jetzt betrunken und sie ist nirgendwo zu finden.“. Alle schauten mich etwas verwundert an, lachten dann aber mit mir und wir gingen auf die Tanzfläche. Leider bin ich keine sehr begabte Tänzerin, aber das war mir in diesem Augenblick ziemlich egal. Ich tanzte wie ich wollte und mit wem ich wollte und das war in diesem Moment Marco.
Er sah eigentlich auch ziemlich gut aus mit seinen kurzen blonden Haaren und grünen Augen. Ich ließ mich auf seinen Flirt ein und wir tanzten sehr sehr lange und tranken noch sehr viel mehr.
Doch so gegen 4 Uhr früh taten mir so die Füße weh, dass ich beschloss nach Hause zu gehen. Ich suchte überall nach Sarah, doch sie war einfach nicht zu finden. Wahrscheinlich war sie mit irgendeinem Macker abgehauen und hatte mich ganz allein zurück gelassen. Aber das war sie kann, konnte ich auch. Und als ob Marco meine Gedanken gehört hätte, kam er auf mich zu und fragte: „Soll ich dich nach Hause begleiten, wer weiß was noch passiert?“. Meine Antwort überraschte mich selbst ein wenig, denn ich war einverstanden und so gingen wir zusammen aus dem Haus auf die Straße.
Wir liefen eine Zeit lang still nebeneinander, bis wir in eine dunkle Nebenstraße kamen. Schneller als ich verstehen konnte küsste Marco mich und drückte mich gegen die Hauswand. Ich machte einfach mit und dachte nicht darüber nach. Plötzlich glitt seine Hand unter mein Kleid und er flüsterte mir ins Ohr: „Ich will dich hier und jetzt.“. Das ging mir dann doch zu weit und ich sagte: „Nein, das will ich nicht, so bin ich nicht.“. Doch das hielt ihn nicht davon ab, weiter zu machen. Er presste seinen Körper nur noch stärker gegen mich und hielt meine Arme fest. Er küsste meinen Hals, mein Dekolleté und zuletzt meine Brüste. Ich wollte das nicht, aber ich konnte mich nicht wehren. Mit aller Kraft versuchte ich ihn wegzuschieben, aber er war zu stark. Doch plötzlich hörte ich wie Marco einen harten Schlag einstecken musste und von mir abließ. Er war so verschreckt, dass er sofort die Flucht ergriff und mich zurückließ. Mir gingen so viele Ängste und Gefühle durch den Kopf und durchzuckten meinen ganzen Körper. Ich konnte mich nicht mehr auf den Beinen halten, es fühlte sich an, als ob sie einfach unter meinem Körpergewicht nachgaben und ich zu Boden sank. Doch auch das ließ mein Retter in der Not nicht zu und fing mich blitzschnell auf, keine Ahnung wie er das so schnell schaffen konnte.
Aber das war mir egal, ich war einfach nur froh, dass es vorbei war. Wenn ich daran dachte, was alles hätte passieren können, drehte sich mein Magen einmal komplett um.
Jetzt sah ich meinem Retter endlich ins Gesicht und was ich da sah, überraschte mich zutiefst. Es war tatsächlich Mister Arroganz Payne höchstpersönlich. Er schaute mich ehrlich besorgt an und ich konnte nicht anders als ihm direkt in seine wunderschönen meerblauen Augen zurück zu blicken. Nach einem viel zu kurzen Moment fing er sich wieder und half mir hoch. „Sag mal bist du betrunken? Haben dir deine Eltern denn nicht beigebracht, dass man nicht mit fremden Männern nachts allein nach Hause geht?“. Mein durch Alkohol vernebeltes Gehirn brauchte ein paar Sekunden, um zu begreifen was denn gerade vorgefallen war. Aber was mich noch viel mehr beschäftigte war der erst besorgte und dann wütende Blick mit dem mich Mister Payne ansah. „Das ist ja wohl nicht ihr Problem, oder?“ und in dem Augenblick in dem ich es aussprach bereute ich es schon zutiefst, verdammter Alkohol. Sein Blick wurde nur noch zorniger und er schrie schon fast: „Wie wäre es denn mit einem Dankeschön? Ich glaube ich habe dir gerade ziemlich aus der Klemme geholfen. Und wie wagst du denn überhaupt mit mir zu sprechen, ich bin immerhin dein Professor!“. Jetzt fühlte ich mich wie ein kleines verletztes Mädchen, aber das zeigte ich ihm schon aus trotz nicht, also antwortete ich stattdessen: „Ja vielen Dank auch, mit dem wäre ich schon alleine klargekommen. Und jetzt werde ich nach Hause gehen, schönen Abend noch.“ Stolz auf meine selbstbewusste Antwort ging ich davon.
Aber die Ruhe sollte nicht von Dauer sein. Kaum war ich ein paar Schritte gegangen, war er auch schon wieder neben mir. „Du kommst doch nie heil allein zu Hause an, ich begleite dich bis zu deiner Wohnung.“ sagte er mit einer Stimmlage, die keinen Widerspruch duldete. Und so ging ich halb 5 in der Nacht zusammen mit meinem Professor nach Hause. Er sagte auf dem ganzen Weg kein Sterbenswörtchen mehr zu mir und auch ich wollte nicht darüber sprechen. Mit einem einfachen „Bis morgen.“ verabschiedete er sich, als wir an der Wohnung ankamen und war so schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war.

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