Verehrter Freund,
zuallererst muss ich mich für die lange Zeit der Stille entschuldigen.
Die, „besonderen“ Umstände, von denen ich dir in diesem Brief berichten werde, ließen es leider nicht zu, unseren, sonst so regen, Briefverkehr aufrecht zu erhalten.
Und, mit besonders meine ich…. Grauenhaft..

Mein lieber Richard, bitte glaube mir wenn ich sage, dass sich alles in mir sträubt, und die Erinnerung an das erlebte mich erschauern lassen, sobald ich versuche die folgenden Zeilen niederzuschreiben.
Mir ist durchaus klar, dass man mich, ohne Umschweife, in das nächstgelegene Irrenhaus befördern würde, sollte dieser Brief jemand anderem in die Hände geraten, außer dir, mein treuer Freund.
Bei dir bin ich mir sicher, dass mein Geheimnis gut aufbewahrt ist.

Alles begann, als ich dieses Verfluchte Haus bezog, das ich im Dezember des letzten Jahres erstand.
Wie du weißt, habe ich mein altes Haus, nach dem Tod meiner geliebten Rose, Verkauft und mich, mit so gut wie nichts als das, dass ich am Leibe trug, verlassen.
Der Schmerz über den Verlust meiner geliebten Frau war einfach zu groß.
Und ich wollte nicht krampfhaft an Erinnerungen festhalten, die das Leid ein jedes Mal aufs Neue aufkommen ließen, wenn ich sie nur ansah.
Geld habe ich ausreichend, das weißt du.
Es ist mir also nicht schwer gefallen, den so eilig zurückgelassenen Hausrat, in relativ kurzer Zeit wieder heranzuschaffen.
Zumal ich nun alleine lebe und so manche Dinge, die man sich im Zuge einer Ehe zulegt, als alleinstehender Witwer nicht mehr benötige.

Einzig einige Bücher aus meiner Bibliothek habe ich mir von meinem Diener einpacken und an die neue Adresse nachsenden lasen.
Eines der Bücher war das berüchtigte und Verbotene, „Necronomicon“, des Verrückten Arabers, „Abdul al Hazred“, zu dem wohl nicht viel gesagt werden muss.
Ein anderes,  eine seltene, geheime, zweite Version des, „Hexenhammers“, die unter anderem schreckliche Protokolle über Verhöre von Hexen und Hexer enthält!
Ich spreche dabei nicht von den „üblichen“ Protokollen und brutalen Verhören, die allseits bekannt sind und die in jeder kleinen Stadt, in der Hexen angeklagt wurden, durchgeführt wurden.
Diejenigen, die nicht für die Ohren des gemeinen Pöbels bestimmt sind,  spreche ich hier an.
Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.
Nur eines sei noch gesagt... Es war nicht einfach an dieses Buch zu gelangen und es mussten viele Jahre lang, etliche Bibliothekare, Gelehrte, ja sogar Mönche und Priester, bestochen werden, bis dieses Exemplar in meinem Besitz war.

Nun aber zurück zum wesentlichen.
Das Haus bereitete mir vom ersten Tag an großes Unbehagen. Die schwarze Fassade mit ihren dunkel gestrichenen Fensterläden, an denen merkwürdige Kratzspuren zu sehen waren.
Fast wie von einem großen Raubtier, das angelockt vom Duft von frischem Sonntagsbraten und Speck aus den Speisekammern, versucht sich gewaltsam Zugang zu verschaffen.
Aber was für ein Tier das derartig große Klauen besitzt, ist im Stande sich in die Lüfte zu erheben und zu fliegen, oder wenigstens, meterhohe Sprünge zu vollführen?
Denn diese seltsamen Krallenspuren, die sich tief in das Holz der Fensterläden gruben, waren nicht nur an den unteren Fenstern zu finden, sondern an ALLEN.
Bis hin zu denen, an den drei hohen Turmbauten, die hoch aus dem Dach des Hauses hervorragten!

Diese Türme…..schreckliche Gesänge, wie aus den tiefsten Abgründen eines Albtraumes, erklingen wenn der Wind durch ihre losen Ziegel pfeift.
Fast scheint es so, als hatte der Erbauer des Hauses dies im Sinne, als er diesen Verfluchten Bau errichten ließ.
Denn der „Gesang“, der ertönt, wenn die Türme vom Wind erfasst werden, klingt auf eine Gotteslästerliche Art und Weise merkwürdig synchron. Fast wie eine dunkle Symphonie, die sich tief in das Gedächtnis bohrt und sich dort festkrallt um nie wieder loszulassen!
Das Haus dient dabei scheinbar als eine Art, „Resonanzkörper“.
Denn hält man sich in der großen Eingangshalle auf, wenn der Gesang ertönt, so erfasst einen fast Augenblicklich ein furchtbares Gefühl von Furcht und Panik.
Würde man die Halle dann nicht sofort verlassen… Ich möchte mir nicht ausdenken was diese furchtbaren Töne, wie aus den tiefsten Schlünden der Finsternis mit dem menschlichen Gehirn anstellen mochten.
Die Wände der Halle sind, wie die Aussenfassade, Pechschwarz gestrichen, und an ihnen hängen unscheinbare Gemälde von niederer Qualität mit Abbildungen von Landschaften rings um Salem und des Anwesens. Links und rechts der großen Eingangstüre sind jeweils acht Prachtvoll verzierte Holztüren die in mehrere Gästezimmer, Wohnstube, Küche, Vorratskammer und einen großzügig bemessenen Weinkeller führen.
 In der Mitte der Halle führt eine große steinerne Treppe nach oben. Auf der oberen Etage befinden sich, jeweils zur linken, als auch zur rechten Seite, acht Zimmer. Jeweils vier Schlafzimmer, zwei Bäder und zwei leer stehende Zimmer zur freien Verfügung. Auf dem Boden ist ein langer, verschlissener, roter Teppich ausgelegt, der vermutlich mehr von den Ratten und Mäusen begangen wurde, als von Menschen selbst. Er ist übersät mit Flecken und Fraßspuren, …und der Geruch der von ihm ausgeht beißt einem in der Nase.
An den Wänden in den beiden Fluren, hängen alte Ölgemälde von erstaunlich guter Qualität.
Der Künstler muss ein wahrer Meister seines Faches gewesen sein, denn die Portraitierten Damen und Herren auf den Gemälden, wirken gerade so, als würden sie jeden Moment zum Leben erwachen, aus ihren Kunstvoll verzierten Rahmen heraussteigen und davon schreiten.
Wer diese Personen auf den Gemälden sein sollen, konnte ich bisher nicht herausfinden.
Jedoch scheinen die dort abgebildeten Lordschaften keine Frohnaturen gewesen sein. Den Ausdruck auf den Gesichtern der Herren kann ich nur mit, „Bösartig“ bezeichnen. Wenn man nicht genau wüsste, dass es sich hierbei um Ölgemälde handelt und nicht um Personen aus Fleisch und Blut, fiele es einem schwer ihrem Blick standzuhalten.
Auf den Gesichtern der Damen jedoch, ist eher ein Ausdruck von Angst, oder gar Verzweiflung zu deuten. Das gezwungene Lächeln ähnelt mehr einer verzerrten Grimasse als einem wirklichen Ausdruck der Freude.
Ich habe den Verkäufer des Hauses, Egon Shamus, bezüglich der Gemälde befragt, jedoch gibt er vor nichts darüber zu Wissen. Auch über die Vorbesitzer des düsteren Anwesens hat er, nach eigener Aussage, keine weiteren Informationen. Die vorherigen Besitzer mussten das Haus, ohne Angabe von Gründen, sehr schnell verlassen haben. Auch über den derzeitigen Wohnsitz der Leute konnte ich bisher nichts in Erfahrung bringen. Fast scheint es, sie wären vom Erdboden verschluckt worden.


In dem jeweils letzten der freien Zimmer, befand sich eine schwere eiserne Tür, die mit einem noch schwereren Riegel, sowie mit einer wuchtigen Kette blockiert war. Zu meinem Glück waren Riegel und Kette nicht mit einem Schloss versehen, sodass es mir möglich war, unter einiger Anstrengung, beides zu entfernen und die Türen zu öffnen.
Was ich vorfand war der Zugang zu zwei der Türme, die aus dem Dach des Hauses ragten. Jedoch gab es seltsamerweise, keine Treppe die nach oben führte um die Spitze der Türme zu erreichen. Was aber vorhanden war, waren steinerne Stufen die nach unten führten.
Den Zugang zum dritten Turm fand ich nur durch einen seltsamen Zufall. Als ich nämlich die Ölgemälde im oberen Flur nach irgendeiner Art der Signierung eines Künstlers Untersuchte, und auf der Vorderseite nicht fündig wurde, Versuchte ich eines der Bilder abzuhängen um die Rückseite zu begutachten.
Als ich nun das Bild vom Haken nahm, so bewegte sich dieser mit einem deutlich Hörbaren Klick Laut nach oben. Ein paar Sekunden tat sich gar nichts und ich stand nur da und lauschte in die Stille.
Plötzlich gab es ein kratzendes, knarrendes Geräusch neben mir und ich sah, wie die Wand am Ende des Flures, eine Verborgene Tür freigab! Als ich mich dem Zugang näherte, konnte ich ein lautes stöhnen vernehmen, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Trotzallem nahm ich meinen Mut zusammen und schritt durch die geheime Tür. Auch hier gab es Stufen die nach unten führten, jedoch diesmal auch eine Treppe nach oben. Es fällt mich schwer den ekelerregenden Geruch zu beschreiben, der von unten heraufstieg. Ein Geruch von faulem Fleisch das seit Jahren vor sich hin moderte!
Ich nahm mein Taschentuch und hielt es mir vor Mund und Nase. Dann überlegte ich, ob ich zuerst nach unten, oder nach oben gehen sollte.
Meine Neugier siegte über meine Angst und so entschied ich mich, zuerst den Unteren Teil des geheimen Ganges zu erforschen. Ich nahm eine der Öllampen von der Wand und auch eine weitere als Ersatz nahm ich mit.
Langsam begann ich die alten Stufen hinabzusteigen und hielt mich dabei mit der linken Hand an der Wand des schmalen Ganges fest. Die Wände waren mit einer Art Moos bewachsen, das leicht zu fluoreszieren schien. Aber ich vermute dass ich mir dies nur eingebildet habe.
Du weist selbst, lieber Freund, dass einem das Gehirn in einer Situation wie dieser gerne mal einen Streich zu spielen vermochte.
Je weiter ich nach unten hervordrang, desto lauter wurde das heulende Wehklagen das ich schon oben in der Türe des geheimen Zugangs vernahm. Aber dieses heulen klang anders als das, das mich sonst so erschauern ließ, wenn der Wind sich in den Türmen des Anwesens fing.
Fast klang es menschlich, als ob dort unten in der Dunkelheit eine arme Seele in seinem Verließ nach Erlösung klagen.
Durch die vielen Gedanken die mir in meinem Gehirn umher spukten hatte ich jegliches Zeitgefühl verloren, vermutete aber, dass ich seit nunmehr 20 Minuten Treppab stieg.
Als die erste Öllampe zu erlöschen drohte, holte ich aus meiner Brusttasche meine Zündhölzer hervor und entzündete den Docht der anderen Lampe. Dabei war ich unaufmerksam und Verfehlte einer der steinernen Stufen, glitt ab und stürzte polternd die Treppe hinab. Ich Verletzte mich dabei am Kopf und an den Knien. Als mein Sturz nach schier unendlichen Sekunden zum Stillstand kam, stemmte ich mich ächzend hoch, begutachtete meine aufgestoßenen Knie sowie die zerrissenen Hosen und tastete nach der Lampe, die ich beim Sturz habe fallen lassen und von der ich hoffte, dass sie nicht ausgelaufen war.
Es war stockfinster, jedoch bemerkte ich, dass ich mich nicht mehr auf der Steintreppe befand, sondern auf sandigem Boden. Demnach musste ich also das Ende der Stufen erreicht haben.
Da ich in der Dunkelheit nichts erkennen konnte, dauerte es einige Zeit bis ich die Lampe ertastet hatte. Sie lag auf den Stufen und war offenbar noch unversehrt.
Wieder holte ich meine Zündhölzer hervor und ließ eines von ihnen zischend aufflammen.
Als der Docht der Lampe endlich brannte, dauerte es einige Sekunden, bis meine Augen sich an die Helligkeit gewöhnten.
Was ich dann sah, versetzte mir einen Schrecken, an den ich bis an das Ende meiner Tage denken werde.
Ich stand in einer Art Labor, oder Operationssaal. Vor mir waren mehrere Tische auf denen, unter vergilbten Laken verborgen, vermutlich menschliche Körper lagen. Oder das was von ihnen übrig war, denn dem grauenhaften, fauligen Geruch nach zu urteilen, waren diese armen Teufel schon lange nicht mehr am Leben!
Ich zitterte und bebte am ganzen Körper und war wie gelähmt vor Angst. Schaffte es dann aber doch irgendwie mich vorwärts zu bewegen um mich weiter umzusehen.
An den Wänden waren Regale befestigt auf denen große Gläser standen. Auf den Gläsern war eine dicke Staubschicht, die ich mit meinem Taschentuch abwischte. Und erneut durchfuhr mich Unglaubliches Grauen, als ich sah, was die Wahnsinnigen Forscher, die hier einst gearbeitet haben mochten, in den Behältnissen einlagerten.
Köpfe… denen die Augen entrissen wurden, dann Köpfe denen der Unterkiefer entfernt wurde, ein anderer Kopf war unversehrt. Hände, Augen, Unterschenkel..
Ich wandte mich angewidert ab und mein Magen konnte dieser nervlichen Belastung keine Sekunde länger standhalten. Ich übergab mich auf den Boden, sank auf die Knie und fing an zu beten.
Was für Ausgeburten der Hölle mochten hier ihr in diesen Mauern Unwesen getrieben haben?
Warum diese Verstümmelungen, was ging hier vor sich?
Ich sammelte mich und stand auf. Meine Petroleumlampe in der rechten machte ich mich abermals auf zu dieser Wand des Schreckens um nochmals einen Blick auf dieses Kabinett des Wahnsinns zu werfen.
Ich staubte mit meinem Taschentuch einige weitere Gläser ab, in denen sich wiederum Köpfe befanden. Diese waren, bis auf die Tatsache das jemand sie vom Rest des Körpers abgetrennt hatte,  Unversehrt!
Einige der Gesichter in den Gläsern schienen mir bekannt vorzukommen und ich überlegte scharf, wo ich diese denn schon einmal gesehen haben könnte. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen… Die Ölgemälde in den oberen Fluren!
Die Köpfe gehörten allesamt zu den Damen, die auf den Bildern in der oberen Etage zu sehen waren!
Ich zuckte zusammen und alles in meinem Kopf drehte sich.
Warum mussten diese Frauen auf so grausame Art und Weise ums Leben kommen? Welchem Zweck diente es, ihnen Kopf, Hände und Teile der Beine chirurgisch zu entfernen?
Ich taumelte einer Ohnmacht nahe, gleichsam dem unsäglichen Geruch, als auch dem Anblick der eingelegten Körperteile geschuldet, einige Schritte zurück und stieß gegen einen der Operationstische.
Ich fuhr erschreckt herum und starrte auf das einstmals vermutlich strahlend weiße Laken, unter dem sich die Umrisse eines Körpers abzeichneten. Langsam hob ich meine Lampe in die Höhe um etwas besser sehen zu können. Am unteren Ende des Tisches schaute etwas unter dem Laken hervor, das Vermutlich Füße zu sein schienen. Jedoch waren DAS mit Sicherheit nicht die Füße eines Menschen, und schon gar nicht die, einer zierlich anmutenden Frau, wie sie auf den Gemälden Verewigt war.
Es waren grässliche Klauenartige Füße. Mit Schuppen bedeckt und einer Art Schwimmhäute zwischen den einzelnen Gliedern. Auch wiesen diese ,Dinger, nicht fünf Glieder auf, wie der menschliche Fuß, sondern nur drei. Lange, Hornartige Krallen waren zu sehen. Gänsehaut machte sich auf meinem gesamten Körper breit und ich spürte wiederum Panik in mir aufsteigen. Ich wollte weglaufen und diesen schrecklichen Ort hinter mir lassen, aber etwas in mir Verhinderte dies. Irgendetwas in mir wollte das Geheimnis dieses Hauses lüften.
Ich atmete tief durch und nahm das Ende des Lakens in die Hand. Ich schloss die Augen und mit einem Ruck riss ich das Tuch von dem schrecklichen Kadaver herunter.
Als ich die Augen wieder öffnete war ich vor Ekel und Schrecken wie gelähmt. Noch nie in meinem Leben hatte ich so etwas gesehen!
Vor mir lag ein Wesen, halb Mensch halb Echse… Die Hände waren vom menschlichen Körper abgetrennt worden und durch jene ersetzt, wie sie auch an den Füßen zu finden waren.
Nur waren diese „Hände“ noch kräftiger als die „Füße“.
Oberkörper und Oberschenkel hatte ebenfalls diese kräftige, Echsen artige Struktur. Lediglich ein Teil der Beine und ein kleiner Teil der Arme waren noch menschlich.
Aber am schlimmsten anzusehen war der Kopf dieses Unwesens. Er war mit Fischartigen Schuppen übersät, und wesentlich größer als der eines Menschen.
Die Augen waren riesengroß und tiefschwarz, ohne erkennbare Pupillen. Ohren hatte dieses Wesen keine, zumindest keine die sichtbar gewesen wären. Eine Katzenartige Nase stach scharf aus dem Gesicht hervor.
Der Mund, oder besser, das Maul war ebenfalls sehr groß und die Form erinnerte an den Schnabel eines Greifvogels. Jedoch war dieses Maul mit endlos vielen, Spitzen Reißzähnen besetzt. Beim Anblick dieses Maules wurden mir die Knie weich, lieber Richard. Und ein weiteres mal übergab ich mich auf den staubigen Boden dieses schrecklichen Verlieses.  
Der Körper dieses Ungetüms wies einige Verletzungen auf, vor allem an der Brust und am Hals.
Eine tiefe Wunde auf der Brust lies darauf schließen, das nach dem Monstrum mit einer Art Speer gestoßen, oder geworfen wurde. Die Wunden am Hals jedoch waren Augenscheinlich durch ein Seil oder eine Kette verursacht worden.
War dieses schreckliche Ding etwa ausgebrochen und musste wieder eingefangen werden?
Nicht auszudenken was ein solches Monster anrichten könnte, wäre es einmal freigelassen.
Zum Abschluss wollte ich mir die Rückseite des Wesens ansehen, also schob ich vorsichtig meine Hände unter das Ding und hob es ein Stück an. Ich nehme an, ein Operationsmesser, oder eine Scherbe lag auf dem Tisch, genau dort, wo ich meine Hände  unter das Monstrum schob, denn beim anheben entdeckte ich eine kleine Schnittwunde an meiner Hand, aus der ein wenig Blut austrat!
Mit Entsetzen musste ich feststellen, das diese Ausgeburt der Hölle mit Schwingen ausgestattet war!
Diese erinnerten an die einer Fledermaus. Keine Federn, sondern nur aus Haut. Durchzogen von dicken Adern sahen sie alles andere als tot aus.
Vor Schreck lies ich das Ungetüm in seine Ausgangsposition zurückfallen und Versuchte es mit dem schmutzigen Laken wieder abzudecken.
Dabei merkte ich, dass ein paar Tropfen Blut aus meiner Schnittwunde, auf der Stirn des Monsters landeten und von der trockenen, Schuppigen Haut sofort aufgesogen wurden, wie von einem Schwamm.
Ein paar Sekunden lang starrte ich auf die Stelle in der das Blut eingesogen wurde, dann deckte ich das Ding zu und mit einem kurzen, angewiderten Blick zurück auf die schreckliche Szene, begann ich die Treppe wieder hinaufzusteigen.

Als ich den modrigen Stufen nun seit ungefähr 15 Minuten gefolgt war, hörte ich plötzlich aus dem Dunklen Verlies unter mir, einen Wahnsinnigen Schrei, wie ihn nur der Teufel selbst ausstoßen konnte!
Mich durchfuhr unglaubliche Panik und sofort war mir klar… „Das Ungetüm ist zum Leben erwacht“!
Mein Blut hatte es ins Leben zurückgerufen, dessen war ich mir sicher. Und nun wollte es auch noch den Rest meines Lebenselixieres! Ich hörte wie Tische umfielen, wie Gläser zerbarsten. Ich hörte wie das Monster seine Schwingen ausbreitete und damit flatterte. Und immer wieder diese Schreie, wie die eines Tieres, das mit einem Fuß in der Falle eines Jägers gefangen, keinen anderen Ausweg sieht, als sich selbst den Knochen durchzufressen um zu entkommen! Zu entkommen um den Jäger selbst aufzuspüren und ihm das Lebenslicht auf grausame Art und Weise auszublasen!
„Und nun jagt es mich!“ sagte ich wortlos vor mich hin.
Plötzlich war es still und kein Laut war mehr zu Vernehmen. „Es Versucht mich aufzuspüren!“ dachte ich bei mir. „Diese Nase, wie die einer Raubkatze, es wird mich wittern“! Kaum zu Ende gedacht, hörte ich schnelle, klatschende Schritte auf dem sandigen Boden aus dem Keller unter mir. Die Schritte wurden immer lauter und ich hörte wie es nun auf den Stufen der Treppe angelangt war.
Dort blieb es offenbar nochmals stehen und horchte in die Stille.
Ich hörte nervöse, schniefende Geräusche, wie die eines Bluthundes der eine Witterung aufgenommen hat. Und dann rannte es los, ich konnte hören wie die Krallen des Ungetüms in schneller Reihenfolge auf den steinernen Stufen auftrafen!
Das blanke Entsetzen packte mich und ich rannte so schnell ich konnte die Treppe hinauf! Das Untier war ein ganzes Stück hinter mir, ich konnte es also schaffen die schwere Eisentür zu erreichen und das Biest einzuschließen. Doch als ich an der Türe angekommen war, musste ich mit Entsetzen feststellen, dass diese fest Verschlossen war! „Wie kann das sein?“ Schrie ich laut auf, denn ich wusste das ich die Tür nicht Verschlossen hatte!
Das Scheusal kam immer näher, ich hatte keine Zeit nachzudenken!
Also rannte ich die Stufen weiter hinauf, ins ungewisse, denn den oberen Teil des Turmes hatte ich ja noch nicht erkundet!
Mein Herz schlug bis zum Halse und die Bestie war nun nur noch wenige Meter hinter mir, das konnte ich anhand der Geräusche die es von sich gab, gut ausmachen!
Ich blieb einen Moment stehen und schleuderte meinem grausigen Verfolger die brennende Petroleum Lampe entgegen. Mit einem lauten Knall traf diese auf der Mauer auf und zerbrach. Das Petroleum entzündete sich und eine Wand aus Feuer tat sich für einen kurzen Moment auf.
Ich hörte einen hohen Schrei, den die Bestie von sich gab. Entweder sie hatte Angst vor dem Feuer oder aber ich habe sie mit dem Feuer Verletzt!
Die Aktion verschaffte mir ein paar wertvolle Sekunden und ich stieg weiter die Stufen hinauf.
Nach ein paar Metern sah ich eine hölzerne Tür, mit einem eisernen Türgriff, vor mir und ohne zu zögern ging ich durch sie hindurch.
Ich stieß die Tür hinter mir zu und legte den hölzernen Riegel vor.
Dann sah ich mich in der Kammer nach einer Fluchtmöglichkeit um. Eine weitere Türe war in dem Raum nicht vorhanden. Nur ein Fenster dessen Scheiben an ein Kirchenfenster erinnerten, mit ihren bunten Abbildungen die in das Glas eingearbeitet waren!
Zu meiner linken stand ein großer hölzerner Schrank und eine schwere Truhe! Zu meiner rechten ein Bett, das ordentlich gemacht war und mit einer dicken Schicht Staub bedeckt war!
An der hohen Decke des Raumes, entdeckte ich eine große Glocke von der aber kein Seil herabhing!
Ich ging hinüber zum Schrank, um nachzusehen ob in etwas diesem etwas zu finden wäre, dass ich zu meiner Verteidigung benutzen konnte, sollte das Ungetüm die Tür aufbrechen und mich angreifen.
Aber dazu kam ich nicht, denn als ich meine Hand an den Griff der Schranktür legte, warf sich dieses Ding von außen mit voller Wucht gegen die Tür. Ich erschrak und wich zurück Richtung Fenster.
Einen kurzen Moment Überlegte ich, ob ich nicht aus dem Fenster hinausspringen sollte. Aber ich musste feststellen dass sich dieses nicht öffnen ließ. Es war Vernagelt…
Ich eilte zurück zu dem großen Schrank, öffnete ihn und Verzweiflung überfiel mich, als ich feststellen musste dass er, außer ein paar von Motten zerfressenen Kleidungsstücken, die aus dem vorherigen Jahrhundert zu sein schienen,  nichts enthielt.
Mein Blick fiel auf die Kunstvoll verzierte hölzerne Truhe, die mit einem Riegel aus Metall und einem großen Vorhängeschloss Versehen war. Erleichtert stellte ich fest dass der Schlüssel im Schloss steckte. Ich öffnete also die Truhe und fand darin ein langes Seil, eine alte Uniform und eine Steinschlosspistole ohne Feuerstein. Unter der Uniform fand ich einige Kugeln die offensichtlich zu der Waffe gehörten. Jedoch war diese Nutzlos ohne Feuerstein und Schießpulver.
Wieder warf sich die Kreatur gegen die hölzerne Tür, zerbrach dabei eines der Bretter steckte eine seiner furchterregenden Pranken durch das Loch und begann nach dem Riegel zu tasten.
Mir stockte bei dem Anblick der Atem und das Herz schlug mir bis zum Hals.
Schnell nahm ich das Seil aus der Kiste, rannte zu dem Fenster und schlug mit bloßen Fäusten darauf ein, bis es zerbrach.
Ich entfernte hastig die großen Scherben am Rand und lehnte mich mit dem Oberkörper hinaus um zu sehen ob ich das Seil irgendwo befestigen konnte. Wieder packte mich die Verzweiflung, denn es gab nichts um das ich mein Seil schlingen konnte um auf das Dach herab zu steigen!
Im inneren des Raumes fiel mein Blick auf den massiven Holzbalken, an dem die Glocke befestigt war. Dieser hatte an jeder Seite jeweils einen kurzen Ausläufer, an dem, so mutmaßte ich, einmal ein Strick befestigt war, der die Glocke in Gang brachte, wenn man kräftig daran zog.
Hastig machte ich einen Knoten in das Seil, während diese Ausgeburt der Hölle weitere Stücke aus dem Holz brach und immer schneller in den Raum vorzudringen drohte! Es steckte nun auch seinen Kopf durch das Loch in der Tür und sah mich mit seinen Pechschwarzen Augen an. Dabei stieß es Laute aus, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließen und mich für einige Sekunden in eine Art Schock starre versetzten. Es schien mir zuzurufen… „Ich kriege dich. Es gibt kein entrinnen...“
Ich faste mich und konzentrierte mich auf den Ausleger am Balken de Glocke, warf das Seil hoch und verfehlte diesen. Noch ein Versuch, ein weiterer… wieder daneben. Das Monster passte nun fast mit dem gesamten Oberkörper durch die zerstörte Tür und es war nur noch eine Frage von Minuten bis es mich in seinen garstigen Klauen hielt. Furchtbare Gedanken schossen mir durch den Kopf, was es wohl mit mir anstellen möge, sobald es mich hatte. Riss es mich in Stücke und labt sich an meinem Blut? Oder wollte es mich gar bei lebendigem Leibe Fressen?
Ein weiteres Mal warf ich das Seil nach oben und diesmal Verfehlte ich mein Ziel nicht!
Ich zog den Knoten mit einem Ruck fest und begann an dem Seil hochzuklettern. Dabei wickelte ich mein linkes Bein um da Seil und drückte mit dem rechten Fuß drückte ich dagegen, so wie ich es während meiner Zeit als Soldat gelernt hatte. Auch wenn das schon sehr lange her ist!
Mit den Armen zog ich mich nach oben, mit den Füßen drückte ich nach. Es funktionierte.
Ich war ungefähr an der Hälfte meines Weges nach oben angekommen, als die hölzerne Tür unter den Pausenlosen Schlägen und Tritten des Ungeheuers endgültig nachgab und ihm den Weg in den Raum, und damit auch zu mir, freigab!
Unfähig mich zu bewegen hing ich da nun an meinem Seil und starrte auf das Wesen, das am unteren Ende des Strickes stand und mit ausgebreiteten Armen und Schwingen zu mir aufblickte und mir seine schrecklichen Reißzähne entgegen fletschte wie ein tollwütiger Bluthund.
Vor Angst konnte ich mich nicht rühren. Ich faltete die Hände zum Gebet, denn ich war mir sicher dass meine letzte Stunde nur gekommen war. Ich schloss die Augen und fing an das „Vater unser“ aufzusagen, als das grausige Vieh am Seil zog um mich von dort herunter zu schleudern!
Ich spürte was für wahnsinnige Kräfte in den Armen dieser Missgeburt wohnten.
Durch den Ruck, den es auf das Seil ausübte, brachte das Ding die große Glocke zum Schwingen, jedoch nicht so sehr, dass diese ein Geräusch von sich gab. Ein weiterer, noch kräftigerer Ruck durchfuhr den Strick und ich rutsche ungefähr einen halben Meter weit hinunter, meinem unausweichlichen Ende entgegen! Der wiederholte Zug am Seil, brachte die Glocke nun noch mehr in Schwung und ich hörte wie der Klöppel von innen dagegen schlug und einen leichten merkwürdigen Ton erklingen ließ. Ich spürte dass das Untier aufhörte am Seil zu reißen und sah nach unten.
Erstaunt beobachtete ich, wie das Ekelerregende Grauen sich die Hände, wenn man diese Klauen so nennen konnte, an den Kopf hielt, fast so als wolle es seine Ohren bedecken. Es hatte den Aschein, als würde der Klang der Glocke dem Ding Schmerzen bereiten.
Geistesgegenwärtig begann ich von meiner Position heraus an dem Strick zu reißen und zu ziehen, um die Glocke erneut, und dieses Mal noch lauter zum erklingen zu bringen. Und es zeigte tatsächlich Wirkung. Durch mein Reißen und stoßen am Seil schwang die Glocke nun noch mehr hin und her und erzeugte wieder diesen merkwürdigen Ton, der aber kaum klang wie ein normaler Glockenschlag, sondern eher an Chorgesang von Mönchen erinnerte. Erschrocken starrte ich auf die Glocke, denn ich konnte kaum fassen was ich da hörte! Die Glocke schwang nun, ohne mein Zutun, fast wie von alleine weiter und je lauter sie Klang umso merkwürdiger wurden die Töne, die sie von sich gab.
Auf dem Höhepunkt ihres Spiels schien es fast so, als Sänge ein grausiger Chor von Dämonen ein Lied, das nur in den tiefsten Tiefen der Hölle komponiert werden konnte. Ich schlang meine Beine immer fester um das Seil, denn ich brauchte meine Hände nun, um mir ebenfalls die Ohren zuzuhalten. Den auch für mich war es jetzt schwer den Klang der Glocke zu ertragen.
Als ich wieder nach unten blickte, sah ich wie das elende Monstrum sich, von den schrecklichen Klängen der seltsamen Glocke geplagt, auf dem Boden liegend, hin und her warf. Dabei stieß es wiederum diese furchtbaren Schreie aus, die nun, im Gegensatz zu vorher, eher klagend anmuteten!
es schien furchtbar unter dem Gesang der Glocke zu leiden.
Ich erkannte meine Chance zur Flucht und rutsche so schnell ich konnte am Seil herab, wobei ich mir ordentlich die Innenseiten meiner Hände verbrannte. Das spürte ich in diesem Moment allerdings kaum, denn ich hatte größere Sorgen als ein paar kleine Verletzungen an den Händen.
Am Boden angekommen stand ich nun direkt vor dem, sich vor Schmerzen krümmenden, Monstrum.
Als sein Blick mich erfasste, setzte es sich auf und schlug mit einer seiner Klauen nach mir. Ich sprang im letzten Moment zur Seite, wurde aber trotzdem durch eine seiner Krallen am Bein Verletzt und zog mir eine tiefe Wunde zu! Ich rannte ohne mich weiter umzudrehen los zur zerstörten Tür und hastete die Treppe hinab. Ich drehte mich während meiner Flucht zwar nicht mehr um, konnte aber anhand der Schreie des Monsters feststellen, dass es mich nicht mehr Verfolgte!
An der Tür am Ende der Treppe angekommen, dort wo mein schreckliches Abenteuer begann, rannte ich durch das leere Zimmer, hin zur Tür, durch diese hindurch. Krachend ließ ich diese ins Schloss fallen, drehe den Schlüssel um und machte mich, ohne eine Minute der rast, so schnell ich konnte aus dem Staube.
Auf dem Weg, der von dem Anwesen in die nächstgelegene Stadt führt, hielt ich inne, drehte mich um und blickte auf das schwarze Haus…
Ich lauschte nach dem Geschrei des Ungetüms, aber es war nichts mehr zu hören. Auch die Glocke war wieder Verstummt und die Gegend war in Gespenstische Stille gehüllt.
Als ich mich gerade wieder umdrehen und meinen hastigen Lauf gen Sicherheit fortsetzen wollte, erkannte ich eine Bewegung, dort an dem grausigen Turm. Ich kniff die Augen zusammen, denn es war mittlerweile dunkel und es gab hier keinerlei Straßenlaternen, und sah gerade noch, wie sich das Elende Geschöpf vom Sims des zerstörten Fenster abstieß, seine Fledermaus artigen Schwingen ausbreitete und kreischend in der Dunkelheit, Richtung Wald, verschwand.
Von Angst gebeutelt lief ich los, noch schneller als zuvor.
Angekommen in der Stadt, stürmte ich in da nächste Wirtshaus und gab an, von Banditen Überfallen worden zu sein, denn ich war mir sicher, dass wenn ich hier die wahre Geschichte erzählen würde, man mich ins nächste Irrenhaus beförderte.
Man ließ nach einem Arzt schicken der sich die Verletzung an meinem Bein ansehen sollte.
Dieser kam recht schnell herbei und zerschnitt mit einer Schere den Stoff meiner Hose um sich die Wunde anzusehen.
Er sah mich Verwundert an und fragte, wie ich zu dieser Verletzung gekommen sei und wo ich wohne.
Ich antwortete, „Banditen, ich wurde Überfallen. Einer hatte ein Messer…“ Auch gab ich ihm bereitwillig Auskunft darüber, dass ich der neue Besitzer des, „schwarzen Hauses“ sei.
Am Blick des Arztes erkannte ich sofort, dass er mir die Lüge bezüglich der Banditen nicht abkaufte.
Er wand sich um und flüsterte dem Wirt einige hastige Worte zu. Man legte mir einen Verband an und sagte mir, ich solle schnellstmöglich die Stadt verlassen, denn man wolle, „Jemanden wie mich“, hier nicht! Und obwohl ich nichts lieber wollte, als diesen grausigen Ort schnellstmöglich hinter mir zu lassen, Verwunderten mich die Worte des Arztes jedoch sehr.

Lieber Richard, ich hoffe meine Geschichte hat dich nicht allzu sehr erschreckt. Auch hoffe ich, dass du mir glaubst was ich hier geschrieben habe. Denn ich leide weder an Fieber, noch an sonst einer Art der geistigen Verwirrung.

Ich bin nun im Hause eines Freundes Untergekommen. Viele Kilometer entfernt von dem schrecklichen Anwesen und seinen grausigen, singenden Türmen. Ich erhole mich nur langsam von dem erlebten, aber ich bin zuversichtlich, dass ich das erlebte gut Verarbeite und ohne geistige Schäden Überstehe.
Zeitweise plagen mich Albträume, in dem mich dieses garstige Ungetüm Verfolgt und mich in Angst und Schrecken versetzt.
Die Wunde an meinem Bein, die mir dieses Monster zugefügt hat, heilt nur langsam. Um die Wunde herum bildet sich die Haut auf merkwürdige Weise nach. Wenn ich ruhig da sitze, zum Beispiel, wenn ich ein Buch lese, scheint es, als würde sich mein Bein wie von selbst bewegen.
Ich werde diesbezüglich nochmals einen Arzt konsultieren.
Mache dir also um mich keine Sorgen.

Ich warte gespannt auf deine Antwort und bin voller Vorfreude von dir zu hören.

Gezeichnet,
dein Freund
Michael Faraday 

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