"Die Tulpen regieren die Welt! Sie kontrollieren uns!", sprach der vollbärtige Mann. Bei jedem anderen Schlag von Mensch hätte man mit Alkoholismus in Kombination eines Drogencocktails gewettet, doch bei einem Professor der Biologie wird man das Ganze wohl eher einer schusseligen, verwirrten Strömung zuordnen. Ich notierte mir die Aussage dennoch mit einem belustigen Smiley dahinter und versank in Gedanken:

Tulpen. Tulpen, dass sind Pflanzen ohne Gehirn und Nervensystem und dieser Mann stellte es so da, als ob sie zum Denken in der Lage wären. Niemals regierten Sie die Welt. Sie sind ansehnlich mit Sicherheit, aber das ist Zufall, er tat ja fast so als ob sie es geplant hätten.

Ich verdrehte unauffällig genervt die Augen [Ich saß schließlich im direkten Blickkontakt], denn die weiteren Ausführungen des Professors das Tulpen ihre Schönheit planten um so alles und jeden zu manipulieren, waren einfach falsch. Schließlich lag ihre Erscheinung im Bereich der Evolution, welche man allenfalls leiten, aber nicht kontrollieren konnte. Und das Pflanzen ihr Aussehen bewusst formten um die herrschende Spezies zu manipulieren, war ja der Gipfel des Absonderlichen und Unmöglichen. Sicher ist der Mensch nicht die klügste Spezies, denn wer ist klüger? Der Mensch im Auto oder der Rabe der eine Nuss vor das Auto wirft damit dieser die Nuss knackt? Eindeutig der Rabe, er hat die geöffnete Nuss und wir waren nur die Antriebskraft seines Werkzeugs welche die Nuss öffnen sollte. Aber hier reden wir von einem Tier mit Nervenzellen, Nervensträngen und einem hochentwickelten Gehirn. Aber eine Tulpe?

Als die Vorlesung endete, trat ich mit meinen Kommilitonen in den Botanischen Garten, welcher vor unserem Vorlesungssaal liegt. Wir ließen gerade die Vorlesung Revue passieren und kamen zu dem Schluss, dass es höchst amüsant war, was unser Professor behauptet hatte. Ein Wind ergriff meine Schultern und ließ mich frösteln: Ich fühlte mich im Rücken beobachtet. Aber außer uns, war niemand zu sehen. "Seltsam.", murmelte ich kopfschüttelnd gänzlich unbeachtet der Gesprächsrunde. Das eigenartige Gefühl wollte nicht von mir ablassen und ich war froh -ohne zu wissen warum- als unser Weg uns aus dem Garten in die Mensa führte.

Die folgenden Tage, welche ich im Botanischen Garten verweilte, ereilte mich immer wieder dieses eigenartige Gefühl. Egal ob ich mit Freunden oder ganz alleine in dem Hort der Pflanzen stand.

Eines Tages, ich saß auf dem Frühlingswarmen Gras und zeichnete ein paar der Pflanzen, ergriff mich wieder dieser Wind und wie von ihm geleitet schaute ich zu den Tulpen. Etwas an ihnen war ungewöhnlich, befremdlich geradezu furchteinflößend und doch fesselten sie mich in ihrem Bann. Seicht wiegten die Stängel mit ihren roten Blüten hin und her, meine Augen konnten nicht anders als dem Schauspiel bis in die Abendstunden zu folgen. Als es dann dunkel wurde und ich mich von den rot Häuptigen Schönheiten lösen konnte, hörte ich im gehen:
"Wir haben gesiegt."


Ich drehte mich nicht um und sah nicht wie die Tulpen ihre Blätter aneinanderdrückten, ich verließ ohne zu ahnen das die Weltherrscher hier weilten, den Botanischen Garten....


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29.05.2016 © Felix Hartmann

Comments

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    Ich werde die Tulpen im Garten im Auge behalten... *-* Die schau'n sowieso so verdächtig drein xD

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    Das hat mir die Augen geöffnet. Ich werde nicht mehr ruhigen Gewissens meinen Garten betreten können O.O

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    Haha! Hätte jetzt zwar ein wenig was Anderes erwartet bei dieser Challenge, aber das ist auch gut. :)

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