Die Welt der Pferdefrau (Zwischenwelt- Sagas 2/9)

Lea schaute es erstaunt an. Es war ein Mädchen, das wirklich so aussah, wie sie, als sie ein kleines Mädchen war. Es wirkte etwas schwach und unsicher. „Mein Gott!“ entfuhr es Lea „Das ist das weibliche Kind!“ Einen Augenblick lang schaute sie ratlos hinüber zu Silberstern und der Pferdefrau. „Ja“, sprach Silberstern erfreut. „Es scheint seine Angst nun soweit überwunden zu haben, dass es sich dir offenbart. Das hat vermutlich etwas mit dem letzten Dämon zu tun, den du besiegt hast.“ „Ja tatsächlich…“ Lea konnte es kaum glauben. „Ist ja eigentlich klar! Dieser schreckliche Zuchtmeister, hat dem armen Mädchen viel zu viel Angst gemacht.“ Sie kniete nun neben dem Mädchen nieder, welches sie mit seinen blauen, traurigen Augen ansah. „Ich habe aber immer noch etwas Angst, da gibt es noch so viele, dunkle Kreaturen der Nacht“, sprach es. „Wirst du mich beschützen?“ „Natürlich!“ Tränen der Rührung und zugleich der Trauer stiegen in Leas Augen auf wie damals bei dem kleinen Jungen. „Ich werde dich nie mehr allein lassen, ich schaue auf dich, das verspreche ich dir!“ Sie umarmte das Kind liebevoll und dieses schmiegte sie glücklich lächelnd in Leas Arme. Die Pferdefrau näherte sich milde und verständnisvoll lächelnd und sprach: „Vielleicht will das Kind ja mit dorthin kommen, wo ich dich hinbringen will Lea.“

Quelle sein

Lea schaute das kleine Mädchen fragend an und dieses nickte. „Also gut, wohin willst du uns bringen?“ fragte Lea. „Du wirst es sehen, der Weg für ebenfalls durch den Baum deiner Kindheit. Komm!“ Auf einmal öffnete sich im Stamm der vertrauten Buche, ein dunkler Eingang. Lea schaute hinein, doch sie konnte nichts erkennen ausser Schwärze und ein seltsamer Nebel, welcher darin wallte. Sie zögerte. „Ich weiss nicht so recht, ob ich da hinein will. Sieht nicht sehr einladend aus. Es… ist so dunkel.“ Das kleine Mädchen an ihrer Hand schaute sie nun auf einmal ernst und gelassen an und sagte einen Satz, den Lea schon mal irgendwo gehört haben musste: „Am Anfang… ist es immer dunkel.“ Dann lächelte das Kind und es war, als würde die Sonne auf den kleinen Gesichtchen aufgehen. Lea staunte über die plötzliche Sicherheit des kleinen Mädchens und lächelte ebenfalls. „Eure Lächeln ist einzigartig“, spricht die Pferdefrau. „Wisst ihr das eigentlich?“ Lea wurde verlegen und erwiderte: „Also ich weiss nicht… man hat mir das zwar auch schon gesagt aber…“ „Du willst es einfach nicht immer glauben, habe ich Recht?“ „Nun ja… also, es kann schon sein…“ Die Dame nickte vielsagend und ging dann hinein in den Baum…

Lea und das Kind folgten ihr. Sie spürten nun den seltsamen Nebel auf der Haut, er war irgendwie wie Spinnennetze, durch die sie hindurchgingen. Ziemlich gruselig. Doch das Gruseligste kam erst noch! Nach einem Stück des Weges, erblickten sie plötzlich ein riesiges Spinnennetz und darin eine schwarz- silberne Spinne. „Ach du meine Güte!“ rief Lea aus und auch das Kind wirkte etwas unsicher. Hinter dem Netz der Spinne konnte Lea ein warmes, wundervolles Licht strahlen sehen. Sie schüttelte ihre Beklommenheit wieder ab, ging entschlossen zu der Spinne und sprach: „Wir würden hier gerne durch, könntest du bitte den Weg frei machen?“ „Die Spinne musterte sie und die andern mit ihren kleinen, schwarzen Äuglein, in welchen sich unsichtbare Lichter zu spiegeln schienen. Dann erwiderte sie: „Warum sollte ich euch hier durchlassen? Ich bin der Wächter dieser Pforte.“ „Weil ich auf der Suche nach Ganzheit bin“, erwiderte Lea. „Auf der Suche nach Ganzheit…“ wiederholte die Spinne und überlegte einen Moment. Dann erwiderte sie: „In Ordnung, das ist ein gutes und edles Motiv. Ich werde euch durchlassen.“ Leas Herz machte einen Freudensprung und tatsächlich wich die Spinne zur Seite her aus und das Netz öffnete sich vor den Freunden. „Danke vielmals!“ sprach Lea und ging auf das Licht in der Ferne zu. Und… als sie es erreicht hatte, stand sie in einer wundervollen Grotte mit einer herrlichen Quelle!

Die Pferdefrau nahm Lea an der Hand und führte sie zu dieser Quelle, welche aus dem Fels in ein natürliches Stein-Becken sprudelte. Dieses Becken, der Austrittsbereich der Quelle und deren unmittelbare Umgebung, waren mit Pflanzen, Blumen und Moos bewachsen. „Trink davon!“ fordert sie die Dame auf „Dies hier ist das Wasser des Friedens und der Erkenntnis.“ Lea trank von dem köstlichen Nass, dass wundervoll kühl und glasklar glitzerte. „Werde nun selbst zu diesem Wasser!“ befahl ihr die Pferdefrau und Lea versuchte sich vorzustellen, wie ich selbst zu Quellwasser wurde und auf einmal… gelang es ihr tatsächlich! Ein wundervolles Gefühl der Erquickung durchströmte die Frau dabei. Ihr Körper verwandelt sich immer mehr. Er wurde durchsichtig wie Glas, flüssiges, funkelndes Glas. „Alle kristallisierten Formen!“ rief die Pferdefrau „Lass sie jetzt los!! Lass alles Schwere los! Werde zu dem Wasser dieser Quelle und dann fliesse von dieser Quelle der Ewigkeit, immer weiter in die Welt hinaus! Diese Quelle ist verbunden mit jeglichem Wasser auf der Welt, mit jeglichem Wasser, dass die Menschen auf Erden trinken! Werde zu diesem Wasser, werde zum Wasser das alles trinken, aber vor allem jene, die dir Leid zufügten. Alle die dir einst Leid zufügten, ob du dich noch an sie erinnern kannst, oder auch nicht! Lass sie von dir trinken, dann wirst du mit den Menschen die dich verletzten in Frieden kommen!“

Und… Lea wurde mehr und mehr zu Wasser! Sie erlebte dieses Gefühl selbst und zugleich beobachtete sie von aussen was geschah. Sie wurde ganz flüssig, ganz kühl und leicht. Sie sank ein in die Quelle und von dieser Quelle aus, liess sie sich in die Welt hinaus fliessen! Sie sah das Wasser um sich, sie sah das Wasser in sich. Sie sah sich hinausfliessen aus Brunnen, Hähnen und Quellen und sie sah all die Menschen, mit denen sie eine schwere Geschichte verband, oder verbunden hatte davon- ja von IHR zu trinken. Es waren so viele. Darunter auch ihr Vater und ihre Mutter. Sie nahmen sie- das Wasser auf verschiedenste Weisen in sich auf und Lea, welche nun selbst dieses köstliche Nass geworden war, fiel es gar nicht mehr schwer, ihnen Gutes zufliessen zu lassen. Und während die andern von diesem Wasser erquickt und neu belebt wurden, fühlte auch sie sich voll mit neuem Leben, neuem Glück! Es war wunderschön Wasser zu sein, sich zu wiegen, sich treiben zu lassen von den Bewegungen dieses Elements, in seinen verschiedensten Varianten. Das Wasser fand immer einen Weg, es fand seinen Weg hindurch durch alle kristallisierten Formen! Es fand den Weg, durch jede kleinste Ritze, jedes kleinste Loch und es war kaum aufzuhalten. Tja und Lea begriff mehr und mehr, dass sie mit ihren Qualitäten viel zu geben hatte. Dieses Bewusstsein, ging in ihr auf, wie die Stahlen einer neu erwachenden Sonne an einem frisch geborenen Morgen.

„Ja!“ sagte die Pferdfrau „du bist wertvoll, denke immer daran! Deine Qualitäten können sehr viel Wundervolles bewirken! Glaube es und dein Leben wird dir unermesslich viel zu schenken vermögen!                      

Und… während sie dies Worte hörte umfing sie samtener Frieden und Stille und sie kehrte aus der Welt der Pferdefrau neu gestärkt zurück..!

 

     

Comments

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    Einfach wunderschön! :)

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    Endlich habe ich es komplett gelesen und es ist so schöööön. Wie toll du beschrieben hast, wie sie mehr und mehr zu Wasser wird. Etwas, das man so nie erleben kann, so detailliert zu umschreiben ist dir mehr als gut gelungen!!!! Mach weiter so <3

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    wow! wunderschön :) das mit dem wasser gefällt mir natürlich besonders <3

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