Drittes Lied - Klopf Klopf

Knirschend schnitt der Bug des Schiffes durch den feinen, hellgelben Sand des Strandes. Der hölzerne Schiffskörper gab ein letztes, dumpfes Ächzen von sich, bevor er vollends zum Stillstand kam. Kaum war das Schiff angelandet, schwang sich Fyorr über die Reling und landete wie ein unheilvoller Meteor im Sand der Küste von Osinys. Der auflandige Wind ließ den aufgeworfenen, feinkörnigen Staub in einem dramatischen Bogen um Fyorr wirbeln, als dieser mit grimmigem Blick sein Schwert wegsteckte.

Niemand stellte sich ihnen entgegen. Ein letztes Mal überprüfte sein geübter Blick die küstennahe Umgebung, bevor er sich entspannte. Hinter ihm landeten die anderen Schiffe lautstark an und immer mehr seiner Männer sprangen herunter, um die Landezone zu sichern.

Da war es wieder, stärker noch als zuvor. Dieses seltsame Gefühl war zu einem drückenden, dumpfem Schmerz in seiner Brust angeschwollen. Irritiert versuchte er, es zu ignorieren.

Menélos trat zu ihm und spuckte aus. Schniefend wischte er sich mit dem Handrücken die Nase, und sagte: "Auch wenn sie unsere Landung nicht verhindert haben, ich bin mir sicher, wir sind nicht unbemerkt geblieben."

"Aye..." knurrte Fyorr und deutete auf einen der Hügel hinter den mit hohem Schilf bewachsenen Dünen. "Zwei Späher, dort hinten. Sind sicher schon über alle Berge. Wir werden nicht viel Zeit haben, um uns über den fehlenden Empfang zu beschweren."

"Gut. Wie lauten deine Befehle?"

"Wir gehen Hallo sagen." erwiderte Fyorr grinsend.

~

Nur knapp eine Stunde zügigen Fußmarsches landeinwärts schmiegte sich ein idyllisches Dorf in die sanften Hügel. Die Rauchfahnen aus den simplen Schornsteinen zeichneten ein Muster aus grauen und schwarzen Linien in die Luft, welches die schwarze Kompanie wie Motten zum Licht zu der kleinen Siedlung geführt hatte.

Das Tor der simplen Palisade war geschlossen, und wären die Bewohner findig genug gewesen, einen Wehrgang auf der Innenseite ihres primitiven Walls zu bauen, oder wenigstens einen Wachtturm errichtet zu haben, hätten sie die drohende Gefahr schnell genug bemerken können. So aber vertrieb sich ein gelangweilter Wachtposten auf der Innenseite des Tors aus einfachen Holzlatten die Zeit, indem er die Rostflecken von seinem Schwert zu polieren versuchte. Der salzige Wind vom Meer setzte den eisernen Rüstungen und Waffen der Inselbewohner zu, und hässliche weiße Salzkrusten mischten sich mit den rostbraunen Flecken auf der Ausrüstung der wenigen Kämpfer.

Kurz hielt der Wächter inne, als ein Geräusch an sein Ohr drang.

Klopfte da wer? "Wer da?" rief er zögernd, nicht sicher, ob er richtig gehört hatte. Doch da war es wieder. Ein Klopfen, dumpf, und wie aus weiter Ferne. Misstrauisch erhob sich der Krieger und lauschte angestrengt in den Wind hinein.

Das Klopfen ertönte erneut, und plötzlich erkannte der erfahrene Veteran der Kaiserlichen Armee das Geräusch wieder. Er hob die Hände trichterförmig an den Mund, um Alarm zu schlagen - als das Tor krachend unter dem Einschlag des brennenden Geschosses barst und flammendes Öl aus dem zerschellten Brandschrapnells den einsamen Wächter traf und augenblicklich in Brand setzte. Aus dem Alarmruf wurde ein gepeinigtes Schreien, während der Mann in seiner brennenden Rüstung lebendig geröstet wurde.

Fyorr zuckte nicht einmal zusammen, als der Wurfarm des Katapults krachend gegen die Polsterung schlug und das Brandgeschoss auf die Siedlung schleuderte. Bewundernd sah er dem feurigen Schweif hinterher, und knurrte zufrieden, als der Schuss in einem grandiosen Volltreffer das Haupthaus in der Dorfmitte traf. Schreie drangen an sein Ohr, und zufrieden nickte er der Artilleriemannschaft anerkennend zu. "Netter Treffer, Jungs."

Er sah zu den anderen drei Katapulten hinter sich und rief "Wollt ihr das etwa auf euch sitzen lassen?"

~

Das Dorf war eine leichte Beute. Die Flammen trieben die Bauern aus ihrer Siedlung, schreiend rannten sie in die vermeintlich schützenden Wälder im Nordwesten. Familien versuchten, zusammen zu bleiben und in dem Chaos nicht unter die Füße ihrer Nachbarn zu geraten, die sie in heilloser Panik überholten. Nicht wenige der alten und schwachen stolperten und wurden von der hirnlosen Stampede der Flüchtlinge zu Tode getrampelt.

Fyorr schüttelte gelangweilt den Kopf. Es war so einfach, keine Herausforderung. Mit einem letzten Blick zu der tosenden Feuersbrunst im Dorf, deren Rauchsäule auf der gesamten Insel zu sehen sein würde drehte er sich um und lief die Böschung hinunter. Sie hatten sich gebührend angekündigt, was ausreichen würde, um die Rebellen zu einer Reaktion zu zwingen.

Seine Gedanken kehrten wieder zu dem seltsamen Schmerz in seiner Brust zurück, als hinter ihm die Schreie des gnadenlosen Gemetzels vom Wind verweht wurden. Seine Männer in den Wäldern würden nicht einen Einzigen entkommen lassen.

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Fairy Dust

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