Dunkle Zauber, dunkle Fängen

„Ich bin froh, dass wenigstens eine den Weg auf die richtige Seite gefunden hat, auch wenn es mich nicht überrascht das du diejenige bist, Loths Tochter‟, raunte Valindra und strich sich das strähnige Haar zurück. Sie sah zu Alice und Harbek und lächelte die beiden triumphierend an. Alice ignorierte Valindras Hohn und wandte sich schockiert an Keeda, ihre Augen glänzten feucht und ihre Stirn warf tiefe Falten.
„Keeda, das kann nicht dein Ernst sein?‟
„Sei nicht so blind, kleine Drow. Ich weiß wir hatten es nicht immer leicht, doch ich habe gehofft, dass du mit der Zeit deine dunkle Seite überwunden hast‟, pflichtete ihr Harbek zweifelnd bei. Valindra zischte sie zornig an, doch noch immer umspielte ein grausames Lächeln ihre Züge.
„Schweigt still, ihr Narren. Die Drow hat ihren Weg gewählt, sie kehrt zu ihrer Familie zurück, während ihr beide in das Jenseits wandert.‟ Die schwarze Hexe fixierte die Assassine grimmig und hob ihre Hand, um sie mit ihren dunklen Nebelfäden zu erfassen, aber Keeda ergriff fest ihr knöchernes Handgelenk. Valindra sah verwirrt auf die Drow herab, die sie noch immer lächelnd musterte.
„Danke Valindra‟, wiederholte sie, „Danke für die Möglichkeit meinen Weg selbst zu wählen, dank dir sehe ich meinen Weg so deutlich wie nie zuvor und weiß endlich wo ich hingehöre.‟
„Deine Brüder und Schwester werden dich willkommen heißen und auch Loths Schattenhallen stehen dir offen‟, erwiderte Valindra verärgert und wollte erneut die Hand heben, aber auch dieses Mal unterbrach Keeda sie.
„Ich hoffe du hast Recht und meine Familie wird meine Taten tatsächlich verstehen, doch … ‟, sie seufzte schwer, „Die Dunkelelfen sind seit langem nicht mehr meine Familie.‟ Keeda lächelte die Nekromatenkönigin zuckersüß an, die verwirrt auf die Drow herabstarrte und erschrocken aufschrie.

Keeda hatte ihren Dolch gezogen und so schnell wie es ihre Elfenkräfte zuließen auf die Hexe eingestochen. Noch bevor Valindra die Hand zu einem Zauber heben konnte sickerte dickes, schwarzes Blut aus ihren Wunden an Bauch und Hals und ließ sie schmerzerfüllt aufkreischen. Eine Nebelwand erhob sich vor der Drow und warf sie donnernd. Keeda kam schlitternd zum Stillstand und duckte sie instinktiv unter einem Angriff hindurch. Sie konnte den Zauber nicht erkennen, doch die schwarze, wabernde Rauchkugel die über ihr in der Wand einschlug und die Täfelung verdampfen ließ, rauschte nur eine Handbreit an ihr vorbei.
Hektisch stemmte sich Keeda auf die Füße und sah zu Alice und Harbek, die bereits in den Angriff über gegangen waren. Valindra war durch den Dolchangriff geschwächt, und noch immer tropfte Blut auf den blank polierten Boden, aber Wut und Verrat ließen sie rasend werden. Ihre Augen lagen wie dunkle Höhlen in den eingefallen Wangen und in ihrer Mitte leuchtete es feurig Blau. Sie knurrte, schrie und zischte, während sie ihre Angriffe auf Alice fokussierte.
Die Assassine wich den magischen Geschossen aus, doch konnte selbst keinen Treffer erzielen. Jedes Mal wenn sie einen Schritt näher an die Nekromantenkönigin heran kam, baute sich eine Nebelwand vor ihr auf, der sie seitlich ausweichen musste. Noch dazu wurden ihre Arme und Beine unnatürlich schwer, selbst Keeda, die von allen am weitesten von der Hexe entfernt stand, spürte den Lebensraub, der von ihren dunklen Rauchschwaden ausging.

Harbek konnte nicht einmal die Aufmerksamkeit der Nekromantin erregen, seine schwachen Leuchtgeschossen verblassten, sobald sie sein Siegel verließen und seine Heilfähigkeiten konnten nicht vor der Müdigkeit bewahren, die ihre Lider und Herzen schwer werden ließ. Keeda schoss derweil weiter Pfeile in Richtung der Hexe ab, denen sie zumindest teilweise auswich, wenn nicht einer ihrer Zauber die Flugbahn ablenkte. Die Drow fluchte leicht und war mit ihrem Unmut nicht allein. Auch Alice und Harbek runzelten in tiefer Konzentration die Stirn und kamen nicht an die Hexe heran. Es schien aussichtslos, sie konnten keinen Schaden bewirken, während Valindra sie nicht einmal berühren musste, um ihnen die Kraft zu stehlen. Die Zeit arbeitete gegen sie und auch die Hexe wusste hämisch grinsend vom unausweichlichen Ausgang des Kampfes.

***

Harbek fluchte leise vor sich hin, während er weiter versuchte, den dichten Zauber zu entwirren, der Valindras Nebel und alles was er berührte durchdrang. Die Kraft seiner Gefährten schwand, während Valindra ihre Verletzungen nicht mehr zu bemerken schien, zu mächtig war ihr Wunsch nach Rache und ihre Verbindung zu Loth. Seine eigenen Zauber hätten sie nicht einmal zusammen zucken lassen, gesetzt den Fall sie würden die Abwehr der Hexe überwinden. Er versuchte sogar einen Kettenzauber zu wirken, mit dem er damals Alice vor dem Fall in die Tiefe bewahrt hatte, doch selbst diese Magie wurde blockiert.
Er fluchte lauter und sah ungeduldig aus dem Fenster. Der Himmel war tiefschwarz, einzig der helle Mondschein beleuchtete die tobende Schlacht und noch immer kündigte kein einziger Sonnenstrahl den Morgen an. Den Morgen, und das Licht, welches mit ihm kommen würde und Harbek die Kraft verlieh, die er zu Valindras Vernichtung benötigte.
Er beobachtete wie Alice tapferer den je, einem Angriff auswich und in einer fließenden Bewegung nach Valindra stach, die ihr höhnisch lachend einen Zauber entgegen warf. Eine schwarze Nebelwolke erfasste die Assassine, wodurch sie hart auf dem Rücken aufschlug. Die Rauchfäden fesselten sich um ihre Handgelenke und fixierten sie unnachgiebig am Boden. Alice schrie zornig auf und warf der Nekormatenkönigin einige Worte entgegen, bei denen selbst der hartgesottenste Pirat oder Schankwirt erblasst wäre. Valindra beobachte wie der Nebel sich um Alice Beine zog und immer höher an ihrer schlanken Gestalt empor kroch.

Ein Pfeil erstarrte fingerbreit vor Valindras Schläfe und löste sich dort in dunklen Dunst auf. Frustriert stöhnte Keeda auf und zielte erneut, dieses Mal mit mehreren Geschossen. Gelangweilt wandte sich Valindra ihr zu und zog spöttisch die Brauen nach oben, sie hob die Hand und der Rauch an Alice Körper erstarrte. Die Assassine hörte auf zu fluchen, aber nicht damit, gegen die Nebelfesseln anzukämpfen.
Keeda erwiderte Valindras eindringlichen Blick und auch sie verharrte in der Bewegung. Harbek bekam bei dem Anblick, wie sich die zwei Frauen Aug in Aug gegenüber standen und einen stillen Kampf ausfochten, eine Gänsehaut. Valindras Hand senkte sich betont langsam und der Rauch um Alice Körper zog sich sachte zurück. Ebenso langsam ließ Keeda den Bogen sinken. Argwöhnisch betrachtete sie die Hexe und runzelte die Stirn. Harbek versuchte nicht einmal die Gedanken der Drow zu erraten, sondern sammelte alle Kraft, die noch in seinem Zepter ruhte, womöglich reichte sie für einen einzigen Kettenzauber.

Keedas Blick huschte schnell zu Alice hinüber, wodurch sie das bösartige Funkeln in Valindras Augen nicht bemerken konnte. Die Nekromantenkönigin nutze die Ablenkung, um der Drow eine wabernde Rauchsäule entgegen zu schicken. Zu spät bemerkte sie die Nebelschwaden, die sich über ihre Arme legten und sie an ihre Hüfte pressten. Der Bogen wurde ihr aus den verkrampften Händen gerissen und fiel klappernd zu Boden.
Harbek versuchte die Drow zur Seite zu stoßen, doch auch er kam zu spät. Der Nebel saugte sich an der dunklen Haut der Elfe fest und zwang sie keuchend in die Knie. Nun setzte sich auch der Nebel um Alice Beine wieder in Bewegung und waberte schneller den je an ihrer Silhouette empor.

Harbeks Augen weiteten sich bei dem Anblick, wie seine Freunde langsam von den dunklen Nebelschaden verschlungen wurden und sein Atem wurde zunehmend flacher. Seine Beine setzten sich wie von selbst in Bewegung und bevor er selbst begriff was er tat, prallte er mit Valindras knöchernem Unterleib zusammen. Die kurzen Finger krallten sich in den löchrigen Stoff ihres Kleides und zerrten daran, während die andere Hand das Siegel gegen ihre Kniekehlen schwang.
Verwundert ging die dunkle Hexe in die Knie, eher verärgert als verängstigt, doch Harbek war es gleich, ob sie ihn fürchtete. Sollte sie ihn doch für einen harmlosen kleinen Zwerg halten, der bei Nacht keinen vernünftigen Zauber wirken konnte, sie würde es bereuen. Er wusste noch nicht wie, aber sie würde es sicherlich bereuen.

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