Ein alter Gott

Die sieben Tage vergingen wie im Flug. Überall in der Stadt wurden die Leute evakuiert, während John und Marilyn in ihrer Herberge blieben und es sich gut gehen ließen. Sie hatten das ganze Haus für sich alleine gehabt, da alle anderen bereits geflohen waren. Doch nun standen sie vor der Stadt und warteten. "Die sieben Tage sind schon um", murmelte der Junge mit einem Blick auf seine Sanduhr. "Worauf wartet er denn noch?" Als würde er ihm antworten wollen ertönte plötzlich ein Gebrüll und am Horizont tauchte ein kleiner Punkt auf, der jedoch schnell größer wurde und die unverkennbare Form eines Drachen annahm. Bald schon war er nah genug, so dass die beiden seine harten goldenen Schuppen und messerscharfen Zähne und Klauen sehen konnten. Mit lautem Getöse kam der Drache vor ihnen am Boden auf und wirbelte so viel Staub auf, dass die nächsten paar Sekunden nichts zu sehen war. Als der Staub sich legte wurde klar, wie groß der Feuerdrache tatsächlich war. Er war zirka zehn Meter hoch und seine Flügelspannweite schätzte John auf etwa dreißig Meter. Vom Kopf bis zur Schweifspitze maß er zirka zwanzig Meter. Das Monster betrachtete ihn mit einem seiner Augen, welches fast halb so groß war wie John selbst. "Ich bin Ignis, Feuerdrache aus dem Norden. Erzittert Sterblicher, vor Euch steht ein Spross des Draco einem der alten Götter!", donnerte seine Stimme. John verbeugte sich vor ihm. "Seid gegrüßt Ignis. Mein Name ist John, das hier ist Marilyn. Sie ist aber nur als Beobachterin unseres kleinen Kampfes hier, bezieht sie also nicht in die Gewalt mit ein." "Kampf? Kampf?", lachte der Drache höhnisch. "Es wird keinen Kampf geben. Kein Gold ist zu sehen. Minerva ist dem Untergang geweiht. Ihr seid es nicht wert, dass ich meine Zeit mit Euch verschwende. Geht und sterbt auf die Art, die Euch am besten scheint." John grinste. "Soll ich das so verstehen, dass Ignis, Spross von Draco, Angst hat gegen mich zu kämpfen?", neckte er ihn und die Augen des Drachen leuchteten wütend auf. "Hütet Eure Zunge! Ihr sprecht mit einem Gott!", knurrte er. "Ein Gott seid Ihr vielleicht für diejenigen, die sich niemals erträumen könnten, so eine Macht wie Ihr zu besitzen. Sie beten Euch an, weil sie denken, dass ihr stark seid. Für mich seid ihr nur ein übergroßer Salamander", meinte John und Ignis sah ihn sauer an. "Ihr wollt also unbedingt durch mich sterben? Dann sei es so! Erst Ihr, dann Minerva!", brüllte er und holte tief Luft.
Eine wahre Feuerbrunst überrollte den Jungen und Marilyn, die sich in einiger Entfernung positioniert hatte, sah beeindruckt auf das Spektakel. Angst hatte sie nicht, da sie John vertraute. Der Drache beendete seinen Angriff und John stand immer noch an derselben Stelle wie zuvor. Er beutelte sich die Asche von seinen Klamotten. "Unfassbar. Ihr habt die Hälfte meiner HP vernichtet", meinte er. "Noch einen solchen Stoß würde ich nicht schaffen, selbst meine Regeneration ist nicht so schnell." Ignis sah ihn verwirrt an. "Wer seid Ihr?", fragte er. "Höre ich da etwa Furcht?", fragte der Junge lachend zurück. "Ich bin niemand besonderes. Nur ein Mensch namens John. Aber nennt mich ruhig…Omnix!" Mit diesen Worten holte er mit dem Stab aus und verpasste dem Drachen einen derartig starken Schlag, dass er einige Meter zurückwich. "Ihr seid also Level achtundachtzig!", stellte er fest. "Endlich mal etwas interessantes!" Schnell fing sich Ignis wieder und drehte sich blitzartig um, um einen mächtigen Schwanzschlag auszuführen. John sprang gerade noch rechtzeitig über den schuppigen Schweif des Drachen hinweg und wich so aus, übersah jedoch die Flügel, welche ihn mit voller Wucht in den Bauch trafen und weit zurückschleuderten, so dass er einige Meter über den Boden kullerte, ehe er sich wieder mühsam aufrappelte. "Meteoritenschauer!", rief er und aus seinem Stab schossen hunderte der kleinen Himmelskörper, die Ignis mit voller Wucht trafen und ihm höllische Schmerzen zufügten. Außer sich vor Wut ließ der Drache einen Feuerstoß nach dem anderen los. "Uneinnehmbare Festung!", rief John und ein Schutzwall aus Energie formte sich um ihn, so dass die Flammen ihn nicht erreichten. Ignis brüllte laut und packte den Jungen mit seinen Klauen. Mit all seiner Kraft schleuderte er ihn nach oben, bis er schließlich gut dreihundert Meter über dem Boden angekommen war. "Fliegen!", rief John und eine blaue Aura umgab ihn, so dass er in der Luft stehenblieb. Unter sich sah er, wie Ignis auf ihn zukam und einen Flammenwall auf ihn losließ. "Klasse, ich habe nur mehr hunderttausend HP. Ich habe wohl keine andere Wahl", grummelte John, der gehofft hatte, dass der Kampf etwas länger dauern würde, dann hüllten ihn die Flammen ein.
Marilyn sah in den Himmel. Wo war John? Sie konnte ihn in all den Flammen nicht mehr ausmachen. Als sich das Feuer verzog sah sie ihn schließlich wieder. Doch er war anders. Auch Ignis war ziemlich überrascht, als plötzlich ein leuchtendes blaues Wesen vor ihm in der Luft stand, in welchem sich die Sterne des Nachthimmels widerspiegelten. Auf dem Kopf hatte es vier leuchtende blaue Hörner, die und auch aus seinen Schultern wuchs ein Paar. Wo sein Gesicht sein hätte sollen strahlte ein einzelnes Auge. "Was seid Ihr?", fragte der Drache entsetzt. Omnix antwortete nicht. Stattdessen sprach er nur mehr ein einziges Wort. "Solarstrahl!" Die Sonne selbst begann zu flackern und ein unfassbar gewaltiger Strahl schoss von ihr auf den Drachen, welcher unter Schmerzen brüllte. Mit einem lauten Knall kam Ignis am Boden auf. Der Kampf war beendet.
Omnix landete neben dem Drachen auf dem Boden und Marilyn kam zu ihm. "Schön, dass dir nichts passiert ist", meinte Omnix und das Mädchen kniete vor ihm nieder. "Ich wusste, dass Ihr es schaffen würdet mein Lord", meinte sie und er lachte. "Steh auf Marilyn. Es ist immer noch ich hinter der Gestalt", meinte er und sie nickte. "Ihr…Ihr seid kein Mensch. Ihr seid ein Gott!", stöhnte Ignis, der langsam wieder zu Bewusstsein kam. "Ich dachte, alle alten Götter sind seit Jahrtausenden verschwunden. Doch Ihr seid zurückgekehrt, um uns junge Götter zu leiten! Wie lautet Euer Wunsch? Ich werde alles erfüllen." Damit senkte er den Kopf und Omnix und Marilyn sahen sich an. "Was soll ich denn jetzt machen?", fragte Omnix, der plötzlich wirkte, als würde er gleich ausflippen. "Meister, nichts für ungut, aber vielleicht ist das die Gelegenheit, von der ich immer gesprochen habe. Oberster Gott der Welt wäre ein Titel, der für Euch angemessen wäre", schlug sie vor. Omnix sah sie an. Meinte sie das ernst? Was für eine Frage, sie würde ihn niemals veräppeln. Und jetzt wo sie es sagte…vielleicht wäre das Ganze ja recht lustig. "Du denkst also wirklich, dass wir das schaffen könnten?", fragte er sie und sie nickte. "Es würde Euch starke Gegner bescheren", meinte Marilyn grinsend. Das genügte. "Nun denn Ignis, dann lasst alle Drachen, Waldgeister und Erzengel wissen, dass der alte Gott Omnix zurückgekehrt ist, um seinen rechtmäßigen Platz wieder einzunehmen! Erzählt niemanden von meiner anderen Gestalt, so dass ich weiter unerkannt unter den Sterblichen wandeln kann. Doch ich werde Euch wissen lassen, wo Ihr mich findet, falls Ihr mir etwas mitteilen müsst." Ignis nickte. "So soll es geschehen! Ich werde zu Euch zurückkehren, sobald die Nachricht verbreitet ist, Lord Omnix!" So hob der Drache ab und verschwand am Horizont. Omnix nahm seine menschliche Gestalt wieder an und gemeinsam sahen John und Marilyn ihm nach, bis er am Horizont verschwunden war, während der Junge sich gespannt fragte, was die Zukunft wohl nun für sie bereit halten würde.

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