Ein Funken Wahrheit

Ich stieß einen lauten Schrei aus, was meine Eltern nicht dazu bewegte stehen zu bleiben. Ich zitterte am ganzen Körper. Mein Herz schlug so schnell, dass ich es nicht beschreiben kann. Selbst meine Beine zitterten. Die Blätter wehten vom Kopf der Leiche und man sah ihr Gesicht. Ich hatte noch nie eine Leiche real gesehen, nur im Fernsehen und das war weit aus nicht so schlimm. Sie hatte pechschwarzes Haar und eisblaue Augen und sie war bleich... na gut sie war eine Leiche,... die sind für gewöhnlich bleich, aber diese erschien mir ungewöhnlich bleich.
Sie war schlimm zugerichtet, ihre Haare waren zerzaust und ihr Gesicht sah aus, als hätten sie jemand ohne Gnade zusammengeschlagen. Dann erblickte ich einen riesigen Einstich an ihrem Hals. Das Blut war den Hals hinunter geronnen und klebte nun fest. Ich spürte wie sich mein Frühstück im Magen umdrehte und kurz davor war "Hallo" zu sagen... Moment mal... ich mache mir hier gerade Gedanken über eine Leiche? Ich schrie, richtete mich Panik erfüllt auf und rannte so schnell ich konnte zu meinen Eltern. Ich rutschte immer wieder aus, stürzte aber zu meiner Erleichterung kein einziges Mal.
Für einen Moment zögerte ich und blieb stehen. Sie hatte dem Kutschfahrer sehr geähnelt. Doch schließlich rannte ich weiter zu meiner Familie, denn ich hatte nicht genügend Mumm, ihr erneut entgegen zu blicken.
Als ich ankam war ich völlig aus der Puste, doch meine Eltern waren davon ziemlich unbeeindruckt. Sie hielten es nicht für nötig, mich auch nur mit den Hauch eines Blickes zu würdigen. Ich schrie, hechelte und quietschte :
„Jetzt....hhh b äh ähh bleibt doch mal stehen!“ Ich holte tief Luft und stieß sie wieder aus, was Nebel vor meinem Mund erzeugte. Meine Eltern drehten sich fast genervt um.
„Da is...is ne Leiche...“, sagte ich immer noch nach Luft schnappend.
„Na und was sollen wir denn machen? Wir sind in einem anderen Land, sonst denken die noch das wir das waren.“, sagte meine Mum aufgesetzt und wie fast auswendig gelernt.
„In England findet man an jeder Ecke eine Leiche“, fügte mein Dad schließlich hinzu und ging mit dem Rest der Familie weiter.
Keiner interessierte sich dafür, nicht einmal Tom, der war doch sonst für so etwas immer zu haben? Zurückgelassen blieb ich stehen und weigerte mich, ihnen zu folgen. Stattdessen kämpfte ich eine Weile mit mir selbst und drehte schließlich unentschlossen um. Ich hatte Angst, das es tatsächlich der Kutschfahrer war.
In kleinen Schritten, lief ich der Leiche entgegen. Schon vom Weiten konnte ich den leblosen Körper erkennen. Nervös lief ich auf ihn zu und versucht das mulmige Gefühl in meinem Magen zu verdrängen. Ich bückte mich und sah in ihr kaltes und lebloses Gesicht, was mir erneut eine Gänsehaut verpasste.
Nach einigen Blicken, erkannte ich, dass es tatsächlich der Kutschafahrer war. Ich war erleichtert, denn ebenfalls hatte ich befürchtet ich müsse in das leblose Gesicht des Jungen blicken. Ich schloss meine Augen, stand auf und lief davon. Woher kam diese Erleichterung? Hätte es mir nicht egal sein sollen?
Ich kannte ihn nicht, er bedeutete mir nichts, oder? So hätte es sein sollen, doch so war es keines Falls. Ich hatte das Gefühl ich würde ihn genau kennen, doch das war völliger Schwachsinn! Ich kannte ja nicht einmal seinen Namen!
Plötzlich viel mir auf, dass ich meine Eltern verloren hatte. Ich war gefangen allein in diesem gruseligen, düsteren Wald.
Gefangen mit einer Leiche! Ich rannte in die Richtung, wo ich dachte sie das letzte mal gesehen zu haben. Ich rannte eine Weile ängstlich durch den einsamen Wald. Ich spürte wie in mir lang ersehnte Wärme hoch kam und kurze Zeit genoss ich das Gefühl rund um in Wärme eingehüllt zu sein.
Meine aufsteigende Hitze legte sich, als ich meine Familie auf einem Baumstamm erblickte. Sie schauten mir kurze Zeit ins Gesicht, wandten dann aber ihre Blicke wieder ab. Ich setzte mich dazu und Tom streckte mir mein Käsebrötchen entgegen, was ich heute morgen geschmiert hatte.

Wir aßen zusammen im vollem Schweigen. Keiner Sprach auch nur ein Wort oder machte eine Geste, ein Wort aussprechen zu wollen. Was war nur los mit ihnen? Was war passiert, was ich nicht mitbekommen hatte?
Meine Mutter war Polizistin, sie wäre mit mir dort so fort hin gegangen, ich meine war es nicht sogar ihre Pflicht? Mein Vater, er war der liebevollste Mensch den ich kannte und nun? Nun war er so abweisend. Was hatte ich nur verpasst? Hatte sie jemand einer Gehirnwäsche unterzogen? Nein, quatsch was dachte ich nur für einen Unsinn? Oder bildete ich mir das alles langsam wirklich nur ein? Vielleicht war ich wirklich verrückt?
Nein! Nein das kann nicht sein! Wie konnte ich das nur denken? Ich war perfekt! Perfektes Haus, perfektes Aussehen, perfekte Freunde,... obwohl sie waren nicht so perfekt wie ich! Ich hatte keine Probleme, ich hatte einen Freund, mein Leben war perfekt!
Mein Image war perfekt, ich war einfach perfekt, wie konnte ich dran auch nur eine Sekunde Zweifeln? Was auch immer dieser Urlaub mir mir anstellte, es war definitiv nicht gut für mich!
Dann mussten die Dinge tatsächlich wahr sein. Plötzlich hatte ich Angst, ich wollte nicht mehr hier sein, ich wollte überall hin, nur bloß weg von hier.
Schon die Tatsache in einem Wald gemütlich auf einem Baumstamm zu sitzen und zu futtern, während eine Leiche ein paar Meter weiter vor sich hin verwest, ließ mir den Appetit vergehen. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und fragte... das ist doch albern. Mut zusammen nehmen? Das ist meine Familie, was sollten die schon mit mir anstellen? Sie können mir schließlich nicht den Kopf abreißen?
„Können wir, ähm wieder nach Hause fahren?“ Es gab zwei Möglichkeiten, entweder sie würden nachgeben, oder sie würden mir eine ewige Predigt darüber halten, dass ich mit kommen wollte.
„Klar können wir gehen, ich glaube das war genug für heute, kommt wir laufen zur Straße und gehen von dort aus nach Hause, das sollte kürzer sein.“, sagte mein Dad. Alle standen auf und folgten meiner Mum einschließlich mir. Jeder ohne das geringste Wort. Zusammen liefen wir die breite Straße entlang. Erneut waren wir in ein peinliches Schweigen gehüllt, dass ich mit aller Kraft versuchte zu brechen.
"Mum?"
"Was?"
"Können wir ganz nach Hause fahren? Ich finde den Ort hier sehr erschreckend."
Innerlich wurde ich immer nervöser. Es erschien mir wie eine Frage für´s Leben. eine Frage die nicht nur den Moment, sondern mein, unser ganzes Leben beeinflussen würde.
"Wir haben dafür bezahlt, nur weil das Hotel etwas beschädigt ist, werden wir garantiert nicht nach Hause fahren, also spar dir das!" I
hre Schritte beschleunigten sich und damit hängte sie mich und Tomi schnell ab. Etwas beschädigt? Tat sie nur so oder brauchte sie wirklich eine Brille? Als versuchte sie mich um jeden Preis hier zu behalten!
Als wir ankamen, wollte ich noch einmal nach dem Jungen im Hotel suchen. Ich wollte endlich wissen wie er heißt und ich musste ihm von der Leiche erzählen. er war der Einzige der mir hier zuhörte, außerdem hatte er mich weinen gesehen und das hatte bisher nicht einmal meine beste Freundin! Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Wie konnte ich so naiv sein und ihm meine Tränen, meine Schwäche zeigen?
Bei ihm begann meine perfekte Fassade zu bröckeln und das schon nach wenigen Augenblicken. Wir betraten die Empfangshalle und ich spürte, wie mein Gesicht langsam wieder auftaute. Meine Eltern, Mia und Tom liefen nach oben in unser Apartment. Ich hingegen verspürte das Bedürfnis, weiter herumzuschnüffeln. Ich lief die Treppen hinauf und blieb auf der 1. Etage stehen.
Ich schaute nach oben, dort führten weitere Stufen hinauf.
Ich betrat sie leise und kroch unter dem Verboten Schild hindurch. Die Treppenstufen quietschten und hinterließen bei mir Adrenalinschübe. Das Gefühl, zu wissen das mich jemand sehen könnte, zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen.
Ich wurde ganz hibbelig, als ich der weißen Tür immer näher kam. Dann war ich angekommen und blieb vor ihr stehen. Kurz zögerte ich, biss nervös auf meiner Unterlippe herum und überlegte ob ich sie wirklich öffnen sollte.
Doch dann griff ich fest entschlossen nach dem Knauf und begann ihn zu drehen. Enttäuscht ließ ich meine Hand vom Knauf gleiten, als ich bemerkte, dass sie verschlossen war und blickte ihr sehnsuchtsvoll entgegen.
Unentschlossen blickte ich mich um. Suchte vergebens nach einem Schlüssel, nach jemanden der sie mir öffnen könnte. Ich weiß nicht was mich so neugierig gemacht hat, aber ich wollte um jeden Preis wissen, was diese Tür vor mir verstecken wollte. Doch plötzlich, als hätte in mir jemand einen Schalter umgedreht, verließ mich das neugierige Gefühl.
Etwas in mir schien mich auf halten zu wollen.
Es hinderte mich daran, sie einzuschlagen, nach ihr zu fragen oder etwas zu tun, was im Zusammenhang mit dieser Tür stand. Ich senkte meine Blicke, als ich begriff nicht in Erfahrung bringen zu können was sie mir vorenthielt.
Mein Körper drehte sich um und begann langsam die Treppenstufen wieder hinunter zu schreiten. Ich versuchte mich gegen meinen Körper zu wehren, aber die unsichtbare Kraft in mir war stärker.
Mein rechter Fuß wollte die nächste Stufe erklimmen, aber ich konzentrierte mich zu sehr auf meinen linken, dass diese nicht definierbare Kraft an Stärke verlor. Ein durch dringlicher Schrei drang in meine Ohre und riss mich aus meiner Konzentration. Der Schrei ließ meinen ganzen Körper erzittern und verschleierte meine Sicht. Ich verlor das Gleichgewicht und stürzte die restlichen Stufen hinunter.
Unten angekommen übernahm die Kraft schnell die Kontrolle und schleppte mich bis zum den des Flures. Der Schrei hatte mich so überwältigt, dass ich erst wieder zu mir fand, als ich am Ende des Flures stand und die Kraft langsam aus meinem Körper geflossen war.
Außer Atem stand ich einer weiteren weißen Tür gegenüber, die versuchte meine Aufmerksamkeit zu ergattern. Als wäre diese Tür ein Ersatz!
Ein Trostpreis! Das durfte ich mir nicht gefallen lassen. Was auch immer das für eine unsichtbare Kraft gewesen war ich war stärker! Ich drehte um und versuchte erneut zu der mir verborgenen Tür zu gelangen. Die ersten drei Schritte waren erfolgreich, dann aber begann ich erneut kämpfen zu müssen.
Angestrengt schloss ich die Augen und versuchte um jeden Preis vorwärts zu kommen. Einen Schritt! Einen Schritt musste ich gewinnen. Ich musste sie brechen.
Schnell atmend richtete ich jegliche Kraft auf mein linkes Bein und gab jegliche Kraft in es. Einen Schritt! Ich war kurz davor zu gewinnen, da ertönte der Schrei erneut. Reflexartig griffen meine Hände an meine Ohren und ich viel zu Boden.
Gekrümmt lag ich auf dem Boden und schrie:
"Hör auf!" Doch umso mehr ich bettelte, desto lauter wurde der Schrei. Nachdem ich eine Weile verstummt war, verschwand der Schrei und ich konnte mich wieder aufrichten. Kurz überlegte ich. Sollte ich es erneut versuchen? Oder sollte ich mich mit der anderen Tür zufrieden geben?
So rebellisch wie ich war, entschied ich mich für die erste Variante.
Doch erneut landete ich nur vergebens auf dem Boden. Ich spürte wie die Kraft an Stärke verlor, doch zugleich schwanden auch meine Kräfte. Nichts desto trotz versuchte ich es ein drittes Mal. Wie zu erwarten blieb ich auch dieses Mal erfolglos.
Keuchend stand ich auf und begann nach Luft zu schnappen. Erschöpft lehnte ich mich gegen die Wand und ruhte mich aus. Eine Weile blieb ich regungslos dort stehen und betrachtete die weiße Decke. Schließlich aber wandte ich mich der anderen weißen Tür zu. Sie schien schon förmlich nach meiner Aufmerksamkeit zu schreien, sie zu verlangen. Schwer atmend trat ich auf sie zu und sofort sprang mir ein Schild entgegen:
"NICHT ÖFFNEN!!! Das schaffst du sowie so nicht!" Dahinter war ein Smiley in die Tür eingeritzt und er schien mich auszulachen. Ich versuchte es trotzdem. Ich wollte es dem blöden Smiley zeigen. So weit war es also schon gekommen? Ich duellierte mich tatsächlich mit einem völlig beklopptem Smiley?
Natürlich hatte mich nicht nur der Smiley von meinem Vorhaben überzeugt. Diese Tür die mir verschlossen war und die mich warnte sie nicht zu öffnen, schien mich gleichzeitig anzuschreien, ich solle sie öffnen. Ich drückte die Türklinke runter und die Tür sprang mit einem lauten Knarren auf. Ich stand noch etwas verschüchtert am Rahmen der Tür und schaute skeptisch in den hell erleuchteten Raum, als ein kleines, süßes und schwarzes Kätzchen heraus gerannt kam.
Ihre Augen waren Leer, aber zugleich glasklar. Es kam mir so vor als, könne ich in sie hinein sehen. Nein nicht ich blickte in sie hinein, sondern sie schien in mich hinein sehen zu können. Ihre Blicke durchdrangen meinen Körper und ließen mich schließlich schutzlos fühlen. Ich bückte mich, denn ich wollte ihr samtiges Fell berühren, außerdem hoffte ich auf diese Weise das Gefühl der Schutzlosigkeit ignorieren zu können.
Doch statt einem Schnurren entgegnete sie mir mit einem lauten Fauchen und rannte schließlich davon.
Was hatte sie darin gemacht? War sie eingesperrt? Nach dem ich das Kätzchen nicht mehr sehen konnte, war ich kurz davor vor Neugier zu platzen. Was würde sich dahinter verbergen? Ein Haufen von Leichen? Gold? Geheimnisse die sich mir nicht zeigen sollten? Ich schritt in das Zimmer...


Comments

  • Author Portrait

    Einne schönen guten Abend :) Ich hatte die Geschichte hier schon länger im Auge, aber kam leider bisher nicht dazu, sie zu lesen. Aber nun hatte ich endlich die Zeit und hab sie in eimem Rutsch gelesen. Du machst es echt ganz schön spannend. Was ist bloß mit ihrer Familie los under was hat es mit diesem seltsamen Jungen auf sich, aber vor allem, was ist mit dem Zimmer? Wie du siehst ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht. Liebe Grüße, Fiamma^^

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