Ein Funken Wahrheit

"Das hat doch überhaupt nichts mit den Mädchen zu tun."
"Tue nicht so als wären sie nur irgendwelche Gegenstände, immerhin ist ihr Tod dein Verdienst." Was war passiert mit ihr? Konnte ich aus diesem Satz etwa einen Hauch von Empathievermögen ableiten? Auch wenn ich sie hassen wollte, machte dieser Satz sie beinahe sympathisch.
"Wie oft denn noch? Sie wären unabhängig von mir auch gestorben!", schrie er so laut, dass ich nun nicht mehr leugnen konnte, nichts von ihrem Gespräch mitbekommen zu haben.
"Außerdem seid wann interessierst du dich für Jemanden außer für dich selbst?"
"Was du getan hast habe ich noch nie befürwortet."
"Ja, weil du eifersüchtig warst.", lachte er und verstummte.
"Na klar, du denkst auch du bist unwiderstehlich? "
"Ach hör doch auf, du bist wohl das gefühlloseste Wesen, auf das ich je getroffen bin."

Ich richtete mich auf, als ihre Stimmen verstummten und ich die Befürchtung bekam er würde jede Sekunde in den Raum stürmen.
„Ich suche Jemanden der gegen den Grafen, vielleicht ja sogar das letzte Amulett hat, was meinst du wonach mein Vater sucht. Du weißt das die Zeit knapp wird und.."
„Ja, aber es waren doch schon so viele. Ich weiß deine Hoffnung ist immer noch das deine Schwester leben könnte, aber du kannst deswegen nicht einfach jedes beliebige Mädchen mit hinein ziehen.", unterbrach sie ihn unhöflich und die Stille war verschwunden.
„Sie ist anders und ich weiß das auch du das bemerkt hast. Du bist doch nur eifersüchtig!"
„Ich?", quietschte sie übertrieben hoch.
„Das hat damit immer noch nichts zu tun, ich meine nur das sie immer noch ein Mensch ist und..."
„Oh Gott du redest schon wie mein Vater! Ihr seid alle so engstirnig. Wir leben nicht mehr im letzten Jahrhundert! Ihr solltet echt mal lernen zu vertrauen!", schrie er aufgebracht
"Vertrauen? Vertrauen hat den toten Mädchen auch nichts gebracht."
Kurz darauf wurde die Türklinke herunter gedrückt und der Junge stürmte in den Raum. Die Blicke zu Boden gesenkt atmete er schwer aus und setzte sich mir gegenüber.

„Wir sind hier wegen dem Grafen.", wiederholte er, ohne auf das Gespräch mit Laureen einzugehen. Ich runzelte die Stirn, denn ich hatte mich bereits auf die Frage ob ich gelauscht hätte, eingestellt.
„Der Graf auf dem Gemälde? In der Empfangshalle?", fragte ich schnell um meine Gedanken verschwinden zu lassen.
„Ja, er ist sehr mächtig. Er kann uns kontrollieren nur nicht die Leute die diese Amulette tragen,... bis jetzt.", er verstummte und versuchte meinen Gesichtsausdruck zu analysieren.
Erneut runzelte ich die Stirn und riss die Augen weit auf. Ich richtete meine Blicke auf seinen Mund und hoffte einen Funken von Lachen erspähen zu können, doch sein Gesicht war versteinert ernst.
Was sollte ich denn jetzt darauf antworten? Natürlich wollte ich ihm nicht glauben, oder ich wollte es, aber ich konnte es nicht. Es war viel zu verrückt um es begreifen zu können.
Mir war zum Lachen zu mute, aber sein ernster Gesichtsausdruck verhinderte auch nur ein Lächeln.

Nervös biss er auf seine Lippe und griff an seinen Hals. Er umklammerte seine Kette, von der ich den Anhänger noch nie zu Gesicht bekommen hatte.
Das Band war aus fetten Leder und ich erwartete einen großen dazugehörigen Anhänger. Zögernd machte er seine Kette ab und legte sie auf den Tisch zwischen uns. Ich starrte sie eine Weile an und ließ mich von ihrem Glitzern faszinieren.
Das Amulett war rund und hatte in der Mitte einen strahlenden roten Kristall. Es wurde mit Gold umrandet und wirkte dadurch unbezahlbar.
Er nahm die Kette vom Tisch und legte sie mir behutsam in die flache Hand. Es muss wohl echtes Gold gewesen sein, denn nachdem er das Amulett völlig in meine Handfläche gelegt hatte, sackte meine Hand etwas nach unten.

Seine Blicke kontrollierten meine Bewegungen und er gab mir zu verstehen, dass es ihm sehr wichtig war. Meine Hände begannen schwitzig zu werden. Ich bekam Angst es fallen lassen zu können und gab es ihm daraufhin schnell zurück.
Und was sollte ich jetzt davon halten? Dieses Amulett beweist nichts! Was wenn er mich nur reinlegte? Mich testete? Wenn sie mit Absicht so laut gesprochen hatten, damit ich es verstehen konnte?
„Der Graf möchte die Welt kontrollieren! Er...", erneut wurde er von einem Klopfen an der Tür gestört.
"Ja!", rief ich, da er offensichtlich versuchte das Klopfen zu ignorieren. Und schon wieder war es Laureen. Selbstbewusst schritt sie in den Raum und legte ein paar Sachen auf den Tisch.
"Ich dachte mir du solltest etwas anderes anziehen, nicht das du krank wirst." Ich lächelte ihr zu und nickte. Vielleicht war sie gar nicht so unfreundlich, vielleicht war es wirklich nur die Eifersucht, die zwischen uns stand. Erst jetzt viel mir wieder auf, dass ich immer noch nasse Kleidung trug. Bevor sie mich drauf angesprochen hatte, konnte ich das ziemlich gut ignorieren, aber jetzt wo ich es wusste, störte es mich.
"Wo kann ich mich denn umziehen?"
"Komm einfach mit nicht weit von hier ist das nächste Häuschen." Ich wollte aufstehen, doch dann erinnerte ich mich an ihre unfreundliche Art zuvor. Unschlüssig sah ich in die Augen des Jungen und forderte ihn auf mir zu sagen, ob ich ihr trauen könnte.
"Warte, wir können auch kurz vor die Tür gehen.", meinte er, stand auf und verließ kurz darauf den Raum mit Laureen. Ich wartete noch einen Moment, nachdem die Tür ins Schloss gefallen war und zog mich schließlich hektisch um.
Ich hatte die Befürchtung er könnte jede Sekunde ungefragt reinplatzen. Ich steckte die nassen Sachen achtlos in meine Tasche und öffnete die Tür wieder. Laureen war bereits verschwunden.
Zusammen setzten wir uns wieder und er fuhr fort:
"Wo waren wir stehen geblieben?"
"Irgendwas mit dem Grafen."
"Ach ja, er ist schon das mächtigste Wesen das ich je gesehen habe und er wird jede Sekunde stärker. Er überwacht uns alle und er kann uns kontrollieren. Ihm fehlen nur noch ein paar der Amulette und... " Kurz verstummte er.
Er räusperte sich einmal und wollte gleich fortfahren, doch ich kam ihm zuvor. Dachte er wirklich ich könnte ihm einfach so glauben? Also so viel Vertrauen hatte ich auch wieder nicht.
Der Graf? Natürlich,... aber das würde erklären warum sich das Bild bewegen konnte. Vorausgesetzt ich hatte mir das aufgrund meines Schlafmangels nicht eingebildet.
„Und wie genau,... also wie soll ich dir denn jetzt dabei helfen? Also nehmen wir mal an das du diese Story nicht aus einem Märchenbuch gestohlen hast?"
„Ich wusste das du mir nicht glauben wirst, aber dazu werden wir noch kommen, du musst noch vieles Weitere verstehen."
„Hm.", brummte ich unzufrieden, denn ich hatte immer noch keine Ahnung wie ich darauf reagieren sollte.
„Also er überwacht uns, indem er in uns hinein geht und durch unsere Augen sieht, wen wir gerade treffen und was wir tun.
Mich hat dieses Wissen anfangs sehr erschreckt, aber mittlerweile habe ich mich wohl dran gewöhnt. Mir blieb ja auch nichts anderes übrig. Jedenfalls fehlen ihm noch genau zwei Amulette. Meins und ein weiteres. Doch von welcher Stammbaum Gruppe weiß ich leider nicht."
"Stammbaum Gruppen? Was meinst du damit?", unterbrach ich ihn mit einem Lächeln, um den Eindruck zu erwecken ihm Glauben schenken zu können.
"Na ja also wir nennen das nur so. Jede reinblütiege Familie von Vampiren, Werwölfen und so weiter besitzt normaler Weise eins dieser Amulette.", antwortete er und gab mir eine kurze Pause um zu verstehen was er mir gerade versucht hatte zu erklären.

Ich musste mir ein Lachen wirklich verkneifen, ich meine Vampire? Werwölfe? Also ich habe ich ja schon eine Menge verrückter Dinge erlebt, aber das jemand so besessen von der Idee dieser übernatürlichen Wesen war, ist mir noch nicht unter gekommen!
„Und warum genau hat er dann dein Amulett noch nicht? Wenn er so viel mächtiger ist als du?"
„Ich weiß es nicht genau. Früher konnten wir ihn als Gruppe besiegen, aber schon vor... also seid dem letzten Mal ist es uns sehr schwer gefallen und mittlerweile ist es unmöglich.
Ich weiß nicht worauf er wartet, aber ich bin mir sicher das bald der nächste Angriff kommen wird." Seine Augen waren weit aufgerissen und aus dem nervösen kneten seiner Finger konnte ich schließen, dass ihn die Gedanken ängstigten.

„So und warum genau erzählst du mir das nochmal? Ich bin ja schließlich keine Hexe die in die Hände klatscht und dein "Problem" ist gelöst."
„Geduldige dich, das kommt noch und könntest du mir einen Gefallen tun?"
"Kommt auf den Gefallen an."
"Könntest du aufhören, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen?"
"Ich kann's versuchen, aber das was du versuchst mir zu erklären hört sich für mich sehr suspekt an.", gab ich zu und stützte meinen Kopf auf meine Hände. Meine Augen wurden immer müder und ich begann mich zu fragen wie lange wir hier wohl schon hockten. Ich starrte auf die Uhr über der Tür, doch sie war auf 12 Uhr stehen geblieben.
"Das Problem ist, dass er uns überwachen kann. So können wir keine Gespräche versteckt vor ihm halten. Er kennt das ganze Gebiet hier, außer diesen Ort und das ist der einzige Grund warum ich dich vor hin nicht habe reden lassen."
"Ja ich erinnere mich. Du warst so freundlich."
"Ich weiß es tut mir leid, aber ich wusste nicht wie ich dich sonst zum Schweigen hätte bringen können."

Ich sträubte mich dagegen ihm glauben zu können, aber langsam bekam ich das Gefühl etwas von dem, was er mir erzählte, müsste stimmen. Er war so überzeugt und ihm lag viel daran, dass ich ihm glauben würde.
"Ich zeige dir diesen Ort, weil du besonders bist."
"Ich weiß.", lachte ich mit einem Hauch von Arroganz und strich eine Haarsträhne zur Seite, die mich schon mehrere Minuten nervte.
"Wirklich! Du bist besonders. Ich habe gemerkt das der Graf dich nicht kontrollieren kann und ich erhoffe mir davon, dass du uns vielleicht helfen kannst. Die... Zeichnungen von den toten Mädchen... sie sind von ihm. Er muss dich also schon einmal gesehen haben und er will deinen Tod."

"Das Bild!", schoss es mir in den Kopf, doch ich konnte diesen Gedankengang leider nicht für mich behalten.
"Was?"
"Nichts."
"Welches Bild.", hackte er nach und hob seine heruntergefallene Jacke auf.
"Na ja... das in der Empfangshalle. Als ich hier angekommen bin, habe ich gesehen wie sich der Graf auf dem Bild bewegt hat und..."
"Also glaubst du mir?", fragte er mit weit aufgerissenen Augen und sogar ein Lächeln legte sich auf seine Lippen.
"Ich denke eher das ich mir das aufgrund des massiven Schlafmangels eingebildet habe."
"Nein."
Nein? Vielleicht sollte er bei einem Psychologen vorstellig werden? Der könnte ihm bestimmt helfen, von diesem übernatürliche Quatsch wegzukommen.
„Ist ja auch egal,... aber warum sollte er mich nicht kontrollieren können? Ich bin wie jeder normale Mensch!" Ein weiteres Mal schwiegen wir beide. Da er auf meine Äußerungen nicht eingegangen war, verdrängte ich diese Frage und fuhr fort:
„Was sind das für Wesen?"
Ich versuchte mich auf seine schrägen Gedanken einzulassen und war gespannt wo diese mich wohl noch hinführen würden.
„Das sind Penulatas. Du solltest sie allerdings nicht unterschätzen. Sie sind nicht ganz ungefährlich und können dich schnell mal umbringen, wenn du ihnen auf die Nerven gehst."
„Also eine böse Art von Meerjungfrauen oder was?"
„Hörst du mir nicht zu?", fragte er verärgert und lehnte sich mit einem genervten Augenrollen nach hinten. Was hatte ich denn jetzt schon wieder gemacht? Das war doch nur eine einfache Frage. Ich dachte ich sollte Fragen stellen? Also entscheiden sollte er sich mal!

„Meerjungfrauen? Völliger Schwachsinn! Wer sich diesen Quatsch nur wieder ausgedacht hat? Als ob es etwas perfektes auf der Welt geben würde.
Sie tragen ihre Emotionen immer nach außen, sodass es wirklich jeder mitbekommt. Na ja ihr Problem sind einfach die Stimmungsschwankungen."
"Das stelle ich mir aber auch anstrengend vor."
"Was wieso?"
"Na ja wenn jeder weiß wie es dir geht? Also ich würde das nicht wollen."
"Hm, ja mag sein."
Plötzlich scharrte etwas auf dem Boden. Als hätte er sich an die vergessene Wäsche erinnert sprang er auf. Nervös wanderten seine Blicke die Wände entlang und kurz darauf begann er durch den kleinen Raum zu wandern.
Nachdem er ein paar schnelle Runden gedreht hatte, blieb er am Fenster stehen und ließ im Tackt seine Finger an die Scheibe klopfen.
"Ich muss dir etwas sagen.", murmelte er plötzlich unverhofft und drehte sich zögernd zu mir um. Erneut begann er seine Finger durchzukneten und kauerte unbewusst auf seiner Unterlippe herum.
Ich kannte dieses Verhalten nicht von ihm und zog daraufhin eine Augenbraue kritisch hoch. Was machte ihn so nervös?
"Ja?"
"Also... ich ähm.", er verstummte, räusperte sich kurz und begann noch mal von vorne.
"Ich also... ähm..."




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