Ein Funken Wahrheit

„Wie kommen wir zur Kirche?"

„Was willst du bitte in einer Kirche? Beten das meine Schwindelanfälle wie von Geisterhand verschwinden?"

„Sicher nicht, ich glaube nicht an Gott."

„Prima nimm den Gläubigen ihren Glauben, aber wunder dich dann nicht, wenn sie dich nicht mehr leiden können."

„Du bist nicht religiös, außerdem interessieren mich die Meinungen der Anderen nicht. Das solltest du vielleicht wissen."

„Ja das weiß ich ganz genau, mir ist nur neu, dass dich meine Meinung in irgendeiner Art und Weise interessiert."

„Also wo geht es zur Kirche?", brach er das Thema ab und ließ meine Behauptung einfach verschwinden. Sollte das etwa heißen, ich wäre ihm doch nicht völlig egal,... zumindest meine Meinung nicht? Meine anfängliche Schlagfertigkeit, über den Grund, warum er ausgerechnet die Kirche besuchen wollte, hatte er gnadenlos zerschmettert und mir meine Freude darüber genommen.

„Komm mit", murmelte ich Augen rollend und raste los. Warum hatten wir uns heute Morgen überhaupt mit dem Bus zufrieden gegeben? Ist ja nicht so, dass wir mindestens in der Hälfte der Zeit hätten da sein können, wenn nicht sogar noch früher. Wenn ich genau darüber nachdachte, wurde mir die Vorstellung immer suspekter, jemals wieder mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren. Ich musste schließlich auch die Vorteile eines Lebens als Vampir genießen.

Während ich mit vereinten Kräften, um eine Vielzahl von Ecken bog, warf ich einen flüchtigen Blick über meine Schulter und prüfte, ob er mithalten konnte. Der Gedanke daran, ihm beim letzten Mal haushoch geschlagen zu haben, verschaffte mir einen Energieschub, den ich mit nur wenig zögern ausnutzte und ohne auf meine Umgebung zu achten, einfach auf die Kirche zu preschte.

Den Weg hatte ich allerdings kürzer in Erinnerung, sodass ich nach einer Weile spürte, wie mich meine Kräfte verlassen wollte und der Energieschub, längst verloren gegangen war. Ein weiteres Mal prüfte ich den Abstand von ihm und mir, was mich dazu brachte, doch wieder schneller zu werden.

Wenn ich mit so einem Tempo los geprescht war, dann musste ich es wohl oder übel auch beibehalten. Auch wenn es nur ein kurzer Blick gewesen war, hatte Leandro auf mich nicht den Eindruck gemacht, als wäre er sonderlich außer Puste. Vielleicht hatte ich mich auch einfach überschätzt. Die Strecken im Wald waren nie von besonderer Länge gewesen, sodass ich jetzt wohl bei einem Fußweg, in normaler Geschwindigkeit, von einer halben Stunde, wohl ziemlich zu versagen schien. Vielleicht würde ich für die Schule ja doch mein Fahrrad bevorzugen. Als würden meine schmerzenden Knie und die kalte Luft, die meine Lungen zum brennen brachte, nicht schon reichen, da erschwerten mir nun auch noch Seitenstechen das Rennen. Ich war schon seid Ewigkeiten fest davon überzeugt gewesen, dass meine Knie seid der Geburt ein Ding weg haben mussten, immerhin begannen sie schon nach wenigen Metern auf harten Boden zu schmerzen und waren seither immer der Grund dafür gewesen, warum ich beim Ausdauerlauf nie über eine Drei, hinaus gekommen war.

Endlich sah ich die gefärbten Scheiben der Kirche und beschleunigte auf den letzten Metern noch einmal mein Tempo. Wenig Licht schimmerte durch die getönten Fensterscheiben und hinterließ auf dem Boden, vor der Eingangstür, kleine Kreise und Dreiecke. Die Fenster waren noch ganz neu, sodass sie nur von wenigen Fingerabdrücken verschmutzt waren und die Regentropfen vom glatten Glas abperlten. Der Rasen der um das Gemäuer angelegt worden war, hatte noch nicht einmal die Gelegenheit bekommen, richtig wachsen zu können. Ein paar kleine Rosen hatten sich trotz des kalten Wetters dazu durchringen können, ihre Farbenpracht der Außenwelt zu zeigen. Eng waren zwei von ihnen an das Backsteingebäude herangewachsen, sodass sie sich nun mit dem darum rankenden Efeu verbunden hatten.

Zögernd trat ich an die große Kirchentür und erinnerte mich an den Tag, wo ich sie das letzte Mal betreten hatte. Es war die Hochzeit meiner Tante gewesen, nichts besonderes doch kann ich mich nicht mehr an die Anwesenheit meiner Eltern erinnern. Ob diese Wissenslücke etwas mit den Bildern zu tun hatte? War es vielleicht gar nicht meine Tante, sondern die dieser eigenartigen Familie gewesen, zu der ich angeblich gehören sollte?

„Können wir oder wartest du darauf, dass uns Jemand einlädt?"

„Was? Nein... ich habe nur die Architektur bewundert", stammelte ich ertappt und machte einen Schritt von den Rosen weg und auf die Tür zu.

„Natürlich."

„Also wonach genau suchen wir jetzt in der Kirche?"

„Wirst du ja noch sehen, sei nicht so aufgeregt."

„Aufgeregt? Ich? Das lässt sich leicht behaupten, wenn man weiß worum es geht."

„Mag sein, hilfst du mir mal?", fragte er, während seine Hand mich zu sich ran winkte. Kurz nachdem ich mich zu ihm gesellt hatte, warf er mir seinen Rucksack zu und begann am Schloss der Tür zu schrauben.

„Was genau wird das?"

„Was wird das wohl werden, hm?"

„Du kannst doch nicht in eine Kirche einbrechen. Das ist ein heiliger Ort, noch nie etwas von Respekt gehört?"

„Nein das mit dem heiligen Boden wird einfach überbewertet und du siehst doch das ich einbrechen kann", schnaufte er und drückte fast angestrengt auf dem Metall herum.

„Ich fasse es nicht", brachte ich nur zweifelnd hervor und begann mich mit den Händen, in die Hüfte gestemmt, zu drehen.

„Jetzt stell dich nicht so an und nimm meine Tasche aus dem Dreck. Dir war doch bestimmt klar, dass ich mir die Kirche nicht nur von Außen anschauen wollte oder?" Seufzend schwang ich mir den Rucksack wieder über und beobachtete seine geschickten Bewegungen, die versuchten das Schloss zu knacken.

„Ja irgendwie schon, aber du kannst doch nicht einfach so in eine Kirche einbrechen und darin nach wer weiß was suchen."

„Keine Sorge ich mach es ja nicht allein, du kommst ja mit", lachte er. Gleichzeit mit seinem Lachen ertönte ein leichtes Knacken und die schwere Tür öffnete sich einen Spalt. Ich nahm einen tiefen Luftzug, ehe wir uns auf den Weg in das Gemäuer machte. Der Geruch von frischem Holz stieg mir in die Nase und erinnerte mich an ein Möbelgeschäft, dass voll mit Betten und anderen teurem Zeug bestückt war. Mit einem lauten Quietschen öffneten wir die linke Tür und schlossen sie gleich wieder hinter uns, damit Niemand auf die Idee kommen würde, nachzusehen, wer hier Nachts herumschnüffelte. Die Kirche bestand zwar schon seid vielen, wirklich vielen von Jahren, aber sie war erst vor Kurzem renoviert worden, was wohl den angenehmen Holzgeruch erklärte.

Da es im unteren Geschoss Stock dunkel war, schalteten wir die Taschenlampen an unseren Handys an und leuchteten uns den Weg mit dem grellen Licht. Nachdenklich begann ich über den Ort nachzugrübeln, von wo aus das Licht durch die Fenster geschienen hatte. Warum war es überhaupt an gewesen? Während Leandro ein, für mich völlig gewöhnliches, Muster auf dem Boden begutachtete, machte ich mich auf den Weg nach oben, um die Quelle des Lichtes ausfindig zu machen. Nicht das ich unbedingt scharf darauf war, Jemanden hier zu treffen, aber ich konnte mir kaum vorstellen, dass der Putzfrau oder wem auch immer, dass brennende Licht nicht aufgefallen war.

Während Leandro nun ganz vertieft auf dem Boden hockte und die schwarzen Blumen, kombiniert mit frei fliegenden Vögeln, begutachtete, wagte ich mich immer weiter nach oben. Wenn ich die Treppe so hoch schritt und meinen Blick auf den edlen, roten Teppich richtete, bekam ich fast das Gefühl in einem waren Schloss herumschnüffeln zu dürfen. Das grelle, fast bläuliche Licht meines Handys, zerstörte beinahe die schöne Atmosphäre der Kirche. Das Geländer war prunkvoll nur aus echtem Gold angefertigt worden und der im Licht glitzernde Kronleuchter, nahm mir für einen Moment die Realität und ließ mich ins Träumen fallen.

Doch nicht lange ließ mich Leandro in der Bewunderung zurück und brüllte plötzlich durch das hellhörige Gebäude meinen Namen, sodass ich ihn nicht mal überhören konnte, selbst wenn ich es gewollt hätte. Ein Echo legte sich in den Raum, das nach und nach immer leiser wurde. Seufzend verließ ich die Treppenstufen wieder und stolzierte zu ihm, während ich mit zweifelnden Blicken, das Gekritzel auf dem Boden musterte.

„Was genau wird das?"

„Ich glaub das ist es schon."

„Was? Willst du jetzt etwa von den Vögelchen eine Erklärung haben oder was erhoffst du dir davon?"

„Quatsch."

„Und warum lässt du mich dann nicht nach oben gehen?"

„Deswegen", antwortete er und noch im selben Moment begannen sich Kreise um das Muster auf dem Boden zu ziehen, die sich noch im selben Augenblick zu tiefen Löchern verwandelten. Das Rattern mehrere Räder erfüllte den Raum, während die dunklen Löcher sich zu einem großen, tiefen verwandelten. Ein steile Treppe erstreckte sich vor uns und führte in die tiefe Dunkelheit.

Ihm war doch aber bestimmt bewusst, dass er mich dort nie Mahls runter kriegen würde. Mir hatte schon das kleine Treppen Abenteuer bei den Penulatas gereicht, noch mehr davon brauchte ich wirklich nicht. Außerdem sah mir das nicht nach der besten Idee aus. Immerhin war es dunkel, steil und unübersichtlich. Tja und wenn ich wetten dürfte, dann würde ich sagen, dass sich alles wieder schließen würde, so bald wir unten angekommen wären.

„Das ist aber nicht dein Ernst oder?"

„Was meinst du?", hackte er nach und stieg ohne lange zu zögern in die Tiefe hinab. Mit seinem Handy leuchtete er den Weg und schritt dann ganz gemütlich runter ohne es auch nur in Betracht zu ziehen, sich am Geländer abzustützen.

„Das ist Wahnsinn."

„Na komm oder soll ich alleine gehen?"

„Ist ja gut", zischte ich und machte mich widerwillig auf den Weg nach unten. Ganz gegen meine Erwartungen, kamen wir unversehrt dort an und ich spürte einen leichten Anflug von Erleichterung. Zu meinem Erstaunen hatte sich die Treppe noch nicht einmal aus dem Staub gemacht und wir hatte immer noch die Möglichkeit, hier wieder raus zu kommen. Seufzend ließ ich meine Blicke durch die dunklen Gänge schweifen und fragte mich, ob noch Jemand außer ihm, die Tunnel kannte. Der Lichtkegel reichte nicht weit, aber es genügte um erkennen zu können, dass der Tunnel in dem wir uns befanden, mit vielen Weiteren verbunden war. Der Boden unter uns gab etwas nach, sodass ich vermutete, auf Sand zu stehen. Ich kontrollierte es nicht weiter mit der Taschenlampe, da mir diese eingeschränkte Sicht doch etwas Angst bereitete. Man konnte es kaum ausschließen, dass sich hier Unten Niemand außer uns befinden würde, immerhin brannte Oben das Licht. Schrilles Piepen drang mir in die Ohren und mein reizendes Handy erinnerte mich an die letzten, verbleibenden fünfzehn Prozent Akku.

„Ne oder?", murmelte ich und schaltete das Licht meines Handys aus, um Akku sparen zu können, damit ich im Notfall noch etwas Energie für ein Telefonat haben würde.

„Egal, ein Licht muss uns reichen", brummte Leandro und begann gebannt auf sein Display zu starren, als suchte er nach einer Karte für diese Gänge. Nun hatten wir die Hälfte des Lichtes verloren und ich spürte schon jetzt den ersten Anflug von Angstgefühlen.

Die Gasse war so eng, dass Leandro und ich nicht einmal neben einander hätten stehen können. Langsam bekam ich das Gefühl, als würden sie sich schleichend auf uns zu bewegen und uns irgendwann zerquetschen. Natürlich war das nicht der Fall, aber schon die Vorstellung daran, brachte meine Kehle dazu, sich zuzuschnüren und mir das Gefühl, gleich ersticken zu müssen. Gerade als ich mich etwas an die Enge gewöhnt hatte, beziehungsweise wieder atmen konnte, ertönte ein dumpfer Knall über uns und der einzige Weg hier raus, verschwand. Mit dem Knall, verschwand auch die einiger Maßen frische Luft und mir viel erst jetzt die stickige Luft hier unten auf. Sie war noch viel stickiger, wie die im Schloss es hätte jemals sein können. Um so mehr schnelle Atemzüge ich nahm, desto mehr bekam ich die Sorge, hier unten ersticken zu werden. Die Luft war ganz ekelig warm und feucht, sodass es erdrückend schien und man denken könnte, wir wären in den Tropen gefangen.

Schnell knöpfte ich meinen Mantel auf und entfernte den Schal um meinen Hals, der das beengte Gefühl, nicht verbessert hatte. Doch auch das Abnehmen hatte an der Situation nichts verändert. Mein Herz, das immer schneller in meiner Brust zu pochen begann, versetzte mich in Panik und brachte mich dazu, immer hektischer und schneller zu atmen. Obwohl ich Luft einatmen konnte und kein Gefühl des Schwindels vernahm, malte ich mir aus, wie qualvoll es wohl wäre, keine Luft mehr zu bekommen. Als würde der Sauerstoff in Mund und Nase halt machen und gleich wieder nach Außen strömen. Als gäbe es dort eine Klappe, die verhinderte meinen Körper mit Sauerstoff zu versorgen.

Plötzlich spürte ich wie die warme Luft nicht einmal mehr bis zu meinem Rachen vordrang und ich das Gefühl der Atemnot ganz deutlich zu spüren bekam. Mir wurde heiß und die ersten kleinen Schweißtropfen begannen meine Schläfen runter zu rinnen. Mein Blut pulsierte in den Adern und mein Herzschlag drang mir bis in die Ohren. Ich wollte etwas sagen, ich wollte ihn um Hilfe bitten, doch mein Mund öffnete sich nicht. Immer wieder ging ich die Worte in meinem Kopf durch, doch wie sehr ich mich auch zwingen wollte, kein Ton verließ meinen Mund. Er schien meinen hektischen Atem nicht einmal mitbekommen zu haben, denn er starrte immer noch, auf sein Handydisplay und tippte ganz vertieft darauf herum.

Langsam begannen kleine, schwarze Punkte vor meinen Augen aufzutauchen und zu tanzen. Egal wo hin ich schaute, sie folgten Mir. Ich spürte den ersten Anflug von leichten Schwindel und stützte mich instinktiv an der Wand ab. Selbst die Backsteine waren von einer ekligen Wärme umhüllt. Wieder versuchte ich ein Wort raus zubringen, mir war egal Welches und welche Bedeutung es hatte, Hauptsache ich konnte meine Stimme hören. Doch immer noch tat sich nichts. Als hätte Jemand ein Brett in meinen Rachen geschoben, dass mir das Atmen und die Sprache verwehrte. Wie lange ich hier unten schon stand? Wie lange würde ich es noch ohne Luft aushalten? Plötzlich stoppte mein Herz einfach, es hörte auf wie verrückt zu hämmern. Mein Atem hätte gestockt, wäre er noch vorhanden gewesen und in mir begann sich alles zusammen zu ziehen. Mein Rachen wurde ganz trocken und ich bekam einen starken Hustenreiz, den ich nicht unterdrücken konnte. Meine Lunge presste sich zusammen und ich bekam das Gefühl, als würde sie Jemand in seine heißen Klauen nehmen und sie einfach zerquetschen, dass gleiche galt meinem Herzen. Dieses beengende Gefühl, das mittlerweile in eine wahre Qual übergangen war, hielt ich nicht länger aus und so versuchte ich noch ein letztes Mal irgendeinen Ton aus mir heraus zu bekommen.

Da ich auf sinnvolle Worte schon lange nicht mehr setzen konnte, räusperte ich mich einfach. Erst leise und dann immer lauter, bis er sich von seinem Handy losreißen konnte und mir besorgte Blicke zu warf.

„Alex? Ist Alles in Ordnung?", hauchte er in einem weniger panischen Ton, als es meine Worte gewesen wären und machten einen Schritt auf mich zu, um seine Hand beruhigend auf meine Schulter zu legen. Parallel zu seiner Berührung, ertönten beruhigende Worte. Als ich seine kalte Hand auf meiner Schulter zu spüren bekam, setzte mein Herzschlag wieder ganz normal ein, die Enge verließ mich und ich konnte wieder wie zuvor Atem.

„Alles ist gut", wiederholte er sich, als er merkte, dass ich ruhiger wurde. Erleichtert stöhnte ich auf und nickte ihm ruhig zu.

„Okay was ist der Plan?", brachte ich immer noch keuchend hervor und fuhr mir mit der Hand durch die Haare, um meine Fassung wieder finden zu können. Nach und nach verschwanden die Punkte vor meinen Augen und ich war außerordentlich beruhigt, meinen Herzschlag wieder spüren zu können. Er war zwar noch etwas heftiger als gewöhnlich, aber er war da.

„Na ja zurück können wir kaum", murmelte er fast verlegen und ließ seine Hand wieder sinken. Nach weiteren tiefen Atemzügen war ich wieder völlig im alten Modus gelandet und begann ihn giftig dafür anzuschnauzen, mich hier runter gebracht zu haben, ohne eine genaue Ahnung unseres Aufenthaltes zu haben.

„Das habe ich auch schon bemerkt. Aber es gibt einen anderen Ausgang oder?" Schulterzuckend trat er einen Schritt von mir weg und verstaute sein Handy in der Hosentasche, das er zuvor noch fest umklammert hatte.

„Eigentlich müsste es so sein, aber ich kenne dieses Gewölbe nicht."

„Na klasse! Er schleppst du mich hier siegessicher runter und dann hast du nicht einmal eine Ahnung wie wir hier wieder weg kommen?"

„Mecker nicht so rum, wir sind schließlich wegen dir hier."

„Ich finde das ist mein gutes Recht, immerhin stecken wir hier unten fest!", brüllte ich nun so laut, dass ein leises Echo zu hören war, das erst nach einigen Augenblicken verstummte.

„Vom Meckern wird es aber nicht besser. Lass uns erst Mal nach Antworten suchen und uns später um einen Ausgang kümmern." Während er das sagte zündete er eine Fackel an und reichte sie mir. Ich musste schmunzeln, denn gerade hatte ich daran gedacht, dass sein einziges Handylicht, nicht gerade viel Sicht zu ließ. Er zündete eine Weitere an und zusammen liefen wir nach rechts, in die einzige Richtung, wo sich ein langer Gang befand.

„Wo hast du die her?"

„Her gezaubert natürlich", lachte er und schenkte mir einen eigenartigen Blick, der mich glauben ließ, er machte sich gerade gedanklich über meine Unaufmerksamkeit lustig. Daher funkelte ich ihn böse an und gab ein beleidigtes: „Pffe" von mir. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass er sich kaum Sorgen um einen Ausgang machte. Er schien so vertieft und ehrgeizig in das Finden von Antworten zu sein, dass er sich um Alles Andere erst einmal keine Sorgen machte. Nach seinem Blick hatte ich erst Recht keine Lust noch einmal danach zu fragen, warum wir ausgerechnet in den Gewölben einer Kirche herumstöbern mussten, aber so lange konnte diese Frage kaum noch unbeantwortet bleiben.

„Mensch, die lagen auf dem Boden, zieh nicht son Gesicht!", rief er plötzlich, eigentlich schon fast zu spät, in die Stille hinein und beschleunigte seine Schritte, als wolle er mich damit ärgern.

„Ich verzieh mein Gesicht wie mir es passt, verstanden?"

„Kannst du mal aufhören dich wie eine Diva aufzuführen?"

„Wie bitte? Wie eine Diva ja? Dann hör du mal auf dich wie der Retter in Not aufzuführen, der für alles eine Lösung hat."

„Natürlich. Hör zu ich muss dir nicht helfen, ich komme ganz gut allein klar. Du hingegen nicht. Also reiß dich gefälligst am Riemen und versuch wenigstens so zu tun, als müsstest du dich nicht gleich übergeben, wenn du mich siehst." Verdutzt zog ich eine Augenbraue hoch und suchte nach einer passenden Antwort. Doch seine Worte, die irgendwie die Wahrheit ansprachen, hatten meine Schlagfertigkeit vernichtet und mich zum Verstummen gebracht... schon wieder.

Unsere schweren Schritte ergaben ein gewohntes Knirschen, was die unbehagliche Stille etwas in den Hintergrund stellte. Warum brauchte es eigentlich einen verdammt arroganten Typen in meinem Leben, damit ich Orte wie diese entdecken konnte?

Abgesehen von der ganzen Übernatürlichkeit die er mit sich brachte, war es doch ziemlich eigenartig das ich noch nie von diesem Ort gehört hatte und es schien, als wäre das nicht die einzige Kirche, die solch unentdeckte Gewölbe verbarg.

Angewiderte starrte ich den Griff meiner Fackel an und hätte sie am liebsten in den Sand geworfen, als ich sah wie abgewetzt der Griff bereits war. Hygienisch war sie unter keinen Umständen und ich wollte gar nicht wissen, welche eigenartigen Menschen ihren Griff bereits in ihren schwitzigen Händen getragen hatten, aber trotzdem hatte es etwas Gutes. Wenn der Griff so dreckig und bereits von vielen Menschen benutzt worden war, musste es wohl heißen, dass sie hier auch wieder raus gefunden hatten. Vorausgesetzt natürlich, wir würden nicht jede Sekunde auf ein Massengrab zu schlendern. Obwohl wir unterwegs an einigen Abzweigungen vorbeigekommen waren, hatten wir keine von ihnen genutzt und waren den Gang bis zu seinem Ende gefolgt.

Als würde sie hier gar nicht reinpassen, befand sich plötzlich eine dunkelbraune Tür vor unseren Augen, die bis an die Decke reichte. Verwundert runzelte ich die Stirn und begann immer neugieriger zu werden, was sich wohl hinter ihr befinden würde. Ich malte mir viele verschieden Sachen aus, die sich hinter ihr abspielen könnten, doch umso näher ich ihr kam, desto unwahrscheinlicher wurden meine Annahmen. Lenadro würdigte mich eines kurzen Blickes, ehe er den schwarzen Knauf drehte, sich das Schloss langsam öffnete und die Tür uns ihr Verstecktes offenbarte. Erstaunt von dieser Weitläufigkeit trat ich in den Raum und betrachtete erstaunt die Umgebung.



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beta
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