Ein furchtbarer Albtraum

Unsanft erwachte er, als man ihm einen Eimer Wasser über den Kopf kippte.

Sein Schädel schmerzte und pochte unsanft und ihm schien jeder einzelne Knochen zuschreien zu wollen, wie sehr sie litten.

Unsicher sah er sich um. Sein rechtes Auge konnte er aus einem unbekannten Grund nicht öffnen und auch sein linkes schien sich nicht fokussieren zu wollen.

Er zischte vor Schmerz und versuchte sich aufzurichten, aber seine Hände waren hinter seinem Rücken an einer Art Pfahl zusammengebunden.

Ihm fehlte jegliche Kraft, auch nur zu versuchen sich zu befreien. Vor ihm standen die Banditen, zumindest glaubte er das.

Er erkannte ihre Gesichter nicht, aber da sie ihr auszulachen schienen, konnte er zumindest sicher sein, dass sie ihm nicht helfen würden. Einer saß fast genau vor ihm in der Hocke und packte ihn grob an den Haaren.

„Na was haben wir denn hier? Ist unser lieber Prinz endlich aufgewacht? Tut mir übrigens leid mit deinem Auge, aber Sav sammelt leider Augäpfel und er fand dein Auge so außergewöhnlich. Wusstest du, dass sie unterschiedliche Farben hatten? Ach was rede ich da. Natürlich wusstest du das.“

Akito versuchte sich in die Richtung von dem eben genannten Sav zu drehen, dieser hielt ihm stolz seine Trophäe entgegen.

An einer Art Lederkette hing sein Auge!?

Akito musste sich übergeben, sie hatten ihm sein Auge rausgeschnitten!?

Immer wieder musste er würgen, aber sein Magen war bereits leer. Die Männer betrachteten ihn angewidert und der scheinbare Anführer ließ ihn los, aber nicht, ohne ihm vorher einmal in seiner Wunde herum zu stochern.

Der Schmerz wurde immer schlimmer und er verlor wieder das Bewusstsein. In seinem Kopf hörte er wieder die Worte: „Liebe Grüße von Daddy!“

Es dauerte nicht lange, bis er sein Bewusstsein zurückerlangte. Sein gesamter Körper schmerzte ihn immer noch und alleine bei dem Gedanken an sein Auge wurde ihm schlecht.

Während er ohnmächtig gewesen war, hatte jemand sein Erbrochenes weggewischt. Er schien allein zu sein, daher versuchte er erneut sich umzusehen.

Der Raum war nicht sonderlich gut beleuchtet, hier und dort hatte man eine Kerze angezündet, aber selbst das spärliche Licht reichte, um in das Ausmaß des Albtraums bewusst zu machen.

Akito war noch nie zuvor in einer gewesen, aber er befand sich in einer Folterkammer.

Die Instrumente auf den Tischen jagten ihm einen Schauer nach dem anderen über den Rücken und er musste sich zwingen nicht länger darüber nachzudenken, was sie ihm antun würden.

Man hatte seine Hände zu fest zusammengebunden, er spürte sie nicht mehr, aber je mehr er versuchte sich zu befreien, desto schlimmer wurden die Schmerzen. Ihm blieb nichts Anderes übrig, als zu warten und auf eine Gelegenheit zur Flucht hoffen.

Vielleicht suchte man ja auch bereits nach ihm. Teo und Pamil würden bestimmt nicht tatenlos herumsitzen.

Hoffentlich.

Er wusste ja selbst nicht einmal, wo er sich befand. Die Nachricht von seinem Vater war unmissverständlich. Der König selbst hatte diese Männer angeheuert, es wunderte ihn nur, dass er noch am Leben war.

So gut er konnte, versuchte er sich auch in der rechten Hälfte des Raumes umzusehen, aber er schaffte es nicht, seinen Kopf weit genug zu drehen. Das einzige, was er erraten konnte, war eine Feuerschale und die stand sicherlich nicht nur hier, um etwas Wärme zu spenden.

Wieder bekam er Gänsehaut. Mit etwas Glück würden sie ihn für heute in Ruhe lassen.

Stunden verstrichen und niemand kam. Akito versuchte etwas zu schlafen, aber immer, wenn er sein Auge schloss, überkam ihn eine furchtbare Übelkeit. Vielleicht warteten sie ja auch darauf, dass er an seiner Verletzung starb.

Ihm blieb nichts Anderes übrig, als zu spekulieren.

Mittlerweile waren bestimmt schon mehr als 4 Stunden vergangen und er merkte, wie sein Blick langsam trüb wurde. Falls er Recht behielt, hatte sich seine Wunde entzündet und er hatte ein Fieber entwickelt.

Am Rande seines Bewusstseins konnte er Schritte wahrnehmen und mit einem lauten Knall flog die Tür auf.

„Scheiße! Gus! Komm schnell her, wir haben ein Problem!“

„Was hast du denn?!“

„Schau ihn dir doch an! Wenn das so weiter geht stirbt der uns weg!“

„Na und früher oder später stirbt er doch eh!“

Der erste Typ packte diesen Gus am Kragen. „Wenn er stirbt, bevor wir unsere Vereinbarung erfüllt haben, sind wir alle Tod! Kapiert!?“

Ah, also sollte er nicht sterben. Noch nicht.

„Verdammt! Hohl sofort Doc her!“

Verschwommen nahm er wahr, wie der erste Typ auf ihn zukam.

„Und du Prinzchen, bleib gefälligst wach ja!!? Hey ich rede mit dir!“

Er schlug ihn, aber Akito konnte den Schmerz nur noch entfernt wahrnehmen, er spürte förmlich, wie sein Geist immer mehr von der Dunkelheit verschlungen wurde. Das nächste was er wahrnahm waren Stimmen, aber sie waren verschwommen, durcheinander.

Vor seinem inneren Auge blitzte das Bild seiner Mutter auf. Ob sie ihn wohl holen würde?

Dann könnte er endlich bei ihr sein.

„Gib nicht auf! Komm schon!“

Eine Frau? War das die Stimme seiner Mutter? Aber sie war doch tot! Vielleicht hatte sie recht, er sollte nicht so einfach aufgeben. Damit würde er seinem Vater nur in die Hand spielen!

Nein, er musste das hier überleben, stärker werden! Und ihm dann zeigen wozu er fähig ist!

Er würde überleben! Koste es, was es wolle! Die Stimmen wurden deutlicher und er schaffte es sogar sein Auge zu öffnen.

Der Raum war viel zu hell erleuchtet, sodass sein Auge sich erst an das Licht gewöhnen musste. Aber Akito spürte die Veränderung sofort, sein Kopf fühlte sich nicht mehr so schwer an und auch der Platz an dem einst sein Auge gewesen war Pochte nicht mehr so unaufhörlich.

„Ah, ich glaube mein neuer Stammpatient wacht auf.“

„Wie geht’s ihm Doc?“

„Nicht so gut, wie es sollte, aber er wird überleben.“

Vor ihm kniete ein alter Mann. Er hatte einen Vollbart und dazu eine Glatze. Man konnte ihn auch nicht unbedingt als schlank bezeichnen. Insgesamt, machte er auf Akito einen schleimigen Eindruck.

Neben ihm stand der Anführer und Lächelte ihn schief an.

„Sry deswegen, wärst uns fast weggestorben.“

Akito bemühte sich, ihn angeekelt anzusehen, aber mit einem Auge stellte sich das als deutlich schwieriger heraus.

„Mhm, soll mir dieser Blick etwas sagen?“

Er hob hilflos seine Hände.

„Tut mir leid aber ich verstehe kein Einäugisch. Aber keine Sorge, wir haben genug Zeit um das zu üben.“ Sein Grinsen war geradezu abartig und auch Doc konnte nicht ganz sauber im Kopf sein, wenn er bei dieser ganzen Sache mitmachte.

„Und wann können wir weitermachen?“

Nachdenklich kratzte Doc sich am Kinn.

„Mir wäre es lieb, wenn sein Körper sich noch mindestens einen Tag ausruhen kann. Das Fieber ist zwar gesunken und die Wunde auch sauber ausgebrannt und -gewaschen, aber ihr solltet es noch nicht übertreiben. Und Liv, sei in Zukunft vorsichtiger! Ich bin nicht immer hier und Sav hatte eine ziemliche Katastrophe verursacht, es wäre besser gewesen, er hätte mich das Auge entfernen lassen.“

Liv zuckte nur teilnahmslos mit den Schultern. „Weißt du, ich glaube der halbe Spaß ist es, die Augen selbst rauszunehmen.“

Danach machte er sich auf den Weg zur Tür, bevor er ging, wendete er sich allerdings noch einmal an Akito.

„Du hast Glück, deine Schonungsfrist wurde gerade ein wenig verlängert.“

Als sich der Blick von Doc und Akito erneut trafen, Lächelte dieser traurig.

„Du hast das Glück echt mit Löffeln gefressen was?“

Nach einigen Versuchen gelang es Akito zu antworten, seine Kehle war staubtrocken. Doc reichte ihm etwas Wasser und er trank gierig.

Vielleicht würde er von ihm ja ein paar Antworten bekommen.

„Wie lange bin ich schon hier?“

Überrascht zog Doc die Augenbrauen hoch.

„Wirklich? Das ist es was dich am Meisten interessiert? Nicht warum du hier bist?“

Akito schüttelte langsam und vorsichtig den Kopf. „Das weiß ich schon.“

„Tatsächlich? Nun, mittlerweile dürfte die dritte Woche angebrochen sein. Du warst lange bewusstlos.“ Akito nickte verstört, drei ganze Wochen schon. Sicher suchte man schon nach ihm.

 „Wo bin ich hier?“

Doc sah ihm tief in die Augen.

„Du glaubst nicht wirklich, dass du das hier überleben kannst, oder? Bisher hat noch niemand nach dir gesucht und dein Vater steht kurz davor einen Krieg zu beginnen. In nicht einmal einem Monat haben sie dich alle vergessen. Da haben sie sicher deutlich größere Sorgen.“

Sein Lachen wurde breiter, als er sah wie Akitos Hoffnung schwand.

Aber er würde nicht aufgeben, er würde nicht eher sterben, ehe er den Duft der Rosen seiner Mutter ein letztes Mal gerochen hatte. Und vor allem würde er seinem Vater niemals die Genugtuung verschaffen, hier in diesem Loch zu sterben.

Doc schien das aufblitzen in seinem Auge bemerkt zu haben und lehnte sich nach vorne. Dabei flüsterte er ihm mit bedrohlichen Unterton etwas zu: „Weißt du was, ich glaube du bist fitter als ich gedacht habe.“

Damit stand er auf und lies Akito mit einer bösen Vorahnung zurück. Ungefähr zwei Stunden lang ließen sie ihn bangen. Liv war der erste, der hereinkam, danach folgten Sav und noch ein anderer Muskelprotz. „Na? Lang genug gewartet? Ich ja!“

Am liebsten hätte Akira ihm Beleidigungen an den Kopf geworfen, aber das wäre keine gute Idee. Ganz bewusst langsam entschied er sich für eine große Metallzange und überreichte sie feierlich Sav. Dieser schien regelrecht GLÜCKLICH!?

Mein Vater hatte anscheinend die schlimmsten der Schlimmen hier versammelt. Sav machte nicht einmal Anstalten, ihm zu erklären, was er machen würde. Liv und der andere Typ griffen ihn und einer von beiden Schnitt seine Hände frei. Zusammen schleiften sie ihn zu einem Stuhl, der sich praktisch direkt zu seiner rechten befand.

Dort schnallten sie ihn an Händen und Füßen fest. Auch sein Kopf wurde festgeschnallt. Danach nahm das Grauen seinen Lauf. Einen Fingernagel nach dem anderen riss man ihm sorgfältig raus.

Sav bedachte dabei immer wieder, dass er auch ja Pausen einlegte, damit Akito bei Bewusstsein blieb. Man hatte ihm mittlerweile etwas in den Mund gestopft, damit sie sein Geschrei nicht länger ertragen mussten. Er wurde fast verrückt vor Schmerz und diese Bastarde schienen auch noch Gefallen daran zu finden! Er würde sie allesamt umbringen! Einen nach den Anderen!

Immer wieder wiederholte er diesen Gedanken, als sie bei seinen Füßen angekommen waren, war es das einzige, dass ihn noch bei Verstand hielt.

Sav betrachtete noch einmal zufrieden sein Werk und legte dann sie Zange weg.

„Und jetzt?“

Liv schien angestrengt zu überlegen: „Unser Freund hier scheint ein wenig neben der Spur findet ihr nicht auch? Zwingt ihn etwas zu essen und zu trinken und dann machen wir für heute Schluss.“

„Was jetzt schon? Wir sind noch nicht einmal eine ganze Stunde in Gange!“

Der dritte schien einen Aufstand machen zu wollen. Vielleicht würden sie ihm ja den Gefallen tun und sich gegenseitig umbringen. Wie schön es wäre, wenn ihnen jetzt einfach die Köpfe platzen würden. Die Vorstellung davon brachte ihn zum Lachen und verwirrt sahen ihn die Typen an.

„Shit, ich glaube er ist kaputt.“

Liv schlug ihm einmal kräftig ins Gesicht und er verstummte. Vor Schmerzen stöhnte er immer wieder und sein Mund füllte sich mit Blut. Angewidert nahmen sie ihm den Lappen aus den Mund und er spuckte das Blut auf den Boden. Liv sah ihn noch einmal angeekelt an und befahl den anderen Männern dann zu gehen.

„Weißt du eigentlich, was dein Vater uns hierfür zahlt? Ein wahres Vermögen! Und das dafür, dass wir dir das Leben zur Hölle machen, kaum zu glauben oder? Du musst ihn wirklich, wirklich sehr verärgert haben.“

Als Akito nicht reagierten trat er gelangweilt gegen den Stuhl. Akito hätte ihm gerne antworten, aber seine Zunge schien anzuschwellen und wollte ihm nicht so recht den Dienst erweisen.

Stattdessen sammelte er so viel Blut und Spucke in seinem Mund und wartete darauf, dass Liv ihm etwas näherkam. Provokativ starrte er ihn wütend an, wenn er ihn richtig einschätzte, würde er darauf anspringen. Und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis Liv ihn am Kinn packte und seinen Kopf unangenehm nach hinten bog. Jetzt hatte er Liv da, wo er ihn haben wollte.

Er spuckte ihm eine volle Ladung Spucke und Blut ins Gesicht. Angewidert stolperte er zurück und wischte es sich mit seinem Ärmel weg.

„Das wirst du bereuen!“

Er nahm sich einen Stab aus Eisen und drückte ihn in das Feuer. Akito hatte schon vorher gewusst, dass es nicht gut sein würde, sich gegen ihn aufzulehnen. Aber er wollte nicht ohne Gegenwehr aufgeben. Schließlich wusste er, dass sie ihn nicht töten durften. Es dauerte nicht lange und das Eisen fing an zu glühen. Selbstzufrieden grinsend kam Liv wieder zu ihm zurück und drückte ihm die Stange gegen die Brust, sofort fingen seine Kleider Feuer. Zufrieden sah er zu, wie sich Akito vor Schmerzen krümmte und verzweifelt versuchte sich loszumachen.

Immer wieder drückte er die Stange zuerst in das Feuer und dann auf seine Haut. Dabei hinterließ er zahlreiche Wunden und schon bald war fast sein gesamter Oberkörper voller Blut. Langsam aber sicher verließen Akito alle Kräfte und er sackte bewusstlos in sich zusammen.

Als er wieder aufwachte, war er allein. Die Kerzen waren niedergebrannt und die Feuerschale aus. Akito horchte, konnte aber niemanden hören, hatten sie zurückgelassen? Unwahrscheinlich.

Wahrscheinlich waren sie in der Nähe und planten ihre nächste Folter. Ob er es jemals schaffen würde zu entkommen? Ob ihn jemals jemand retten würde?

Er betete dafür, wie noch nie zuvor. Wenn er schon sterben musste, dann nicht so. Nicht hier. Wieder dachte er an den Rosengarten seiner Mutter, wie sie darin umherlief und ihn der Duft umgab. Wenn er sich genügend darauf konzentrierte, konnte er sie fast schon wirklich riechen.

Er stöhnte erschrocken auf, als er versuchte sich zu bewegen, jemand hatte zwar seine Wunden versorgt, aber das linderte seine Schmerzen auch nicht. Wenn er nur die nötige Kraft aufbringen könnte, dann könnte er die Lederriemen bestimmt reißen. Aber so sehr er es auch versuchte, sobald er auch nur versuchte einen Finger zu bewegen, verkrampfte sich sein ganzer Körper und er verlor wieder fast das Bewusstsein. Wieder einmal fühlte er sich Machtlos. Nicht einmal die Kraft sich umzusehen, konnte er aufbringen.

Nicht, dass es etwas gebracht hätte, der Raum war schwarz. Es gab keine Fenster und das Licht der Kerzen war verloschen. Durch das fehlende Feuer wirkte der Raum unnatürlich kalt, sodass Akito auch noch zu frösteln anfing. Vielleicht hatte die nächste Runde ja auch schon begonnen.

Mentale Folter, sie wollten ihn brechen. Sie würden ihn hier so lange alleine lassen, bis er den Verstand verlor. Zuerst vergingen Stunden, dann Tage, nach der ersten Woche war er so ausgehungert, dass er alles gegessen hätte.

Das einzige, was ihm zeigte, dass er noch bei Bewusstsein war, war ein kleines Mädchen, dass ihm ab und zu etwas Wasser brachte. Akito musste all seine Willensstärke aufbringen, sie nicht nach etwas zu Essen zu fragen, denn er wusste, dass hinter der Tür immer jemand wartete. Er würde keine Schwäche zeigen, er würde nicht brechen, ihnen geben, was sie wollten.

Nach ungefähr zwei Wochen bekam er auch etwas Suppe, nicht viel, gerade genug, dass er bei Kräften blieb.

Das Mädchen schien große Angst vor ihm zu haben und seine Versuche, sie anzulächeln, schienen sie nur noch mehr zu beunruhigen. So vergingen mindestens drei Wochen und Akito klammerte sich mit aller Macht an den Gedanken, von hier zu entkommen und seinen Vater zu töten.

Ja, er würde ihn töten. Aber nicht einfach so, nein, er würde nur für ihn zu dem Teufel werden, den er schon immer in ihm gesehen hatte.

Er würde seine Herrschaft brechen, koste es, was es wolle. Auch, wenn er dabei starb.

Immer wieder malte er sich aus, wie er seinem Vater die Kehle durchschnitt, ihn erhängte oder öffentlich verbrannte.

Mit jedem Tag der verstrich wurde sein Geist fantasievoller und auch grausamer. Manchmal erschrak er sogar selbst vor sich, als sein Lachen die Stille durchbrach. Lange würden sie bestimmt nicht mehr auf sich warten lassen. Mittlerweile waren seine Nägel nachgewachsen und auch die Wunden schon gut verheilt. Bald würden sie bemerken, dass sie ihn so nicht brechen konnten. Er lachte, es tat ihm gut zu lachen, dadurch spürte, dass er noch am Leben war. Selten, erinnerte es ihn aber auch an Teo und an sein Zuhause, dann musste er weinen. Manchmal ganze Stunden lang.

Wäre er bloß nie geboren worden. Warum überhaupt? Warum war er hier?

Sein Vater hätte ihn gleich nach der Geburt ertränken sollen! Das wäre für alle besser gewesen, vor allem für Akito selbst! Was war sein Leben schon wert? Von allen aus seiner Familie gehasst und verachtet und selbst sein Bruder hatte ihn letzten Endes verraten! Nein!

Sein Bruder trug keine Schuld, es war sein Vater, ja, sein Vater, war es, der ihn hierhergebracht hatte. Der ihm dies hier antat. Daran hatte sein Bruder keine Schuld, es wäre ja so oder so passiert.

Früher oder Später.

Er schreckte furchtbar zusammen, als die Tür aufgestoßen wurde. Liv und einer der anderen Männer kamen herein. Sie trugen Kerzen bei sich und auch eine Fackel, mit der sie die Kerzen und das Feuer anzündeten. Das Licht blendete Akito und es dauerte sehr lange, bis sich sein Auge daran gewöhnt hatte.

Die Beiden nutzten die Chance um ihn loszumachen. Auf einmal war auch ein drittes paar Hände da und sie drückten ihn auf den kalten, feuchten Boden. Er keuchte vor Schmerz, als seine Wunden an Brust und Bauch wieder aufrissen.

Schon nach wenigen Minuten war der Boden blutbedeckt. Liv griff ihn wieder bei den Haaren und Lächelte ihn enttäuscht an.

„Was? Du scheinst ja noch bei Verstand zu sein. Letztes Mal hat das definitiv besser geklappt. Mia hat auch nicht mit dir geredet ja?“

Mia, dass musste der Name des kleinen Mädchens sein.

„Müsst ihr da echt auch noch Kinder mit reinziehen?“

Seine Stimme war brüchig und er hatte beim Sprechen furchtbare Schmerzen im Hals. Liv kratzte sich am Kinn und tat so, als würde er überlegen.

„Mhm, ich würde ja gerne sagen nein, aber sie ihn nun einmal Docs kleine Tochter. Und wo könnte sie besser lernen, Wunden zu versorgen als hier?“

Sein Grinsen war wiedermal abartig, Er griff hinter sich und zauberte einen neuen Lappen hervor. „Tadaa. Frisch gewaschen.“

Von wegen, Akito konnte selbst auf die Entfernung den Gestank riechen. Als er sich weigerte seinen Mund zu öffne, griff Liv freudig nach der Eisenstange. Wieder hielt er sie zuerst ins Feuer und diesmal drückte er sie in seinen Nacken. Genervt riss er ihm die restlichen Fetzen seines Oberteils ab und warf es in das Feuer. Danach schien er eine ganze Weile erst einmal seinen Rücken zu inspizieren.

Sav übernahm den Lappen und schien nur darauf zu warten, dass er den Mund öffnete, um zu schreien Akito war die Schmerzen nicht mehr gewöhnt und so schrie er beider ersten Berührung wie am Spieß. Sofort wurde ihm der Lappen in den Mund gestopft.

Akito würgte, weinte und schrie zur selben Zeit. Die Männer schienen sich großartig mit seinem Rücken zu amüsieren.

Als sich der dritte Mann aber beschwerte, dass er ihn die ganze am Boden halten musste und selbst nicht mitmachen konnte, nahm Liv einen Hammer zu Hand. Verzweifelt versuchte er sich zu befreien, vergebens.

Einer setzte sich mit seinem vollen Gewicht auf seinen Rücken und Sav hielt seine Hände fest. Liv schlug ihm mit ganzer Kraft durch jede Hand einen Nagel.

Akito wurde Schwarz vor Schmerzen, lange würde er das nicht aushalten. Liv grinste ihn hämisch an. „An deiner Stelle würde ich deine Hände jetzt nicht mehr bewegen.“

Danach zwinkerte er ihn an und reichte dem dritten ebenfalls eine Stange.

„Jetzt zufrieden?“

Er konnte den dritten Typen nicht sehen, aber er konnte sich gut vorstellen, dass er nickte.

Nicht lange und sein Rücken wurde taub vor Schmerz. Sie unterhielten sich angeregt darüber, was sie ihm auf den Rücken schreiben sollten. Immer wieder hörte er die Wörter „Muttermörder“, „Monster“, „Bastard“ und „Ihre Hoheit“. Ab und zu schienen sie auch einfach willkürliche Muster zu malen.

Akito weinte, wie er es noch nie getan hatte, am Ende schmerzte sein Auge nur noch und keine Träne kam mehr hervor.

Die ganze Zeit war er gezwungen, zuzusehen, wie sich riesige Blutlachen um seine Hände herum bildeten. Als sie endlich mit ihrem Werk zufrieden waren, riefen sie das Mädchen herbei. Diese kam sofort mit einer riesigen Tasche angerannt.

„So Kleine, dann tob dich mal aus. Ruf uns, wenn er Anstalten macht.“

Jemand trat ihm auf den Kopf, er hatte keine Kraft auch nur annähernd zu reagieren.

„Aber ich glaube nicht, dass er Probleme bereiten wird.“

Die Männer gingen lachend hinaus und das Mädchen fing damit an, das Blut vom Boden aufzuwischen. Immer wieder rannte sie nach draußen, um frisches Wasser zu holen. Als sie damit anfing, seine Wunden zu säubern, stöhnte er vor Schmerz auf. Das Mädchen quietschte erschrocken und viel glatt hinten über. Einer der Männer kam, um nach den rechten zu schauen und trat Akito dabei noch einmal kräftig in die Rippen.

Er verfluchte sie, sie alle. Dafür, dass sie ihm das hier antaten, dafür, dass sie frei waren und er nicht, dafür, dass sie lebten.

Zaghaft machte das Mädchen weiter, ganz vorsichtig tupfte sie die Wunden ab und reinigte sie dabei. Akito war von ihrer Vorsicht, ihm nicht noch weitere Schmerzen zuzubereiten beinahe schon gerührt und er erwischte sich dabei, wie er doch noch die eine oder andere Träne verlor.

Zum Glück schien das Mädchen es nicht zu bemerken. Als sie mit seinem Rücken fertig war, rannte sie schnell davon, um zwei der Männer zu holen.

Sie rissen ihm die Nägel heraus, was ihn noch einmal aufschreien lies, danach fesselten sie ihn wieder an den Stuhl und nahmen ihm den Lappen aus den Mund.

Er war schon wieder voller Blut. Das Mädchen stand zunächst zögernd neben ihm und wartete, dass die Männer gingen. Zuerst versuchte sie die Blutung an seinen Händen zu stoppen, aber sie schien daran zu verzweifeln.

„Reinige sie und wickle Stoff drum, dass müsste zunächst reichen.“

Wieder erschrak sie und taumelte zurück. Akito versuchte zu grinsen und rüttelte einmal kräftig am Stuhl, zumindest soweit er konnte.

„Keine Sorge, ich kann dir nichts tun.“

Unsicher kam sie einen Schritt auf ihn zu. Als sie sicher war, dass er sich wirklich nicht bewegen konnte, griff sie nach seiner Hand.

Sie nahm etwas Wasser zur Hand und fing an die Wunde erst von der einen und dann von der anderen Seite zu reinigen. Immer wieder zischte er vor Schmerz, bald gewöhnte sich Mia daran und wich nicht mehr jedes Mal zurück.

Sie tat, was er ihr gesagt hatte und sah dann immer wieder zweifelnd von ihm zur Hand. Er musste grinsen.

„Das genügt, danke.“

Das Mädchen lief knallrot an und schüttelte energisch den Kopf. Dabei deutete sie auf seine Brust. Ah, ja, das hatte er schon ganz vergessen. Er seufzte und schloss sein Auge.

„Du bist wirklich ein gutes Mädchen.“

Zaghaft fing sie an, die Wunden erneut zu reinigen, anscheinend hatten sich nicht alle geöffnet. Ängstlich betrachtet Mia ihn.

„Stirbst du?“

Er lachte traurig. „Nicht sofort, nicht, wenn du gute Arbeit leistest.“

Eigentlich hatte er das mehr als Scherz gemeint, aber ihm wurde schlagartig bewusst, dass es der Wahrheit entsprach. Sein Leben lag in ihren Händen.

Schnell wischte Mia sich Tränen aus den Augen und schmierte ihm noch eine ziemlich übelriechende Paste auf seine Wunden. Danach machte sie sich schnell auf den Weg. Liv hatte anscheinend noch nicht genug mit ihm gespielt, denn nach wenigen Stunden kam er schon wieder.

„Und? Wie macht unsere liebe Mia sich?“

Akito sah ihn verärgert an. „Bisher lebe ich noch oder?“

Liv zog überrascht eine Augenbraue hoch. „Oh, werden wir auf einmal gesprächig?“

Trotzig versuchte er sich wegzudrehen, aber der Lederriemen um seinen Kopf hinderte ihn daran. Grinsend nahm Liv einen Stuhl und setzte sich ihm genau gegenüber. Er schien keinerlei Anstalten zu machen, wieder zu gehen. Mit überschlagenen Beinen und verschränkten Armen saß er da und beobachtete ihn neugierig.

„Was willst du?“

„Nichts, darf ich hier etwa nicht sitzen?“

Amüsiert lachte er.

„Warum tut ihr das?“

Etwas blitzte in seinen Augen auf, als er antwortete: „Wegen des Geldes? Vielleicht. Und natürlich, weil der König höchst selbst, uns dafür vor der Todesstrafe bewahrt hat.“

Akito musste lachen.

„Was ist daran so witzig?“

Er sah Liv fest in die Augen.

„Ich habe mir schon gedacht, dass ihr keine gewöhnlichen Bastarde seid.“

Diese Antwort schien ihm zu gefallen.

„Ja, aber du bist anscheinend auch nicht ganz ohne. Ich meine dein Vater lässt dich einfach so entführen und foltern? Du musst echt ein furchtbarer Sohn sein.“

Überrascht musterte er Liv.

„Was hat euch mein Vater über mich gesagt?“

Unwillig lehnte er sich zurück. „Nich viel, wieso?“

Akito konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, aus tiefsten Herzen lachte er.

„Sag mir, Liv, was hältst du von deinem König?“

Unsicher musterte Liv ihn. „Nicht viel.“

Wieder lachte er, er konnte es sich nicht verkneifen. Vielleicht verlor er langsam ja wirklich den Verstand. „Wenn du wüsstest, was ich wüsste.“

Er lachte so sehr, dass ihn alles schmerzte. Jetzt komplett verwirrt starrte Liv ihn entgeistert an. „Vielleicht habe ich dich ja doch überschätzt. Du scheinst mir völlig neben der Spur zu sein.“

Er wollte sich schon wieder auf den Weg nach draußen machen, als Akito etwas sagte, dass seine Aufmerksamkeit erregte.

„Liv, kennst du meinen Namen? Weißt du, was passieren würde, wenn der Kronprinz auf seinen Thron verzichtet?“

Liv blieb wie angewurzelt vor der Tür stehen. Ganz langsam drehte er sich um und starrte ihn entgeistert an. Akito konnte ihn gerade so hören, wie er „Lügner“ flüsterte.

Danach flog die Tür mit einem lauten Knall zu. Wieder lachte er, aus ganzen Herzen. Die Lappen, die um seine Hände gebunden waren, waren schon jetzt blutverschmiert. Wenn sie wiederkam, würde er Mia wohl oder übel bitten müssen, die Wunden auszubrennen.

Auf einmal wurde er traurig und ihm kamen wieder die Tränen, er verflucht sie, er verfluchte seinen Vater und er verfluchte auch sich selber. Nicht lange und er schlief ein, sein Körper hatte sein Limit schon lange überschritten. Es kam ihm so vor, als hätte er eine Ewigkeit geschlafen. Als er aufwachte, stand Doc vor ihm und betrachtete seine Hände.

„Na da habe sie ja ganze Arbeit geleistet. Am besten du hältst still, das muss ausgebrannt werden.“ Erleichtert atmete er auf, gut, dass Mia das nicht machen musste. Trotz allem schrie er wie am Spieß, als er sie ihm ausbrannte. Es war ein Wunder, dass er überhaupt noch sprechen konnte. Nachdenklich starrte er Doc an. „Ist was?“

„Wie lange bin ich jetzt hier?“

„Ah schon wieder diese Frage. Ja, hier drinnen verliert man schnell das Zeitgefühl.“

Sein Grinsen verhieß nichts Gutes. „Nun, lass dir gesagt sein, der erste Monat ist sicher schon rum.“ Schockiert ließ er ihn zurück. Ein Monat, nein, er hatte gesagt, dass der erste Monat schon rum sei.

So undeutlich wie er sich ausgedrückt hatte, könnten auch schon zwei Monate vergangen sein. Mutlos sackte er in sich zusammen, es würde niemand kommen. Er war auf sich alleine gestellt.

Die nächsten Tage ließen sie ihn wieder in Ruhe, sie warteten, bis die Kerzen heruntergebrannt waren und er im Dunkeln anfing mit sich selbst zu reden. Akito ertrug die Stille nicht länger.

Verzweifelt versuchte er Fassung zu bewahren, aber es gelang ihm nur, wenn Mia ihn besuchte.

Ihre bloße Anwesenheit reichte aus um ihn daran zu erinnern wer er war. An einem Tag, oder Abend? Kamen Liv, Doc, Sav und Mia herein.

Akito wunderte sich, was los war, aber sie schenkten ihm gar keine Beachtung. Doc stellte Mia lauter medizinische Fragen und sie musste anhand von Akito erläutern, wie man sie richtig zu versorgen hatte. Als er anscheinend zufrieden damit war, erklärte er stolz: „Gut, mehr kann ich dir auch nicht beibringen.“

Liv klatschte freudig in die Hände und schrie regelrecht „Wunderbar!“ Danach rammte Sav Doc ein Messer in den Rücken. Blut quoll ihm aus Mund und Nase, langsam stürzte er zu Boden.

„Tut mir leid alter Freund, aber so gibt’s mehr für uns.“

Mia stand da und betrachtete ihren Vater, unfähig zu schreien oder zu weinen. Sav schulterte den Toten und trug ihn nach draußen. Liv folgte ihm, aber nicht, ohne ihm vorher noch einen verunsicherten Blick zuzuwerfen. Nachdem er die Tür geschlossen hatte, versuchte er Mia anzusprechen.

„Mia? Hörst du mich? Mia!“

Erschrocken fuhr sie zusammen und schaute ihn langsam an. Am liebsten hätte er sie in den Arm genommen, als sich ihre Augen mit Tränen füllten. So saß er unfähig daneben, als das kleine Mädchen weinte.

„Mia, falls du es jemals schaffst von hier zu fliehen, dann lauf nach Sarivef. Dort wird man dich im Palast leben lassen. Sag ihnen, dass ich dich schicke. Sie werden dich nicht abweisen.“

Unsicher blickte sie ihn aus ihren kleinen verzweifelten Augen heraus an.

„Aber… aber… wenn ich gehe, dann stirbst du!“

„Mia, sieh mich an, was soll mir jetzt noch passieren?“

Er lachte traurig. „Wenn du schnell genug bist, könntest du mich sogar retten weißt du? Wenn du es schaffst, den Männern im Anwesen zu erzählen, wo ich bin, bevor sie mich von hier fortbringen, dann werden sie nichts unversucht lassen, um mich zu retten.“

Immer noch unsicher schaute sie zur Blutlache ihres Vaters.

„Keine Sorge, ich kann dich ja schlecht dazu zwingen, nicht?“

Akito bemühte sich zu lächeln, aber es wollte ihm nicht so recht gelingen. Dieses kleine Mädchen war vielleicht seine einzige Chance hier lebend fortzukommen. Als jemand die Tür öffnete, zuckten sie beide erschrocken zusammen.

„Mia? Liv schickt mich, Nil hat sich beim Üben mit Trik verletzt, du sollst dir das ansehen.“

Mia blieb zunächst wie angewurzelt stehen, bis Sav sie grob am Ellbogen packte und sie hinter sich herzog. Akira blieb alleine in der Dunkelheit zurück. Es war schon fast schockierend, dass sie ihn so lange in Ruhe ließen. Aber wie, als hätte er das Übel heraufbeschworen, kamen fast genau in dem Moment drei Personen herein. Sav, der Typ von vorhin und der Wunde am Bein nach schließend, Trik. Das war das erste Mal, dass Liv nicht dabei war. Trik griff begeistert nach einer Art Peitsche und zeigte sie den Anderen.

„Wir können uns ja abwechseln.“

Sie lösten Akitos Fesseln und stellten ihn mit dem Gesicht zur Wand. Dort waren schon Fesseln angebracht, allerdings nicht aus Leder, sondern aus Eisen. Eine unvorsichtige Bewegung und sie schnitten ihm unbarmherzig ins Fleisch.

Nach den ersten Schlägen zählte er nicht mehr mit. Bei jedem Schlag schien sein Kopf erneut zu explodieren.

Als sie endlich befriedigt waren, hing er eher bewusstlos als wach in den Ketten. Das Blut lief ihm in breiten Rinnsalen an den Armen hinab. Wie sein Rücken aussah, wollte er sich gar nicht erst vorstellen. Er hatte schon lange aufgehört, die Tage zu zählen, aber er erkannte mit der Zeit ein Muster.

Liv ließ sich gar nicht mehr blicken, die meiste Zeit über waren es die gleichen drei Idioten. Sie begnügten sich mit ihm, ließen ihn dann von Mia versorgen und ließen ihn danach solange in Ruhe, bis seine Wunden einigermaßen verheilt waren. Ironischer Weise hatte er, je öfter sie kamen, weniger Schmerzen.

Mit der Zeit hatte er das Gefühl, er hätte sich selbst verloren. So oft er auch fragte, niemand machte sich die Mühe auch nur eine seiner Fragen zu beantworten. Wie gerne hätte er gewusst, was draußen vor sich ging.

Mia kam ihn ab und zu besuchen, auch, wenn sie es immer unter dem Vorwand machen musste, seine Wunden zu versorgen. Akito erkannte, dass sie älter wurde und bei dem Gedanken daran erschrak er. „Mia? Weißt du wie viel Zeit vergangen ist?“

Mias Hände stockten und sie flüsterte mit stockender Stimme: „Fast zwei Jahre.“

Akito starrte sie ungläubig an. Hatte sie gerade zwei Jahre gesagt? Unmöglich! Niemals konnte schon so viel Zeit vergangen sein! Alle würden glauben er sei Tod! Er spürte, wie ihm Tränen über die Wange liefen und sich in seinem Bart verfingen.

„Zwei Jahre…“

Mia sah schuldbewusst zu Boden. „Es tut mir leid.“

Er wusste was sie meinte, sie hatte sich nicht getraut zu fliehen, ob nun wegen ihm oder aus Angst vor den Männern, sie war geblieben. Als er nicht antwortete, lief sie schnell hinaus. Zu gerne hätte er ihr gesagt, dass es nicht schlimm war, dass er es ihr nicht Übel nahm. Aber das wäre gelogen. Später ließ das erste Mal seit sehr langer Zeit Liv mal wieder blicken.

Wie damals setzte er sich ihm gegenüber und starrte ihn an. Bevor Akito jedoch etwas sagen konnte unterbrach er ihn auch schon.

„Herzlichen Glückwunsch Prinz, heute auf den Tag genau sind sie 20 Jahre alt.“

Ihm war, als würde ihm das Herz stocken.

„Und ich habe sogar ein kleines Geburtstagsgeschenk. Heute Abend werden wir alle in eine Kneipe gehen und uns besaufen. Nur du und Mia natürlich nicht.“

Akito sah ihn verwirrt an, sagte er ihm gerade indirekt, dass heute die beste Gelegenheit zu Flucht war? „Weißt du, ich habe das ganze letzte Jahr damit verbracht, darüber nachzudenken, was du mir damals gesagt hast. Natürlich habe ich mich auch ein wenig umgehört. Wenn es möglich ist, diesen Tyrannen zu stürzen, dann nehme ich deine Rache an uns dafür in Kauf.“

„Aber warum? Ich dachte ihr macht das fürs Geld.“

Liv lachte traurig. „Natürlich machen wir das fürs Geld, genau aus dem Grund haben wir auch Gestohlen und gemordet, bevor wir geschnappt wurden. Um zu überleben. Weißt du, wir waren alle Weisen aus dem gleichen Waisenhaus. Es ging uns gut, bis dein lieber Papa beschloss und alle rauszuschmeißen und das Haus an einen Adligen zu verkaufen. Deswegen kannst du dir sicher sein, dass wir alle hier, deinen Vater nicht gerade leiden können.“

„Aber warum hast du mich dann nicht schon früher gehen lassen?“

Liv seufzte. „Ich kann nichts dafür, dass du eine Woche, bevor du sterben sollst, davon Wind bekommst und deine Letzte Kraft nutzt, um zu fliehen. Nur so können wir hoffen, dass der König uns nicht alle sofort hinrichten lässt. Es tut mir leid, dass es bis zur letzten Minute gedauert hat. Aber ich habe mich entschieden.“

Damit stand Liv auf und ging. Er ließ einen völlig verwirrten Akito zurück. Dann waren die letzten Jahre überflüssig gewesen? Man würde ihn und Mia einfach so gehen lassen?

Er lachte, lachte so laut er konnte. Endlich würde er aus diesem Drecksloch rauskommen. Akito konnte es kaum noch erwarten, dass Gesicht seines Vaters zu sehen, wenn er ihm die Kehle Durchschnitt. Oder sollte er ihn doch lieber verbrennen?

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