Ein guter Preis

Meine Höhle war überraschend groß und warm. In meinem Bett hätten gut zwei Leute Platz gehabt. Es bestand aus eine Matratze aus Stroh und mehreren Fellen und Kissen. Es war vermutlich das bequemste Bett in dem ich je geschlafen hatte. Außerdem hatte ich ein eigenes Bad, beziehungsweise eine Höhle mit einer steinernen Badewanne, Toilette und einem Waschbecken, welches in die Wand gehauen wurde. Neben meinem Bett befand sich außerdem ein großer hölzerner Wandschrank und ein Tisch mit Stuhl in der Höhle. Vor meinem Bett liegt außerdem ein Bärenfell. Ich frug mich unwillkürlich, ob die Soldaten wohl genauso gut ausgestattete Höhlen hatten und wo sie überhaupt untergebracht waren. Der König hatte Yaro und mir alles, außer den Schlafplätzen gezeigt. Er sagte, es würde ihre Privatsphäre verletzen und außerdem gäbe es dort sowieso nichts Interessantes zu sehen. Ich glaube er verheimlicht uns etwas, obwohl er uns verspricht, dass wir ihm vertrauen können.
Allerdings kann ich es sehr gut verstehe, dass er uns nicht alles erzählt. Ich würde es genauso machen, bevor ich nicht sicher wäre, dass keine geheimen Informationen oder Ähnliches an Andere weiter gegeben werden oder gegen mich verwendet werden. Trotz alldem scheint er uns bereits genügend zu vertrauen, uns an Waffenkammer und die Pferde zu lassen. Meine eigenen Waffen hatte ich zurück bekommen, genau wie meinen Brustpanzer. Und genau den legte ich jetzt an, bevor ich mir meine Waffen schnappte und meine Höhle durch die Tür verließ. Mein innerer Kompass zeigte mir den richtigen Weg zu den Stallungen, wo ich mir eines der Pferde aussuchte und aus dem Stall führte. Auf dem Weg traf ich niemanden, alle schienen irgendwo beschäftigt zu sein.
Alle, außer der König selbst. Denn der wartete schon auf mich am Ausgang des Stalls. Er wollte mich zu meiner Familie begleiten, als Beweis für sein Angebot.
Ich, gegen genug Nahrung und Sicherheit für meine Familie.
Natürlich hatte ich eingewilligt. Für sie tat ich alles. Mit jedem Bissen Nahrung den sie zu sich nehmen konnten stiegen die Chancen für sie. Vor allem für meinen kleinen Bruder. Er war auf einem guten Weg in die Garde aufgenommen zu werden. Und auch wenn ich den Kaiser hasste, so bot es doch eine gute Chance für meine Familie, endlich aus der Armut aufzutauchen. Mein Bruder brauchte nun nicht mehr stehlen, um die Familie am Leben zu erhalten. Dafür war der Preis gerade zu lächerlich, jedoch fühlte ich, dass sehr viel mehr dahinter steckte, als man auf den ersten Blick sagen konnte. So war mir auch immer noch nicht klar wozu der König Yaro brauchte, aber ich würde es wahrscheinlich allzu bald erfahren. Mittlerweile hatte ich mich auf den Rücken des grauen Hengstes geschwungen. Das Tor wurde geöffnet und ich ritt voraus. Als sich mein Augen an  das ziemlich grelle Sonnenlicht gewöhnt hatten, wusste ich sofort wo wir uns befanden. Ich blickte in den Himmel über mir und bemerkte, dass die grauen Wolken von gestern Nachmittag verschwunden waren. Nach unserem Rundgang hatt uns der König noch auf einen der wenigen Balkone geführt,allerdings war dieser zur anderen Seite ausgerichtet gewesen, sodass man nur das mir unbekannt Land sehen konnte.
Vor uns erstreckte sich ein bewaldetes Gebiet, welches sich ziemlich schnell zu einer kahlen, braunen Fläche verwandelte, bis schließlich die ersten Häuser kamen. Wir ritten einen gewundenen Pfad durch den Wald. Überall huschten kleinere Tiere aus den Büschen, tiefer in den Wald hinein. Wir ließen die Pferde bis an den Rand des Waldes traben und stellten sie dann zwischen ein Baumgruppe, wo sie ein wenig Schutz hatten, vor was auch immer sie Schutz brauchten.
Um weniger aufzufallen hatte der König sich ein paar alte Hosen aus dünnem Stoff und ein fadenscheiniges braunes Hemd, sowie ein paar abgenutzte Stiefel angezogen. Trotzdem setzten wir noch zusätzlich unsere Kapuzen auf. Nur zur Sicherheit.
Irgendwer suchte mich immer, weshalb ich zu diesen Sicherheitsmaßnahmen geraten hatte. Und auch der König brauchte sie, denn Fremden gegenüber war hier niemand sehr aufgeschlossen und seine Anwesenheit würde definitv bemerkt werden. Genau das versuchten wir zu verhindern.
Fast gelangweilt liefen wir die Straße hinunter, wobei ich uns durch kleiner Gassen führte, in denen man eigentlich nie auf einen Gardisten oder Soldaten traf. Und so war es auch heute. Wir sprachen nicht viel, was hätte wir auch sagen sollen. Nur gelegentlich gab ich ein paar Anweisungen, die er allerdings nicht brauchte. Er wusste genau, wie er sich zu verhalten hatten und ich hatte das Gefühl er ließ sich nur von mir leiten, um zu zeigen, dass er mir, bis zu einem gewissen Grad vertraute und nicht über mich herrschen wollte.
Ohne irgendwelche Zwischenfälle erreichten wir das Haus in dem ich groß geworden war. Ich klopfte an, obwohl es albern war und trat ein. Meine Mutter sprang sofort vom Tisch auf um mich zu begrüßen und mein Bruder und meine Schwestern taten es ihr nach. Wir hatten uns schon eine Weile nicht mehr gesehen und es brach mir fast das Herz, dass ich sie, auf unbestimmte Zeit, verlassen musste. Aber nur fast.
"Sav. Wo hast du gesteckt? Ich habe mir solche Sorgen gemacht." Meine Mutter hatte Tränen in den Augen und wischte sie hastig weg, als sie meinen Begleiter erblickte.
"Du weißt doch, dass du dir um mich keine Sorgen machen brauchst", beruhigte ich sie, während ich meine Schwestern umarmte. Es ist zwar ein bisschen gelogen, schließlich war ich entführt worden, aber ich wollte meine Mutter nicht noch mehr beunruhigen. Sie hatte schon genug Sorgen, nachdem mein Vater bei einem Arbeitsunfall gestorben war.
"Setzt euch doch erstmal."
"Ich glaube es ist besser wir bleiben stehen und du setzt dich hin."
Sie frug nicht mal wie der König heißt, sie verließ sich darauf, dass ich niemanden ins Haus bringe der uns schaden könnte.
"Miss", fing er an. "Ich möchte ihnen ein Angebot unterbreiten.Beziehungsweise will ich es ihnen eigentlich nur mitteilen, denn ihre Tochter hat bereits zugestimmt." Er klang förmlich wie ein König, obwohl er aussah wie ein Bettler. Ein extremst gut aussehender Bettler...und dennoch...
"Ich gebe ihnen Nahrung und Sicherheit, sowie Kleidung und alles andere, was sie benötigen, gegen ihre Tochter."
Meine Mutter beachtete ihn gar nicht mehr, sondern starrte mich an.
"Was zum...du hast zugestimmt?" Sie sah weniger böse aus, als sie klang. Ich wusste, dass sie mich trotzdem liebte und mich nie vergessen würde. Und sie wusste was es für alle bedeutete: Überleben. Eine Chance. Ein gutes Leben. Niemand musste mehr stehlen. Dafür waren wir alle bereit diesen Preis zu bezahlen.

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