Ein Riss in der Zeit

"Sassy?", Finn starrte in die Finsternis der Krypta, der Geruch nach Tod und Verfall haftete an den alten Steinwänden.
Das wenige Licht, welches durch die offene Tür nach unten fiel, half ihm auch nicht weiter.
"Er wusste, dass ich den Mann nicht töten würde...", ihre Stimme klang getrieben aus der Dunkelheit.
"Wer? Wer hat dir das angetan?", wollte Finn wissen, "Kannst du mir sagen was passiert ist?"
"Ganz einfach!", Finn erschrak fürchterlich, als plötzlich Treplew neben ihm zu sprechen begann, "Wir sind im Krieg, gegen Suma und den anderen Abschaum den der Dunkle hinterlassen hat- und vor allem gegen eine Bewegung, die sich Diluculum nennt."
Finn hob zuerst die Faust, um nach Treplew zu schlagen, erinnerte sich dann aber an seine Begegnung mit ihm in Katzus und ließ den Arm wieder sinken.
"Was hat das mit Sassy zu tun?", wollte er stattdessen wissen."Ich musste sie verwandeln! Du wirst sehen, ihre Kräfte werden sich schnell entwickeln! Sie wird ein Gott unter den Vampiren sein!", lachte Treplew.
"Wusste Church davon?", wollte Finn wissen, er versuchte zu verbergen wie wütend er war.
Treplew grinste: "Er wollte mit ihr reden, darum hat er so einen Stress gemacht! Aber es ist ihr Schicksal ein Blutsauger zu sein! Und sie wird nur die nötige Stärke erlangen, wenn durch sie dasselbe Blut fließt wie durch mich!"
Plötzlich schoss etwas an Finn vorbei und ging auf Treplew los, dieser warf den Angreifer aber mit Leichtigkeit zurück.
"Sieh es ein, ich habe dich geschaffen! Du wirst dich daran gewöhnen müssen!", spottete er laut.
"Sassy?", Finn blieb der Mund offen stehen als er sah in, was sich seine Freundin verwandelt hatte.

2 Monate später:
"Ich werde ihn finden! Und dann töten wir jeden, der sich dieser Bewegung angeschlossen hat!", Shanora schlug auf den runden Tisch, den Finn in der großen Halle in Katzus aufgestellt hatte. Dort saß der neu einberufene Rat der Welten zusammen.
Ladira hatte einen fixen Platz, genau wie Finn und Shanora. 
"Wir wissen von 3 Mitgliedern von Diluculum!", warf Saphira ein. An ihr weißes Haar und die Kleidung, die meist aus weißen Stoffen bestand, hatten sich mittlerweile alle gewöhnt, "Sie suchen nach meinem Sohn, und nach jemanden der von Hannibal Cash erwähnt wurde. Nathaniel, ein eigenartiger Name von jemanden, der von einem Wikinger Großgezogen wurde."
Church saß nicht an der Tafel, er stand ein wenig abseits und starrte aus dem Fenster: "Unseren Sohn, sie suchen unseren Sohn!"
Kyra klatschte drei Steckbriefe auf den Tisch: "Spart euch eure Krise für später, sodass wir sie nicht mitanhören müssen! Das sind alle Informationen die wir haben. Der Freak mit der Maske nennt sich Loki, das ist aber bestimmt nicht sein Name. Keiner weiß was sich hinter der Maske verbirgt, er kann andere kontrollieren, wie weiß ich nicht. Er hat mich dazu gebracht drei Kugeln auf eine Verbündete abzufeuern und dann wieder an die Arbeit zu gehen, als wäre nichts geschehen. Dann haben wir Suma, er hat wahrscheinlich Diluculum gegründet! Und Claude, den letzten Druiden, Cashs Onkel!"
Finn zog eine Braue hoch: "Was konntest du über ihre Ziele herausfinden?"
Kyra seufzte: "Nicht viel! Suma hat dir deine Macht gestohlen, man sagt es sei ein Geheimbund der Kontrolle über alle Welten möchte!"
Shanora empörte sich: "Dann sollten wir endlich handeln, statt hier rum zu sitzen! Auch wenn ich es hasse mich auf Informationen von Treplew zu verlassen."
"Da muss ich der Göre einmal recht geben!", die Türe schwang auf und Treplew trat ein.
Er reichte jemandem die Hand, einer Frau, und führte sie zum Tisch.
"Wer ist das?", zischte Kyra und deutete auf die Unbekannte. Sie hatte perfekt sitzendes platinblondes Haar, welches gewellt bis über ihre Brust viel. Da auch ihre Augenbraue in derselben Farbe waren könnte man sie beinahe für einen Albino halten. Ihre Haltung war anmutig, ihre Haut blass wie Elfenbein und ihre Pupillen strahlten in einem extrem hellen silber, sodass sie fast mit dem restlichen Auge verschwammen. Ihre Lippen waren voll und in einem dunklen Rotton geschminkt, perfekt zu ihrem bodenlangen, schulterfreien Kleid passend.Ihre Hände steckten in schwarzen, langen Handschuhen, an den Zeige und Ringfingern waren silberne, spitze Krallen befestigt.
"Sie haben mich nicht erkannt, du hattest recht, Treplew!", die Dame setzte sich auf einen der leeren Plätze und lächelte in die Runde.
"Diese Stimme...", Shanora riss die Augen auf, "Die Betonungen sind anders, die Stimmlage auch, aber der Grundton... Sassy?"
Treplew lachte süffisant auf: "Ich habe doch immer recht, Darling!"
Shanora verzog angewidert das Gesicht: "Seit wann hören wir ständig auf Treplew? Und Finn, warum bist du nicht erstaunt?"
Finn hob die Hände: "Schuldig, ich wusste davon! Aber um den Plan nicht zu gefährden..."
Im selben Moment flog Finn mit seinem Sessel gegen die Wand.
Shanora rieb sich die Faust: "Du sollst endlich aufhören zu lügen!"
Während Finn zurück zum Tisch eilte, musterte Ladira Sassy eingehend: "Du hast dich sehr verändert!" 
Sassys Mimik schien versteinert zu sein, und ihr Ton war auch monotoner geworden: "Wir werden uns Diluculum anschließen, ich und jemand den Marbas hier herbringen soll. Dann finden wir Cash und holen seine Seele aus dem Fegefeuer!" 
Die Vampirin lächelte Shanora mild zu.
Was Finn auffiel war das der Jähzorn und die zickige Art wohl weggefallen waren bei Sassys erneuter Verwandlung.
"Was sagt eigentlich Alpha zu deinem neuen Stil?", Saphira zog eine Braue hoch und musterte ihre Cousine fragend.
"Er hat sich von mir getrennt!", Sassy schien das nichts anzuhaben, sie war weiter freundlich und wirkte völlig entspannt.
"Worauf warten wir eigentlich?", wollte Shanora genervt wissen.
"Auf Marbas, er wollte einen Beitrag zu diesen Unterfangen leisten.", erklärte Finn.
"Unsere Probleme sind vielleicht nicht nur Diliculum.", Ladira blickte ernst in die Runde, "Ich spüre wie die Zeit an manchen Stellen nicht mehr übereinstimmt. Jemand macht sich an den Naturgesetzen zu schaffen, so etwas kann nichts gutes bedeuten!"
Finn legte den Kopf in den Nacken: "Als ob wir nicht alle genug Probleme hätten. Ladira, ich hoffe ehrlich gesagt das dein Gefühl dich täuscht."
Ladira nickte, auch sie hoffte, dass nach Shanoras Abenteuern im neunten Kreis eine ruhigere Zeit anbrechen würde. Aber ihr Gefühl sagte ihr, das es gerade erst begonnen hatte.

In Ilks lief eine genervte junge Frau geradewegs in Richtung von Marbas Anwesen. Eilig blickte sie sich um, niemand schien auf der Straße zu sein. Der Bäcker hatte sie informiert, dass eine fremde Person in das gerade wieder aufgebaute Dorf gekommen war. Angesichts dessen, was dem letzten Bäcker von Ilks widerfahren war verstand sie seine Ängste, und die der anderen Bewohner. 
Schnell bog sie vor dem Anwesen ab, hinein in den Wald, in dem sie vor ein paar Monaten das Mädchen mit den türkisen Augen getroffen hatte. 
Eine Heldin hieß es im Dorf, Shanora, die Erbin des weißen Throns. 
"Du suchst mich, Delina. Ich hatte mir gedacht, dass ich dich so aus Ilks locken kann!", eine charismatische, weibliche Stimme lockte sie tiefer in den Wald.
"Wer bist du?", verlangte Delina zu wissen, verwirrt das jemand ihren Namen kannte. 
"Ich bin unendlich, Delina. Komm zu mir, ich habe etwas das dir gehört!", säußelte die Stimme weiter.
Delina rannte weiter in den Wald, bis sie schließlich auf einer Lichtung zum stehen kam. 
Die Blätter schienen langsamer von den Bäumen zu fallen, der Wind wurde ebenfalls langsamer und selbst Delinas Bewegungen und Gedanken schienen dieser Anormalie in der Zeit zu unterliegen.
In der Mitte der Lichtung stand eine Frau, oder zumindest etwas ähnliches.
Sie trug ein kurzes weißes Kleid, ihre Haut war eigenartig bläulich und verschiedene Sternbilder spiegelten sich hell leuchtend darauf wieder.
Ihre Augen waren dunkel und ihre Haare schwarz mit einem eigenartigen Schimmer darin.
"Du... krümmst... die Zeit...", brachte Delina langsam hervor, "Das... ist... nicht ohne... Grund... verboten!"
Die verlangsamte Zeit schien die Frau nicht zu betreffen: "Ich sagte doch, ich bin unendlich. Zeit interessiert mich nicht. Hör mir zu, du verbirgst was du bist und wer du bist. Aber die Wahrheit darüber kennst du selbst nicht. Ich kann dir nicht sagen was du wissen musst. Aber du wirst schon bald jemanden treffen der dir ähnlich ist. Du musst es selbst herausfinden."
Delina versuchte gegen den Einfluss der Zeit anzukämpfen, ohne Erfolg.
"Ich habe etwas für dich, ein Familienerbstück deiner Mutter...", das Wesen erschien neben ihr und legte ihr eine Kette um den Hals. Schwarz mit einem Loch in der Mitte, sie wirkte unscheinbar.
"Geh jetzt, man sucht schon nach dir. Sag deinen Freunden im Dorf, dass der Wanderer keine Probleme gemacht hat!", kaum hatte das Wesen die Worte gesprochen nahm die Zeit wieder ihren normalen lauf und auch Delina konnte sich wieder frei bewegen.
"Seltsam!", murmelte sie und machte sich auf den Weg nach Ilks zurück.

Comments

  • Author Portrait

    Na toll. Schon wieder ein gelungenes Geheimnis, welches es zu lüften gilt. Ich bin gespannt, wie Du diese vielen Ränke, die hier entstehen, wieder verdeutlichen wirst. Allen voran, was Ezra für ein Spiel spielt. Ein Engel, ja? Mhm, vielleicht mit einem “B“ davor. :)

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media