Langsam gehe ich den Bahnsteig entlang. Er liegt offen dar, es ist lediglich eine Haltestelle, welche der Zug auf seinem weiten Weg passiert, doch heute finden sich hier vergleichsweise viele Menschen wartend auf ihn wieder.

Meine Füße heben und senken sich in kleinen Schritten. Ich blicke auf, halte mein Gesicht der Sonne entgegengestreckt und trotz dass meine Lider geschlossen sind, kann ich spüren, wie Tränen sich in meine Augen hineinschleichen; so ähnlich sind sich die Gebärden der Trauer und der Freude, dass ich nun weinen muss, weil ich doch so glücklich bin!

Ich wende den Kopf und sehe im Öffnen meiner Augen abgehetzte Gestalten, mürrische Gesichter und obwohl wir alle hier in diesem wunderbaren Schein der warmen Sonne stehen, welcher mich wie ein offenes Tuch auf weichen Kissen willkommen geheißen hatte, spüre ich nichts des blendenden Lichts bei diesen Menschen, denen offensichtlich nicht gewahr ist, welche Möglichkeiten sie hier zu nutzen im Stande sind.

Aber ich kann sie nicht bemitleiden, möchte sie nicht ändern, fühle höchstens Spott, ein klein wenig, jedoch nicht genug als dass ich mich für sie interessierte.

Ich kann beinahe auch ihre Blicke auf mir spüren und hören, wie sie im inneren Monolog darüber nachsinnen, wie unhöflich und seltsam ich bin, die ich sie so unverholen anstarrend beobachte und meine Gefühle so offen präsentierend vor ihnen darlege.

Als ich mir mit einer Hand über die Stirne fahre, kann ich noch einen Hauch von Lavendel erahnen und mein Bauch ist wieder beinahe schmerzend von diesem wohligen Gefühl der Zufriedenheit und Vorfreude und der gleichzeitigen Schwermut von verpasstem und nicht getanem, aber auch nicht missendem.

Es bedeutet für mich keine Last, es freut mich, mich auf dem Weg nach Hause zu wissen, wenn auch nur für einige Stunden. Ist man denn nicht viel erfüllter, wenn man den Ort liebt, zu welchem man wandert?

Wenn ich tief einatme und die ganze Luft der Freiheit in mich aufnehmen, fühle ich sie schneidend und kalt, aber in vollkommen angenehmer Erwartung in meinem Rachen.

Die sanfte Stimme Felix Räubers liegt verzweifelt in meinen Ohren, umfängt betörend meine Sinne und schleicht sich in meinen Geist.

„Behind your eyelid, there is somebody“

Und ich spüre eine so wundervolle Zweisamkeit mit mir selbst, dass ich mich dem heutigen Abend darbend entgegenstreckend laut mein Glück, meine Zufriedenheit hinausschreien könnte. Ich fühle mich so (unglaublich) gut, dass ich über Bedrücktheit nur lächeln kann und für Trauer keine Augen habe, Missfallen erreicht mich nicht.

Ich bin nicht nur, ich lebe!

Ich weiß woher sie kommen und ich habe es geschafft, mich ihnen voll hinzugeben, sodass diese Gefühle mich so verzaubern können.

Ich fliege hinfort und ich weiß, allein im weiten Himmel bin ich ein leichtes Ziel für Boshaft, Argwohn, Anschläge auf mein Glück, doch auch weiß ich, dass hier am Boden, gequetscht zwischen unzähligen anderen und gedrückt, gedrängt von unliebsamen Anforderungen, sinnlosen, irrwitzigen Erwartungen niemals so fühlen, niemals diesen Frieden und dieses Glück finden würde.

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Fairy Dust

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