ein toller erster Schultag

Als ich von jemandem geweckt werde, denke ich zuerst es ist Nolan. Grob werde ich an der Schulter gepackt. Aber entgegen meiner Erwartungen ist es Nala. Sie sehen echt aus wie Zwillinge. Sie rüttelt mich wach, deutet auf die Uhr und geht wieder. Sie ist echt komisch, noch komischer als ich. Kann sie mich vielleicht nicht leiden? Spricht sie deshalb nicht mit mir?

Als ich auf die Uhr sehe, bekomme ich einen Schock, ich habe nur noch eine Viertelstunde bis zum Frühstück und um mich für die Schule fertig zu machen.

Also renne ich mit meiner Schuluniform ins Bad, dusche in fünf Minuten, putze mir die Zähne und kämme mir die Haare.

Um einen Blick in den Spiegel zu werfen habe ich keine Zeit mehr. Ich hetze so schnell ich kann die Stufen hinunter und komme schlitternd in der Küche zum Stehen. Normalerweise müsste ich hier meine anderen „Geschwister“ antreffen.

Aber ich bin alleine. Nicht einmal Nolan oder Nala sind da. Am Kühlschrank klebt ein Zettel auf dem mein Name steht. Darauf steht:

„Angel, sie haben zehn Minuten Zeit zu essen, danach müssen sie sich unverzüglich bei dem Auto einfinden. Heute Nachmittag haben sie von der Schule aus noch ein paar Kurse. Also werden sie kein Mittag bekommen. Nehmen sie sich etwas mit. Ihre Schultasche liegt auf dem Tisch.“

Und Tatsächlich liegt auf dem Tisch meine Alte Schultasche, ich erkenne sie daran, dass ich meinen Namen mit sieben mit Filzern hinauf gemalt habe.

Die Tasche sieht aus, wie eine Aktentasche in schwarz und ist eigentlich auch nichts anderes. Meine Mutter hatte sie nie leiden können. Bob hatte sie mir zu meinem Geburtstag geschenkt und von da an darauf bestanden, dass ich sie immer mit mir nahm.

Ich schmiere mir schnell ein Brot und stopfe es mir hinunter. Dann schmiere ich mir noch schnell eins für die Schule und packe es in eine Brotdose. Alles hier scheint furchtbar platziert. Nicht wirklich real.

Nachdem ich diese in meiner Tasche verstaut habe, renne ich durch das Haus auf der Suche nach dem Ausgang. Ich habe nur noch zwei Minuten, als ich ihn endlich finde. Nolan wartet schon ungeduldig auf mich. Genervt verschränkt er die Arme.

„Warum hat das so lange gedauert? Wir kommen noch zu spät!“

„Tut mir leid, aber wenn du willst, dass ich mich hier besser zu Recht finde geb´ mir gefälligst eine Karte!“

Das war eigentlich als Scherz gemeint aber er nimmt es ernst und sagte:

„Ich werde dafür sorgen, dass sie eine bekommen. Und jetzt steigen sie ein, wir müssen uns beeilen.“

Gehorsam steige ich ein, als mir auffällt, dass seine Schuluniform eine ganz andere Farbe hat als meine. Meine Uniform ist braun, schwarz, weiß mit langen Strümpfen und kurzem Rock. Dazu dann ein langärmliges schwarzbraunes Oberteil. Währenddessen seine komplett schwarz ist.

„Warum hat deine Schuluniform eine andere Farbe als meine?“

Er setzt sich neben mich ans Steuer und erklärt:

„Das ist so, weil ich eine Klassenstufe höher bin als sie. Je höher sie kommen desto weniger Farbe enthält ihre Schuluniform.“

„Kannst du endlich aufhören mich zu siezen?“

„Warum denn? Dazu besteht kein Grund.“

„Doch, es gibt einen Grund.“

„Und der wäre?“

„Ich will es! Und außerdem kannst du eine Mitschülerin schlecht siezen, oder?“

„Da haben sie recht, aber ich werde sie nur in der Schule duzen, damit das klar ist!“

„Natürlich.“

Der Minirock von meiner Uniform nervt tierisch. Irgendwie komme ich damit nicht klar. Immer wieder versuche ich ihn weiter hinunter zu ziehen. Meine Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden, der aber immer wieder aufgeht. Es will einfach nichts funktionieren. Also entscheide ich mich letzten Endes doch dafür, sie locker über meine Schultern hängen zu lassen. Mir fällt zum ersten Mal auf, dass sie blond sind. Im Irrenhaus habe ich das nie bemerkt, aber jetzt sehe ich mich zum ersten Mal in einem Spiegel. Okay ich meine es ist nur ein kleiner Schminkspiegel aber der reicht aus um mich zu sehen. Meine Haare sind sehr hell, viel heller als ich sie in Erinnerung habe. Meine Augen haben eine Mischung aus Braun und Blau. Irgendwie sehe ich meiner Mutter sehr ähnlich. Sie hatte auch lange blonde Haare, aber sie hatte richtig feurige Augen.

Ich bin durch meinen Aufenthalt im Irrenhaus ziemlich blass geworden. Meine Wimpern sind ziemlich dicht genau wie bei meiner Mutter, dadurch sehe ich geschminkt aus, was ich aber nicht bin. Mein Mund ist ziemlich schmal, das muss ich wohl von meinem Vater haben, denn meine Mutter hatte volle Lippen. Sie war einfach wundervoll. Ich vermisse sie schrecklich. Sie wusste immer Rat und hat mir immer geholfen und jetzt muss ich mir selbst helfen. Als Nolan etwas zu mir sagt werde ich aus meinen Gedanken gerissen.

„Was?“

„Ich habe gesagt, dass wir gleich da sind und sie ihre Schuhe nicht zugemacht haben.“

Was? Meine Schuhe? Oh... stimmt meine Schuhe sind auf. Schnell zwei Schleifen gemacht und fertig. Ich klappe den Spiegel weg und sehe mich um. Wir sind mitten in einer Stadt. Lauter Leute drehen sich zu uns herum, oder eher gesagt zu dem Auto, denn uns können sie nicht sehen. Das Auto hat nämlich getönte Scheiben.

„Ist das eigentlich dein Auto?“

„Nein, ihr Vater hat es mir zur Verfügung gestellt.“

„Können wir vielleicht das nächste aal mit einem unauffälligeren Auto zur Schule fahren? Oder einfach den Bus nehmen?“

„Warum sollten wir das tun?“

„Weil ich nicht will, dass alle Leute denken ich wäre stink reich und eingebildet.“

„Aber sie sind es doch.“

„Wie bitte?!“

„Ich meine doch sie sind reich und nicht eingebildet!“

Das bringt mich zum Lachen, aber kein fröhliches, sondern eher ein traurig- verzweifeltes. Er sieht mich nur sehr, sehr verwirrt an. Nolan parkt das Auto und geht dann mit mir auf das riesige Gebäude zu. Meine neue Schule. Eine totale Luxus Schule. Hier werde ich jetzt also zur Schule gehen. Zusammen mit Nolan. Nolan bringt mich direkt zum Sekretariat, die Sekretärin ist wirklich sehr freundlich, sie sagt mir sogar wie ich mich am besten hier eingewöhnen kann.

Diese Schule gefällt mir bisher wirklich gut. Sie hat ein angenehmes Klima. Sicherlich wird mir hier niemand eine Spritze in den Arm rammen. Jetzt müssen nur noch die Klassenkameraden und die Lehrer stimmen. Sie sagt Nolan wo wir meinen Klassenraum finden können und drückt mir meinen Stundenplan in die Hand. Mit einem freundlichen Lächeln scheucht sie uns raus und macht sich wieder an die Arbeit.

Nolan fragt mich:

„Soll ich dich noch zu deiner Klasse bringen?“

„Natürlich!“

„Wieso denn bitte natürlich?“

„Weil ich bei der Wegbeschreibung nicht zugehört habe!“

Er seufzt und lässt verzweifelt den Kopf hängen.

„Was ist los?“

„Wegen dir verpasse ich noch den Sportunterricht.“

„Und das ist so schlimm? Wer geht schon freiwillig zum Sport…“

„Nein, es ist nicht schlimm und jetzt komm endlich. Und merk dir den Weg gut, denn ich werde dich morgen nicht zur Klasse bringen, kapiert?“

„Wow, du kannst ja richtig Menschlich sein!“

Er sieht mich verletzt an, doch bevor ich mich entschuldigen kann, nimmt er mich an der Hand und läuft los.

Meine Klasse liegt im zweiten Stock. Seine, so erzählt er mir, ist nur fünf Räume weiter.

Als ich an die Tür klopfe, höre ich von drinnen eine Männerstimme rufen:

„Herein!“

Als ich die Tür öffne und hineintrete höre ich, wie fast alle in der Klasse stark nach Luft schnappen. Langsam komme ich mir echt vor wie ein Freak. Alle starren mich an, außer dem Lehrer. Der beobachtet verwundert die Klasse und schenkt mir so gut wie keine Beachtung.

 Der Lehrer sieht echt gut aus, sehen denn wirklich alle Leute hier gut aus?!

Die Klasse ist nicht sonderlich groß, was wohl auch daran liegt, dass diese Schule nicht gerade billig zu seinen scheint.

Die Klasse besteht aus so zirka 15 Leuten.

Als mich nicht mehr alle anstarren, sage ich zu dem Lehrer:

„Mein Name ist Magrit, ich wurde dieser Klasse zugewiesen.“

„Ich weiß, ich habe sie bereits erwartet. Setzen sie sich bitte. Wir wollten gerade mit Physik beginnen.“

Ich nicke und gehe unter den aufmerksamen Blicken meiner Mitschüler zu einem freien Platz. Der Junge neben dem ich jetzt sitze, starrt mich ebenfalls die ganze Zeit aus dem Augenwinkel heraus an. Was will der Typ von mir? Was wollen alle hier von mir?! Vielleicht werde ich hier noch paranoid.

Als die Stunde vorbei ist beginnt eine kleine Pause, welche von einer schrillen Glocke eingeleitet wird. Der Junge beobachtet mich immer noch, aber als ich meinen Blick auf ihn Richte, sieht er schnell weg.

Feigling.

Zu sehr mit ihm beschäftigt, bemerke ich nicht, wie ein anderer Junge aufsteht und zu mir kommt. Auf einmal steht er vor meinem Tisch.

„Hi mein Name ist Kevin und deiner?“

Hallo? Habe ich mich nicht eben erst vorgestellt?

Trotzdem sage ich höflich:

„Magrit.“ Der Name hört sich komisch an und es fühlt sich an, als wäre meine Zunge pelzig.

Als ich meinen Blick von dem anderen Jungen abwende und Kevin zuwende fällt mir auf, das mich schon wieder alle beobachten. Oder beobachten sie Kevin? Ich mustere Kevin mit einem kritischen Blick und komme zu dem Schluss, dass er normalerweise nicht viel sagt und sie uns daher anstarren. Kevin weicht nervös meinem Blick aus und knetet unruhig seine Hände. Das macht ihn mir irgendwie sympathischer, das doofe ist nur, dass er wohl eine Mischung aus Emo und Checker zu sein scheint. Er trägt komplett schwarze Sachen und auch seine Haare sind offensichtlich dunkel gefärbt. Dazu trägt er noch eine total dämlich aussehende Mütze.

Bevor er noch etwas sagen kann, läutet es zur zweiten Stunde.

Bevor Kevin geht, höre ich ihn noch murmeln:

„Na toll, Mathe mit der Telania.“

Die Telania, wie er sie genannt hat, ist, was für eine Überraschung, auch ganz hübsch. Trotz der grünen Haare und der Brille. Die Kombination sieht schon etwas schräg aus.

Ansonsten sieht sie aus, wie eine total typische Mathe Lehrerin. Auch die zweite Stunde geht wie im Flug vorbei. Zu meiner Überraschung bin ich sogar richtig gut. Aber ich muss aufpassen, dass ich nicht als Streberin abgestempelt werde. Ich werde schon genug angestarrt. In der ersten großen Pause will ich eigentlich zu Nolan gehen, aber kaum bin ich auf dem Weg zur Tür, da kommt auch schon Kevin und gesellt sich zu mir:

„Wo willst du hin?“

„Und was geht dich, dass bitte an?“

Echt, ich weiß nicht was ich von ihm halten soll. Was will er von mir?!

„Sorry, ich bin nur neugierig. Wir bekommen hier nicht oft neue Gesichter zu sehen.“

Ich atme tief durch und sage dann:

„Ich will jemanden besuchen gehen.“

„Wirklich? Wen denn?“

„Kennst du nicht, also wenn du mich entschuldigen würdest.“

„Nein.“

„Wie?“

„Ich sagte nein.“

„Das war aber keine Frage.“

„Ich bin aber noch nicht fertig!“

„Was denn noch?!“ Langsam kotzt mich dieser Typ wirklich an.

Das verschlägt ihm glatt die Sprache. Die Mitschüler in unserer Nähe drehen sich schockiert zu uns um. Anscheinend sind die Leute hier es nicht gewohnt, dass jemand so mit einem von ihnen spricht. Ich sehe ihn erwartungsvoll an und warte. Genervt verschränke ich die Arme. Als er den Mund endlich aufbekommt schreit er regelrecht:

„Wer bist du, dass du es wagst so mit MIR zu reden!?“

„Wer bist du das ich es nicht sollte!?“

Das bringt ihn völlig aus der Fassung.

„Ich bin der Sohn des Schuldirektors!“

„Ja und?“

Völlig perplex lasse ich ihn zurück und mache mich auf die Suche nach Nolan. Was für ein Freak war das denn? Die Welt kann sich wohl kaum so sehr verändert haben. Als ich bei Nolans Klasse angekommen bin und klopfe, legt mir von hinten jemand die Hand auf die Schulter und dreht mich zu sich herum.

Zu meiner Überraschung ist es der Junge, der mich die ganze Zeit angestarrt hat.

Er meint:

„Das war sehr mutig von dir.“

„Wieso? Und wer bist du überhaupt?“

„Oh, entschuldige. Mein Name lautet Lukas. Und es war Mutig, weil er jetzt Geschichten über dich erfinden wird und damit zu seinem Vater gehen wird. Das könnte dir Schwierigkeiten bereiten. Damit hat er schon mindestens drei andere suspendieren lassen.“

Ich zucke nur mit den Schultern und drehe mich wieder zur Tür um. Schnell öffne ich sie und laufe direkt in jemanden hinein. Vor mir steht ein super süßer Junge mit eisblauen Augen und lächelt mich strahlend an.

„Kann ich etwas für dich tun?“

Sein Anblick verschlägt mir echt die Sprache.

Als er mich erwartungsvoll wartet er auf meine Antwort.

Schließlich bringe ich mit schwerer Zunge heraus:

„Ich suche Nolan.“

Er nickt und macht mir den Weg frei. Mittlerweile habe ich völlig vergessen was ich von ihm wollte, hoffentlich bin ich nicht rot. Als er dann vor mir steht und mich fragend ansieht lasse ich mir irgendwas einfallen:

„Was habe ich eigentlich für Nachmittagskurse?“

Aus irgendeinem unverständlichen Grund fängt er an zu lachen und bringt schließlich keuchend raus:

„Schon mal auf deinen Stundenplan gekuckt? Ich bin nicht dein Sekretär.“

Oh shit voll vergessen.

„Ja aber da stehen nur die Kürzel. Wie du weißt ist es schon etwas her, seit ich eine Schule von innen gesehen habe.“

Puh, gerettet. Als Beweis halte ich ihm meinen Stundenplan hin, den ich dummerweise die ganze Zeit in der Hand hatte. Wie dumm kann ich sein.

Er runzelt kurz die Stirn und meint dann besserwisserisch:

„FU steht für Fechten, danach hast du eine Doppelstunde reiten und dann noch eine Stunde Bogenschießen.

Morgen hast du zwei Stunden Fechten und eine Stunde Schussübungen mit einer Pistole, die du selber mitbringen musst. Ebenso wie einen Bogen fürs Bogenschießen und einen Degen fürs Fechten. Hast du solche Sachen?“

Zu seinem Erstaunen nicke ich und drehe mich um. Der Typ mit den blauen Augen und Lukas stehen noch immer in der Tür und unterhalten sich angeregt. Ich bin echt fertig, also würde ich doch so werden wie diese vermeintlichen Engel. Kämpfen, kämpfen und noch mehr kämpfen. Sie würden mich töten. Ich nicke Nolan noch einmal dankend zu und ignoriere seinen Einwand gekonnt, dass er noch nicht fertig sei.

Der sexy Junge beobachtet mich während ich hinaus gehe und ich sehe noch aus den Augenwinkeln wie er zu Nolan hinübergeht. Vor der Tür schließt Lukas zu mir auf. Als ich versuche ihn zu ignorieren wird er nur noch nerviger.

Als ich ihn dann entnervt anfahren will, kommt ein Mädchen dazu und stellt sich als Natascha vor. Sie trägt ihre Schuluniform nicht und als ich sie darauf anspreche erklärt sie mir, dass sie einen Streik gegen Schuluniformen anführt und deswegen keine trägt.

Sie könnte Lukas Schwester sein, so ähnlich sehen sie sich. Sie haben beide die gleichen braunen Haare und dazu noch Karamellfarbene Augen. Zu meinem Unglück sind alle beide regelrecht Plappermäuler. Zum Glück klingelt es bald zur dritten Stunde.

Sport. Nichts ist schlimmer als Sport.

Es gibt nur vier Mädchen in meiner Klasse, daher komme ich mir dumm vor. Ich weiß nicht genau warum, aber wahrscheinlich, weil mich Lukas und Kevin die ganze Zeit beobachten.

Ich finde, dass ich in Sport eine richtige Niete bin, was wohl daran liegen könnte, dass meine Muskeln im Irrenhaus regelrecht verkümmert sind.

In der zweiten Sportstunde machen wir Leichtathletik. Leider kann ich das erst recht gar nicht und knicke ungeschickt um. Es schmerzt nicht wirklich aber unsere Lehrerin scheint die Wunde gar nicht zu gefallen.

So werde ich wenigstens nicht Fechten müssen.

Zu meinem Pech entschließt sich die Lehrerin dazu, dass Lukas mich ins Krankenzimmer bringen soll.

Na ja er ist mir immer noch lieber als Kevin, denn den ganzen Weg muss Lukas mich stützen und mir beim Laufen helfen, denn ich kann nicht mehr ohne Schmerzen auftreten. Der Knöchel ist auch schon angeschwollen.

Auf halben Weg kommt uns der Sexy Junge entgegen und fragt ob er irgendwie helfen kann. Er ist wohl sehr hilfsbereit.

Als ich den Kopf schüttle fragt er neugierig:

„Was ist denn passiert?“

„Nichts Schlimmes.“

Doch Lukas verdirbt meinen Versuch ihn ab zu wimmeln indem er sagt:

 „Von wegen nichts Schlimmes! Sie hat sich höchst wahrscheinlich den Knöchel gebrochen. So wie sie umgeknickt ist bin ich überrascht, dass sie noch bei Bewusstsein ist.“

„Du übertreibst! Er ist doch nur geprellt!“

„Dann könntest du aber noch laufen ohne gleich vor Schmerzen aufzuschreien!“

Ohne Vorwarnung kommt der Junge zu mir und nimmt mich hoch. Obwohl ich lautstark protestiere, trägt er mich auf Armen zur Krankenstation.

 Lukas trottet missmutig neben uns her.

Als er mich runter lässt frage ich:

„Wie heißt du eigentlich?“

„Marco.“

„Wirklich? Wie in Marco Polo?“

Oh scheiße, was ist nur los mit mir? Jetzt denkt er bestimmt das ich mich über ihn lustig mache.

Aber zu meiner Überraschung lacht er sich halb tot.

„Ja, genau wie in Marco Polo.“

Lukas schildert der Schwester was passiert ist und wird dann zusammen mit Marco hinausgescheucht.

Als sich die Schwester meinen Knöchel genau angesehen hat berichtet sie mir:

„Tja ihr Knöchel ist gebrochen, das tut mir leid. Sport können sie sich erst mal abschreiben. Ich gebe ihnen jetzt Krücken und binde ihnen eine Schiene um den Fuß. Versuchen sie bitte ihn nicht allzu viel zu belasten.“

Ich nicke, das würde mir sowieso

 viel zu weh tun.

Als sie fertig ist, bedanke ich mich und bekomme von ihr noch ein Paar Krücken in die Hand gedrückt. Das ist ja echt ein toller erster Schultag.

Erst starren mich alle an, dann lege ich mich auch noch mit dem Sohn des Schuldirektors an und breche mir dann auch noch den Knöchel.

Vor der Krankenstation wartet Lukas auf mich und sieht mich besserwisserisch an: „Hab ich nicht gesagt der iss gebrochen!“ Dabei deutet er trotzig auf meinen dick verpackten Fuß.

„Ja, ja ich weiß. Du hattest recht und ich hatte unrecht.“

Er nickt eifrig und begleitet mich dann zurück zum Klassenraum. Die Sportstunde ist schon längst zu Ende und wir kommen fast zu spät zum Fremdsprachenkurs.

Zum Glück haben wir beide Französisch, sonst hätte ich mich hoffnungslos verlaufen. Außerdem muss er mir meine Schultasche tragen. Das blöde Ding kann man nicht einmal auf dem Rücken tragen.

In der Klasse fragen mich erst einmal alle, ob es denn ein Bruch sei und ob es mir gut geht.

Nur Kevin sitzt auf seinem Platz und grinst mich selbstgefällig an.

Er hält sich nicht zurück zu zeigen, wie wenig er mich leiden kann.

Jeder der nicht blind ist kann das erkennen. Alle anderen kennen mich zwar auch nicht, aber sie tun wenigstens so, als würden sie mich leiden können.

Die Französischlehrerin ist nett und wie immer sieht sie gut aus, wie erwartet.

Bin ich hier in Scharfhausen gelandet oder was?

Ist es zu viel verlangt einem normalen Menschen zu begegnen?

Anscheinend schon.

Das Französisch bereitet mir mehr Probleme, als ich gedacht habe, ich liege weit zurück. Das fällt auch meiner Lehrerin auf und sie schlägt mir vor, mit einen meiner Mitschüler zu üben. Ihrer Ansicht nach wäre das besser, als mir noch weitere Stunden aufzubrummen.

Nach Französisch habe ich Geschichte, wo ich erleichternder Weise wieder klarkomme. Zum Glück kann sich die Vergangenheit nicht mehr ändern.

Als Nolan mich abholen will, um mich zum Fechten zu bringen erkläre ich ihm, dass ich nicht mitmachen kann, weil mein Knöchel gebrochen ist. Er aber erwidert eiskalt: „Dann schaust du eben nur zu!“

Er nimmt meine Tasche und ich folge ihm so schnell ich nur kann zur Sporthalle. Zu meiner Überraschung nimmt er auch am Fechtunterricht teil.

Da dies kein Pflichtunterricht ist, sind wir sogar im selben Kurs.

Er ist wirklich gut und zu meiner Verwunderung macht auch Marco in diesem Kurs mit. Als Marco mich sieht, ruft er lautstark:

„Hey Polo, wie geht’s deinem Knöchel?“

Eigentlich sollte mir das ja peinlich sein, aber anstatt leise an die Wand zurück zu weichen rufe ich genauso laut zurück:

„Tja mein Begleiter hatte wohl recht. Es ist ein glatter Bruch!“

Marco grinst noch immer, als der Lehrer reinkommt. Ich kann regelrecht spüren wie ich rot anlaufe.

Nolan sieht immer wieder unruhig von mir zu Marco und wieder zu mir.

Das ist echt nervig. Woran er wohl denkt?

Als das Fechten vorbei ist, kommt Nolan auf mich zu:

„Ich habe mit deinen Lehrern abgemacht, dass du gleich mit dem Bogenschießen beginnst und dann nach hause kannst. Allerdings hast du gleich eine Doppelstunde.“

„Und was machst du?“

„Ich habe Reitunterricht.“

„Kommst du mich dann abholen?“

„Ja, ich behalte deine Tasche auch solange bei mir, okay?“

Ich nicke und frage ihn dann:

„Wo ist denn das Bogenschießen?“

Hinter mir sagt jemand:

„Wenn du willst kann ich dich mitnehmen, ich habe jetzt auch Bogenschießen!“

Als ich mich umdrehe, sehe ich in Marcos strahlendes Gesicht.

„Natürlich!“

Nolan scheint das aber nicht so toll zu finden, nur um ihn zu beruhigen sage ich bevor wir gehen:

„Wir sehen uns dann, okay?“

Er nickt und meint: „Viel Spaß.“ Danach dreht er sich mürrisch um und geht weg.

Marco und ich gehen so schnell wie ich nur kann um die Sporthalle herum. Dahinter befinden sich mehrere Zielscheiben.

„Mir fällt ein, ich habe meinen Bogen gar nicht mit. Wie soll ich denn jetzt üben?“

„Du kannst dir hier einen ausleihen. Den musst du aber selbstverständlich wieder zurückgeben.“

„Wo denn?“

„Da hinten in der Hütte.“

Marco fängt sofort mit seinen Übungen an. Ich leihe mir schnell einen einfachen Bogen aus und hüpfe dann fast zu meiner Zielscheibe. Gleich bei meinem ersten Pfeil treffe ich ins Schwarze.

Marco meint neidisch:

„Das war Anfängerglück versuch`s noch mal!“

„Von wegen, das nennt man Talent!“

Wir müssen beide lachen, aber auch bei meinem zweiten und dritten Pfeil treffe ich ins Schwarze.

Wow, das ist echt krass, ich habe nicht einmal richtig gezielt.

Als wir unsere Aufgaben erledigt haben, dürfen wir beide früher gehen.

Ich gebe schnell den Bogen zurück und humple dann auf Krücken zu Marco.

Da kommt mir eine blendende Idee.

„Marco? Hast du eigentlich Französisch?“

„Ja wieso?“

„Kannst du mir vielleicht ein wenig Nachhilfe geben?“

„Ja, aber bist du wirklich so schlecht?“

„Nein, aber ich muss einiges nachholen.“

„Ja meinetwegen. Wann wollen wir uns treffen?“

„Hast du donnerstags in der achten Stunde Zeit?“

„Ja, das dürfte passen.“

„Soll ich dann zu dir kommen oder wo wollen wir uns treffen?“

„Nein, lieber nicht. Können wir uns nicht hier in der Schule treffen und dann in der Bibliothek lernen?“

„Ja so können wir das auch machen, wenn dir das lieber ist.“

Ich nicke und bevor wir ein neues Gespräch anfangen können, kommt Nolan um mich mit nach Hause zu nehmen.

Ich sage zu Marco: „Wir sehen uns morgen Marco.“

„Ich freu mich schon, Polo.“

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beta
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