Einbruch der Nacht

"Das ist also eure Lösung?", Church stolzierte vor Julopatra und Kyra auf und ab, sichtlich unbeeindruckt klatschte er in die Hände. "Bravo", voller Verachtung spuckte er ihnen vor die Füße, "Ihr erbärmlichen Feiglinge, einfach abhauen ist also eure Antwort auf ein paar hirnlose Dämonen?" Newra saß in einer Ecke, sie schien nichts sagen zu wollen. "Was hast du noch gesehen?", fragte Julopatra noch einmal, sie glaubte Newra sichtlich kein Wort. "Wie ich schon sagte: Ich kam hin, die Wachen haben mich entdeckt und aus dem dritten Stock geschmissen, sie dachten ist bin tot. Dann ist das Gebäude in die Luft geflogen, ich konnte aber sehen, dass Finn lebt und der Doktor ihn mitgenommen hat!"
Kyra musterte sie ebenso kritisch. Allem Anschein nach glaubten sie die Erklärung für die gigantische Explosion der Firma nicht. Church war mit seiner Geduld am Ende. Er rieb sich die Hände und begann wieder auf und ab zu laufen: "Ich muss Sassy finden. Wer weiß, was sie mithilfe von unserem kleinen Streuner herausgefunden hat. Ich kann schlecht ohne sie zurückkehren! Außerdem ist Finn immer noch da draußen..."
Julopatra schnaubte wütend: "Das, was hier passiert wird uns alle vernichten. Der Ort ist abgrundtief Böse! Das Wasser, die Pflanzen... was auch immer hier geschah, es hat alles verseucht! Aus jeder Ecke kommen Monster und Dämonen, die Jagd auf uns machen..." Yuna und Titus, Julopatras Hunde, begannen erneut in den Wald zu bellen, die Jäger schienen sich sofort von der Stelle zu entfernen. Die Hunde waren nervös und rannten aufgeregt schnuppernd hin und her.
Sie schienen zu spüren, dass in diesem Wald eine Gefahr auf sie lauerte.
"Und das ist eure Lösung? Ihr zieht einfach ab? Lasst Sassy und Finn hier zurück?", empörte sich Church und schüttelte den Kopf, "Das ich als Dämon mehr Anstand habe, als die so hoch gefeierten Jägerinnen..." Julopatra zog ihren Bogen und richtete einen Pfeil auf Church: "Kein Wort mehr, Missbildung der Natur! Von dir lasse ich mich nicht so anreden!" Newra schnellte zwischen die beiden um die Situation zu deeskalieren: "Sie hat recht, Church, die Menschen sterben hier! Aber wir können nicht untätig bleiben, was Sassy und vor allem Finn betrifft!" Julopatra senkte den Bogen wieder, sie schien zu grübeln. "Was gibt es da zu überlegen?", fauchte Kyra, "Wenn wir alle zu Verstoßenen werden, nützen wir nichts mehr! Wie sollen wir dann unseren Auftrag erfüllen? Unseren Schwur, den wir alle geleistet haben? Wir müssen die Prinzessin schützen, um jeden Preis! Finn würde nicht wollen, dass seine gesamte Armee hier kauert und dezimiert wird!"
Newra sah bedrückt in die Runde: "Geht!" Kurzes Schweigen erfüllte das Plateau. Church war der Erste, der wieder Worte fand, um etwas beizutragen. "Newra und ich bleiben und suchen weiter nach Finn und Sassy!", er hielt kurz inne, "Kehrt ihr zu Elensars Wacht zurück und bereitet euch vor. Ich habe das Gefühl, dass es hier noch ziemlich eskalieren wird..." Zu seiner Überraschung schien nicht einmal Kyra ihm widersprechen zu wollen. Julopatra nickte: "Ruft uns, wenn es brenzlig wird!"
Das Lager war innerhalb einer halben Stunde abgebaut und verschwunden, als hätte es nie existiert. Julopatra reichte Church noch eine große schwarze Tasche, die er interessiert öffnete. Darin befanden sich ein Scharfschützengewehr, einige Patronen und verschiedene Messer. "Sag nichts!", befahl sie ihm, "Viel Glück, es ist nun an dir, Dämon, dich zu beweisen!"
Church riss ihr die Tasche aus der Hand und warf sie sich, ohne ihren Satz zu kommentieren, über den Rücken. Titus knurrte ihn noch kurz an, als er mit seinem Frauchen durch das große Portal verschwanden. Es dauerte nicht lange und Newra und Church waren alleine in "Finns Wacht". Bedrückte Stimmung bestätigte Churchs Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Newras Geschichte ergab für ihn keinen Sinn. Sie war lückenhaft und eigenartig. Eine Späherin würde sie anders erzählen, wenn sie denn wahr wäre.
"Church...", Newra starrte auf die leer gefegte Ebene, Church starrte hinab auf den Krater, den der unnatürliche Wirbelsturm hinterlassen hatte. "Sag nichts", zischte er, seine Miene war mehr als besorgt, "Ich weiß, dass du gelogen hast! Was ist wirklich passiert?" Newra zögerte, sie schien nicht aussprechen zu wollen, was sie gesehen hatte. Dann begann sie zu erzählen, dass Finn sie aus dem Gebäude katapultiert hatte. Der Doktor schien einige Experimente mit ihm durchgeführt zu haben, denn von Finn war eine wirklich düstere Energie ausgegangen. Den Wirbelsturm, der die Firma begraben hatte, hatte er erschaffen.
Church ließ sich auf den Boden fallen und raufte sich seine ohnehin zerzausten Haare. "Was denkst du?", fragte Newra, ohne ihn dabei anzusehen.
"Das war geplant. Die haben Finn nicht ohne Grund, verwundbar wie er emotional war, hierhergelockt!", fauchte Church, er war genervt, dass ihm der Gedanke erst jetzt gekommen war. Es konnte sich um keinen Zufall handeln. Der Dunkle, oder das, was von ihm übrig war, hatte Finn hierhergelockt, um ihn zu verderben. Aber warum, zu welchem Zweck? Warum hatte er so ein großes Interesse an Finn? War er ihm und seinen Artefakten, durch die er noch agieren konnte, zu dicht auf den Fersen gewesen? War die Jagd gar der Auslöser für die Miesere, in der sie nun steckten? Ein leises Knurren riss ihn aus seinen Gedanken.
Er fuhr herum, es hatte bereits zu Dämmern begonnen.
Gelbe Augen starrten aus dem Wald auf sie, viele Augenpaare hatten sie im Visier.

Wir haben euch gefunden!
Wir kommen um euch zu holen!
Wir fressen euch mit Haut und Haaren!

Das düstere Wispern hing in der Luft. Newra und Church stolperten bis zurück zu dem steilen Abhang. "Was ist das?", Newra atmete schwer, ihr Körper hatte sich noch immer nicht von dem Sturz erholt. "Das sind die Verstoßenen!", zischte Church, schwarze Fäden begannen aus seinem Brustkorb zu schießen.
"Was machen wir jetzt?", verzweifelt sah Newra sich nach einem Fluchtweg um. Church hingegen machte sich bereit für einen Kampf. "Wir wollen nur reden!", die Stimme eines Mannes ertönte aus den Wäldern, "Pack deine Fäden weg Dämon, und wir werden euch nichts tun!" Church tat was ihm die Stimme befahl, blieb aber angespannt und aufmerksam. Ein Schatten löste sich aus der Dämmerung, große Hörner und gelbe Augen waren die ersten Merkmale, die Newra und Church auffielen. Vor ihnen stand ein Mann mit elfischen Zügen, sein gehörntes Haupt wurde von langen beinah grauen Haaren geziert. Scharfe Klauen standen aus seinen Fingerkuppen, die gehörten allem Anschein nach nicht zum Körper. Er legte den Kopf schief und betrachtete die beiden eingehend: "Ihr seid nicht die ersten Fremden, die uns heute begegnen! Wo kommt ihr her?"
Church wurde hellhörig: "Hast du eine Frau gesehen? Sie ist gut gebaut, fast so groß wie ich, blond!" Der Mann lächelte verschlagen: "Fangen wir mal mit dem Namen an, ich bin Treplew, man nennt mich den Schänder!"
Newra begann sich zu entspannen. So entstellt wie der Mann auch aussah, so wenig fühlte sie sich von ihm bedroht. "Ich bin Newra, das ist Church, wir kommen aus Elensar, also dort leben wir jetzt. Ursprünglich kamen wir aus fernen Welten!", sagte sie und gab Church einen Stoß mit dem Ellbogen in die Rippen, damit er sich entspannte.
"Ich bin ein Dämon aus den Unterlanden", spottete Church, "aber was bist du?"
Treplew grinste ihn an und entblößte dabei die Metallspitzen auf seinen Zähnen: "Ich bin der König der Verstoßenen, mein lieber Herr Dämon!" Das letzte Wort zog er lang um Church zu demonstrieren, dass er nicht die geringste Angst vor ihm hatte. "Aber nun zu deiner Frage!", Treplew strich sich eine Strähne des grauen Haars aus dem Gesicht, "Ja, ich habe heute eine Frau gesehen, auf die deine Beschreibung passt. Sie war mit meinem Bruder unterwegs, in Richtung der Ruine der Firma. Sie schienen etwas zu verfolgen. Meine Verstoßenen und ich sind ihnen gefolgt, wurden aber von Geistern überfallen!" Newra sah ihn interessiert an: "Geister, sahen sie aus wie Tiger?" Treplew musterte sie nun sehr misstrauisch: "Woher weißt du von den Tigergeistern? Sie sind erst heute Nachmittag aufgetaucht!" Newra begann zu erklären, was sie dort getrieben hatte, ließ dabei aber einige Details weg. Bis auf einen Namen, der Treplew sofort hellhörig werden ließ: "Finn? Mein Bruder? Er ist zurückgekehrt?" Auf einmal wurde es lebhaft um sie, aus dem Wald näherten sich verunstaltete untote Katzen, teilweise gehäutet und ohne Augen, Eisenbeschläge machten ihre ausgezerrten Körper zu Waffen. Sie alle begannen einen Namen zu krächzten und versammelten sich in einem Halbkreis um die drei. "Finn", krächzten sie, "Fiiiiinn!"
"Er wird uns retten, er kommt nach all den Jahren und hält sein Versprechen! Darum bin ich erwacht, darum konnte ich aus der Firma entkommen! Er hat mich geweckt, er hat mein Gefäß zerstört!", Treplew schien beinahe den Verstand zu verlieren bei dem Gedanken. Church und Newra musterten ihn verwirrt. Finn war also hier gewesen vor vielen Jahren, aber warum hatte er das nie erwähnt? Mit einer gezielten von ihm geführten Invasion hätte man den Wesen hier helfen können.

Ihr wisst nichts!

Wieder ein Wispern im Wind, diesmal von einer bekannten Stimme. "Das war Finn", stellte Church trocken fest, "Was passiert hier?"

Diese Welt ist verdorben worden und nun wurden die Welten mit ihr verbunden!
Tut was die Jägerinnen getan haben, verschwindet!

"Warum sollte er das sagen?", Church starrte weiter auf den sich verdunkelnden Himmel. Er wusste, dass es sich zu hundert Prozent um Finns Stimme handelte. Aber den Inhalt der Sätze verstand er nicht. Auch Treplew schien mehr als verunsichert zu sein. "Bruder", schrie er in den nächtlichen Himmel, "Wo bist du, mein Bruder?" Newra starrte Church verunsichert an: "Warum nennt er ihn Bruder? Warum nennt er ihn seinen verdammten Bruder? Er kann nicht... Nein... Das darf nicht sein!" Church musterte die kleine Armee aus verwesten Großkatzen missbilligend, ihm gefiel der Verrückte mit seinem Anhang nicht. "Lass uns den Irren und seine Gang aus Zombiekatzen los... Oh, Verzeihung!" Newra warf ihm einen vielsagenden bösen Blick zu. Dann aber nickte sie: "Wir müssen Sassy finden und uns neu formieren. Und vor allem müssen wir zu Finn gelangen! Etwas stimmt hier nicht und wir müssen herausfinden was es ist!"
"Ich halte sie auf, du erstellst ein Portal, irgendwo zurück in die Stadt, am besten zum Krater. Ein paar Tigergeister klingen sympathischer, als dieser Haufen von Finn-Fanatikern!", flüsterte Church ihr zu und zwinkerte.
Im selben Moment schossen unzählige schwarze Fäden aus seiner Brust und umschlangen Treplew und seine Verstoßenen.
"Was...", Treplew versuchte sich zu befreien, "Das wirst du bereuen, wir kriegen euch! Und wenn wir uns das nächste Mal treffen töten wir euch! Ihr werdet uns nicht kommen hören, wir sind die Verstoßenen!" Newra schauderte bei dieser Drohung, schnell strich sie mit der Hand über den Boden, der sich daraufhin zu kräuseln schien. Sie verschwand in der Stelle, Church ließ von seinen Opfern ab und hechtete zu dem sich bereits wieder schließenden Portal.

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    Treplew auf der Suche nach seinem Bruder Teil 12460 oder so ähnlich XD Irgendwie fällt es langsam doch stark auf, dass unsere Chars ständig irgendwen suchen.

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