Eine kleine Ewigkeit (M)

Grace' Sicht:

Tom wusste nicht wie er damit umgehen sollte. Ich sah es ihm an. Natürlich hätte ich ihm meine Meinung viel besser verdeutlichen können aber... ich bin doch nicht eifersüchtig auf all die Mädchen die ihm schon jetzt kreischend hinter her rennen weil er in einem Film mitspielt - oder? Ich meine, er hat schon in einigen Filmen mitgespielte, aber DIESER war etwas größeres.
Ich weiß  es nicht.

Während Tom mich nach Hause brachte, wechselten wir kein einziges Wort - wir waren mit unseren eigenen Gedanken beschäftigt. Meine drehten sich grundsätzlich nur um Thomas, aber mit der Zeit schweiften diese auch ab.  Mir war, als verlor ich Gefühle für ihn. Ich wusste davor noch nicht einmal, dass ich welche für ihn hatte. Das war das Gruselige.  Als wir ankamen drehte er sich mit dem Rücken zu mir und starrte die Gegend an. "Weiß du... ich glaube du hast etwas nicht richtig verstanden." Wieder drehte er sich um und sah mir in die Augen. "Was meinst? Das mit dem Mädchen? Ach komm... das war NICHTS- wirklich." Er lächelte und schüttelte leicht den Kopf. "Ich weiß genau, dass du noch immer angepisst bist." Erschüttert über seine Bemerkung ging ich auf die Haustür zu und wollte gerade aufsperren, als er meinen Arm ergriff.  "Grace..." Er sah zu Boden und ließ mich wieder los. "Willst du rein kommen?" Ich wollte nicht, dass er merkte, dass ich tatsächlich ziemlich bestürzt über die ganze Situation war, aber ich konnte es einfach nicht verbergen. Wieso war ich überhaupt so beleidigt???
"Okay... sind deine Eltern da?" Ich seufzte und sprach: "Ich wohne schon seit einem halben Jahr allein. Mum und Dad sind nach Europa - Dad hat dort einen Job gekriegt. Hab ich vergessen, das zu erwähnen? Ups." Tom grinste und mir wurde von einer auf die andere Sekunde warm um's Herz. Ich lächelte zurück und sperrte auf.

Ich weiß nicht wie lang wie so da saßen, aber wir sprachen nicht. Sahen uns nicht an- genossen einfach die Stille, die sich mit jeder Sekunde wie ein loderndes Lauffeuer immer weiter verbreitete. "Tom?" Wir saßen in der Küche und hatten jeweils eine Dose Cola vor uns. "Hm?" Thomas nahm seine Dose und trank daraus. "Ich bin nicht angepisst." Ich stand vom Hocker auf und verschwand zum Kühlschrank um was zum Essen zu holen. Als ich wieder kam, mit zwei Bechern Jogurt in beiden Händen, sprach er leise: "Du sollst deine Gefühle nicht verbergen, Grace. Das macht es nur schlimmer." "Ich verberge meine Gefühle nicht!" Ich war erstaunt über meinen plötzlichen Ausbruch und setzte mich schnell wieder hin, bevor er merkte, dass mir Tränen in die Augen stiegen. "Grace... sieh mich an. Bitte." Ich sah ihn an. In seinem Blick lag Traurigkeit und etwas was ich keinem Gefühl zuordnen konnte.
Er nahm langsam meine Hand, aber ich zog sie schnell wieder weg. "Ich. Bin. Nicht. Angepisst. Okay? Warum sollte ich?" Ich brach wie ein Vulkan aus und wurde von meiner Wut mitgerissen. Für einen Moment erstarrte Thomas' sonst so makelloses Gesicht. "Hey Grace. Beruhig dich." Er fasste nach meiner Hand, aber ich schlug sie weg und stand blitzschnell auf. Der Hocker flog um und ein lautes Krachen ertönte. "Gr..." "Hör auf! Sei leise!" Ich konnte mich nicht beherrschen. Er kam zu mir und packte mich an den Schultern- als er wieder versuchte etwas zu sagen schrie ich: "Lass mich los!" Er rüttelte mich. "Grace! Was hast du?! Grace!" Und ich, so wie ich bin, fing an Tränen zu vergießen. Ich weinte und weinte. Und er? Er stand da und sagte nichts. "Thomas... i-ich... es tut mir leid. Ich weiß nicht was los ist." Ich schluchzte laut und strich mir die übrigen Tränen weg. Ich wagte nicht hinauf zu sehen. Ich zeigte ihm schon wie schwach ich war - das durfte nicht sein. Tom kam näher zu mir, nahm mein Kinn in die Hand und zog es hinauf. Ich sah direkt in seine Augen. So stamd ich da und der Moment- er wirkte wie eine Ewigkeit. Unsere Ewigkeit. Er betrachtete mein verheultes Gesicht und lächelte. "Du bist so süß wenn du weinst"  Ich lachte leise und boxte ihm in die Rippen. "Sei du bloß ruhig."

Thomas ging am Abend. Zum einen war ich zutiefst erleichtert, aber irgendwie schien es mir, als wüsste ich, dass ich ihn nie wieder sehen würde. Das war aber total idiotisch, weil er mir versprach, mich morgen abzuholen.
Ich blieb noch lange nach Mitternacht wach. Um ehrlich zu sein lebte ich nicht allein. Nicht direkt- meine Tante Susan kommt ein Mal die Woche her und sieht nach mir. Ich hielt das eigentlich nie für notwendig, aber was kann ich denn schon ausrichten?

Um zwei Uhr in der Früh beschloss ich, schlafen zu gehen. Ich schritt in mein Zimmer und zog mich um. Eigentlich mochte ich dieses Haus nicht. Es kam mir zu groß, zu bunt, zu farblos, zu klein vor. Es war verwirrend. Während ich meinen Pyjama anzog, hörte ich, wie ein motorisches Geräusch erklang. "Was...?" Mit nackten Füßen stürzte ich ins Wohnzimmer und ließ meinen Blick hinaus aus dem Fenster zur Einfahrt schweifen. Nichts. Erleichtert atmete ich auf. Gerade als ich wieder zurück ins Zimmer gehen wollte ertönte das selbe Geräusch, nur viel lauter. Ich zuckte erschrocken zusammen. Leise wie nur möglich, schleichte ich zur Küche. Auf einer Komode, wo mein Schlüssel normalerweise immer lag, sah ich nichts. Panik ergriff mich und ich huschte durchs ganze Haus, auf der Suche nach meinem Schlüssel. "Verdammt... wo ist er bloß?" Plötzlich ertönte wieder das Geräusch. Es wurde lauter und lauter. Ich sah aus dem Fenster, ob ich doch noch irgendetwas entdecke. Nichts, nur Dunkelheit. Wieder kam das seltsame Geräusch. Warte! War das nicht ein Motorrad? Jetzt fiel es mir wieder ein!  Jeremy. Er und seine dämlichen Freunde waren doch ständig auf Motorrädern unterwegs. Ich wurde blass. Jeremy - er ist ziemlich eingebildet und glaubt, dass er jede haben könnte. Das letzte Mal hat er versucht Louise Baker rum zu kriegen- sie wurde hysterisch und schlug um sich. Jeremy gefiel das ganz und gar nicht und er schlug ihr Gesicht gegen eine Wand. Ich glaube er hat ihr die Nase gebrochen. Um ehrlich zu sein, hatte ich Höllenangst vor ihm und seinen Freunden. Jetzt, wo sie womöglich so nahe an meinem Haus waren, bereute ich es Tante Susan's Angebot, dass sie bei mir wohnen könnte, abgelehnt zu haben. Auf einmal klopfte es an der Tür. Meine Augen weiteten sich und mein Herz raste wie verrückt. "Hey! Hey, Gracie Grace!  Süße! Mach auf! Ich bin's- Jeremy!" Mit zitternden Knien stand ich vor der Haustür und wartet, bis er endlich weggeht. Er kannte mich gerade mal aus einem Kurs an der Uni. Woher wusste er, wo ich wohne? "Gracie! Hey! Mach auf, ich weißt, dass du da bist, Kleine! So'n Typ kam noch vorher aus'm Haus, also tu nich' so!" Panisch ging ich einen Schritt zurück, ich sah den Regenschrimständer nicht und fiel hin. Verdammt!, dachte ich mir und verfluchte den Ständer in meinen Gedanken. Ich traute mich nicht aufzustehen aber es war sowieso schon vorbei.

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media