Eine neue Bestimmung

Was bisher geschah (Band 3):
Nachdem Liam nun König von Amergyn ist, Argenshire durch Evas Opfer vom Fluch des irren Dämonenkönigs befreit wurde. Finn verschwand danach, verabschiedete sich von Liam und machte sich auf die Suche nach weiteren Artefakten des Dunklen, welche in allen Welten verstreut schlummern und Unheil anrichten. Sassy und Church, eigentlich Finns Begleiter auf seiner Jagd, machen sich auf die Suche nach dem verschollenen Prinzen von Elensar. Eine Spur führt zunächst ins Leere, aber der nächste Ärger steht bereits vor der Tür...

                                       
"Was haben wir denn da?", Sassy musste nicht einmal von ihrem Buch aufblicken, um festzustellen, wer da den Raum betreten hatte. Ihr ausgezeichneter Geruchssinn hatte den Besuch schon angekündigt, bevor dieser durch ihre Türe getreten war. "Du lebst unter so vielen Bewohnern dieser Welt und kannst mich trotzdem riechen?", fragte ihr Gast mit einen bösen Grinsen im Gesicht. "Ihr Dämonen", Sassy warf ohne jede Vorwarnung ein Messer durch den Raum. Es bohrte sich mit voller Wucht in den Brustkorb des Besuchers, "stinkt absonderlich! Vor allem du, Herzloser!" Der Dämon riss das Messer achtlos aus seiner Brust und warf es auf den alten Holztisch, an dem Sassy saß: "Was für eine Begrüßung, nach so langer Zeit! Ich kann dich beruhigen, ihr Blutsauger stinkt auch aus den anderen Lebewesen heraus, und dein "Charme" hat sich nicht verändert, auch wenn du nicht altern kannst, reifer werden könntest du versuchen!" Sassy stand auf, ihre wasserblauen Augen blitzten und ihr weißblond gefärbtes Haar löste sich dabei aus dem Band, mit dem sie es zusammen gebunden hatte: "Sagt mir ein Teil des gestörten Zwillingsduos? Church, ich achte im Gegensatz zu deinesgleichen auf meine äußere Erscheinung. Wann hast du das letzte Mal einen Friseur gesehen? Ich sehe deine schwarzen Zotteln sogar unter der Kapuze herausschauen!" 
Church strich nun die Kapuze zurück und entblößte sein von schwarzen Nähten überzogenes Gesicht. Er grinste erneut und seine spitzen Zähne kamen zum Vorschein. "Du kannst froh sein, dass du die Menschen da draußen mit deiner Illusion täuschen kannst. Du siehst grässlich aus!", fauchte Sassy, "Komm zum Punkt: Was willst du von mir?" Church setzte sich nun ohne zu fragen oder weiter auf eine Einladung zu warten, an ihren Tisch und deutete ihr es ihm gleich zu tun. Die aggressive Stimmung zwischen den ungleichen Wesen schien verflogen zu sein. Ein gewisser Ernst machte sich breit. "Hast du ihn gefunden?", fragte Sassy und setzte sich. Ihre Stimme hatte viel ihrer Selbstsicherheit eingebüßt. Church schüttelte den Kopf: "Er war hier, aber er hat sich nicht an die Regeln gehalten!" Sassy starrte verwirrt auf den Tisch: "Dann hat er diese Welt aus dem Gleichgewicht gebracht!" Church nickte betroffen: "Meine Späher haben mir berichtet, dass vor ein paar Tagen ein Riss entstanden ist, ein chaotischer Riss. Aktuell könnte Finn durch diesen Riss überall gelandet sein, wir haben die Spur also verloren!" 
Sassys Augen schienen kurz von einem glasigen Schimmer überzogen zu werden, aber sie konnte jetzt keine Träne vergießen, nicht bevor sie davon überzeugt war, dass es keine Hoffnung mehr für Finn, den ewigen Jäger, gab. "Hat jemand mit seiner Schwester gesprochen?", fragte sie besorgt. Church schüttelte den Kopf: "Ich halte mich an das, was Finn mir aufgetragen hat. Seine Schwester ist nur dann außer Gefahr, wenn sie nicht nach ihrem Bruder sucht, sie muss weiter denken, dass ihm nichts wichtig ist und er einfach das Vermögen der beiden irgendwo verschwendet. Sie darf nie von der Jagd erfahren! Es gilt Shanora mit unserem Leben zu beschützen. Das haben wir ihm geschworen!" Sassy überlegte, sie wusste im Grunde, dass Chruch recht hatte. Wenn Finns Schwester wüsste, was genau ihr großer Bruder auf seinen Reisen machte, würde sie das nie zulassen. Und sich einmischen, was Finn nie zulassen würde. Er war immer schon bedacht darauf gewesen, Shanora wie einen Schatz zu hüten. "Gut, wie verfahren wir weiter?", fragte sie ihren Gast, und rang sich ein mildes Kopfnicken seiner Bemühungen zu liebe ab. Church legte den Kopf in den Nacken: "Wir brauchen dringend Hilfe, wenn meine Jäger ihn nicht finden können, schaffen wir beide das nicht mehr allein. Finn ist schon zu lange außer Kontrolle, und er ist zu wichtig für unsere Sache, als dass wir aus falschem Stolz keine Hilfe suchen sollten!" Sassy überlegte kurz. Am Anfang hatte sie noch Verständnis für Finn gehabt. Er hatte es sich zu seiner Aufgabe gemacht, heimlich und im Verborgenen, die über alle Welten verteilten Artefakte des Dunklen zu sammeln. Der Dunkle war der Herrscher des Schreckens gewesen. Er hatte mit finsterer Magie Gegenstände aus purem Bösen erschaffen, mit denen er die Welten, eine nach der anderen, unter seine Kontrolle bringen wollte, bis er schließlich von seinen eigenen Töchtern vernichtet wurde. Ohne einen Körper wandelte seine Seele dann durch seine Schätze, welche er durch die Hände von schwachen Wesen in verschiedene Welten brachte. Jedes dieser dunklen Artefakte, zwang seinem neuen Träger das Bestreben des Dunklen auf, einen Teil seiner Seele. Finn war es gelungen den Umhang des Dunklen im Feuer der Hölle zu verbrennen. Dann war er auf der Jagd nach der Kette des Dunklen in ein Land namens Argenshire gekommen, hatte mit dem Prinzen des Nachbarlands Amergyn versucht es und seinen Träger zu vernichten. Sassy war dabei gewesen, als dieser Plan scheiterte. Viele mussten ihr Leben in dieser Zeit lassen, aber die goldenen Augen einer Bestimmten würde auch sie nicht vergessen. Eva, ein Mädchen aus dem nördlichen Teil des Landes, geboren als letzte der Königsfamilie, nur ihr Opfer konnte den Träger bannen und das Artefakt schließlich zerstören. Churchs eigener Bruder war der Träger gewesen, nun saß er sicher in einer Zelle. Das Mädchen, Eva, war die erste Liebe von Finn gewesen. Ihr Verlust hatte dazu geführt, dass er nach der Schlacht einfach verschwunden war. Ohne eine Erklärung. Chruchs Jäger hatten ihn in der Welt der Menschen gesichtet, wo er wahrscheinlich auf der Suche nach der schwarzen Krone des Dunklen war. Die schwarze Krone galt als eines der mächtigsten Artefakte in dieser finsteren Hinterlassenschaft. Erst wenn alle sicher verwahrt oder nach Möglichkeit zerstört waren, würde Finn aufhören zu jagen. Erst dann würde seine kleine Schwester, Shanora, den Thron von Elensar besteigen können und ihren Platz als weiße Königin einnehmen. Und was vor allem für Finn wichtig war: Erst dann wäre Shanora in Sicherheit.
Aber Finn hatte in dieser Welt wohl einen schweren Fehler begangen und durch magische Handlungen ein Ungleichgewicht hervorgerufen. Dadurch waren die verschiedenen Welten verbunden worden, durch einen chaotischen Riss in der Barriere, welche sie sonst trennte. Nicht vielen Wesen war eine Reise zwischen den Welten möglich. Der Riss gefährdete also die Menschen und alle anderen Lebensformen. Darum hatten Chruchs Jäger ihn wieder verschlossen, aber damit war auch die Spur zu Finn verloren gegangen.
"Wir müssen mit Ladira sprechen!", Church unterbrach ihre Gedanken und Erinnerungen. Sassy nickte: "Wenn jemand noch eine Idee haben könnte, wie man Finn aufspüren kann, dann die Frau, die ihn groß gezogen hat!" Sie vermied das Wort "Mutter" förmlich, zum einen, weil Ladira nur die Ziehmutter von Finn war, zum anderen, weil sie nicht wusste ob Dämonen wie Church so etwas wie Eltern hatten. "Wow", zischte dieser, er schien den Gedankengang an ihrer Reaktion verfolgt zu haben, "Du denkst auch, dass wir eine absolut herzlose Rasse sind!"
Sassy lachte verächtlich: "Der herzlose Dämon erzählt mir etwas von Gefühlen? Mir kommen die Tränen! Lass uns aufbrechen, wir müssen schnell mit Ladira reden!" Church erhob sich und zog sich die Kapuze wieder über sein Haupt, Sassy band ihr Haar erneut zu einem Pferdeschwanz. Mehr Vorbereitungen für diese Reise gab es nicht, denn es blieb ihnen keine Zeit. "Denkst du folgt Finn überhaupt noch seinem Plan?", fragte Church, als sie durch die Türe hinaus in die finstere Nacht traten. Sassy starrte zu der kaum noch sichtbaren Mondsichel, die über ihren Köpfen am dunklen Himmel thronte: "Wir sehen alle denselben Mond, Church. Er wird seine Bestimmung nicht vergessen, egal wo er gerade ist, im tiefsten Herzen weiß er, dass er eine Aufgabe zu erfüllen hat!" Church verdrehte die Augen, er wusste genau welchen Teil des Satzes sie sich verkniffen hatte: "Aber ein herzloser Dämon versteht davon nichts, ihr Vampire seid so leicht zu durchschauen!" Sassy schenkte ihm ein schiefes Grinsen, dann brachen sie auf, um die Ziehmutter von Finn aufzusuchen.

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