Eismond

Verwundert sah ich mich um. Völlige Finsternis schien mich zu verschlucken. Doch meine Augen erkannten katzengleich jedes liebevoll restaurierte Gebäude, jeden schiefen Pflasterstein, jedes angekettete Fahrrad um mich herum. Kein künstliches Licht erhellte die Straßen oder die Krachten. Nur der fahle, kalte Mondschein ließ die alles umhüllende Dunkelheit in den verschiedensten Grau- und Schwarztönen erstrahlen. Die leichten Wellen glänzten silbrig kalt, schlugen beruhigend gegen die vertäuten Hausboote. Auch hier. Keine durch Menschenhand erschaffene Lichtquelle.

Vorsichtig bewegte ich mich weiter, auf der Suche nach ... Was eigentlich? Vor allem, wie eigentlich? Keine Fußtritte waren zu hören. Nicht einmal samtene, gedämpfte, denn ich ... ich flog!

Nein! Nein, das traf es nicht ganz. Ich schwebte vielmehr. Lautlos. Durch schmale Gassen, enge Straßen und über plätschernde Krachten. Keine Menschenseele war zu sehen. Niemand eilte noch schnell nach Hause oder huschte kurz zum Nachbarn.

Weiter schwebte ich. Langsam konnte ich die Richtung zuordnen. Ich näherte mich dem Hafen. Nur wie war es möglich, dass ich schwebte? Und eigenartigerweise war ich dabei erfüllt von einer inneren Ruhe, die ich nicht einmal im Schlaf fand.

Verwirrt schüttelte ich den Kopf und betrachtete die Umgebung. Nicht mehr weit, und die Kracht würde in den Weiten des beginnenden Hafens enden. Schwarz funkelnd schaukelte das kühle Nass unter mir wie ein Seidentuch im Wind. In der Mitte unterbrochen von etwas Schwarzem. Ich tastete nach meiner Taschenlampe. Erfolglos. Mit zusammengekniffenen Augen versuchte ich zu erkennen, was das für ein Objekt sein konnte. Lang, schmal und im Rhythmus der Wellen schaukelnd. In Zeitlupe näherte ich mich, bemüht kein Geräusch zu machen. In dieser gespenstischen Stille würde selbst das Fallen einer Nadel einen ohrenbetäubenden Krach hinterlassen.

Die Konturen wurden schärfer und hoben sich deutlicher von der sich kräuselnden Wasseroberfläche ab. Mein Hirn weigerte sich noch, zu verarbeiten, was es erkannte. Mein Herz war schneller.
Schreiend wachte ich auf.

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Fairy Dust

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