Endlich Morgen

"Peter, ich weiß, das klingt kitschig! Du fehlst mir so! Das ist ganz arg!" - "Das geht mir auch so, mein Liebling, aber ich denke, dass du mich ja bald besuchen kommst! Du musst mir ein paar Sachen mitbringen. Du weißt ja, ich bin selbstständig und muss zusehen, dass ich was verdiene..." - "Da hast du ja genau die Richtige aufgerissen! Eine, die kein Geld hat, der du sogar die Kleider noch kaufen musst, und die dir auch noch dein Auto gekostet hat!" - "Ricarda, wie kannst du sowas denken? Wir lieben uns doch! Wir haben ein Bisschen Pech gehabt, das ist alles! Wir kriegen das hin! Ich brauch nur mein Laptop und ein paar Unterlagen, dann kann ich hier ein Wenig vorarbeiten und schon bin ich wieder im grünen Bereich. Ich hab solche Sehnsucht nach dir, mein Engel! Du fehlst mir ganz arg! Bald wird alles gut, Ricarda!" - "Sag mir, was du brauchst!" Ich möchte nämlich deine Lippen spüren. Jetzt gleich! Wenn ich dein Zeug beisammen habe, dann fahre ich sofort los!" - "Du musst aber was frühstücken, Ricarda!" - "Ich werde dir sagen, was ich frühstücke! Wenn ich bei dir bin, werde ich die Tür verriegeln und dann werde ich dich vernaschen! Dich werde ich frühstücken, und wenn ich noch so vorsichtig dabei sein muss! Du brauchst dich nicht in Sicherheit wiegen, ich mein das ernst!" - "Die Idee ist bestechend, Liebling!" Peter teilte Ihr noch mit, was er alles benötigte und Ricarda hatte ganz schön zu tun, alles zusammen zu suchen. Angefangen von einem Pyjama, einem Jogger, Unterwäsche, Toilettsachen über die Unterlagen des letzten Auftrages bis zum Laptop. Schließlich hatte sie alles beisammen und fuhr los.

Leonhard schlief noch, war er doch bis in die Morgenstunden wach gewesen. Er hatte eine schöne, zärtliche Nacht hinter sich, wie er sie noch nie in dieser Form mit Irina erlebt hatte. Der plötzliche Sinneswechsel seiner Freundin war ihm ein Rätsel, doch er freute sich darüber. Er wachte auf, weil köstlicher Kaffeeduft ins Schlafzimmer zog. Irina erschien in der Tür. "Frühstück ist fertig, mein Schatz!" Das hatte sie noch nie getan. Er stand auf und ging zu ihr. Sie lehnte sich an ihn. "Du warst gut heute Nacht, Schatz! Das war schön!" - "Irina, was ist passiert? Du bist nicht mehr wieder zu erkennen! Du bist so, wie man sich seine Frau wünscht! Schön warst du immer schon, aber ich habe mir immer mehr Wärme gewünscht, wenn du mich kalt abgefertigt hast. Und auf einmal bist du perfekt. Voll lieb! Wie kommt das?" - "Du hattest so viel Geduld und Liebe für mich und ich hab es nie erkannt, dass ich meinen Märchenprinzen eigentlich ja schon habe! Peter hat mich damals, als ich herkam, als einziger respektiert, obwohl er mich nie mochte. Aber in seiner Gegenwart wurde ich auch von den Anderen nie respektlos behandelt! Ich hatte eine schwere Kindheit und Jugend, Leonhard und ich konnte deshalb einfach keine Liebe mehr für einen Mann empfinden. Für Keinen! Auch nicht für Peter. Nicht wirklich! Ich habe mir eingebildet, in ihn verliebt zu sein, weil er trotz Allem noch am fairsten war, damals. In Wirklichkeit habe ich mich nach ehrlicher Liebe gesehnt. Nach der Liebe eines Mannes, der mich nicht als Sexobjekt betrachtet, sondern den Menschen in mir liebt! Du warst immer anständig zu mir, also hab ich mich für dich entschieden, aber das war (und das tut mir furchtbar leid!) einfach zweckmässig. Ich war in einer Beziehung mit einem anständigen Mann, mit dem ich von Zeit zu Zeit Sex hatte aber ich war nicht fähig zu lieben! Wenn du willst, Liebling, werde ich dir von meiner Jugend erzählen, vielleicht kannst du mir dann leichter verzeihen! Ich konnte bisher nicht darüber reden... Gestern ist mir klar geworden, dass ich schon lange mit dem Mann zusammen bin, den ich mir immer gewünscht hatte und ich werde alles tun, um die letzten zwei Jahre wieder gut zu machen Leonhard, wenn du mich nur lässt. Ich Hab dich lieb. Ich hab sowas nie zu dir sagen können, aber jetzt hab ich Angst, dass du mir nicht mehr glaubst!" - "Mir war immer klar, dass du einiges hinter dir hast, aber dein Vorleben ist mir völlig egal, solange du treu bist und mich nicht zum Affen machst. Und genau das hast du in letzter Zeit ein paar mal gemacht. Ich hab gestern nach deiner Aktion am Unfallort wirklich an Trennung gedacht! Ich habe dir mehrmals angeboten dir professionelle Hilfe zu finanzieren, aber du hast eher mich für bedürftig gehalten!" - "Ich weiß, Leonhard und ich schäme mich sehr dafür! Glaube mir! Ich habe meine Vergangenheit immer in meinem Herzen mitgetragen und es war davon steinhart geworden. Aber heute Nacht ist mir alles klar geworden und ich möchte dich nie, nie wieder verlieren. Ich schwöre dir, ich werde dich nie wieder blamieren! Ich werde mich sogar bei Ricarda und Peter entschuldigen, wenn du das willst. Eigentlich will ich das selbst." Sie waren inzwischen beim Frühstückstisch angekommen, den sie schön gedeckt hatte. Sie küsste ihn, bevor sie sich ihm gegenüber auf den Sessel setzte. "Kannst du mir noch vertrauen? ich wünsche mir so, das jetzt endlich alles gut wird, Leonhard und ich werde auch alles tun dafür." - "Ich auch, Irina! Hauptsache, wir lieben uns!"

Ricarda war im Krankenhaus angekommen und küsste ihren Peter lang und innig. Diese ungeplante räumliche Trennung schweißte die beiden noch enger zusammen, weil Trennungsschmerz etwas ganz gemeines ist. Ebenso wie Heimweh! "Ich wollte eigentlich deine unerledigte Büroarbeit mal angehen, aber ich glaube, dass das alleine keinen Sinn hat." Sie hatte wohl recht, denn es gab mit allen Auftraggebern individuelle Abmachungen, die er ihr erst sagen hätte müssen. Gegen zehn kam die Visite. Ricarda durfte im Zimmer bleiben. Als die Schwester die Decke zurückschlug kam ein beinahe Fußball-großer blau-schwarz-gelber Knöchel zum Vorschein. Berührungen und Bewegungen waren nach wie vor sehr schmerzhaft, man überlegte zu punktieren und den Fuß zu bandagieren, doch da er dermaßen Berührungsempfindlich war, verschob man die Aktion auf den folgenden Tag. Als alle aus dem Zimmer gegangen waren, setzte sich Ricarda zu Peter auf das Bett und ließ ihre Hand unter der Decke verschwinden. "Ricarda, Was tust du da?" fragte Peter, der ihre weiche Hand auf angenehme Weise den Oberschenkel hinaufgleiten spürte. "Frühstück machen..."

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