erste Schritte

Sobald es draußen wieder hell wurde, ging er hinunter um ihren Proviant einzupacken. Noch nicht einmal der Wirt war wach. Sibel allerdings hatte ihnen schon einige Brote geschmiert und reichte sie ihm. „Danke.“

Sie schüttelte traurig den Kopf. „Es tut mir leid, dass ich nicht mehr für euch tun kann.“

Dieses Mal schüttelte er den Kopf. „Nein, das hier ist schon mehr als genug.“

Als auch Mia hinunterkam, sah sich Sibel unsicher um. Als sie sicher war, dass niemand in der Nähe war, winkte sie die Beiden hinter sich her. Zusammen gingen sie in den Hinterhof, wo bereits zwei gesattelte Pferde auf sie warteten. Akito sah sie ungläubig an.

„Das können wir nicht annehmen.“

Auch Mia sah sich verlegen um. Doch Sibel ließ keine Widersprüche zu.

„Nehmt sie, sie gehörten unserem Nachbarn und würden hier nur als Essen enden. Und mit dieser Verletzung braucht ihr sie dringender.“

Sie deutete auf Akitos Knöchel und dieser nickte beschämt.

„Und nun verschwindet, bevor mein Mann herausfindet, dass unsere Fleischvorräte gerade gesunken sind.“

Sie umarmte beide zum Abschied und half ihnen dann aufzusteigen. Mia saß unsicher im Sattel, schaffte es aber irgendwie sich oben zu halten. Nachdem sie sich erneut bedankt hatten, ritten sie los. Zunächst langsam, aber als sie beide genügend Übung hatten, gaben sie den Pferden die Sporen.

Akito war erleichtert. Mit den Pferden würden sie nach nicht einmal einem halben Tag in Sarivef eintreffen. Er konnte kaum noch erwarten, was ihn dort erwartete. Völlig entkräftet, gönnten sie ihren Pferden nahe eines Flusses eine Pause.

Erschöpft ließ sich Akito unter einem Baum nieder. Die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel und brannte mitleidslos auf sie nieder. In nicht einmal einer Stunde wäre er endlich zuhause.

Bevor sie allerdings weiterreiten konnten, versperrte ihnen eine Gruppe von Männern den Weg.

Keine Soldaten, sondern einfache Bauern, bewaffnet mit Sensen und Mistgabeln.

„Hier gibt es nichts zu plündern. Verschwindet von hier!“ „Sofort!“ Brüllte ein anderer.

Akito besah sich die Menge genau und wie vom Blitz getroffen, erkannte er jemanden. „Julio?“

Keine Reaktion. „Julio? Bist du das?“ Unsicher kam er näher, nur um von einer Mistgabel auf Abstand gehalten zu werden. Die Männer tauschten nervöse Blicke und einer raunte Julio etwas ins Ohr.

Aber dieser zuckte nur verwirrt mit den Schultern. Natürlich, hatte er wirklich geglaubt, er würde sich an ihn erinnern?

Er lachte, Verzweiflung machte sich in ihm breit. Am Ende von den Leuten aufgehalten, die ihn Treue geschworen hatten.

Ja, so ein tragisches Ende passte in seine Geschichte.

Er machte einen weiteren Schritt auf sie zu und sah dem Mann in der Mitte fest in die Augen. Die Mistgabel bohrte sich schon fast in sein Fleisch, aber er ignorierte ihre bloße Existenz, wenn er so sterben sollte, dann nur zu. Der Mann wich erschrocken zurück.

„Wer zur Hölle seid ihr! Was wollt ihr hier?!“

Sein Grinsen wurde breiter. „Hättet ihr das nicht zuerst Fragen sollen? Bevor ihr uns bedroht?“

Unsicher sahen sie sich um. Mia hatte sich hinter dem Baum versteckt. Hoffentlich würde sie es rechtzeitig schaffen zu fliehen. Entschlossen trat ihm der Mann in der Mitte entgegen, bis sie nicht einmal mehr einen halben Meter voneinander entfernt standen.

„Irgendwoher kenne ich deine Hackfresse doch! Bist du einer dieser Dreckskerle die unsere Stadt zerstört haben!?“

Akito runzelte die Stirn. Kannte er diesen Mann? Aber woher? Ganz versunken in seinen Überlegungen bemerkte er gar nicht, wie der Typ immer mehr anfing sich über ihn aufzuregen und ihn zu beschimpfen. Vielleicht hatte er ihn ja früher einmal in der Stadt gesehen? Eigentlich eher unwahrscheinlich. Akito war nur sehr selten in der Stadt gewesen und wenn, dann nie ohne Wachleute und auch nur kurz. Aber diese Stimme, sie kam ihm so bekannt vor. Verwundert musterte er den Typen der da vor ihm stand. Doch er schien Akitos Blick falsch aufzufassen.

„Was glotzt du mich so an!? Häh!? Haste deine Zunge verschluckt oder was!?“

Grob packte er ihn an seinem Kragen. Die Mistgabel schnitt ihn, als der Typ ihn zu sich hinzog. Wütend knurrte er Akito an und schien kurz davor ihn in die Meute zu schmeißen. Die Anderen schienen wie begierig darauf zu warten. Verständlich, angesichts der Tatsache, dass sie ihn für einen Feind hielten. Alleine Julio schien noch verunsichert. Endlich bemerkte Akito seinen Fehler. Fast hätte er es ganz vergessen. „Nein.“

Damit war er ihm zumindest keine Antwort mehr schuldig. Verwirrt runzelte der Typ die Stirn und vereinzelt wurden Stimmen laut. Dieses Gespräch verlief nicht so gut, wie er es erhofft hatte. Was auch immer sein Vater getan hatte, der Schmerz hatte all seine Bürger blutrünstig werden lassen. Aber das hatte sie noch lange nicht zu Mördern gemacht. Die Mistgabel war mittlerweile aus seinem Umkreis verschwunden. Das wenige Blut, dass seine Tunika nun rot färbte, schien dem Mann schon zu viel gewesen zu sein. „Nein?! Was zur Hölle!?“

Verwundert griff Akito nach den Händen des Mannes und schaffte es irgendwie, sich aus seinem Griff zu lösen.

„Nein, ich bin keiner dieser Dreckskerle. Falls ihr mir also auch eine Frage gestatten würdet?“

Noch verwirrter trat der Mann einige Schritte zurück. Sofort bekam er eine Keule in die Hand gedrückt. Murrend nickte er.

„Seid ihr alle aus Sarivef? Wisst ihr, wo Teo ist? Er war ein Angestellter im Schloss.“

Einige der Männer ließen ihre Waffen sinken. „Anscheinend sagst du die Wahrheit, oder du bist ein extrem guter Lügner. Natürlich kennen wir Teo. Und ja, wir wissen wo er ist.“

„Und? Wo ist er?“ Abwehrend hob er die Hand.

„Nicht so schnell Freundchen! Jetzt bist du wieder dran. Was wollt ihr hier? Wenn nicht Unruhe verbreiten?“ „Ich wollte nach Hause. Nichts sonst.“

Misstrauisch kniff er die Augen zusammen. „Und sie?“

„Einen Neuanfang.“

Traurig schüttelte er den Kopf. „Das könnten wir wahrlich alle gebrauchen.“

Nun nahmen auch die letzten ihre Waffen runter. „Gut, wir bringen euch ins Lager. Aber wenn du uns angelogen hast, dann…“

„Keine Sorge, das habe ich nicht.“

Dabei kam er nicht umhin zu beobachten, wie sie dem Mann mit der Mistgabel immer wieder wütende Blicke zuwarf. Nachdem sie mit ihrer notdürftigen Versorgung fertig war, machten sie sich auf den Weg. Schnell nahmen er und Mia die Pferde und sie folgten den Männern in Richtung Wald.

Eigentlich hatte er nur Informationen gewollt, wenn sie ihn aber gleich zu Teo brachten, umso besser. Mia schien beunruhigt uns begutachtete zuerst ausgiebig seine Wunde. So gut er konnte schloss er zu dem Anführer auf und fragte neugierig: „Bringt ihr uns zu Teo? Haben noch andere überlebt? Wir haben gehört, die ganze Stadt sei vernichtet worden.“

Wieder grunzte der Typ. „Fast alle sind entkommen, nur wenige sind tatsächlich an dem Tag gestorben. Was die meisten getötet hat, waren die Wunden, der Hunger oder Ritter des Königs.“

Akito biss sich auf die Lippe. Natürlich, sein Vater würde niemals zulassen, dass jemand, der auf Akitos Seite stehen könnte überlebte. Ob er mittlerweile nach ihm suchte? Er konnte es nicht ausschließen. „Was ist mit Teo?“

Er musste einfach wissen, was mit ihm geschehen war. Abrupt blieb der Typ stehen und seufzte. „Junge, ich will dich nicht anlügen. Wir haben ihn seit knapp einem Monat nicht mehr gesehen.“

Schockiert starrte Akito ihn an, dass wäre ja zu schön gewesen um wahr zu sein. „Weißt du, wo er sein könnte?“

„Warum so versessen darauf, ihn zu finden? Wenn er am Leben ist, wird er schon früher oder später zurückkommen. Das war bisher immer so.“

Da hatte er womöglich recht. Es gab für ihn wichtigeres zu erledigen. Nachdem er sicher war, dass Mia bei den restlichen Bewohnern in Sicherheit war, würde er los reiten. Zwei lange Jahre hatte er darauf gewartet nach Hause zurück zu kehren. Wenn es eine Möglichkeit gab, seine Heimat wiederaufzubauen, dann würde er sie ergreifen.

„Gut, hoffentlich lässt er sich nicht zu viel Zeit.“

Der Mann grinste schwach und sah ihn dann fragend an: „Und?“

„Und was?“

„Was willst du denn so dringend von Teo?“

Akito bemühte sich zu lächeln. „Eigentlich will ich ihn nur wiedersehen. Es ist lange her und wir haben uns sicherlich viel zu erzählen.“

Mittlerweile wurde es schon dunkel und er konnte noch immer nicht das Ende des Waldes erkennen. Wohin man sie wohl brachte? Als sie auf eine kleine Lichtung kamen, rannten einige der jüngeren Männer gleich los. Verwirrt sahen Akito und Mia ihnen nach.

„Die Liebe. Wir waren länger als zwei Wochen unterwegs und sie haben ihre Frauen mehr als nur vermisst.“ Der Mann lächelte schwach.

„Nun denn, am besten bringe ich euch zu unserem Anführer. Dann könnt ihr in Ruhe mit ihm besprechen, wie es weitergeht.“

Akito nickte, er staunte nicht schlecht, als sie sich durch das letzte Dickicht schlugen und endlich einen Blick auf das Lager werfen konnten. Auf Mia schien nicht unbeeindruckt. Sie hatten sich hier mehr errichtet, als nur ein bloßes Lager. Akito und Mia standen vor einem riesigen Wall aus Baumstämmen. Der Mann lachte nur als er ihre Gesichter sah.

„Sicher ist sicher nicht? Wir haben viel durchgemacht, da wird man schon mal misstrauisch.“

Da hatte er recht. Zusammen hatten sie sich hier ein richtiges Fort erbaut. Es gab nicht viele Hütten, aber genug, damit jeder ein Dach über dem Kopf hatte. Einige Leute kamen ihnen entgegen, als sie die Siedlung betraten. Allerdings waren sie ihnen genauso wenig freundlich gesinnt, wie die anderen Männer. Nachdem der Mann ihnen allerdings die Situation erklärt hatte, zogen sie sich misstrauisch zurück, allerdings nahmen sie ihnen ihre Pferde ab.

Hoffentlich nicht endgültig. Auch danach, ließ man sie nicht eine Sekunde aus den Augen.

Akito wurde immer nervöser. Wenn sie dieser Anführer verstieß, würde sein Plan nicht funktionieren. Niemals würde er riskieren, dass Mia etwas zustieß. Er musste einen sicheren Platz für sie finden, bevor er sich zu der Grenze aufmachen konnte. Als sie etwa in der Mitte der Siedlung angekommen waren, bat der Mann sie zu warten.

Akito sah sich bei der Gelegenheit etwas genauer um. Die Häuser waren allesamt direkt am Wall gebaut worden und bildeten, soweit er es überblicken konnten ein oval. Am Rande hatte man sogar einen kleinen Teil eines Baches mit eingezäunt. Überwiegend sahen die Gebäude alle gleich aus, robust und schlicht. Nur das Gebäude vor dem sie standen bot eine Ausnahme. Es hatte zwei Stockwerke und war deutlich größer. Auch, wenn das obere Stockwerk überwiegend als eine Art Aussichtspunkt zu dienen schien. Mia nutze die Gelegenheit und musterte Akito skeptisch.

„Ist mit dir alles in Ordnung?“ Verwundert sah er zu ihr.

 „Mir geht es gut, mach dir bitte keine Sorgen.“

Unsicher musterte sie ihn: „Sicher? Ich meine nach all der Zeit kommst du nach Hause und wirst nicht einmal wiedererkannt? Und dann ist noch einer deiner Freunde verschwunden? Das kann dich doch nicht kalt lassen!“

Genervt nahm er sie bei den Schultern. Er wusste, dass er ihr unrecht tat, aber das war ihm egal, er wollte nur, dass sie aufhörte zu nerven. „Mir geht es gut ok!? Es würde mir nichts bringen mich wie ein kleiner Bengel aufzuregen. Außerdem war ich lange fort, da ist es nur logisch, dass mich nicht gleich jeder erkennt. Und was Teo betrifft geht dich das absolut nichts an! Also misch dich da gefälligst nicht ein.“

Betreten sah sie zu Boden und er wollte sich auch schon entschuldigen, als die Tür aufging und sie herein gewunken wurden. Das Haus schien als eine Art Taverne genutzt zu werden. In der Mitte hatte man eine Feuerstelle errichtet, über der ein riesiger Kessel hing. Anscheinend hatte man extra alle Tische an den Rand geschoben und nun saßen 5 Personen um das Feuer herum und schienen auf sie zu warten. Hinter ihnen standen noch weitere Personen. Aber Akito konnte sich ganz sicher sein, der Anführer saß ihm genau gegenüber.

Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er in das Gesicht seines alten Begleiters sah. Zwar war auch er gealtert und seine Stirn war von tiefen Furchen durchzogen, aber er sah immer noch aus wie früher. Wahrscheinlich war er auch für die enorme Mauer verantwortlich. Akito sah ihm genau in die Augen, doch schien Pamil ihn nicht zu erkennen. Vielleicht lag es daran, dass sein Halbes Gesicht bedeckt war. Vielleicht aber auch daran, dass er einfach nicht mehr daran glaubte, dass Akito überhaupt noch am Leben war. Was es auch war, er erkannte ihn nicht. Die Beiden wurden eindringlich gemustert und es dauerte eine Weile, bis er anfing zu sprechen. Akito bekam eine Gänsehaut. Wie lange hatte er darauf gewartet, seine Stimme wieder zu hören.

 „Wer seid ihr und was wollt ihr hier?“

Akito schluckte, sollte er ihm einfach so die Wahrheit sagen? Normalerweise hätte er sich nichts sehnlicher gewünscht, aber wenn Pamil wusste, wer er war, dann würde er ihn niemals nach Kazula gehen lassen. Er biss sich kaum merklich auf die Lippe. Seine einzige Hoffnung würde sein, dass er seine Stimme nicht erkannte und Mia sich heraushielt.

„Wir sind Niemand, Reisende auf der Suche nach einem Neuanfang.“

Skeptisch musterte er die Beiden. Akito stockte der Atem, als sein Blick auf ihm ruhte.

„Tatsächlich? Doch was führt euch dann in ein Kriegsgebiet? Hier gibt es nichts als Zerstörung und Leid. Selbst wir müssen sehen, wie wir zurechtkommen.“

Pamil lehnte sich in seinem Stuhl zurück und Akito konnte spüren, wie es unruhiger wurde. Schnell beeilte er sich zu antworten.

„Tatsächlich hatten wir Familie in Sarivef. Doch während des Krieges brach der Kontakt ab und wir machten uns Sorgen. Wir hatten gehofft Überlebende zu finden, doch nun sind wir sicher, dass unsere Familie nicht hier ist.“

„Wenn ihr die Wahrheit sprecht, dann nennt mir den Namen eurer Familie.“

Akito stutze, er kannte keinen. „Wir gehören zu der Familie der Gribors, allerdings hatte unsere Tante geheiratet, daher trug sie einen anderen Namen. Dieser ist mir allerdings entfallen.“

Ein Glück hatte er Mia dabei. Umso mehr tat ihm seine vorherige Grobheit leid. Nun schien Pamil allerdings neugierig zu sein.

„Gribor, mhm? Nun der Name kommt mir tatsächlich bekannt vor, warum tretet ihr nicht näher heran? Vielleicht kenne ich eure Tante ja.“

Pamil lehnte sich nach vorne und faltete entschlossen die Hände. Akito wusste, dass ihm keine andere Wahl blieb. Mia trat als erstes ans Feuer und nachdem er sie genau gemustert hatte schüttelte er kurz den Kopf. Auch die anderen Männer schienen zu verneinen. Sie hatten bisher kein Wort gesagt und Akito dachte sich schon, dass sie lediglich hier waren, um den Eindruck einer geteilten Macht zu vermitteln und die anderen Bürger zu beruhigen.

Selbst wenn, würden sie ihm wahrscheinlich nicht widersprechen. Akito atmete noch einmal durch, er konnte sich nicht sicher sein, wie Pamil reagieren würde. Den Blick auf den Boden gerichtet, machte er einen Schritt nach dem anderen. Als sein Gesicht vollends von dem Feuer beleuchtet wurde blickte er auf. Pamil musterte auch ihn eingehend.

„Woher...“ Es schien ihn wie ein Blitz zu treffen. Akito war sich nicht sicher, was sich auf seinem Gesicht abzeichnete. Trauer? Freude? Ja vielleicht sogar Zorn?

Auf jeden Fall wurde Pamil ziemlich blass und zögerte keine Sekunde lang, vor ihm niederzuknien. Die anderen Männer sahen ihn teils schockiert und teil verängstigt an. Der Mann zu seiner Rechten fragte ihn sogar, was los sei, doch bevor er auch nur aussprechen konnte, sagte Pamil in voller Lautstärke: „Eure Hoheit, Akito Hephes Sarivef. Es ist mir eine Freude euch hier begrüßen zu dürfen. Allerdings beschämt es mich, zugelassen zu haben, dass eure Stadt vernichtet wurde.“

Ein erschrockenes Rauen erfüllte den Raum und nach und nach knieten auch die anderen Personen nieder. Am Ende kniete der gesamte Raum, Mia eingeschlossen, vor einem völlig fassungslosen Akito. Dieser versuchte verzweifelt nach einem Ausweg.

„Nun, ich bedanke mich für diesen Empfang, doch es würde mich freuen, euch alleine sprechen zu können.“

Pamil sah auf und nickte. Er hatte Tränen in den Augen, doch auf seinem Mund zeichnete sich ein ehrliches Lächeln ab. Pamil scheuchte alle nach draußen und Akito bat auch Mia draußen zu warten. Eine der Frauen bot sich gleich an, Mia ihr neues Bett zu zeigen. Wiederwillig ging sie mit. Als endlich alle fort wahren, kam Pamil zu ihm und drückte ihn an sich. Akito konnte spüren, wie Pamil anfing zu weinen. Am liebsten hätte er auch geweint, doch so sehr er es auch wollte, seine Tränen waren bereits versiegt. So konnte er nur Pamil in den Armen halten, bis dieser sich beruhigte. Der alte Wachmann schien es immer noch nicht glauben zu können. Er nahm Akitos Gesicht in seine Hände und betrachtete ihn eingehend.

„Was ist dir passiert?“

Seine Stimme zitterte und wahrscheinlich wusste er nur zu genau, was sein Vater ihm angetan hatte. „Als ich auf dem Weg nach Hause war, wurde ich überfallen. Männer, angeheuert von meinem Vater um mich zu verstecken, bis er mich umbringen kann. Na ja und dafür ließ er sich etwas zu viel Zeit und nun bin ich hier.“

Pamil schüttelte entsetzt den Kopf und als er nachhaken wollte, unterbrach Akito ihn. „Was ist mit euch, was ist passiert, wo ist Teo?“

Traurig seufzte er. „Du weißt von dem Krieg?“

Ein Nicken.

„Gut, nun Teo und ich schafften es so gut es ging die Stadt vor dem Angriff zu evakuieren. Die Männer der Armee, die bei uns stationiert gewesen waren, hatten den Befehl bekommen, alles niederzubrennen, damit es nicht den Feinden in die Hände viele. Unser einziges Glück war, dass einige von ihnen keine willenlosen Bastarde waren und uns vorher warnten. Danach machten wir uns allesamt auf den Weg. Wir wussten nicht wohin und waren auf uns allein gestellt. Nach einigen Wochen haben wir uns dann hier niedergelassen.

Beide Seiten lassen uns hier in Ruhe und wir konnten endlich anfangen nach dir zu suchen. Wir hätten es schon eher getan, glaub mir, doch die Truppen deines Vaters ließen niemanden aus oder in die Stadt hinein. Deswegen ist Teo auch nicht hier, Akito. Er sucht nach dir.“

Akito lächelte schwach. „Könnt ihr ihn kontaktieren?“

Pamil schüttelte den Kopf. „Wir müssen wohl abwarten. Doch nun sag mir endlich, was es mit diesem Verband auf sich hat.“

Akitos Lächeln verschwand wieder und er seufzte. „Sieh selbst.“

Langsam wickelte er den Verband ab und zeigte Pamil, was man ihm angetan hatte. Pamil erschrak. Wie gelähmt stand er da und starrte auf das ausgebrannte Loch in seinem Gesicht. Jetzt musste Akito doch wieder lachen. Ein Muskelprotz wie er erschrak vor einer schon längst verheilten Wunde. Das schien ihm ein wenig skurril.

Er hielt Pamil den Verband hin: „Würdest du bitte? Ich denke nicht, dass es eine gute Idee ist ohne herumzulaufen.“ Pamil nickte wie in Trance und machte sich daran, ihm den Verband wieder um zu wickeln.

„Wie um alles in der Welt ist das passiert?“ Akito zuckte nur mit den Schultern, er wollte nicht daran denken und erst recht wollte er nicht, dass Pamil davon erfuhr, was ihm widerfahren war. Pamil sollte ihn so sehen wie immer und nicht wie einen geprügelten Hund, den man extra sanft behandeln muss. „Pamil? Kann ich dich um einen Gefallen bitten?“ Pamils Blick wurde etwas weicher.

„Natürlich, du bist nach wie vor mein kleiner Prinz. Erbitte, was auch immer du benötigst.“

„Bitte kümmere dich um Mia, pass auf, dass ihr nichts passiert. Nur wegen ihr bin ich noch am Leben.“ Skeptisch runzelte er die Stirn: „Was hast du jetzt schon wieder vor?“

Akito lachte, er kannte ihn doch einfach zu gut. Doch als er Pamil bat, sich mit ihm zu setzten, wurde er bitter ernst. Es dauerte nicht lange, bis Pamil seinen Plan verstand und vehement protestierte.

„Du bist doch gerade erst wieder hier! Willst du dein Leben wirklich einfach so wegschmeißen!? Das werde ich nicht zulassen! Niemals, hörst du!“

„Pamil so hör mir doch zu! Wenn ihr Herrscher auch nur ein kleines bisschen Verstand besitzt, wird er mich anhören. Dann bekommen wir unsere Stadt wieder. Unser Leben!“

Pamil biss sich verzweifelt auf die Lippe. „Nein, hörst du?! Ich lasse nicht zu, dass du dich selbst umbringst!“

Akito verlor langsam die Geduld mit ihm. Er atmete einmal tief durch, stand auf und beugte sich über den Tisch an dem sie saßen.

„Du kannst tun und lassen was du willst, aber ich werde gehen und du wirst mich nicht daran hindern. Verstanden?! Und das ist ein Befehl!“

Damit ging er. Pamil saß wie angewurzelt da und starrte auf die Stelle, an der er gerade noch gesessen hatte. Es war das erste Mal, dass Akito ihm einen Befehl erteilt hatte und es fühlte sich furchtbar falsch an. Aber um nichts in der Welt würde er sich von seinen Plan abhalten lassen. Als er durch die Tür trat, stieß er fast mit Julio zusammen. Dieser schien auf ihn gewartet zu haben. Sobald er ihn erblickte, ließ er sich zu Boden fallen.

„Bitte verzeiht, dass ich euch nicht sofort erkannt habe.“

Akito winkte ab. „Alles gut. Schließlich war ich lange Zeit fort und auch vorher schon haben wir uns nur selten gesehen.“

Damit ging Akito weiter, er würde sich ausruhen müssen, morgen früh würde er sofort los reiten. Man brachte ihn zu einer kleinen Hütte, aus der man sämtliche Betten heraus geräumt hatte, bis auf eines. Ihm gefiel der Gedanke nicht, wie sie seinetwegen auf Platz verzichteten, aber er war zu müde, um etwas anzumerken. Sobald er sich in sein Bett lag, viel er in eine tiefe Ohnmacht. Endlich hatte er es geschafft. Er hatte einen Teil seiner Heimat wieder. Doch als er am nächsten Morgen erwachte, standen in seiner Hütte zahlreiche Wachen. Darunter auch Pamil und Mia. Sie war gerade dabei Seine Verbände auszuwaschen.

„Was ist hier los?“

Mia drehte sich blitzschnell um und schleudert ihm dabei einen der triefend nassen Verbände ins Gesicht.

„Pamil hat mir erzählt was du vorhast! Bist du völlig verrückt geworden!?“

Akito lachte, er lachte so sehr, dass es ihm schon Tränen in die Augen trieb. Pamils Gesichtsausdruck war einfach himmlisch. Selbst Akito war überrascht über Mias Wutausbruch. Und auch die anderen Wachen schienen deutlich verwirrt von der Szene die sich ihnen bot.

Sobald er sich beruhigt hatte seufzte er einmal und setzte sich auf. Das einzige was er dazu sagen konnte, war ein trockenes „Vielleicht.“

Mia zuckte bei dem klang seiner Stimme zusammen und ihr Blick wurde traurig. Nun seufzte auch sie. „Dein Knöchel brauch vielleicht 3 Wochen um zu heilen.“

Verwirrt sah er ihr dabei zu, wie sie ihn schiente. „Was...“

Mia grummelte etwas Unverständliches. „Du hast es mir versprochen. Steh zu deinem Wort, danach habe ich kein Recht mehr dich aufzuhalten.“

Akito lächelte als er sich an sein Versprechen erinnerte.

„Gut, aber ich werde in der Zeit nicht untätig im Bett liegen bleiben. Pamil, könnt ihr mir Stift und Blätter besorgen? Es gibt einige Briefe zu schreiben.“

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media