Familie

Yuu schwang sein Schwert noch mal gegen die Trainingspuppe aus Metall. "Leibwächter, dass ich nicht lache!", rief er sauer und verpasste der Puppe einen weiteren Hieb. "Sie will dabei nicht gestört werden! Ha! Ihr wollt wohl eher beide nicht gestört werden!" Mit einem einzigen festen Schlag zerteilte er die Puppe in der Mitte und der obere Teil fiel krachend zu Boden. "Da scheint jemand ja recht gestresst zu sein", ertönte eine Stimme hinter ihm und Yuu drehte sich um. Omnix stand unter dem Torbogen, der zum Übungsplatz führte. "Mir geht’s gut", schnaubte der Junge, während er die Einzelteile der Puppe aus dem Weg räumte. "Du bist schon den ganzen Abend hier, vielleicht solltest du mal eine Pause machen", schlug der Reinkarnitor vor." "Ich sagte doch, dass es mir gut geht! Ich brauche keine Pause!", widersprach Yuu. "Ich sorge mich auch um etwas anderes. Wenn du so weitermachst werden bald keine Trainingspuppen mehr übrig sein", meinte Omnix und sein Blick fiel auf das Dutzend zerschnittener Metallteile, das bereits am Rande des Übungsplatzes lag. Yuu grinste. "Wie wär’s dann mit einem Match?", fragte er. "Ich bezweifle, dass das gesund für dich wäre", antwortete sein Gegenüber. Yuu stellte sich kampfbereit hin und streckte ihm sein Schwert entgegen. Omnix seufzte: "Na schön, dann fang an." Yuu schoss auf ihn zu und holte aus, doch seine Klinge traf ins Leere. Omnix war schon längst hinter ihm, also wirbelte der Junge herum und versuchte seinen Gegner zu treffen. Omnix wich seinen Schlägen wieder und wieder aus, bis Yuu seine Taktik änderte und einen gewaltigen Energiestoß aus seiner Dämonenklinge freiließ. Omnix konnte im letzten Moment zur Seite springen und kam schließlich hinter ihm auf. "Du tust nichts anderes als auszuweichen", rief Yuu während der Reinkarnitor ihn musterte. "Komm schon! Ich habe keine Angst vor dir! Zeig mir, was du kannst!" Er wollte noch weiterreden, doch bevor er auch nur blinzeln konnte war Omnix schon bei ihm. Erschrocken wich er zurück und schwang sein Schwert, um ihn zu treffen, doch Omnix verschwand und tauchte plötzlich hinter ihm auf. Der Junge drehte sich halb um und sah, wie die sternenübersäte Hand des Reinkarnitors auf ihn zu kam, die Finger in der Position, um ihm gegen die Stirn zu schnippen. Wenige Millimeter vor Yuus Kopf hielt er jedoch an und schnipste in die Luft. Eine Druckwelle ging von seiner Hand auf, welche Yuu mit voller Wucht ins Gesicht schlug. Omnix tippte ihm gegen die Stirn und sein Auge leuchtete belustigt auf. "Ich denke, ich habe gewonnen", meinte er. Mit diesen Worten drehte er sich um und ging in Richtung Ausgang, während Yuu, immer noch zitternd von dem Angriff, langsam hinter sich sah. Die massive Steinwand des Übungsplatzes, die hinter ihm gewesen war, lag in Trümmern und die Fenster, die dahinter in der Wand des Palastes gewesen waren, waren zersplittert. "Kommst du?", fragte das Wesen ihn und Yuu nickte langsam.

"Was ist es, das dich bedrückt?" Die Frage kam überraschend und im ersten Moment wusste Yuu nicht, was er darauf antworten sollte. Sie saßen inzwischen in einem der Esszimmer des Plastes und Omnix hatte Yuu ein kleines Abendessen hergerichtet. "Was ist es, das dich bedrückt?", wiederholte Omnix seine Frage, als der Junge still blieb. "Ich…naja, es ist kompliziert. Ich weiß nicht mal, warum ich so sauer bin. Ich sollte mich eigentlich freuen", antwortete Yuu seinem Freund. "Und was ist der Grund deiner Stimmung?" Bevor Yuu antworten konnte ging die Türe auf und Krul und Mika kamen herein. "Oh, tut uns leid, wir dachten, dass hier niemand wäre", entschuldigte sich der junge Vampir und Krul kicherte. "Lasst euch nicht stören, wir sind schon wieder weg", meinte sie und die Türe schloss sich wieder. "Verstehe", seufzte Omnix, als er Yuus Blick erkannte. Die Türe ging wieder auf und die beiden Vampire kamen, mit äußerst verdutzten Gesichtern, in den Raum geschwebt, wo sie in zwei der vielen Sessel fielen. Hinter ihnen ging die Tür krachend zu. "Wie nett, dass ihr doch noch geblieben seid", meinte Omnix und sein Auge, welches gerade noch hell geleuchtet hatte, verdunkelte sich wieder. "Ich denke ihr wisst, warum ich euch zurückgeholt habe?", fragte der Reinkarnitor und die beiden sahen verlegen auf den Boden. "Ich persönlich habe kein Problem mit eurer Beziehung, aber vielleicht solltet ihr Yuu die Wahrheit erzählen. Auch wenn er sie längst ahnt." Mika seufzte. "Du hast recht. Yuu, es tut mir leid, dass ich dich angelogen habe. Du hast recht, Krul und ich sind…zusammen", meinte er und Yuu schmunzelte. "Das war es, das dich bedrückt hat, stimmt’s?", fragte Omnix. "Ja, jetzt wo du es sagst…es war gar nicht der Fakt, dass sie zusammen sind, sondern, dass sie es mir nicht erzählt haben." Sein Lächeln wurde breiter. "Ich freue mich für euch beide. Tut mir leid, dass ich mich so dumm verhalten habe." Krul grinste und entblößte ihre scharfen Eckzähne. "Vergeben und vergessen kleiner Yuu", meinte sie. Omnix nickte. "Gut, dann will ich euch nicht länger aufhalten." Mit diesen Worten leuchtete sein Auge auf und die Türe wurde abermals aufgestoßen. Die Stühle der beiden Vampire entwickelten ein Eigenleben und rasten auf die offene Türe zu, vor welcher sie so abrupt stehen blieben, dass die beiden in hohem Bogen aus den Sitzen und somit aus dem Zimmer flogen. Kaum waren sie draußen schloss sich die Türe wieder und Omnix Auge hörte auf zu leuchten. Yuu kicherte. "Wird sie dir das nicht übel nehmen?", fragte er und Omnix lachte. "Glaub mir, ich habe schon weitaus schlimmere Dinge angestellt", meinte er. "Wie lange kennst du die Königin schon?", stellte der Junge die nächste Frage. "Seit dem ersten Tag. Ich habe sie damals davor gerettet, der Sonne zum Opfer zu fallen." Yuu nahm einen Schluck aus seinem Glas. "Ich glaube, ich habe mich langsam daran gewöhnt, hier zu leben", murmelte er. Es wurde eine Weile still zwischen den beiden. "Willst du deine Freunde wiedersehen?", fragte Omnix plötzlich und Yuu sah ihn überrascht an. "Das ist möglich?", fragte er ungläubig. "Ich dachte, ich dürfte das nicht, weil weder Krul noch Mika sie wirklich gut kennen. Ich dachte, die beiden zählen sie nicht...zur Familie." "Das hat niemand gesagt. Yuu, Familie geht über Blut hinaus. Es sind die Leute die dich in ihrem Leben wollen. Diejenigen, die dich so akzeptieren, wie du bist und die dich lieben, ganz egal, was du tust. Darum gehörst du zu meiner Familie., genauso wie Krul, Mika und alle deine Menschenfreunde. Sie sind meine Familie. Sind sie auch deine?" Yuu sah ihn glücklich an und nickte. "Ja, ich denke, dass ich mich an so eine Familie gewöhnen kann."

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