Familiengeheimnis

Vorsichtig öffnete ich die Augen. Mein Puls raste. Würde er mich nun hassen? Wir standen in einer Seitengasse. Eine Straßenlampe warf dürftiges Licht auf uns.

Draco löste sich verwirrt aus meiner Umarmung und sah sich um.

„Was…? Wo sind wir?“ fluchte Draco und drehte und wendete sich in alle Richtungen. Ich konnte sehen wie leichte Panik in ihm hochstieg. Ich packte ihn an seinen Armen und zwang ihn mich anzusehen.

„Beruhige dich, Draco. Wir sind in Venedig. Es ist alles in Ordnung,“ beschwichtigte ich ihn.

Draco zog skeptisch seine Stirn in Falten und wandte sich aus meinem Griff.

„Nichts ist in Ordnung. Was machen wir hier? Warum hast du mich hierhergebracht?“ knurrte er verhalten.

Ich schluckte. „Das ist der dritte und wichtigste Grund warum ich bei dir war.“

„Raus mit der Sprache Isabella: Was geht hier vor?“ grollte er.

Zitternd wandte ich mich an die ängstliche Hauselfe neben mir, die sich in den Schatten der Straßenlampe gekauert hatte.

„Danke für alles Twinky. Nun geh zurück ins Manor. In ein paar Tagen wird dein Herr zurückkehren. Dir wird nichts passieren, das verspreche ich dir,“ beruhigte ich sie. Tapfer nickte die Elfe und verschwand dann schnell mit einem ‚Plopp‘.

„Jetzt bist du also schon so tief gesunken das du meine Bediensteten bestechen musst?“ spöttelte Draco hinter mir.

„Hör auf, Draco. Hör einfach auf,“ wisperte ich und drehte mich langsam um. „Ich werde dir nun das geben was du willst: Nichts als die reine Wahrheit. Und dann gebe ich dir noch etwas: Meinen Schwur,“ versprach ich ihm mit fester Stimme.

Draco zog irritiert die Augenbrauen hoch. „Auf was willst du schwören?“

„Das werde ich dir dann noch sagen. Beginnen wir doch mit der Wahrheit. Dazu gehen wir aber wohl lieber ins Haus. Ich will keinen ungeladenen Zuhörer,“ stellte ich fest und bewegte mich zum zweiten Mal Richtung via Foscara. Dieses Mal allerdings nicht alleine.

Draco folgte mir mit einigen Schritten Abstand und sah sich interessiert um. Vor der schwarzen Ebenholztür hob ich wieder meinen Unterarm und sagte die Phrase. Als der Wolfskopf des Türklopfers gleißend hell aufleuchtete zuckte Draco zurück. Ich unterdrückte ein grinsen und trat geschwind über die Schwelle.

„Komm. Gehen wir in den Salon,“ forderte ich ihn auf mir zu folgen. Zaghaft trat er über die Türschwelle und folgte mir stolpernd in den dunklen Flur. Wie von Zauberhand schloss sich die Tür hinter ihm.

„Dieses Haus ist…“ begann er murmelnd. Ein verärgertes Schnauben aus der Wand unterbrach ihn und lies uns zusammenzucken.

„Wag es ja nicht in diesem Ton von der ehrwürdigen Familie Foscarini zu sprechen, Malfoyspross. Wir sind keine Bande Handlanger wie ihr Malfoys. Wir sind königlich,“ maulte ein dicklicher Vorfahre mit schwarzem stolzen Schnurrbart. Er fuchtelte drohend mit dem wurstförmigen Zeigefinger.

„Und was willst du tun sollte er das ehrwürdige Haus beleidigen? Willst du ihn dann beschimpfen? Du bist ein Gemälde, verdammt. Halt deine vorlaute Klappe,“ schimpfte ich und packte unter den wüsten Beschimpfungen der Gemälde Draco am Arm und zog ihn weiter Richtung Salon.

„Elendiges Pack,“ rief ich noch in den Flur, schob Draco in den Salon und schloss hinter mir die Tür.

Ich atmete beruhigt aus. Geschafft! dachte ich mir.

„Wenn haben wir denn da?“ gluckste hinter mir eine erfreute weibliche Stimme.

„Unsere Täubchen sind zurück,“ jubelte eine andere weibliche Stimme.

Leise Fluchend drehte ich mich um.

Luna saß im Schneidersitz mitten auf dem Tisch während Aurora fröhlich glucksend mit einem Stuhl wippte.

„Runter vom Tisch Lu,“ herrschte ich sie an.

Seufzend mühte sich Luna vom Tisch.

„Sie haben keine Versöhnung gefeiert, Aurora,“ stellte sie traurig fest.

„Wie schade,“ seufzte Aurora.

„Raus hier. Ich und Draco müssen etwas besprechen,“ fauchte ich und jagte beide mit funkensprühendem Zauberstab vor die Tür. Als ich die Tür schloss hörte ich noch wie meine Freundinnen kichernd und fröhlich plappernd den Flur entlanggingen.

„Sie haben sich nicht verändert,“ stellte Draco grinsend fest der sich inzwischen auf einem Stuhl am Ende des Tisches hingesetzt hatte.

„Ich denke, dass sie sich nie ändern werden,“ schmunzelte ich und setzte mich seufzend auf den Stuhl am Fußende des Tisches wo bei der Versammlung vorhin Nero saß.

„Nun? Was ist der Grund für diese Nacht und Nebelaktion?“ wollte Draco wissen und lehnte sich lässig im Stuhl neben mir zurück.

Ich räusperte mich nervös.

„Hast du schon mal von ‚In Noctem‘ gehört?“ fragte ich ihn vorsichtig.

Dracos Miene wurde sofort ernst.

„Das nachtschwarze Amulett? Es ist eines der mächtigsten schwarzmagischen Artefakte die es gibt. Es soll einst einem Italienischen Zauberer gehört haben. Warum fragst du?“

Nervös bis ich mir auf die Unterlippe.  „‘In Noctem’ existiert.“ antwortete ich ihm schließlich.

Draco verzog erstaunt das Gesicht.

„Woher willst du das wissen?“

„Hast du von der Toten Squib gehört?“ stellte ich ihm eine Gegenfrage.

„Sie soll innerlich verbrannt sein. Aber das muss nicht ‚In Noctem‘ gewesen sein, Isabella,“ belehrte er mich.

„Es war das Amulett.“ beharrte ich darauf.

„Was macht dich so sicher?“ Draco musterte mich neugierig. „Was verheimlichst du mir?“

Ich schluckte schwer und senkte meinen Blick auf den Tisch vor mir. Starr betrachtete ich mein Spiegelbild im polierten Holz.

„Du sagtest das Amulett würde aus der Hand eines Italienischen Zauberers stammen. Weißt du auch seinen Namen?“

„Frederico Irgendwas. Nein, ich weiß es nicht mehr. Warum? Ist das so wichtig?“ Draco schüttelte den Kopf.

„Der Zauberer hieß Frederico Foscarini. Er war mein Urururururururgroßvater,“ murmelte ich.

Einen Moment herrschte Stille.

„Ich nehme an die Magie des Amuletts reagiert auf dich,“ räusperte sich Draco schließlich.

„Als ich bei der Leiche war und die Hände der Toten berührte spürte ich ein starkes Kribbeln in den Armen. Glaub mir Draco: Es war die Kette,“ erzählte ich ihm.

„In wessen Besitz war die Kette zuletzt?“ wollte Draco wissen.

Ich dachte kurz nach. Wo hatte ich die Kette zuletzt gesehen? Bilder einer Schatulle eingeschlagen mit schwarzem Samt erschienen vor mir. Darin gebettet eine silberne Kette mit großen schwarzen Edelsteinen die zu pulsieren schienen. Ein rotes Licht flackerte in ihnen, wie Feuer das sich im Luftzug bewegte.

„Sie war hier,“ hauchte ich.

„Du hast sie gesehen?“

„Kurz bevor ich mit meiner Mutter nach England flüchtete, bin ich in das Büro meines Großvaters. Er war nicht dort. Auf seinem Schreibtisch stand eine Schatulle. Sie war Grau und mit schwarzen Ornamenten geschmückt. Ich war neugierig und hab sie geöffnet. Darin war eine silberne Kette mit großen schwarzen Edelsteinen. Sie war wunderschön. Ich nahm sie in die Hand und habe sie betrachtet. Die Steine wurden warm und begannen zu pulsieren. Ein rotes flackern erschien in den Steinen. Da hörte ich die Stimme meines Großvaters. Ich habe die Kette schnell in die Schachtel gelegt und bin abgehauen. Das war das erste und zugleich letzte Mal das ich sie gesehen habe,“ berichtete ich ihm.

„Wer von deiner Familie weiß alles von der Kette?“ wollte Draco wissen.

„Ich weiß es nicht. Alle aus dem Kartell?“

„Du weißt was das bedeutet?“ raunte er.

„Wir sind in Gefahr. Alle. In sehr großer Gefahr,“ murmelte ich. „Sie werden uns jagen.“

Draco gab einen belustigten Ton von sich. „Als wäre, dass was Neues.“

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