Fiebertraum

Wie aus weiter Entfernung lauschte sie seinen Worten, als der junge Mann, der angeblich ihr Meister war, mit ihr sprach. "... wir werden hier die meiste Zeit ganz alleine sein. Tagsüber kommen ... " Sie blinzelte, doch die Welt blieb auf eine seltsame Art verzerrt. Die Säulen wanden sich unter ihrem Blick, die Farben schienen seltsam entschwunden und karg. Die Marmorplatten unter ihren Füßen zogen von dannen wie Seerosenblätter auf einem See, seltsam flüchtig und ohne Halt. Ihr Körper bewegte sich wie von selbst, während ihr Blick nur am Rande die Umgebung strich, dennoch die ganze Zeit an seinen Lippen hing.

Die wohlgeformten Lippen bewegten sich unablässig, formten Worte, welche sich ihrem Sinn kaum erschlossen, verzogen sich zu einem Grinsen, gaben ein charmantes Lächeln von sich.  Nichts an ihm fand sie anziehend, garnichts, niemals. Die Säulen im Flur beugten sich zu ihr herab, umschmeichelten sie zaghaft. Der Kronleuchter ächzte unter dem Gewicht von tausenden Kerzen, welche sich die grinsenden Mündern leckten, krakeelten und vor sich hin lachten. "... hoffe, dass ist nicht alles ein wenig viel auf..." Die Stimme des Meisters war die einzige Konstante. Seine Worte rauschten durch sie hindurch, doch die Stimme selbst war unveränderlich. Sie war der Halt, der sich ihren Füßen entzogen hatte.

Langsam schlängelte sich der Ton, der durch sein Auftreten auf dem Marmorboden verursacht wurde, durch die Luft. Sie konnte garnicht anders, sie musste hinsehen. Silbrig blau leuchtet er, verzweigte sich in viele Stränge, wie eine Quelle in den Bergen, welche sich in einzelne Rinnsale teilt, bevor sie tiefer im Tal einen Bach bildet, stärker noch als sein einstmaliger Ursprung. Diese Rinnsale wanderten mit einem Flirren, bei welchem sie sich nicht ganz entscheiden konnte ob es nun bezaubernd oder störend war, verspielt um seine Beine. Sie sprangen herab, purzelten auf den Boden, wie eine Murmel die man unbedarft fallen lässt. Bei jedem Sprung hinterließen sie eine graue Fläche auf dem Boden, zunächst winzig, dann immer größer. Wellen gleich breitete sich das bizarre und in diesem Moment doch so normale Phänomen aus, in Richtung des Randes verblassten sie in das endlose Nichts hinein, entschwanden im nächsten Moment gar und ganz.

Ein weiterer Ton fand Einzug in dieses Farbenspiel der Töne als von draußen das Zwitschern eines Vogels hereinschwebte, farbenfroh und voller Eleganz umschwirrte er sie, umschmeichelte ihre Wangen, bis ihr die Röte deutlich ins Gesicht geschrieben stand, schlich sich dann verspielt über Kinn herab. Kurz schien er sich fast noch weiter herab zu tasten und sie hatte das Gefühl ihren Halt, die Stimme des Meisters, zu verlieren. Doch dann wob sich das Zwitschern in kreisenden bunten Bewegungen um ihren Arm und mit einem letzten Leuchten verging es in einem Feuerwerk aus Farben, auf ihrem Arm nichts als Wärme, fast schon Hitze zurücklassend.

Sie blieb stehen. Kein willkürliches Stehenbleiben war es. Ihre Füße waren wie angewurzelt an dem Marmorboden, verschmolzen gerade zu mit ihm. Panisch sah sie sich um - wo war die Stimme hin? Immer dunkler wurde alles, bedrohlich griff diese Hand der Stille und Finsternis nach ihrem Herzen, lies es für einen kurzen Moment aussetzen. Dann jedoch löste sich der Knoten in ihrer Brust, als sie der Lippen des Meister gewahr ward, wie sie sich auf und ab bewegten, hörte fast schon die seltsam schmerzlich vertrauten Laute – doch sie erklangen nicht. Voller Schrecken nahm sie war, wie der Ton des Meisters nun auch als Bild seinen Mund verließ, sich in einem dunklen Rot durch die Luft schlängelte, in viele kleine Stränge aufteilte und sich um ihren Körper wand.

Heiß legte sich seine Stimme um jede Faser ihres Körpers, so furchtbar heiß. Hielten und stützen die Stränge sie, oder waren es Bänder die sie zu fesseln, sie in ihrer innewohnenden Hitze zu verbrennen gedachten? Der sorgenvolle Blick in seinen Augen war fast schon Hohn in Anbetracht.. in Anbetracht von was eigentlich? Immer dunkler wurde es um sie herum, nur die Stimme des Meisters leuchtete noch, bevor ihr endgültig die Knie einknickten und schlussendlich die Finsternis kam.

Comments

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    Danke schön, kommt bald, auch wenn ich gerade eine kleine Denkblockade habe :)

  • Author Portrait

    Bin schon gespannt, wie's weitergeht :-) Ich hoffe der nächste Teil kommt bald!

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Fairy Dust

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