Folge mir in meine Welt

2.

Lustigerweise fiel mir erst auf dass sie mir ihren Namen nicht genannt hatte, als die Tür schon hinter ihr zugeschlug. Sie kannte mich schon und so war es nicht zur typischen Vorstellung gekommen. Ich wusste nicht warum, aber ich wollte dieses Mädchen wieder sehen, sie hatte etwas an sich, dass mich in seinen Bann zog, egal wer sie war und woher sie kam. Deshalb konnte ich nur hoffen dass sie von selbst auf mich zurück kam und ich sie endlich wiedersehen konnte. Es war komisch, aber sie war kein billiger Onenightstand und nicht nur weil wir keinen Sex hatten, sie war anders, besser, egal was sie tat oder durchmachte. Mir ging es jetzt endlich gut, ich war gesund und liebte meine Arbeit, ich war glücklich und wollte doch etwas Neues. Und das war sie. Gestern als sie ein mein Leben gekracht war, hatte es sich gewandelt und jetzt wusste ich nicht mehr so richtig was ich wollte, außer dass ich diesem Mädchen nahe sein musste. Den restlichen Tag konnte ich keine Beschäftigung finden, die mich wirklich begeisterte, es machte keinen Unterschied ob ich neue Fragen für das nächste HeyJu heraussuchte, versuchte Skripte zu schreiben oder einfach nur an meiner Konsole herumspielte, es machte keinen Spaß. Also hing ich den ganzen Tag nur in meinem Bett rum und auf diversen sozialen Netzwerken herum und ließ von unnötigen Informationen berieseln. Es war immer wieder witzig Fanfiktions über mich zu durchstöbern und die teils auch ziemlich schlüpfrigen Geschichten zu lesen. In den meisten war ich überaus männlich und strotzte vor Muskeln und Charme. Mein Sixpack existierte zwar noch aber ich war ganz bestimmt keiner dieser Tom Cruise oder James Bond, der immer auf dem Grad zwischen Action und Liebe balancierte. Trotzdem war es cool sie in die Fantasie meiner Fans zu graben, egal wie abgedreht die Shippings teilweise waren. Kelly und Lena gingen ja zumindest als Freunde noch, aber Melina oder Bibi und Dagi niemals! Ich entdeckte sogar eine Liebesstory zwischen Vince Joon und mir, die musste ich den Jungs nachher unbedingt zeigen, die würden sich kaputt lachen. So verbrachte ich den restlichen Tag relativ produktionslos und wartete auf Rob, der irgendwo Essen mitnehmen besorgte und dann zu uns kam um ein bisschen zu drehen, Vielleicht war er in der Lage mich ein bisschen abzulenken. Hoffentlich. Tatsächlich wurde der Abend überraschend schön, wir lachten fast die ganze Zeit über dumme Witze und ich sendete meinen Abonnenten über Snapchat reichlich Lebenszeichen. Erst als ich irgendwann in der Nacht unter meiner Decke wie so oft wach lag, kehrten meine Gedanken wieder zu dem brünetten Mädchen zurück und kreisten um sie bis ich schließlich einschlief. Langsam war ich genervt, dass ich nicht mehr von ihr wegkam.

 

Es war in dem kürzlich geräumten Gebäude roch es zwar ein wenig modrig und sah alles andere als hübsch aus, aber man hatte die Heizung noch nicht abgestellt und das Dach war dicht, sodass ich hier wenigstens die nächsten Tage unterkommen konnte. Mein Plan für danach stand noch nicht wirklich fest, ich würde wohl irgendwo Arbeit suchen um mir irgendwo einen neuen Unterschlupf zu organisieren, oder auch bei der Obdachlosenhilfe kurz unterkommen, wenn es keinen anderen Ausweg gab. Aber das war keine langfristige Lösung, denn als gerade mal 18 Jährige konnte man sich dort nicht allzu lange aufhalten ohne sofort in irgendein Jugendschutzprojekt gedrängt zu werden. Irgendwann fand ich auch den Schlaf, aber kurz bevor ich wegdämmerte kam mir zu all meinen Sorgen noch Ju in den Sinn. Unter anderen Umständen hätte ich wahrscheinlich an nichts anderes mehr denken können, als daran meinem Idol so nahe gewesen zu sein, aber hier war nichts mehr normal. Doch ich musste mir eingestehen, dass Ju nur ein kurz aufgeflammter Lichtblick in meiner stockdunklen Finsternis gewesen war. Er war immer noch eine Inspiration für mich, aber selbst ein Treffen reichte mir nicht aus um mir zu helfen, das hatte noch nie irgendjemand geschafft. Nichts außer vielleicht der kuschlige Pulli gab mir jetzt gerade ein winziges bisschen Halt, und so zog ich ihn mir bis hoch unter die Nase und atmete seinen Duft tief ein.

 

Als ich wieder aufwachte, tat mir alles weh, weil ich mich auf der dünnen Decke auf dem Holzboden zu sehr verlegen hatte und sofort erinnerte ich mich wieder an   Ju´s Bett, es war perfekt gewesen. Überraschenderweise funktionierte die Wasserzufuhr noch und ich konnte mich gründlich abwaschen. Dann raffte ich mein Zeug wieder zusammen und verließ das Haus unbemerkt. Ich hatte mir überlegt zuerst zu alten Gewohnheiten zurück zukehren und mich rund um den Dom und im Untergrund umzuhören, es wurden immer Leute für kleine Arbeiten für ein bisschen Geld gebraucht und vielleicht konnte ich bei einem dieser Gestalten auch gelegentlich bleiben, egal was ich dafür tun musste. Ich war nicht zimperlich. Es dauerte gefühlte Stunden bis ich endlich ein paar Typen der alten Gruppe wiedergefunden hatte, sie lungerten klischeemäßig in einer Unterführung herum und rauchten. "Hey Prinzessin, lang nicht mehr gesehen!" grinste Steve mich an und der war noch einer von den Nettesten. "Ja ich bin wieder da, und brauche Arbeit, mir egal was." Jetzt lachten auch die anderen schmierigen Männer "Och die Lady sucht Arbeit und hat sich noch nicht mal für ihr verschwinden entschuldigt." "Das ist kein Witz!" keifte ich ihn an:"Entweder ihr habt was für mich, oder ich bin weg." "Ist ja schon gut, du musst doch nicht mit mir diskutieren." Steve kam ein paar Schritte auf mich zu während sich seine Freunde hinter ihm zusammen rotteten. "Du kennst doch noch die alte Halle von früher?! Luck hat da ein kleines Lager. Er braucht immer wieder Mädchen um die Ware unters Volk zu bringen." "Is gut Danke für die Info." damit verschwand ich und tauchte ein paar Minuten später in dem beschriebenen Gebäude wieder auf. Hier hatte ich auch schon mal gewohnt und seit der letzten Razzia hatte es Luck wohl in Besitz genommen. Den kannte ich auch noch von vor einem halben Jahr, äußerlich ein ruhiger Typ, aber er unterhielt einen Großteil der Rotlichtclubs mit den neuesten Partydrogen, und das nicht zu knapp. Seine hübschen Frauen verteilten die erste Runde und der Nachschub kostete dann extra, die gewöhnliche Masche. Wenn man hübsch war, verdiente an einem Abend schon ziemlich gut, denn Luck bezahlte nach Menge. Ich fand ihn hinter einem Vorhang aus Plastik in dem Obergeschoss aus kahlen Batonwänden, wie er kleine weiße Tabletten in durchsichtige Tütchen abfüllte. "Hey." sagte ich und kam auf ihn zu. Er fuhr erst erschrocken hoch und zog dann sofort eine schwarze Pistole aus seinem Hosenbund, die er erst wieder weglegte, als  er mich im Türrahmen sah. "Prinzessin kannst du nicht anklopfen? Du hast mich zu Tode erschreckt, du weißt doch ganz genau wie die Bullen hier drauf sind!" Aber ich musste nur Lachen. Luck war nicht ganz so kalt und wir kannten uns schon ewig. Er war immer ein Schatten hinter mir und gab mir für ein bisschen Arbeit fast immer eine neue Perspektive und Geld. "Schön dass du immer noch so bist wie ich dich verlassen hab." "Schön dass du zurückgekommen bist, wo warst du so lang.?" "Das Jugendamt hat mich in ein Heim gesteckt, aber als ich dann 18 geworden bin, war ich sofort da weg. Jetzt grade bin ich wohl obdachlos und pleite, also brauch ich Hilfe. Hast du was?," "Für dich doch immer, aber du weißt nicht umsonst, so reich bin ich nicht." "Ist mir schon klar." "Gut, hier." er gab mir ein paar der verpackten Drogen. "Du weißt ja wo und wies läuft…und, pass auf dich auf! Du bist jetzt volljährig und kannst für eine ziemlich lange Zeit ins Gefängnis gehen." Er griff für ein paar Sekunden nach meiner Hand und sah mir tief in die Augen, die die gleiche Farbe wie seine hellbraunen Haare hatten. Ein wenig verwirrt erwiderte ich:"keine Sorge ich lass mich nicht mehr verarschen. Bis dann." "Ok aber wir sehen uns wieder!" "Ja natürlich! Spätestens wenn ich mein Geld abhole." Er lächelte und wandte sich wieder seinem Job zu, ich beschloss etwas zu essen und mich irgendwo kurz zum Schlafen nieder zulassen, denn ich hatte höllische Kopfschmerzen von letzter Nacht.

 


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