Frühjahr 2005- The Bed: Our Paradise And Our War Zone

Frei sein, heißt wählen können, wessen Sklave man sein will.

                                                                                                                   

                                                                                                                - Jeanne Moreau

 

Scharf bog er mit quietschenden Reifen ab, als er mit überhöhter Geschwindigkeit durch Saint Berkaine heizte. Noch vor einer halben Stunde hatte er einen Auftrag hinter sich gebracht (jener war nicht der Rede wert, da die Sache mit einem gekonnten Kopfschuss erledigt gewesen war) und war nun auf dem Weg nach Hause.

Patton Massey nutzte einen Weg über die weniger befahrenen Straßen am Rande der Stadt, denn so war er deutlich schneller. Er wusste, dass seine Route ihn auch in die Nähe des prunkvollen Heimes seiner Kollegin Ophelia führen würde.

Wahrscheinlich liegt die verwöhnte Prinzessin noch im Bett und hält ihren Schönheitsschlaf. Gehässig schmunzelte er. Ich würde zu gerne ihr Gesicht sehen, wenn sie aufwacht und ich vor ihr stehe.

Der Ex-Soldat musste bei dem Gedanken, sie entsetzt zu sehen, heiter auflachen. Ophelia heute zu verärgern, führte ihn durchaus in Versuchung ihr einen spontanen Besuch abzustatten…

Kurzerhand entschied er tatsächlich bei ihr aufzutauchen und fuhr in ihre Straße. Der blonde Killer parkte gegenüber der luxuriösen Villa, schaltete den Motor ab und stieg aus seinem Mustang. Voller Vorfreude ließ er eilig das imposante Eingangstor hinter sich und schlenderte leichtfüßig und pfeifend zur Veranda.

Patton übersprang die wenigen Stufen und klingelte. Hohe, glockenähnliche Töne ertönten hinter der Tür, sowie hektische Schritte. Einen Augenblick später wurde ihm von der ihm bereits bekannten Hausangestellten die Tür geöffnet. Ihrem perplexen Blick nach zu urteilen, hatte sie keine Besucher am Morgen erwartet.

„Guten Morgen“, begrüßte er die Dame schelmisch und lehnte sich entspannt an den Türrahmen.

„Guten Morgen, Sir.“ Ein höfliches Lächeln zeichnete sich auf ihren Lippen ab. „Patton Massey war Ihr Name, nicht wahr?“, erkundigte sie sich, um sicher zu gehen, dass der Name, der ihr im Kopf herumschwirrte, korrekt war. Seine Antwort war ein einfaches Nicken.

„Was wünschen Sie?“

Ohne ein Wort huschte der blonde Killer blitzschnell an ihr vorbei und begab sich auf den direkten Weg zu Ophelias Schlafzimmer, da er sie schließlich zu dieser frühen Stunde noch im Bett vermutete.

„Was soll das?!“ Der Schock, der sein Verhalten bei ihr auslöste, war deutlich herauszuhören. Er ging unbeirrt weiter.

„Bleiben Sie stehen, Sir, Sie können da nicht rein.“ Patton stürmte trotz ihrer Einwände ungehindert ins Zimmer, das zu seiner Verwunderung verlassen war. Irritiert stand er mitten im Raum und musste erstmal seine Gedanken sortieren.

„Sir, ich bitte Sie die Räumlichkeiten von Miss Monroe umgehend zu verlassen“, gab die Hausangestellte erbost von sich und stemmte die Hände in die Hüften. Er stellte seine Ohren auf Durchzug und ignorierte ihr Gekeife, denn was wollte sie schon gegen ihn ausrichten?

Nach einem abwertenden Blick auf die klein geratene Frau ging er seiner nächsten Vermutung im Bezug auf den Aufenthaltsort seiner Kollegin nach und schlug die Richtung zum angrenzenden Badezimmer ein.

„Bleiben Sie stehen!!!“

Hinter sich vernahm er die hastigen Trippelschritte der Hausangestellten, die sich verzweifelt bemühte ihn noch einzuholen, doch sie schaffte es nicht und konnte nicht verhindern, dass er ungeniert ins Badezimmer platzte, wo Ophelia in einer freistehenden Barockbadewanne mit massiven Füßen aus glänzendem Chrom lag.

„Es tut mir Leid, Miss Monroe, aber dieser Mann ist einfach ins Haus gestürmt und…“, begann sie mit angsterfüllter Stimme und erbleichtem Gesicht, aber die junge Killerin unterbrach sie mit einer herrischen Gebärde.

„RAUS! Verschwinden Sie, Sie dummes, unnützes Stück“, schrie Ophelia tollwütig und fletschte die Zähne. Die ältere Dame verbeugte sich daraufhin zitternd und unterwürfig, bevor sie sich zurückzog.

Patton hatte die Szene schweigend beobachtet. Nun näherte er sich der Badewanne und hatte sie dabei stets im Blick. Die dunkelbraunen Haare waren locker zu einem Dutt gebunden, sodass einige Strähnen ihr bildschönes Gesicht einrahmten. Die einfallende Morgensonne ließ sie erleuchten und machte sie zu etwas Unantastbarem; etwas Himmlischen.

Ein gefallener Engel, der in die Hölle abgestiegen ist und sich unschuldig lächelnd an den Qualen der Menschen ergötzt, dachte er amüsiert, als er sich vor Ophelia aufbaute, die alles andere, als begeistert über sein Erscheinen war. Die großen Augen blickten ihn missfällig an, die in Perfektion vollendeten Lippen waren verzogen zu einer Mischung aus Belustigung und Empörung, als könne sie sich nicht entscheiden, welches Gefühl bei seinem Anblick überwog.

Schnell verflüchtigte sich bei ihr dieser Hauch von Verwirrung und sie entschied sich, ihn auf ihre unmissverständlich spöttische Art zu begrüßen.

„Wieder ein unangekündigter Besuch, Mr. Massey“, rügte sie ihn und genehmigte sich einen kräftigen Schluck aus ihrem Martiniglas, das neben ihr auf einem Beistelltisch seinen Platz gefunden hatte. Unablässig ruhte ihr düsterer Blick auf ihm, was ihn jedoch in keinster Weise aus der Ruhe brachte, denn er wusste genau, wie er mit der Widerspenstigkeit der dunkelhaarigen Schönheit umzugehen hatte.

„Und schon wieder ein unfreundlicher Empfang, Miss Monroe“, konterte er daher souverän und feixte spitzbübisch. Sie verdrehte bloß die Augen und fuhr mit der Zunge langsam über ihre Lippen, um jeden Tropfen Alkohol aufzunehmen, aber auch, um ihn mit dieser Geste, da war er sich sicher, zu locken und in Versuchung zu führen.

Patton musste zugeben, dass ihn der Anblick seiner jungen, attraktiven Kollegin durchaus in Erregung versetzte. Dazu kam das Wissen, dass sich ihr nackter, begehrenswerter Körper unter dem Wasser befand und nur von einer dünnen Schicht aus weißem Badeschaum bedeckt wurde.

„Also…was willst du schon wieder hier?“, kam sie auf die wichtigste Information für sie zu sprechen.

„Ich war in der Nähe und hatte Sehnsucht nach dir.“ Lässig und provokant zugleich stützte er seine Hände auf den Badewannenrand und grinste frech. Ophelias Gesichtszüge entgleisten bei seinem schlechten Scherz.

„Sehr witzig, Massey“, war ihr bockiger Kommentar, bevor sie ihn mit Wasser bespritzte. Sowohl sein Gesicht, als auch sein schwarzer Pullover, bekamen den Großteil ab. Zornig schnaubend presste er seine Lippen aufeinander und kämpfte mit seinen Aggressionen.

Dieses Miststück weiß genau, wie es mich zum Rasen bringt. Wieso kann sie sich nicht einmal mit mir unterhalten, ohne mich zu beleidigen, zu demütigen oder zu verspotten? Aber vielleicht ist es ein Spiel. Ein paradoxes Spiel, das sie gerne mit mir treibt, um zu sehen, wie weit sie gehen kann, bis meine Grenzen erreicht sind.

„Diese Spielereien kannst du lassen, Schätzchen, mich kannst du damit nicht reizen“, log Patton überzeugend. Zumindest war er dem Glauben unterlegen, dass seine Lüge für sie nicht erkennbar war, doch Ophelia schmunzelte verächtlich und zog eine ihrer feinen Augenbrauen in die Höhe.

„Ich kann dich reizen, wann immer ich es will, Massey, weil ich dich und dein Verhalten mit Leichtigkeit lesen kann. Du bist nicht fähig irgendetwas vor mir zu verbergen, daher weiß ich, wann ich dich zur Weißglut bringe.“ Ihre wohlklingende Stimme war durchzogen von Spott und Häme. Der Ex-Soldat knurrte erbost über ihre Unverschämtheit, ihn als durchschaubaren Idioten hinzustellen.

„Du bist ein überhebliches Biest, Monroe“, zischte er wütend und verstärkte automatisch seine Griffe um den Wannenrand.

„Ach wirklich?“, fragte sie gespielt entsetzt und trank erneut von ihrem Martini. „Und dabei war ich der festen Überzeugung, dass dich meine verzogene Art anturnt, Patton.“ Seinen Vornamen aus ihrem Mund zu hören, war ein überaus seltenes Privileg und bereitete ihm eine wohlige Gänsehaut.

„Besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass ich mich irre?“ Nachdenklich hatte sie die Stirn in Falten gezogen und ihren rechten Zeigefinger an die Unterlippe gelegt. Er entschied sich schweigsam zu bleiben, denn wenn er jetzt mit ihr sprach, dann würde sie die Erregung in seiner Stimme erkennen und recht behalten.

Die Mundwinkel seiner Kollegin wanderten nach oben, als sie sich mit einer fließenden Bewegung hinkniete, wie er, mit den Händen abstütze und ihren Oberkörper aus der Wanne hob. Nun war sie mit ihm auf Augenhöhe und genoss seine Blicke, die unentwegt zu ihren festen Brüsten wanderten.

„Gefällt dir, was du siehst?“, säuselte sie verführerisch in sein linkes Ohr. Berauscht von ihrem entblößten Körper nickte er mechanisch.

„Du willst mich, Massey, und du würdest alles tun, um mich in diesem Moment zu ficken.“ Der warme Hauch ihres Atems streifte seinen Nacken und reizte seine feinen Härchen. Der blonde Killer befeuchtete gierig seine Lippen, während er seine großen Hände um ihre Brüste wölbte. Ophelia stöhnte entzückt, als seine Daumen ihre harten Brustwarzen umkreisten.

„Ich weiß, was dich scharf macht, Prinzessin.“ Er beugte sich vor und gab ihr einen groben Kuss.

„Und was sollte das sein?“ Sie schlug die Augen nieder und wartete gespannt auf seine Antwort. Patton entschied sich dafür Taten sprechen zu lassen. Er griff mit einer Hand in ihr nasses Haar und zog gewaltsam ihren Kopf zurück. Aus ihrer Kehle kam ein schmerzhaftes Jaulen, gepaart mit einem verlangenden Seufzer.

„Du stehst auf Schmerzen, Dominanz und Härte.“ Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, zog er seine Hand zurück und gab ihr eine kräftige Ohrfeige. Ein dünnes Rinnsal Blut floss aus ihrer Nase und tropfte ins Wasser. Ophelia schaute der roten Flüssigkeit gebannt zu, wie sie in Sekundenschnelle unter ihr verschwand. Sie schien fasziniert vom Anblick ihres eigenen Blutes, was in Patton ein mulmiges Gefühl hervorrief und ihn die Dunkelhaarige argwöhnisch betrachten ließ.

„Ophelia.“ Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und zwang sie dazu ihn anzusehen, statt ihr Blut.

„Entschuldige, Massey, aber meine Konzentration schweift ab, wenn ich Blut sehe. Vor allem, wenn es mein eigenes ist“, erzählte sie und grinste fanatisch. „Seit ich eine Killerin bin, sehe ich zumeist nur das Blut anderer Menschen und vergesse dadurch oft meine eigene Verletzlichkeit.“ In ihren Augen entstand eine beängstigende Leere. „Früher war das anders. Damals war es mein Blut, was ich täglich zu Gesicht bekam. Ich war diejenige, die an ihre körperlichen Grenzen getrieben wurde.“ Sie lächelte geheimnisvoll. „Und das ist der Grund, warum ich eine Vorliebe für Schmerzen habe.“ Ohne ein Zeichen des Zögerns gab sie zu, dass er mit seiner Einschätzung richtig lag.

„Du bist der Mann, dem es erlaubt ist mich zu quälen, Patton“, wisperte sie ihm ins Ohr. Dann biss sie sich unschuldig auf die Unterlippe und schaute ihn flehend an, als bitte sie ihn inständig darum sofort von ihm gepeinigt zu werden. Der Ex-Soldat strich behutsam mit seinem linken Handrücken über ihre Wange, ehe er rabiat ihre Kehle packte und zudrückte. Augenblicklich riss Ophelia ihre Augen auf und strahlte dabei eine unglaubliche Dankbarkeit aus. Patton erwiderte ihren tiefgründigen Blick und erhöhte den Druck auf ihren Hals. Mit der Zeit kam aus ihrem Mund ein Röcheln, dessen Klang ihm durch Mark und Bein ging und ihn erschaudern ließ.

„Ich werde dich quälen, bis du mich um Gnade anflehst, Prinzessin“, versprach er und küsste sie roh, dabei ließ er seine Hand sinken und ermöglichte es ihr endlich wieder zu atmen. Diese Freiheit nutzte seine Kollegin umgehend und schnappte gierig nach Luft, als er den Kuss unterbrach und seinen Kopf zurückzog.

„Ich nehme dich beim Wort“, sprach sie noch etwas atemlos mit zartrosanen Wangen. „Also enttäusch mich nicht.“ Ihre strenge Miene sagte ihm deutlich, dass er Konsequenzen zu erwarten hatte, wenn er seinem Versprechen nicht nachkam. Das absurde an diesem Gedanken war, dass die angesprochenen Konsequenzen im Gegenzug Schmerzen für ihn bedeuteten, wenn er ihr nicht genügend Schmerzen zufügte.

„Du weißt genau, was du willst“, fasste Patton zusammen. Ophelia nickte und schmunzelte verrucht.

„Ich will dich, Patton Massey“, hauchte sie verlangend gegen seine Lippen, was eine Erektion bei ihm auslöste. Unbeherrscht schlang er seinen linken Arm um ihre Wespentaille, zog sie in die Höhe und presste sie an sich. Die Nässe ihres Körpers drang ungehindert durch seine Kleidung und befeuchtete seine Haut. Mit gewaltiger Kraft hob er sie mit einem Ruck aus der Badewanne. Wasser ergoss sich auf seine Schuhe und die auf Hochglanz polierten Fliesen.

Der Ex-Soldat trug sie mit großen Schritten ins Schlafzimmer und legte sie aufs akkurat gemachte Bett. Er selbst blieb zunächst stehen und blickte auf seine nackte Kollegin herab. Diese räkelte sich vor ihm auf den taupefarbenen Laken und war bereit von ihm gefickt zu werden. Patton zog sich seinen Pullover über den Kopf und warf ihn zur Seite. Ophelia bekam funkelnde Augen, als er sich auch noch der verbliebenen Kleidungsstücke entledigte und nun in voller Pracht dastand.

„Gefällt dir, was du siehst?“, stellte er ihr dieselbe Frage, wie sie vorhin ihm.

„Oh ja.“ Gierig glitten ihre Finger seine Bauchmuskeln entlang. „Du machst mich so scharf“, säuselte die Brünette erregt und zog ihn zu sich herunter. Ein tiefes Stöhnen drang aus seinem Mund, als sie ihre langen Beine um seine Hüften schlang und ihm ihr Becken entgegenwölbte. Patton verstand ihr eindeutiges Zeichen und drang langsam und kraftvoll in sie ein. Seine Kollegin schlug lustvoll die Lider nieder, als seine Stöße an Schnelligkeit und Intensität zunahmen. Unerbittlich und schmerzhaft bohrten sich ihre manikürten Fingernägel in seinen Rücken und hinterließen brennende Wunden, die ihn in einen Rausch versetzten. Wild küsste er seine Kollegin, deren Zunge sich begierig in seinem Mund bewegte. Während des Kusses setzte sich Patton auf, wobei er sie mit nach oben zog. Ihr entschlüpfte ein Laut der Verblüffung und Erregung.

„Du weißt, wie man fickt“, hauchte sie ihm verrucht ins Ohr. „Du weißt, wie man mich fickt.“

Selbstgefällig grinste er, da ihre Worte seinem Ego ungemein schmeichelten.

„Da hast du Recht, Prinzessin“, war sein einfacher Kommentar, ehe er in ihren Nacken fasste und seine Lippen grob auf ihre presste. Der Ex-Soldat wollte ihr bloß das geben, wonach sie verlangte: Schmerz. Ophelia seufzte verlangend in den aggressiven Kuss hinein und biss ihm kräftig in die Unterlippe. Er spürte, wie die dünne, empfindliche Haut aufplatzte und frisches Blut sein Kinn hinab floss. Wutschnaubend umfasste ihre Oberarme und drückte gewaltsam zu, bis er ihre Knochen unter seinen Händen spürte. Seine Tat löste mädchenhaftes Gekicher aus, das ihm ihr wahres, junges Alter verdeutlichte. Durch ihre erwachsene Redensart und ernüchternde, negative Sicht auf die Welt geriet dies bei ihm regelmäßig in Vergessenheit.

„Ich will mehr, Massey“, befahl sie eindringlich und fuhr mit ihrer Zunge über sein blutbeflecktes Kinn. Der Geschmack seines Blutes ließ ihre Augen hell aufleuchten. Bevor er auf irgendeine Weise reagieren konnte, stieß sie ihn rabiat zurück aufs Bett. Nun lag der blonde Killer ausgestreckt da, während seine Kollegin ihren Dutt löste, sich rittlings auf seine Hüften setzte und ihm den Rücken zukehrte. In dieser Stellung hatte er einen hervorragenden Blick auf ihr nun offenes, seidiges Haar, das sich wie ein Fluss über ihren blassen Rücken ergoss.

Patton fasste mit beiden Händen automatisch an ihre zarten Oberschenkel und drang in sie ein. Ihr Stöhnen rollte wie eine gewaltige Welle über ihn hinweg und riss ihn in ein Meer aus Leidenschaft und Euphorie.

Er befand sich in einer Art vernebeltem Delirium, in dem er nach Lust und Laune Rhythmus und Tiefe seiner Stoßbewegungen variierte, was sie wiederum gellend aufschreien ließ. Seine Sinne waren geschärft, so war er in der Lage Gerüche, Geräusche und Berührungen intensiver wahrzunehmen, was ihn beinahe überforderte. Eine Unmenge von Eindrücken prasselte auf ihn ein; diese zu ordnen, kostete ihn seine gesamte Konzentration.

„Ohhh, Gott.“ Keuchend und zitternd kam Ophelia nach einigen Minuten zum Höhenpunkt, was er nur wie im Rausch wahrnahm. Mit verklärtem Blick sah er dabei zu, wie sie angestrengt und hektisch atmend ihre Haare auf eine Seite strick, ehe sie sich erschöpft neben ihn legte.

Erst, als ihre klebrige und erhitzte Haut ihn berührte, wurde sein Verstand wieder vollkommen klar. Der Ex-Soldat wandte sich zur Seite und studierte ihre Miene. Diese offenbarte eine Mischung aus Glückseligkeit und Trübsinn, was irritierend war. Er öffnete seinen Mund, um sie zu fragen, was los war, doch seine Kollegin kam ihm zuvor.

„Kennst du das Gefühl, etwas unglaublich intensiv zu erleben, zeitgleich aber auch ganz weit weg zu sein?“, fragte sie rätselhaft. Patton nickte, obwohl er keine Ahnung hatte, wovon sie sprach. Es war nicht das erste Mal, dass es den Anschein hatte, dass Ophelia ihre Umwelt, Emotionen und Mitmenschen völlig anders wahrnahm, als andere. Vielleicht hatte sie aber auch die Fähigkeit kleinste Nuancen einer Situation zu erfassen, die ihm im Verborgenen blieben.

„Wenn ich mit dir schlafe, fühle ich mich so, Massey. Es scheint, als wolle mein Verstand nicht den Umstand akzeptieren, dass ich mit dir ficke und schaltet sich aus diesem Grund aus. Mein Körper hingegen schreit nach dir und will dich nicht loslassen“, sinnierte die Brünette mit dem Anflug eines irren Lächelns, als wisse sie, dass ihre Worte verwirrend waren.

„Deinem dümmlichen Blick nach zu urteilen, fragst du dich gerade, worüber ich da zur Hölle rede.“ Sein verdutzter Gesichtsausdruck und seine kurzweilige Sprachlosigkeit führten bei seiner Kollegen zu herzhaftem Gelächter. Patton brauchte noch ein paar Sekunden, um sich auf sie zu konzentrieren und seine Stimme wiederzufinden.

„Kannst du dich einmal mit mir unterhalten, ohne mich zu verspotten, Monroe?“, knurrte er verärgert.

„Nein, denn so finde ich es viel amüsanter.“ Sie drehte sich auf den Bauch, stützte das Kinn auf die rechte Hand und schenkte ihm einen Seitenblick, der ihm die Hitze durch die Adern pulsieren und ihre frechen Worte vergessen ließ. Statt sie harsch zurechtzuweisen, was sie eigentlich verdient hatte, küsste er sie fordernd. Ophelia legte ihre Hände an seine markante Kieferpartie, dabei pieksten ihre manikürten Fingernägel in seine Haut und fühlten sich an wie Nadelstiche.

„Du kannst von Glück sprechen, dass du so unverschämt heiß bist und dich dadurch einer Strafe entziehen kannst, sonst hätte ich dir für deinen beleidigenden Spruch die Zunge rausgerissen“, machte er seiner Wut, die doch noch nicht völlig verflogen war, deutlich Luft. Er konnte ihre Respektlosigkeit unmöglich stehen lassen. Patton hasste es, wenn er nicht den gebürtigen Respekt erhielt, ganz besonders von einer Frau. Deshalb musste er dafür sorgen, dass dies zukünftig nie wieder vorkam. Er würde dieses Ziel auch eines Tages bei ihr erreichen, denn in ihm existierte ein klitzekleiner Funken Hoffnung, dass er Ophelia Monroe zu einer Frau erziehen könnte, die ihn vergötterte; die seinem Anspruch ausnahmslos gerecht wurde und ihn endlich seinem Ansehen entsprechend behandelte…

„Hast du schon vergessen, dass ich auf Bestrafungen versessen bin?“, brach ihr schmollender Tonfall brutal seine Gedanken ab. „Mach dein Versprechen wahr und lass deinen Worten Taten folgen, verdammt!“ Um ihn zu provozieren und aus der Reserve zu locken, kratzte sie seitlich sein Gesicht entlang. Brennende Spuren waren das Ergebnis ihres Angriffs und entstellten sein gutes Aussehen. Patton Massey schäumte vor rasendem Zorn.

„Na warte, durchgeknalltes Flittchen“, schimpfte er Speichel spuckend und kräftig schnaubend. Geschwind drehte er sie auf den Rücken, setzte sich auf sie und presste seine Handballen gegen ihren Kehlkopf.

„Du willst bestraft werden?“ Er erhöhte den Druck auf ihre Luftröhre. Das Gesicht seiner jungen Kollegin lief allmählich blau an. „Du hast keine Vorstellung, was es heißt von mir gequält zu werden.“ Eine Hand verblieb an ihrem Hals, während die andere zu einer kräftigen Ohrfeige ausholte und auf ihre rechte Wange traf. Klatsch.

Frisches Blut floss aus ihrer Nase und bahnte sich langsam seinen Weg zu ihrem Kinn. Er grinste teuflisch, als ihr Leben nur noch am seidenen Faden hing und sie erbärmlich röchelte.

„Ich bin dir überlegen, Schätzchen“, verkündete er triumphal und arrogant. „Dein Fehler ist, dass du meine, aber auch deine eigenen Kräfte stets unterschätzt. Du glaubst Schmerzen gut aushalten zu können, doch da liegst du falsch. Nur, weil dein Vater dich verprügelt hat, bist du nicht immun gegen meine Macht und Stärke. Ich bin ein ganz anderes Kaliber, als dein Daddy.“ Der blonde Killer zog seine Hände weg, aber nicht, um sie vor dem Erstickungstod zu bewahren, sondern um sie nach seiner Fasson weiter zu peinigen.

In einer einzelnen fließenden Bewegung stieg er von ihr herunter, packte ihre Handgelenke und zog sie vom Bett. Ophelia schlug ungesund atmend auf dem harten Parkett auf. Sekunden vergingen, in denen er über ihr stand und dabei zusehen, wie sie geschwächt auf dem Boden krauchte, wie ein wertloses Insekt. Ich werde dich zerquetschen, Ophelia; emotionslos und mit voller Härte.

Sein Höhenflug dauerte an und verhinderte, dass er die drohende Gefahr übersah, denn die dunkelhaarige Schönheit, hatte ihren Kampfgeist nicht verloren. In ihren blau-grünen Augen loderte ein imposantes Feuer, als sie wie ein wildes Tier zum Angriff überging. Mit ihrem linken Bein trat sie gnadenlos gegen sein Knie, was ihn ins Wanken brachte und sie sich zu nutze machte. Mit ungeahnter Entschlossenheit schoss sie in die Höhe und verpasste ihm unzählige Hiebe. Jeder Schlag war ein Treffer. Patton hatte gar nicht die Möglichkeit sich zu verteidigen, geschweige denn zu atmen. Pausenlos attackierte sie ihn mit hochroten Wangen. Ihre Fäuste prasselten wie ein heftiger Regenschauer auf ihn ein: Blut spritzte, Knochen knackten, angestrengte Atemzüge erklangen.

Der Ex-Soldat wollte gegen ihren Gewaltausbruch intervenieren, bekam ihre Hände jedoch nicht zu fassen, so schnell agierte sie.

„HÖR AUF, MONROE!“, brüllte er Ophelia an. Jene kam gar nicht auf die Idee ihm zu gehorchen, sondern steigerte sich zunehmend in ihre Raserei hinein. Er hatte endgültig genug von der Brünetten und ihrem hysterischen Ausraster.

Blitzschnell wich er zwei Schritte zurück, griff sich den nächstbesten Gegenstand (es war eine gusseiserne Nachttischlampe) und zog sie ihr über den Kopf. Mit einem ohrenbetäubenden Krachen stürzte sie zu Boden. Nach den hektischen Lauten ihres Kampfes herrschte nun eine unheimliche Stille, die erdrückend war. Vor seinen Füßen lag Ophelia, bewusstlos und mit einer blutenden Kopfverletzung. Obwohl sein Zorn ihn unverändert fest umklammert hielt, trat er an seine Kollegin heran und hob sie hoch. Ihr schlaffer, schmaler Körper war federleicht und keine Last für ihn. Mit einem großen Schritt überwand er die Blutlache auf dem Parkett und kehrte ins Badezimmer zurück. Dort fiel ihm die Badewanne auf, in der sich noch das Wasser befand, das sie eingelassen hatte und mittlerweile eiskalt sein musste. Ungerührt und mit einem bitterbösen Grinsen tauchte er Ophelia unter. Kaum kam sie mit der Nässe und Kälte in Berührung, erwachte sie zum Leben. Panisch riss sie unter der Wasseroberfläche die Augen weit auf und starrte ihn direkt an. Bevor sie sich orientieren konnte, hob er sie aus der Wanne heraus. Klitschnass und unter Schock stehend, lag sie in seinen muskulösen Armen.

„Was sollte das?“, zischte Ophelia gefährlich leise.

„Du warst ohnmächtig und das war der schnellste und effektivste Weg dich aus deiner Bewusstlosigkeit zu holen“, begründete er wie selbstverständlich, ehe er sie auf den Badewannenrand setzte. Da er nicht mit Sicherheit sagen konnte, dass es ihr wieder gut ging, hielt er sie an den Oberarmen fest. Immerhin hatte ihre Platzwunde aufgehört zu bluten und sie machte auf ihn einen klaren Eindruck.

Seine Kollegin schnaubte empört und schürzte die zittrigen Lippen.

„Soll ich dir jetzt auch noch dankbar dafür sein, Massey?“ Unkontrolliert wand sie sich in seinem stahlharten Griff, um ihn abzuschütteln. „Du hast mich beinahe erschlagen. Du hast meinen Tod in Kauf genommen, weil du verzweifelt warst. Da du mich nicht mit fairen Mitteln stoppen konntest, hast du betrogen.“ Ihr Blick war düster und rachsüchtig; ihre sonst feine, sirenenartige Stimme krächzte tief.

„Du bist ein mieser, hinterhältiger Betrüger“, höhnte sie und konnte dabei wieder lächeln. Patton schwieg entschieden und dachte über ihre Worte nach. Er würde es zwar nie vor ihr zugeben, aber sie hatte Recht. Er hatte gegen eine Frau verloren. Eine Frau, die eigentlich noch ein Kind war.

Dass er zu der Nachtischlampe gegriffen hatte, demonstrierte seine Schwäche, was ihn selbst mehr quälte, als sie. Dennoch versuchte er den starken, überlegenen Mann zu präsentieren, um sich keine Blöße zu geben.

„Hat es dir etwa die Sprache verschlagen?“ Ophelias Frage befreite ihn aus seinem eisernen Schweigen.

„Ich weiß, dass es nichts bringt mit dir zu diskutieren, meine Liebe“, schlug er einen ruhigen und versöhnlichen Ton an. Er wollte die letzten zehn Minuten einfach vergessen, als sei zwischen ihnen nie etwas vorgefallen. Sie setzte eine nachdenkliche Miene auf, die zeigte, dass sie ihre Optionen abwog: War sie ebenfalls bereit zu vergessen oder wollte sie weiterhin in seinen Wunden herumbohren?

Ihre Entscheidung fiel, die sie mit einem unvorhersehbaren, flüchtigen Kuss besiegelte. Patton war erleichtert, dass diese Eskalation keine weiteren Konsequenzen seinerseits nach sich zogen. Ophelia küsste ihn erneut, dieses mal etwas länger. Anschließend beugte sie ihren nackten Oberkörper zaghaft nach vorne.

„Solltest du es noch einmal wagen mein Leben in Gefahr zu bringen, dann schlitze ich dir die Kehle auf, Patton Massey“, hauchte sie ihm verschlagen ins Ohr. Emotionslos nahm er ihre Drohung hin, gleichzeitig musste er jedoch kräftig schlucken.

Mit Ophelia Monroe zu Spaßen war der größte Fehler, den man begehen konnte und dies würde er nie wieder leichtfertig tun.

 

 

 

 

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beta
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