Gefühle

"Bitte vergib meinem Bruder Krul. Er hat sich nicht gerade freundlich verhalten", meinte Mika und senkte seinen Kopf, als die Vampirkönigin aufstand. "Kein Grund zur Sorge. Ich habe schon so etwas erwartet", antwortete sie sanft. Dann legte sie ihre Hand an sein Kinn und hob seinen Kopf wieder an, so dass er sie ansah. "Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist Mika", flüsterte sie und umarmte ihn. Der junge Vampir sah sie überrascht an. "Krul…", begann er, doch das Mädchen unterbrach ihn. "Ich habe mir Sorgen gemacht. Täglich habe ich gehofft, dass John endlich mit Neuigkeiten auftauchen würde. Ich dachte, dass sie euch erwischt hätten." Sie löste sich von ihm und lächelte ihn so sonnig an, dass Mika fast zu Staub zerfiel. "Ich war nicht ehrlich zu dir und auch nicht zu mir", fuhr sie fort. "Ich dachte, dass ich dich nur gerettet habe, weil du dein Seraph bist, aber während den Jahren, die wir zusammen verbracht haben, ist mir klar geworden, dass ich…dass ich mehr für dich fühle." Mika sah sie mit großen Augen an. "Wird…wird das funktionieren?", fragte er und sie sah ihn verwirrt an. Der Junge wusste nicht so recht, wie er seine Gedanken möglichst harmlos ausdrücken konnte. Er mochte Krul sehr gerne. Über die Jahre hatte er begonnen, sie als mehr zu betrachten, als nur seine Königin. Er hatte begonnen Gefühle für sie zu entwickeln, doch er hatte immer gedacht, dass ihr Rangunterschied es unmöglich machen würde. "Nun ja, der Altersunterschied", meinte er plötzlich. Dann merkte er, was ihm gerade herausgerutscht war und schlug sich mit beiden Händen auf den Mund. Hatte er das gerade wirklich gesagt? Was für ein Unsinn, er wollte ablenken und nicht eine solch bescheuerte Aussage tätigen. Er machte sich auf einen freundschaftlichen Hieb gefasst. Doch er blieb aus. Stattdessen begann Krul zu lachen. "Es sind nur zweitausend Jahre", meinte sie kichernd und Mika konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Er war ein Vampir, also wäre ein Altersunterschied wirklich unbedeutend. Unsterblichkeit brachte den interessanten Nebeneffekt mit sich, dass das Alter egal wurde. "Mika…ich liebe dich", flüsterte Krul und Mika lächelte. "Und ich liebe dich", antwortete er leise. Das Mädchen trat verlegen von einem Fuß auf den anderen und sah plötzlich tatsächlich so aus, als wäre es nur zwölf Jahre alt. "Ich…ich habe nicht wirklich Erfahrung damit", stotterte sie. "Was machen wir jetzt?" Der Junge grinste und kam näher an sie heran. "Nun ja, wir könnten es mit einem Kuss besiegeln", flüsterte er und Krul wurde rot. "O-Okay, dann…dann machen wir das", stammelte sie und kam ihm ebenfalls näher. Sie schlossen ihre Augen und überbrückten die letzten paar Zentimeter, die zwischen ihnen waren. Doch anstatt des Kusses spürten sie etwas hartes, an dem sie abprallten. Sie öffneten ihre Augen wieder und erkannten, dass es ihre Fangzähne waren, die gegeneinandergestoßen waren. "Oh, das tut mir leid", riefen sie beide gleichzeitig, dann sahen sie sich fassungslos an, nur um gleich darauf in schallendes Gelächter auszubrechen. "Wir sind wohl beide zu blöd", meinte Krul, als sie sich beruhigt hatte. Mika verbeugte sich tief vor ihr. "Das ändert nichts an meinen Gefühlen für Euch Mylady", meinte er und sie sah ihn glücklich an. "Ich muss zu einem Ratstreffen", meinte sie. "Aber ich verspreche dir, nächstes Mal werde ich es besser machen." Mika schmunzelte schelmisch. "Ich freue mich schon darauf“, meinte er. Passierte das hier gerade wirklich? Ja das war real, er träumte das nicht. Und doch konnte er es kaum glauben. Plötzlich kam Krul an ihn heran und küsste ihn auf seine Wange. "Ich freue mich auch", flüsterte sie in sein Ohr, dann verschwand sie mit einem Lächeln im Gesicht und ließ Mika alleine zurück. Der junge Vampir stand noch einige Minuten da, bevor er in die Realität zurückfand. "Ich fasse es nicht", flüsterte er. Es war alles so schnell gegangen und doch war es passiert. Seine Gedanken kreisten. Sollte er Yuu davon erzählen? Vielleicht lieber nicht. Vielleicht sollte er lieber warten, bis sich sein Bruder hier eingelebt hatte. Mit einem Lächeln berührte er die Stelle, an der Krul ihn geküsst hatte, dann machte er sich auf den Weg zurück zu seinem Quartier.

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